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	<title>Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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		<title>Tradition, Familie und Vertreibung</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Oct 2026 13:13:51 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Jüdische Tradition trifft auf den Wunsch nach Selbstbestimmung, große Gefühle auf eine Welt, die sich gerade grundlegend verändert. Mit „Anatevka“ bringt das Theater Lüneburg einen Musicalklassiker auf die Bühne, der heute vielleicht aktueller wirkt, als man es sich wünschen möchte. Jasper Brandis setzt dabei auf eine klassische Erzählweise und ein starkes Ensemble – verschenkt aber ...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Jüdische Tradition trifft auf den Wunsch nach Selbstbestimmung, große Gefühle auf eine Welt, die sich gerade grundlegend verändert. Mit „Anatevka“ bringt das Theater Lüneburg einen Musicalklassiker auf die Bühne, der heute vielleicht aktueller wirkt, als man es sich wünschen möchte. Jasper Brandis setzt dabei auf eine klassische Erzählweise und ein starkes Ensemble – verschenkt aber gerade im ersten Akt einiges an Tempo.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-3902 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-2-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-2-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-2-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-2-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-2-1536x1025.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-2-2048x1366.jpg 2048w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Das Musical erzählt vom jüdischen Milchmann Tevje und seiner Familie im osteuropäischen Dorf Anatevka. Die Bewohner leben in einer Welt, die von Armut, Religion, Familie und überlieferten Regeln geprägt ist. Die Familie ist das Zentrum des jüdischen Lebens, die Rollen sind klar verteilt. Der Vater hat das letzte Wort, die Mutter kümmert sich um Haushalt und Kinder, und Traditionen geben Orientierung in einer Welt, die ansonsten wenig Sicherheit bietet.</p>
<p>Doch ausgerechnet Tevjes Töchter beginnen, diese Ordnung infrage zu stellen&#8230;</p>
<p>Dass die Geschichte in einem osteuropäischen jüdischen Schtetl spielt, ist dabei keineswegs nur Kulisse. Die jüdische Lebenswelt ist eng mit der Handlung verbunden. Auch die Musik greift diese Welt auf: Klezmer, die traditionelle instrumentale Festmusik osteuropäischer jüdischer Gemeinschaften, trifft auf die Musicaltradition des amerikanischen Broadway.</p>
<p>Das Programmheft beschreibt Klezmer als Musik, die ursprünglich vor allem bei Hochzeiten und religiösen Festen erklang und sich durch die wechselnden kulturellen Einflüsse Osteuropas immer weiterentwickelte. Mit der Auswanderung vieler osteuropäischer Juden in die USA gelangte auch diese Musik über den Atlantik und entwickelte sich dort unter anderem zu einer eigenständigen Tanz- und Festmusik. Diese Einflüsse hört man auch in „Anatevka“.</p>
<p>Das Bühnenbild von Barbara Bloch wirkt auf den ersten Blick erstaunlich schlicht. Eine große Rückwand ist mit Türen, Fensterläden und Schranktüren bestückt. Je nach Szene entstehen daraus Räume, ein Geschäft oder ein Bett – die Bühne verwandelt sich, ohne dass neue Kulissen hereingeschoben werden.</p>
<blockquote><p>Eine kreative Lösung, die vor allem eines schafft: Klarheit.</p></blockquote>
<p>Auch die Kostüme folgen diesem Prinzip. Männer tragen Schwarz und Dunkelgrau, Frauen Grau und Blau-Grau, Jungen Braun und Beige, die Mädchen Beige und Lindgrün. Die Farbwelten unterscheiden die Gruppen voneinander und unterstreichen gleichzeitig die konservative, von Traditionen geprägte Lebenswelt Anatevkas.</p>
<p>Weniger überzeugend ist allerdings die Idee, die Türen und Öffnungen nicht nur als Kulissenelemente zu benutzen. Die Figuren klettern immer wieder hinein und heraus. Das wirkt manchmal eher bemüht als originell. Weniger wäre hier durchaus mehr gewesen.</p>
<h4><img decoding="async" class="size-medium wp-image-3901 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-3-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-3-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-3-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-3-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-3-1536x1025.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-3-2048x1366.jpg 2048w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Tevje &#8211; ein Mann im Wandel</h4>
<p>Im Mittelpunkt steht Tevje. Und Mario Ramos gehört zu den großen Pluspunkten dieser Produktion, bringt er die Sorgen und Nöte des Milchmanns doch in jeder Sekunde glaubhaft über die Rampe.</p>
<p>Tevje spricht immer wieder mit Gott. Diese Zwiegespräche könnten leicht zu einer statischen Angelegenheit werden. Ramos macht daraus jedoch intime Momente. Er sucht den direkten Blickkontakt mit dem Publikum, nimmt die Zuschauer regelrecht mit in seine Gedanken und macht die Figur dadurch ausgesprochen nahbar.</p>
<p>Auch gesanglich überzeugt er. Seine Stimme funktioniert sowohl in den leisen als auch in den kraftvollen Passagen, wobei er mit dem musikalischen Druck bemerkenswert kontrolliert umgeht.</p>
<p>Man nimmt ihm Tevje ab: den liebenden Vater, den gläubigen Juden, den selbstbewussten „Herrn im Haus“ – und zunehmend den Mann, der merkt, dass seine bisher so sicher geglaubte Welt nicht mehr funktioniert.</p>
<p>Tevjes Frau Golde, gespielt von Daniela Kiefer, ist dabei keineswegs nur die geduldige Ehefrau an seiner Seite. Sie führt ein ziemlich klares Regiment im Haushalt und wirkt ausgesprochen sympathisch.</p>
<p>Die Töchter wirbeln in der Familie einiges durcheinander: Jente, die Heiratsvermittlerin, möchte Zeitel mit dem Fleischer Lazar verheiraten. Zeitel liebt allerdings Mottel, den Schneider. Hodel verliebt sich in den revolutionär gesinnten Perchik und schließlich wagt auch Chava den Schritt aus der traditionellen jüdischen Welt heraus.</p>
<p>Das Grundthema des Musicals wird damit sehr schnell deutlich: <strong>Wie viel Tradition kann und sollte eine Familie bewahren, wenn die nächste Generation ihre eigenen Entscheidungen treffen und sich weiterentwickeln möchte?</strong></p>
<h4><img decoding="async" class="size-medium wp-image-3896 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-11-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-11-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-11-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-11-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-11-1536x1025.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-11-2048x1366.jpg 2048w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />„Match Maker“ – braucht es das wirklich?</h4>
<p>Lavinia Husmann gibt Jente als ausgesprochen überdrehte Heiratsvermittlerin. Das kann durchaus amüsant sein, ist stellenweise aber auch anstrengend.</p>
<p>Wenn Zeitel und ihre Schwestern sich über Jente und ihre Vermittlungsversuche lustig machen, erklingt (im Original) mit „Match Maker“ einer der bekannten Songs des Musicals. Ein schöner Klassiker – für die eigentliche Handlung allerdings nicht zwingend erforderlich.</p>
<p>Überhaupt hat &#8222;Anatevka&#8220; immer wieder mit solchen Momenten zu kämpfen: Einzelne Szenen sind durchaus unterhaltsam, bremsen aber den dramaturgischen Fluss. Der Lüneburger Inszenierung allein würde ich dieses Manko nicht zuschreiben wollen.</p>
<p>Das gilt beispielsweise aber auch für das Shabbat-Gebet, das sehr klassisch und ausgesprochen ausführlich inszeniert wird. Das ist zweifellos wertschätzend gegenüber der dargestellten jüdischen Tradition. Für das Publikum kann der Bogen allerdings durchaus überspannt werden.</p>
<p>Zum Glück gibt es den Chor des Theater Lüneburg, der einmal mehr großartig ist. Schon bei „<a href="https://www.musicals-online.com/zwischen-rache-wahnsinn-und-schwarzem-humor/">Sweeney Todd“</a> durfte man erleben, wie stark das Ensemble als Ganzes sein kann – und auch in „Anatevka“ ist der Chor häufig das musikalische Rückgrat der Produktion.</p>
<p>Gerade dort, wo einzelne Szenen etwas lang geraten, sorgt die akustische Gemeinschaft auf der Bühne für Energie.</p>
<p>Das gilt auch für die Hochzeit von Zeitel und Mottel. Die Männer und Frauen stehen zunächst räumlich strikt voneinander getrennt. Der eigentliche Hochzeits-Song entwickelt zunächst wenig Dynamik. Dann kommt der Tanz mit den Flaschen auf den Hüten – und der zieht sich leider ebenfalls. Choreografisch bleibt vieles eher überschaubar.</p>
<p>Bis Perchik die Regeln bricht&#8230; Paarweises Tanzen ist in dieser Welt eine Sünde. Perchik setzt sich darüber hinweg und tanzt mit Hodel. Sie küssen sich. Der Aufschrei ist groß, die Anarchie nimmt ihren Lauf – und irgendwann tanzen plötzlich alle.</p>
<p>Eine kleine Szene, die wunderbar zeigt, was „Anatevka“ im Kern erzählt: Eine Generation beginnt, die Regeln der vorherigen infrage zu stellen.</p>
<h4><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3900 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-7-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-7-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-7-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-7-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-7-1536x1025.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-7-2048x1366.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Wenn ein „Traum“ die Traditionen vergessen lässt</h4>
<p>Tevje und Lazar haben eine besondere Beziehung, den eigentlich mögen sie sich nicht besonders, da der arme Milchmann und der reiche Fleischer in &#8222;unterschiedlichen Ligen spielen&#8220;.</p>
<p>Aufgrund einer vielversprechenden Gelegenheit, die die Heiratsvermittlerin angebahnt hat, verspricht Tevje dem Fleischer seine älteste Tochter Zeitel. „Zum Wohl! / L&#8217;Chaim!“ sorgt für gute Laune. Die Showeinlage wirkt allerdings etwas ungelenk und chaotisch. Hier wäre etwas weniger vermutlich ebenfalls mehr gewesen.</p>
<p>Als der Schneider Mottel anschließend um deren Hand anhält, steckt Tevje in einem klassischen Dilemma: Tradition gegen die Liebe seiner Tochter. Er braucht Zeit, um seine Entscheidung mit sich selbst und Gott auszumachen.</p>
<p>Und dann kommt Tevjes großer Trick: Um Golde davon zu überzeugen, der Hochzeit von Zeitel und Mottel zuzustimmen, erfindet er einen Traum. Darin tauchen Goldes verstorbene Großmutter und die tote Frau des Fleischers auf. Es wird herumgeisternd gedroht, gewarnt und lamentiert, bis Golde schließlich überzeugt ist und selig einschläft. Eine völlig überzogene Szene – und gerade deshalb eine der komischsten des Abends.</p>
<h4>Und plötzlich ist die Welt nicht mehr wie sie war</h4>
<p>Während Tevje sich mit den Liebesgeschichten seiner Töchter herumschlägt, kündigt sich längst die viel größere Katastrophe an. Der russische Constable warnt ihn vor Pogromen und Vertreibungen. Doch Tevje ist zu sehr mit seiner Familie beschäftigt, um sich wirklich damit auseinanderzusetzen.</p>
<p>Das ist einer der bitteren Punkte der Geschichte: Die Bedrohung ist da. Sie wird ausgesprochen. Und trotzdem geht das alltägliche Leben weiter. Denn zunächst gibt es wichtigere Dinge.</p>
<p>Zeitel wird heiraten. Hodel verliebt sich. Tevje muss Entscheidungen treffen. Und er muss sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass seine Töchter erwachsen werden.</p>
<p>Das Finale 1. Akt ist ungewöhnlich ruhig, aber dennoch dramatisch. Im zweiten Akt wird aus der familiären Veränderung endgültig eine existenzielle.</p>
<p>Das Orchester und der Leitung von Peter Foggitt spielt famos zum Entr’acte auf &#8211; und sorgt damit für einen jener Momente, in denen man wieder einmal daran erinnert wird, warum Musical am Theater eben nicht nur aus Schauspiel und Gesang besteht. Das anwesende Publikum quittiert dessen großartige Leistung durch angeregtes Gerede. Es ist und bleibt bedauerlich, dass sinkende Wertschätzung auch im Theater allgegenwärtig ist.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3897 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-10-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-10-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-10-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-10-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-10-1536x1025.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-10-2048x1366.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Zwei Monate sind in der Handlung vergangen. Zum Leidwesen von Tevje haben sich Hotel und Perchik ohne seine Erlaubnis verlobt, aber sie erbitten seinen Segen, was ihm sehr sehr schwer fällt.</p>
<p>Nach 25 Jahren Ehe stellt Tevje plötzlich die große Frage: Liebt Golde ihn eigentlich? In „Ist es Liebe?“ wird er für seine viel beschäftigte Frau kurzerhand zur Wäscheleine – und versucht auf seine ganz eigene Art herauszufinden, ob zwischen ihnen tatsächlich Liebe besteht.</p>
<p>Das ist gleichermaßen komisch und berührend. Und vielleicht einer der zeitlosesten Momente des Musicals. Denn auch wenn sich die äußeren Lebensumstände verändern: Die Frage, was eine langjährige Beziehung eigentlich zusammenhält, bleibt erstaunlich modern.</p>
<h4>Wenn Tradition zur unüberwindbaren Grenze wird</h4>
<p>Hodel und Perchik gehen ihren eigenen Weg. Perchik reist nach Kiew, um „die Welt zu verändern“. Hodel möchte ihm folgen. Als später bekannt wird, dass Perchik verhaftet wurde und in Sibirien im Gefängnis sitzt, macht sie sich schließlich auf den Weg zu ihm.</p>
<p>Dann kommt Chava. Sie liebt Fedja. Doch Fedja ist kein Jude.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3898 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-9-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-9-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-9-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-9-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-9-1536x1025.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/10/Anatevka_PressecMarc-Lontzek-9-2048x1366.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Hier endet Tevjes Bereitschaft zur Veränderung. Während er bei seinen älteren Töchtern noch über seinen Schatten springen konnte, ist diese Grenze für ihn nicht überschreitbar. Man spürt förmlich, wie Tevje zwischen seiner Liebe zu seiner Tochter und seinen religiösen Überzeugungen zerbricht. Mario Ramos spielt diese Zerrissenheit herausragend. Seine Wut, seine Verletzung und gleichzeitig die offensichtliche Liebe zu seiner Tochter sind im gesamten Saal spürbar. Das ist einer der stärksten Momente des Abends.</p>
<p>Chava läuft schließlich davon. Und für Tevje gehört sie fortan nicht mehr zur Familie.</p>
<h4>Plötzlich ist Heimat nur noch Erinnerung</h4>
<p>Die private Tragödie ist jedoch nur ein Teil dessen, was sich über Anatevka zusammenbraut: Am Ende kommt die offizielle Anordnung: Die Bewohner müssen ihre Häuser verkaufen und das Dorf innerhalb von drei Tagen verlassen.</p>
<p>Und hier bekommt „Anatevka“ eine beklemmende Aktualität.</p>
<p>Die Menschen reden sich die Vertreibung zunächst schön. In Anatevka sei ja ohnehin nicht viel los. Man packt seine Sachen. Einige gehen nach Amerika, andere suchen ihr Glück in anderen Städten.</p>
<p>Was dabei irritiert, ist die beinahe erschreckende Ruhe, mit der die Menschen ihr Schicksal hinnehmen.</p>
<p>Gerade aus heutiger Sicht wirkt diese Gelassenheit befremdlich. Die Bedrohung ist offensichtlich. Die Menschen verlieren ihre Heimat. Familien werden auseinandergerissen. Und trotzdem scheint das Leben einfach weiterzugehen.</p>
<p>Vielleicht ist es der Glaube.</p>
<p>Vielleicht die Kraft der Familie und Gemeinschaft.</p>
<p>Vielleicht aber auch die Unfähigkeit, sich vorzustellen, dass die eigene Welt tatsächlich untergehen könnte.</p>
<h4>Ein starkes Ensemble – mit kleinen Längen</h4>
<p>Musikalisch ist die Produktion über weite Strecken ausgesprochen stark. Peter Foggitt führt die Lüneburger Symphoniker sicher durch Bocks Partitur. Auch der Chor trägt die Produktion ganz wesentlich.</p>
<p>Bei den Solisten ist vor allem Mario Ramos hervorzuheben. Sein Tevje ist präsent, humorvoll, verletzlich und schließlich zutiefst erschüttert. Daniela Kiefer gibt Golde eine angenehme Eigenständigkeit, während Andrea Marchetti als Mottel mit „Wunder“ einen wunderschönen Moment bekommt, der allerdings dramaturgisch etwas abseits des eigentlichen Spannungsbogens steht.</p>
<p>Schön ist auch zu sehen, dass viele Nachwuchsdarsteller:innen, die man aus dem Lüneburger T3 kennt, nun auch regelmäßig am Großen Haus spielen und sich auf keinen Fall verstecken müssen. Zu nennen sind hier Nike Just, Pia Naegeli, Leo J. Ehmke oder Anton Frederik von Mansberg.</p>
<p>Überhaupt könnte „Anatevka“ an einigen Stellen etwas Straffung vertragen. Gerade im ersten Akt gibt es mehrere Szenen, die sich länger anfühlen, als sie eigentlich sind.</p>
<p>„Anatevka“ ist über 60 Jahre nach seiner Uraufführung noch immer eines der meistgespielten Musicals überhaupt. Das liegt sicher an den bekannten Songs. Es liegt aber auch daran, dass das Musical eine Geschichte erzählt, die sich nicht auf eine romantische Folklorewelt reduzieren lässt.</p>
<p>Es geht um Tradition. Um Familie. Um Religion. Um Selbstbestimmung. Und um die Frage, was passiert, wenn eine Gesellschaft Menschen plötzlich zu Fremden in ihrer eigenen Heimat macht.</p>
<p>Das Theater Lüneburg erzählt diese Geschichte weitgehend klassisch und ohne sie künstlich zu modernisieren. Das ist eine gute Entscheidung. Denn die Geschichte selbst ist stark genug. Manchmal vielleicht sogar zu stark.</p>
<p>Denn ausgerechnet das Ende bleibt erstaunlich unaufgeregt. Obwohl die Bewohner gerade ihre Heimat verlieren, obwohl Pogrome und Vertreibung angekündigt wurden und obwohl die Bedrohung aus heutiger Sicht unbestreitbar ist, endet „Anatevka“ beinahe genügsam.</p>
<p>Vielleicht ist genau das die eigentliche Stärke dieses Schlusses. Die Menschen gehen. Sie nehmen mit, was sie tragen können. Und der Fiedler spielt weiter.</p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #000080;">Michaela Flint</span></p>
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<div class="text-content style_External_270_124">
<p><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Theater Lüneburg</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Besuchte Vorstellung: </span></strong><span class="Bold">3</span><span class="Bold">. Oktober 2026</span><span class="Bold"><br />
<strong>Darsteller: </strong></span>Mario Ramos, Daniela Kiefer, Paula Rohde, Nike Just, Pia Naegeli, Lavinia Husmann, Andrea Marchetti, Anton Frederik von Mansberg, Karl Schneider, Leo J. Ehmke</span><br />
<span class="Bold" style="color: #000080;"><strong>Regie / Choreographie: </strong>Jasper Brandis / Hakan T. Aslan<br />
<strong>Fotos: </strong>Marc Lontzek</span></p>
</div>
</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Zwischen Rache, Wahnsinn und schwarzem Humor</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/zwischen-rache-wahnsinn-und-schwarzem-humor/</link>
		
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		<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 11:51:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
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		<category><![CDATA[Aleksandra Nygaard]]></category>
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					<description><![CDATA[„Sweeney Todd“ am Theater Lüneburg ist ein musikalisch verstörendes Meisterwerk – und in der Lüneburger Inszenierung vor allem dann stark, wenn sie ihren Figuren Raum lässt Es gibt Musicals, die unterhalten wollen. Und es gibt Musicals, die ihr Publikum herausfordern. „Sweeney Todd“ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Stephen Sondheims Musical über den teuflischen Barbier aus ...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 class="PDq2pG_selectionAnchorContainer" dir="auto" data-section-id="eyfjgc" data-start="50" data-end="226">„Sweeney Todd“ am Theater Lüneburg ist ein musikalisch verstörendes Meisterwerk – und in der Lüneburger Inszenierung vor allem dann stark, wenn sie ihren Figuren Raum lässt</h3>
<p dir="auto" data-start="228" data-end="948">Es gibt Musicals, die unterhalten wollen. Und es gibt Musicals, die ihr Publikum herausfordern. „Sweeney Todd“ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Stephen Sondheims Musical über den teuflischen Barbier aus der Fleet Street ist düster, grausam und musikalisch alles andere als leicht zugänglich. Dass Sondheim sein Werk selbst als „schwarze Operette“ bezeichnete, ist dabei mehr als eine hübsche Umschreibung. Die Grenzen zwischen Musical und Oper verschwimmen immer wieder, die Musik kommentiert, verdichtet und treibt die Handlung voran. Das Theater Lüneburg wagt sich mit seiner Inszenierung von Olaf Schmidt an genau diese sperrige Seite des Werkes heran. Und das ist gut so.</p>
<p dir="auto" data-start="950" data-end="1062">Denn „Sweeney Todd“ ist keine Geschichte, die sich mit einer einfachen Einteilung in Gut und Böse zufriedengibt.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="50ew51" data-start="1064" data-end="1099">Ein Barbier, der zum Rächer wird</h4>
<p dir="auto" data-start="1101" data-end="1683">Benjamin Barker kehrt nach 15 Jahren Gefängnis unter dem Namen Sweeney Todd nach London zurück. Richter Turpin hat ihn einst unschuldig aus dem Weg räumen lassen, um sich seine Frau Lucy und seine Tochter Johanna anzueignen. Nun will Todd Rache. Zunächst gilt sie Turpin. Schon bald aber wird aus dem gezielten Rachefeldzug ein wahlloses Morden. Gemeinsam mit Mrs. Lovett, die in Todd nicht nur einen Geschäftspartner, sondern den Mann ihrer Träume sieht, entwickelt er ein makabres Geschäftsmodell: Aus den Opfern des Barbiers werden Pasteten.</p>
<p dir="auto" data-start="1685" data-end="1731">Das klingt grotesk. Und genau das ist es auch.</p>
<p dir="auto" data-start="1733" data-end="2263">Sondheim und sein Librettist Hugh Wheeler verbinden die Rachegeschichte mit einer bitteren Gesellschaftskritik. London ist eine Stadt der Gewinner und Verlierer. Menschen werden eingesperrt, ausgebeutet oder einfach beseitigt. Richter Turpin und Büttel Bamford gehören zu jener Seite der Gesellschaft, die ihre Macht nicht nur besitzt, sondern sie hemmungslos ausnutzt. Johanna wird buchstäblich zum Besitz des Richters. Tobias wiederum ist ein Junge, der zwischen den Fronten landet und bei Mrs. Lovett eine Ersatzfamilie findet.</p>
<p dir="auto" data-start="2265" data-end="2299">Und mittendrin steht Sweeney Todd.</p>
<p dir="auto" data-start="2301" data-end="2430">Ist er ein Mörder? Ein Rächer? Ein Opfer? Oder irgendwann einfach nur noch ein Mann, der die Kontrolle über sich selbst verliert?</p>
<p dir="auto" data-start="2432" data-end="2579">Die Lüneburger Inszenierung gibt darauf keine einfache Antwort. Das passt zu einem Stück, dessen Figuren kaum in Schwarz und Weiß einzuteilen sind.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="93o4kf" data-start="2581" data-end="2639"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3887 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-4-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-4-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-4-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-4-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-4-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-4-2048x1366.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Ein klassischer Blick auf Sondheims „schwarze Operette“</h4>
<p dir="auto" data-start="2641" data-end="2956">Regisseur und Choreograph Olaf Schmidt inszeniert „Sweeney Todd“ vergleichsweise klassisch. Das ist vielleicht gerade deshalb bemerkenswert, weil Sondheims Musik selbst schon genügend Irritation bereithält. Sie ist komplex, häufig dissonant und verlangt sowohl Sängerinnen und Sängern als auch Orchester einiges ab.</p>
<p dir="auto" data-start="2958" data-end="3005">Sondheim ist und bleibt musikalisch verstörend. Immer wieder scheinen Gesang und Orchester gegeneinander zu laufen. Das ist kein Fehler, sondern Teil der musikalischen Konstruktion. Gleichzeitig macht genau diese Musik das Stück anstrengend. Sie lässt sich nicht einfach konsumieren. Sie verlangt Aufmerksamkeit.</p>
<p dir="auto" data-start="3273" data-end="3488">Die Lüneburger Inszenierung versucht nicht, diese Sperrigkeit künstlich zu glätten. Stattdessen darf die Musik ihre Wirkung entfalten. Das ist besonders dann stark, wenn die Figuren emotional an ihre Grenzen kommen.</p>
<p dir="auto" data-start="3490" data-end="3955">Auch der Chor trägt wesentlich dazu bei. Bereits beim Opening zeigt sich, wie gut der Chor einstudiert ist. Einzelne solistische Momente sind nicht immer gleichermaßen überzeugend, in seiner Gesamtheit entwickelt der Chor aber eine große Wirkung. Dass er nicht nur musikalischer Hintergrund bleibt, sondern immer wieder kommentierend in die Handlung eingreift, verstärkt den Eindruck einer Gesellschaft, die das Geschehen beobachtet und gleichzeitig Teil davon ist.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="1aa2ij8" data-start="3957" data-end="4032">Thomas Borchert: ein Sweeney Todd zwischen Verzweiflung und Verbitterung</h4>
<p dir="auto" data-start="4034" data-end="4233">Mit Thomas Borchert übernimmt ein Musicaldarsteller die Titelrolle, der seit Jahrzehnten zu den prägenden Künstlern des deutschsprachigen Musicaltheaters gehört.</p>
<p dir="auto" data-start="4316" data-end="4768">Optisch wirkt Borchert für die Rolle vielleicht etwas zu alt. Gerade weil Todd ein Mann ist, der nach 15 Jahren Gefangenschaft zu seinem früheren Leben zurückkehrt, entsteht dadurch eine gewisse Distanz zur Figur. Interessanterweise verschwindet diese Distanz in manchen Dialogen fast vollständig. Dann klingt Borchert erstaunlich jung, verzweifelt und verletzlich – und eben nicht wie der verbitterte, berechnende Rächer, als den man ihn sich zunächst vorstellt.</p>
<p dir="auto" data-start="4770" data-end="5015">Gesanglich überzeugt er vor allem dort, wo Todd seine ganze innere Zerrissenheit zeigen kann. Bei „Mein Freund“ fehlt seiner Interpretation allerdings stellenweise der nötige Druck. Das starke Vibrato nimmt dem Stück etwas von seiner Intensität.</p>
<p dir="auto" data-start="5017" data-end="5291">Auch „Pretty Women“, das Duett mit Richter Turpin, bleibt musikalisch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Beide Stimmen wirken hier zu leise und zu wenig intensiv. Ob daran zumindest teilweise die auch in anderen Inszenierungen schon negativ aufgefallene Tontechnik beteiligt ist, lässt sich aus dem Zuschauerraum schwer beurteilen.</p>
<p dir="auto" data-start="5293" data-end="5496">Und trotzdem funktioniert Borcherts Todd. Denn je weiter der Abend voranschreitet, desto deutlicher wird, dass hier kein souveräner Racheengel unterwegs ist, sondern ein Mensch, der sich selbst verliert.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="d8oqoj" data-start="5498" data-end="5548">Navina Heyne ist die heimliche emotionale Mitte</h4>
<p dir="auto" data-start="5550" data-end="5644">Wenn es eine Figur gibt, die den Abend immer wieder menschlich erdet, dann ist es Mrs. Lovett. Navina Heyne gibt ihr eine außergewöhnliche Wärme. Ihre Stimme ist schön, ihre Ausstrahlung liebevoll, und genau das macht diese Figur so interessant. Denn Mrs. Lovett ist keine eindimensionale Komplizin. Sie erkennt Sweeney Todd sofort als Benjamin Barker und verliebt sich gleichzeitig hoffnungslos in ihn.</p>
<p dir="auto" data-start="5956" data-end="6300">Dass sie für Todd mehr empfindet als nur geschäftliche Sympathie, wird spätestens in „By the Sea“ deutlich. Heyne legt so viel Wärme in diesen Song, dass man beinahe vergessen könnte, wie makaber die Situation eigentlich ist. Sie träumt von einem gemeinsamen Leben am Meer – während das Publikum längst weiß, dass diese Hoffnung vergeblich ist.</p>
<p dir="auto" data-start="6302" data-end="6640">Auch das Zusammenspiel von Heyne und Borchert gehört zu den stärkeren Momenten des Abends. Besonders „Prelat“ gelingt wunderbar. Die beiden begegnen sich hier frech, hemdsärmelig und mit sichtbarer Spielfreude. Der Versuchung, die beiden in dieser Szene einen Walzer tanzen zu lassen, wurde glücklicherweise widerstanden. Musikalisch naheliegt, aber szenisch total unpassend. So bleibt die Szene genau dort, wo sie hingehört: zwischen Komik und Abgründigkeit.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="1h6e3es" data-start="6727" data-end="6773">Ein Richter als selbsternannter Sonnenkönig</h4>
<p dir="auto" data-start="6775" data-end="7032">Steffen Neutze zeichnet Richter Turpin als ausgesprochen unangenehme Figur. Das beginnt bei seinem Auftreten und setzt sich bis ins Kostüm fort. Seine Selbstinszenierung als eine Art Sonnenkönig von London wird beispielsweise durch seine &#8222;Barockpumps&#8220; und den Pelzmantel unterstützt.</p>
<p dir="auto" data-start="7034" data-end="7292">Noch erschreckender ist die Szene, in der Turpin Lucy beim Maskenball vergewaltigt. Die Inszenierung macht aus diesem Moment keinen beiläufigen Bestandteil der Vorgeschichte, sondern konfrontiert das Publikum unmittelbar mit dem Machtmissbrauch des Richters.</p>
<p dir="auto" data-start="7294" data-end="7370">Gerade dadurch wird verständlich, weshalb Todd zunächst als Opfer erscheint. Aber eben nur zunächst. Denn Sweeney Todd überschreitet selbst immer mehr Grenzen. Die Menschen, die auf seinem Rasierstuhl landen, sind längst nicht nur diejenigen, an denen er Rache nehmen wollte. Viele sind schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort.</p>
<p dir="auto" data-start="7629" data-end="7689">Die Grenze zwischen Opfer und Täter beginnt zu verschwimmen.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="bchhzo" data-start="7691" data-end="7741">Joana, Tobias und die Sehnsucht nach Freiheit</h4>
<p dir="auto" data-start="7743" data-end="8063">Lavinia Husmann gibt Joana eine bemerkenswert klare Stimme. Schon körperlich wird ihre Gefangenschaft sichtbar. Wenn sie bei Turpin auf dem Stuhl hockt, erinnert ihre Haltung an eine sich gerade öffnende Dahlie oder Rose. Ein schönes Bild für eine junge Frau, die eigentlich erblühen möchte und doch festgehalten wird.</p>
<p dir="auto" data-start="8065" data-end="8258">Husmann macht gleichzeitig deutlich, wie unwohl Joana sich in Turpins Gegenwart fühlt. Ihre Stimme gibt der Figur eine Stärke, die über die reine Funktion als Tochter und Liebende hinausgeht.</p>
<p dir="auto" data-start="8260" data-end="8523">Auch Leo Ehmke als Tobias gelingt eine interessante Zeichnung. Sein Tobias wirkt jungenhaft und klar. Dadurch entsteht sofort ein Beschützerinstinkt beim Publikum. Besonders „Not While I&#8217;m Around“ funktioniert deshalb emotional sehr gut.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="wscalm" data-start="8525" data-end="8575"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3886 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-3-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-3-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-3-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-3-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-3-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-3-2048x1366.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Pirelli, Bamford und die Kunst der Nebenfiguren</h4>
<p dir="auto" data-start="8577" data-end="8658">Auch die Nebenfiguren profitieren von einer insgesamt sehr genauen Personenregie.</p>
<p dir="auto" data-start="8660" data-end="8945">Pirelli darf herrlich überdreht sein. Jürgen Brehm spielt den italienischen Barbier angenehm klischeehaft und mit sichtbarer Spielfreude. Gleichzeitig gelingt es ihm, auch die verschlagene Seite der Figur glaubwürdig zu zeigen. Dadurch wird aus der vermeintlichen Karikatur eine runde Figur.</p>
<p dir="auto" data-start="8947" data-end="9120">Büttel Bamford dagegen ist genau so unangenehm, wie er sein muss. Marcus Billen verleiht ihm eine Erscheinung, bei der man schon beim Auftreten lieber Abstand halten möchte.</p>
<p dir="auto" data-start="9122" data-end="9456">Und dann ist da Anthony Hope. Andrea Marchetti verfügt über einen wunderbar warmherzigen Tenor und überzeugt an diesem Abend besonders. Seine Stimme bleibt sauber und kontrolliert in den Tönen. Gemeinsam mit Navina Heyne, Lavinia Husmann und Aleksandra Nygaard gehört er für mich zu den gesanglich stärksten Sängern des Abends.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="pm3n81" data-start="9458" data-end="9497">Wenn aus Mord plötzlich Komödie wird</h4>
<p dir="auto" data-start="9499" data-end="9591">&#8222;Sweeney Todd“ ist grausam. Es ist blutig. Und es ist an erstaunlich vielen Stellen komisch. Das ist einer der großen Kunstgriffe Sondheims.</p>
<p dir="auto" data-start="9642" data-end="9987">Wenn die Gäste im Pie Shop die Pasteten verspeisen, während das Publikum längst weiß, was darin steckt, entsteht eine makabre Form von Humor. In Lüneburg wird diese Absurdität konsequent ausgespielt. Teilweise vielleicht sogar etwas zu exzessiv: Das Schlecken an den Pasteten wirkt eher wie Eisessen als wie der Versuch, herzhaft hineinzubeißen.</p>
<p dir="auto" data-start="9989" data-end="10030">Trotzdem funktioniert der schwarze Humor.</p>
<p dir="auto" data-start="10032" data-end="10382">Auch das Blut wird zum wiederkehrenden Bühneneffekt. Über dem Vorhang aus Plastikstreifen im Hintergrund läuft Blut, wenn Sweeney seine Kunden in den Tod schickt. Mit einer anderen Hintergrundgestaltung oder einer stärkeren Projektion hätte sich daraus vermutlich noch mehr herausholen lassen. Aber auch so erschrickt das Publikum jedes Mal aufs Neue.</p>
<p dir="auto" data-start="10384" data-end="10507">Und genau darin liegt eine Stärke der Inszenierung: Sie nimmt den Horror ernst, ohne auf den schwarzen Humor zu verzichten.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="ey0w4" data-start="10509" data-end="10557">Eine Drehbühne, ein Rasierstuhl und viel Blut</h4>
<p dir="auto" data-start="10559" data-end="10733">Das Bühnenbild von Barbara Bloch setzt auf relativ einfache, aber funktionale Lösungen. Die manuell bewegte Drehbühne ist eine pfiffige Idee und funktioniert erstaunlich gut.</p>
<p dir="auto" data-start="10735" data-end="10944">Ab dem zweiten Akt bekommt Todds Raum dann auch den Rasierstuhl, den man aus der Geschichte kennt. Die Rutsche hinunter in den Keller ist dabei geschickt integriert und macht den makabren Mechanismus sichtbar.</p>
<p dir="auto" data-start="10946" data-end="11131">Überhaupt arbeitet die Inszenierung gern mit dem Konkreten. Sie erklärt die Geschichte nicht über spektakuläre Einfälle, sondern lässt die Figuren und die Musik ihre Wirkung entfalten.</p>
<p dir="auto" data-start="11133" data-end="11155">Das passt zu Sondheim. Denn „Sweeney Todd“ braucht eigentlich nicht viel. Ein Rasiermesser reicht.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="13d8hff" data-start="11235" data-end="11265">Das Grauen hinter der Rache</h4>
<p dir="auto" data-start="11267" data-end="11379">Die vielleicht größte Stärke des Abends liegt darin, dass sich die moralischen Grenzen immer weiter verschieben.</p>
<p dir="auto" data-start="11381" data-end="11499">Zu Beginn scheint die Sache klar: Sweeney Todd ist das Opfer, Turpin der Täter. Todd hat allen Grund, Rache zu nehmen. Doch irgendwann wird aus dem Opfer selbst ein Täter.</p>
<p dir="auto" data-start="11555" data-end="11874">Mrs. Lovett macht sich zur Komplizin, obwohl sie nicht aus Bosheit handelt. Sie ist verliebt, pragmatisch und will überleben. Tobias versucht, sich gegen die Erwachsenenwelt zu behaupten. Joana möchte schlicht frei sein. Turpin missbraucht seine Macht. Bamford unterstützt ihn. Und Todd verliert sich in seiner Rache.</p>
<p dir="auto" data-start="11876" data-end="11909">Wer ist hier eigentlich der Böse? Die Antwort ist unbequem: Es gibt nicht nur einen.</p>
<p dir="auto" data-start="11963" data-end="12231">Gerade deshalb funktioniert „Sweeney Todd“ auch heute noch so gut. Das Musical erzählt nicht einfach die Geschichte eines Mannes, der sich an seinem Peiniger rächt. Es erzählt davon, was aus einem Menschen werden kann, wenn er sein gesamtes Leben auf Rache ausrichtet.</p>
<p dir="auto" data-start="12233" data-end="12269"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3885 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-2-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-2-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-2-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-2-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-2-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-2-2048x1365.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Sweeney Todd bekommt keine Erlösung. Und das Publikum bekommt ebenfalls kein Happy End.</p>
<p dir="auto" data-start="12333" data-end="12715">Das Theater Lüneburg zeigt einen „Sweeney Todd“, der vor allem von seinem starken Ensemble, einer sorgfältigen Personenregie und der Bereitschaft lebt, Sondheims ungewöhnliche musikalische Sprache nicht zu vereinfachen. Die Inszenierung von Olaf Schmidt bleibt dabei angenehm klassisch und gibt dem Werk Raum, seine Wirkung selbst zu entfalten.</p>
<p dir="auto" data-start="12717" data-end="13055">Nicht jeder musikalische Moment überzeugt gleichermaßen. Gerade bei Sweeney Todd und Richter Turpin fehlt es stellenweise an Lautstärke und Intensität. Thomas Borchert wirkt zudem nicht immer wie die naheliegende Besetzung für diesen Todd. Dafür gelingt ihm in den stilleren und verzweifelteren Momenten eine interessante Seite der Figur.</p>
<p dir="auto" data-start="13057" data-end="13340">Besonders stark ist Navina Heyne als Mrs. Lovett. Sie macht aus der Pastetenbäckerin keine bloße schrullige Nebenfigur, sondern eine warmherzige, verliebte und zugleich pragmatische Frau. Auch Andrea Marchetti, Lavinia Husmann und Aleksandra Nygaard setzen starke Akzente.</p>
<p dir="auto" data-start="13342" data-end="13389">Am Ende bleibt vor allem ein Gefühl: Unbehagen. Und das ist bei „Sweeney Todd“ vermutlich genau richtig.</p>
<p dir="auto" data-start="13449" data-end="13792">Denn Sondheim wollte nie nur eine Geschichte vom bösen Barbier erzählen. Sein Musical zeigt eine Gesellschaft, in der Macht missbraucht wird, in der Menschen zu Opfern werden und in der aus einem Opfer selbst ein Täter werden kann. Die Lüneburger Inszenierung macht diese Ambivalenz sichtbar, ohne sie mit einer eindeutigen Antwort aufzulösen.</p>
<p dir="auto" data-start="13794" data-end="13924"><em>Sweeney Todd ist kein Musical über Gut und Böse. Es ist ein Musical darüber, wie schnell aus dem einen das andere werden kann.</em></p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #000080;">Michaela Flint</span></p>
<div id="id4" class="style_SkipStroke_4 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_270_124">
<p><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Theater Lüneburg</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Wiederaufnahme-Premiere: </span></strong><span class="Bold">27. September 2026</span><span class="Bold"><br />
<strong>Darsteller: </strong></span>Navina Heyne, Thomas Borchert, Andrea Marchetti, Lavinia Husmann, Aleksandra Nygaard, Steffen Neutze, Jürgen Brehm, Leo Ehmke</span><br />
<span class="Bold" style="color: #000080;"><strong>Regie / Choreographie: </strong>Olaf Schmidt<br />
<strong>Fotos: </strong>Jochen Quast</span></p>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Theatermagie zündet fast zu spät&#8230;</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/die-theatermagie-zuendet-fast-zu-spaet/</link>
		
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		<pubDate>Mon, 24 Aug 2026 18:11:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
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		<category><![CDATA[Zurück in die Zukunft]]></category>
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					<description><![CDATA[„1,21 Gigawatt? Mein Gott!“ – kaum ein Satz dürfte so eng mit einem Film verbunden sein wie dieser. „Zurück in die Zukunft“ gehört zu den großen Kultfilmen der 1980er-Jahre und hat Marty McFly, Doc Brown und den DeLorean längst zu Ikonen der Popkultur gemacht. Kein Wunder also, dass die Erwartungen an die Musicalfassung hoch sind. ...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„1,21 Gigawatt? Mein Gott!“ – kaum ein Satz dürfte so eng mit einem Film verbunden sein wie dieser. „Zurück in die Zukunft“ gehört zu den großen Kultfilmen der 1980er-Jahre und hat Marty McFly, Doc Brown und den DeLorean längst zu Ikonen der Popkultur gemacht. Kein Wunder also, dass die Erwartungen an die Musicalfassung hoch sind. Schließlich ist es nicht irgendeine Geschichte, die hier auf die Bühne gebracht wird, sondern ein Film, den viele Zuschauer Szene für Szene kennen.</p>
<p>Dabei ist die Idee, den Stoff auf die Musicalbühne zu bringen, keineswegs eine schnell zusammengezimmerte Verwertung des Erfolgsfilms. Bob Gale, Co-Autor der Filmtrilogie, verantwortet auch das Musical und behielt gemeinsam mit Robert Zemeckis die kreative Kontrolle. Alan Silvestri, der bereits die ikonische Filmmusik komponierte, entwickelte gemeinsam mit Glen Ballard die neuen Songs. Nach der Uraufführung 2020 in Manchester, dem Wechsel ans Londoner West End und weiteren Stationen am Broadway wurde am 22. März 2026 der Fluxkompensator in Hamburg aktiviert.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3865 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_ThePowerOfLove_RaphaelGross_cJohanPersson-400x267.png" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_ThePowerOfLove_RaphaelGross_cJohanPersson-400x267.png 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_ThePowerOfLove_RaphaelGross_cJohanPersson-768x512.png 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_ThePowerOfLove_RaphaelGross_cJohanPersson-1024x682.png 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_ThePowerOfLove_RaphaelGross_cJohanPersson-1536x1024.png 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_ThePowerOfLove_RaphaelGross_cJohanPersson.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />An der Handlung gibt es naturgemäß wenig zu rütteln. Marty McFly ist ein typischer Teenager der 1980er-Jahre, der mit seinen Eltern wenig anfangen kann und seine Freizeit lieber mit Skateboard und Rock’n’Roll verbringt. Als sein Freund Doc Brown ihm seine neueste Erfindung präsentiert, nimmt die Geschichte ihren Lauf: Der DeLorean ist zur Zeitmaschine umgebaut worden und Marty landet im Jahr 1955. Dort begegnet er nicht nur seinen Eltern als Teenager, sondern bringt durch sein Auftauchen auch die eigene Existenz in Gefahr. Denn wenn George und Lorraine sich nicht ineinander verlieben, wird Marty nie geboren. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.</p>
<p>Die Musicalfassung hält sich dabei sehr eng an den Film. Das ist für Fans sicherlich die richtige Entscheidung. Vieles ist vertraut, manches wird musikalisch erweitert und gelegentlich bekommt eine Figur etwas mehr Raum. So beginnt der Abend mit einem Ensemble, das sich redlich bemüht, gute Laune über die Rampe zu bringen. Fast schon ein bisschen zu sehr. Die anschließende Audition lässt dann allerdings anklingen, was möglich ist – und steigert die Erwartungen an den Abend.</p>
<p>Besonders schön funktioniert die Beziehung zwischen Marty und Jennifer. Wenn Jennifer ihren Freund nach der vermasselten Audition mit „Egal, was gescheh’n wird“ tröstet, sind die beiden einfach süß zusammen. Dass Raphael Groß und Sonya Lachmann auf ungewöhnliche Art auch stimmlich harmonieren, macht diese Momente umso sympathischer.</p>
<p>Für Marty läuft es allerdings zunächst alles andere als rund. Die Zurückweisung bei der Audition ist noch nicht verarbeitet, da muss er zuhause einmal mehr erleben, wie sein Vater von Biff Tannen (Samuel Hoi Ming Chung) drangsaliert wird. Marty zerfließt zunächst gehörig in Selbstmitleid – bis Doc Brown und seine Zeitmaschine ins Spiel kommen.</p>
<h2>„Es funktioniert!“ – und wie!</h2>
<p>Wenn Doc Brown den DeLorean präsentiert, ist die Bühne endgültig im „Zurück in die Zukunft“-Universum angekommen. „Es funktioniert“ ist mitreißend und unterstreicht gleichzeitig die sympathische Schrulligkeit des Wissenschaftlers. Marko Formanek gibt Doc genau die Mischung aus Begeisterung, Überdrehtheit und liebenswertem Wahnsinn, die man von dieser Figur erwartet.</p>
<p>Und dann geht es zurück ins Jahr 1955&#8230;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3867 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_TwinPinesMall_2_RaphaelGross_JanKersjes_cJohanPersson-400x267.png" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_TwinPinesMall_2_RaphaelGross_JanKersjes_cJohanPersson-400x267.png 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_TwinPinesMall_2_RaphaelGross_JanKersjes_cJohanPersson-768x512.png 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_TwinPinesMall_2_RaphaelGross_JanKersjes_cJohanPersson-1024x682.png 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_TwinPinesMall_2_RaphaelGross_JanKersjes_cJohanPersson-1536x1024.png 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_TwinPinesMall_2_RaphaelGross_JanKersjes_cJohanPersson.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Marty muss auch dort als Erstes feststellen, dass sich in 30 Jahren an den Machtverhältnissen zwischen Biff und George offenbar wenig geändert hat. Einer der schönsten musikalischen Momente des ersten Aktes gehört allerdings Goldie Wilson (Charles-Douglas Mitchell). In „Klein anfang’n“ spricht der Diner-Angestellte nicht nur sich selbst Mut zu, sondern auch George McFly (Eike Keller). Eine kleine Nummer mit einer großen Botschaft: Manchmal muss man einfach anfangen, an sich selbst zu glauben.</p>
<p>Weniger subtil geht es bei „Pretty Baby“ zu. Durch einen dummen Zufall verliebt sich Martys Mutter Lorraine in den Jungen, den sie für „Calvin Klein“ hält. Die Nummer bewegt sich hart an der Grenze zum Trash – und genau deshalb funktioniert sie zumindest als komischer Moment des Abends. Sandra Leitner spielt Lorraine überzeugend zwischen liebeshungriger Schülerin und wahlweise erschöpfter oder erfolgreicher Mutter. Dass sie diese verschiedenen Facetten glaubhaft zusammenbringt, gehört zu den Stärken der Besetzung.</p>
<p>Spätestens mit „Future Boy“ zeigt Raphael Groß, dass er sich die Figur des Marty McFly zu eigen gemacht hat. Und das ist durchaus bemerkenswert, denn die Fußstapfen von Michael J. Fox sind nicht gerade klein. Trotzdem ertappt man sich zu keinem Zeitpunkt dabei, den Filmstar zu vermissen. Groß spielt Marty nicht als Kopie, sondern findet seinen eigenen Zugang zu der Figur.</p>
<p>Das gilt überhaupt für die Besetzung: Sie ist durchweg gelungen. Die Rollen sind klar gezeichnet und die Darsteller verstehen es, die bekannten Figuren auf der Bühne lebendig werden zu lassen. Auch Samuel Hoi Ming Chung macht als Biff Tannen sehr deutlich, warum man diesen Typen schon im Film nicht leiden konnte.</p>
<p>Den zweiten Akt eröffnet Doc Brown mit „Was uns die Zukunft bringt“. Auch diese Nummer trieft vor einer Mischung aus Comedy, Trash und durchaus vorhandener Botschaft. Grenzwertig? Ja. Unterhaltsam? Ebenfalls ja.</p>
<p>Diese Gratwanderung zieht sich allerdings durch den gesamten Abend. Immer wieder stellt sich die Frage, wo genau die Macher eigentlich hinwollen: Ist das gerade eine klassische Musicalkomödie? Ein augenzwinkernder Nostalgietrip? Oder doch eher Slapstick? Die Grenzen sind fließend. Das ist nicht grundsätzlich schlecht. „Zurück in die Zukunft“ lebt schließlich von seinem Humor. Aber gelegentlich wirkt die Inszenierung, als würde sie sich nicht ganz entscheiden können, wie weit sie die Komik treiben möchte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3870 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_RaphaelGross_als_MartyMcFly_cJohanPersson-400x267.png" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_RaphaelGross_als_MartyMcFly_cJohanPersson-400x267.png 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_RaphaelGross_als_MartyMcFly_cJohanPersson-768x512.png 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_RaphaelGross_als_MartyMcFly_cJohanPersson-1024x682.png 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_RaphaelGross_als_MartyMcFly_cJohanPersson-1536x1024.png 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_RaphaelGross_als_MartyMcFly_cJohanPersson.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Sehr gelungen ist „Wer will der kann“: Marty versucht seinem Vater George ein wenig Selbstbewusstsein einzutrichtern und ihm Tipps zu geben, wie er Lorraine erobern kann. Schließlich hängt davon nicht weniger ab als Martys eigene Existenz. Die Nummer bringt diese absurde Ausgangslage sehr amüsant auf den Punkt.</p>
<p>Ein echter Ruhepol ist „Ein Hoch auf alle Träumer“. Doc Brown erinnert sich an bekannte und weniger bekannte Wissenschaftler und Forscher, die die Welt verändert haben. Hier bekommt die Figur einmal eine andere Facette und die Show etwas mehr Herz.</p>
<h2>Das größte Fragezeichen bleibt für mich die Musik</h2>
<p>Alan Silvestri und Glen Ballard haben für das Musical zahlreiche neue Songs geschrieben. Ergänzt werden diese durch die bekannten Hits „The Power of Love“, „Earth Angel“ und „Johnny B. Goode“. Die Songliste umfasst insgesamt 23 Nummern. Und genau hier liegt das Problem: Es sind zu wenige bekannte Songs.</p>
<p>Natürlich kann ein Musical nicht ausschließlich aus Hits des Films bestehen. Aber gerade bei „Zurück in die Zukunft“ gehört die Musik untrennbar zum Zeitgefühl und zur Identität des Films. Die neuen Nummern funktionieren auf der Bühne durchaus, schaffen es aber nicht immer, den Vibe und den Zeitgeist des Originals zu transportieren. Das spürt man leider auch an den (ausbleibenden) Reaktionen des Publikums.</p>
<p>Wenn dann bei „Johnny B. Goode“ endlich ein wirklich bekannter Song erklingt, spiegeln die Zuschauer dies unmittelbar: Sie sind begeistert, klatschen mit und feiern diesen Moment. Genau hier spürt man plötzlich, was diese Show musikalisch eigentlich könnte.</p>
<p>„The Power of Love“ sorgt später noch einmal für einen dieser vertrauten Momente, bevor „Back in Time“ die Show beschwingt abrundet.</p>
<p>Dass die Kostüme passen, ist bei einer Geschichte, die zwischen 1985 und 1955 hin- und herspringt, keine Nebensache. Die unterschiedlichen Jahrzehnte werden klar voneinander abgegrenzt und auch die Choreografien unterstützen das jeweilige Zeitgefühl. Aber all das ist am Ende nur die Vorbereitung auf das, worauf vermutlich jeder Zuschauer gewartet hat: die Zeitreise.</p>
<p>Die letzten 15 bis 20 Minuten sind pure Theatermagie!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3868 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_Uhrturm_JanKersjes_als_DocBrown_cJohanPersson-400x256.png" alt="" width="400" height="256" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_Uhrturm_JanKersjes_als_DocBrown_cJohanPersson-400x256.png 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_Uhrturm_JanKersjes_als_DocBrown_cJohanPersson-768x492.png 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_Uhrturm_JanKersjes_als_DocBrown_cJohanPersson-1024x655.png 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_Uhrturm_JanKersjes_als_DocBrown_cJohanPersson-1536x983.png 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_Uhrturm_JanKersjes_als_DocBrown_cJohanPersson.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Hier wird endlich alles aufgefahren, was eine große Musicalproduktion ausmacht: ausgeklügelte Technik, viel Licht, tolle Effekte, ein fliegendes Auto und brennende Reifenspuren auf der Straße. Der DeLorean wird zum Star der Show. Und genau so muss es sein!</p>
<p>Es ist erstaunlich, wie sehr sich die Show in diesen letzten Minuten noch einmal steigert. Gerade weil die Handlung durch den Film bekannt ist, muss die Bühne nicht mit überraschenden Wendungen punkten. Sie muss zeigen, wie sie das, was wir kennen, auf die Bühne bringt. Und hier liefert die Produktion ab.</p>
<p>Dass der DeLorean überhaupt so eng mit der Geschichte verbunden ist, ist übrigens eine ziemlich kuriose Erfolgsgeschichte. Der DMC-12 war vor dem Film ein kommerzieller Flop. Erst Robert Zemeckis und Bob Gale machten das Auto zur Zeitmaschine und damit zur Ikone. Heute ist der DeLorean aus der Bildsprache von „Zurück in die Zukunft“ nicht mehr wegzudenken.</p>
<p>Nachdem Marty dafür gesorgt hat, dass seine Eltern sich tatsächlich ineinander verlieben, geht es zurück ins Jahr 1985. Natürlich ist die Sache damit noch lange nicht erledigt. Denn seine Reise nach 1955 hat Spuren hinterlassen. Goldie Wilson ist Bürgermeister, George McFly ein bekannter Autor, Lorraine eine erfolgreiche Familienmanagerin und Biff Tannen plötzlich der Handlanger. Nur eine Frage bleibt: Wo ist Doc Brown?</p>
<p>Der taucht selbstverständlich standesgemäß aus der Zukunft auf und hat Marty einiges zu berichten – ausgerechnet mitten im Song „The Power of Love“. Die Geschichte wird also an dieser Stelle nicht ganz zu Ende erzählt&#8230;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3875 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_Zeitreise_RaphaelGross_cMattCrockett-400x266.jpg" alt="" width="400" height="266" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_Zeitreise_RaphaelGross_cMattCrockett-400x266.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_Zeitreise_RaphaelGross_cMattCrockett-768x511.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_Zeitreise_RaphaelGross_cMattCrockett-1024x681.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_Zeitreise_RaphaelGross_cMattCrockett-1536x1022.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/ZIZ_HH_Zeitreise_RaphaelGross_cMattCrockett.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />„Zurück in die Zukunft – Das Musical“ ist dann am stärksten, wenn es sich traut, groß zu sein. Die Besetzung stimmt, die Kostüme passen, die Choreografien funktionieren und spätestens bei den großen technischen Momenten zeigt die Produktion, warum ein solcher Stoff überhaupt auf die Musicalbühne gehört.</p>
<p>Raphael Groß überzeugt als Marty McFly und schafft das Kunststück, die Figur nicht einfach zu kopieren. Marko Formanek gibt Doc Brown die notwendige Schrulligkeit, Sandra Leitner macht Lorraine zu einer der interessanteren Figuren des Abends und auch die weitere Besetzung ist sehr überzeugend.</p>
<p>Schade ist allerdings, dass die neuen Songs den Geist des Films nicht immer treffen. Gerade weil „The Power of Love“, „Earth Angel“ und „Johnny B. Goode“ so unmittelbar funktionieren, wird deutlich, wie sehr die Show von den bekannten Songs profitiert. Ein paar mehr davon hätten dem Musical sicher gutgetan.</p>
<p>Auch die Mischung aus Komödie und Slapstick ist nicht immer ganz trennscharf. Manchmal fragt man sich, ob die Szene gerade bewusst überdreht sein soll oder ob sie einfach ein bisschen zu viel des Guten ist.</p>
<p>Aber dann kommt das Finale&#8230; Und spätestens wenn der DeLorean über die die Köpfe der Zuschauer fliegt, die Reifenspuren brennen und Licht und Technik miteinander verschmelzen, ist man wieder genau dort, wo man sein möchte: zurück in der Zukunft.</p>
<p>Und dafür hat sich die Reise dann doch gelohnt.</p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #000080;">Michaela Flint</span></p>
<p><span style="color: #000080;"><strong>Theater:</strong> Operettenhaus Hamburg<br />
<strong>Besuchte Vorstellung:</strong> 23. August 2026</span><span style="color: #000080;"><br />
<strong>Darsteller:</strong> Raphael Groß, Marko Formanek, Sandra Leitner, Eiko Keller, Samuel Hoi Ming Chung, Charles-Douglas Mitchell, Siegmar Tonk</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong>Regie / Choreografie:</strong> John Rando / Chris Bailey<br />
<strong>Fotos:</strong> Johan Persson</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Ab in den First Stage Wald</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/ab-in-den-first-stage-wald/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Aug 2026 19:49:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Neu]]></category>
		<category><![CDATA[First Stage Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Stage School]]></category>
		<category><![CDATA[Stage School of Music Dance and Drama]]></category>
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					<description><![CDATA[Stephen Sondheim ist nicht gerade für leichte Musical-Kost bekannt. Und seine Märchen-Adaption &#8222;Into the woods&#8220;, in der er zusammen mit James Lapine sämtliche Märchen-Klischees auf die Spitze treibt, bildet hier wahrlich keine Ausnahme. „Es war einmal …“ – mit diesen Worten beginnt die Geschichte von &#8222;Into the Woods&#8220;, in der gleich mehrere Märchenfiguren aufeinandertreffen. Aschenputtel ...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Stephen Sondheim ist nicht gerade für leichte Musical-Kost bekannt. Und seine Märchen-Adaption &#8222;Into the woods&#8220;, in der er zusammen mit James Lapine sämtliche Märchen-Klischees auf die Spitze treibt, bildet hier wahrlich keine Ausnahme.</p>
<p class="isSelectedEnd"><em><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3841 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7915_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7915_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7915_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7915_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-1024x682.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7915_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7915_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />„Es war einmal …“ – mit diesen Worten beginnt die Geschichte von &#8222;Into the Woods&#8220;, in der gleich mehrere Märchenfiguren aufeinandertreffen. Aschenputtel sehnt sich danach, den Ball des Königs besuchen zu dürfen, Hans möchte seine geliebte Kuh Milchweiß behalten und das Bäckerehepaar wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind. Auch Rotkäppchen, Hans&#8216; Mutter und Aschenputtels Stieffamilie verfolgen ihre eigenen Wünsche. Doch die Erfüllung dieser Wünsche hat ihren Preis: Eine Hexe eröffnet dem Bäcker und seiner Frau, dass ein Fluch auf ihrer Familie liegt. Vier Zutaten können ihn brechen – eine milchweiße Kuh, ein blutrotes Cape, Haar so gelb wie Mais und ein goldener Schuh. Auf der Suche nach den Zutaten führt der Weg alle Beteiligten in den Wald. Dort begegnen sie dem bösen Wolf, Prinzen, Riesen und weiteren Märchenfiguren, während sich ihre Geschichten zunehmend miteinander verflechten. Am Ende scheint jeder sein persönliches „Happy End“ gefunden zu haben: Aschenputtel heiratet ihren Prinzen, Hans gelangt zu Reichtum, Rapunzel findet ihren Prinzen und das Bäckerehepaar bekommt das ersehnte Kind.</em></p>
<p><em><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3845 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7557_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7557_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7557_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7557_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-1024x682.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7557_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7557_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Doch im zweiten Akt zeigt sich, dass ein Happy End nicht zwangsläufig glücklich bleiben muss. Die Wünsche der Protagonisten wurden zwar erfüllt, sie sind aber weiterhin unzufrieden. Als eine Riesin in den Wald kommt und Rache für ihren getöteten Mann fordert, zerbricht die scheinbare Idylle. Nach und nach verlieren die Figuren ihre Angehörigen und erkennen, dass ihre eigenen Entscheidungen und Wünsche die Katastrophe mitverursacht haben. Der Bäcker, Aschenputtel, Hans und Rotkäppchen müssen schließlich gemeinsam gegen die Riesin antreten. Nach ihrem Sieg bleiben sie mit der Verantwortung für die Zukunft zurück. Der Geist der Bäckersfrau ermutigt den Bäcker, ihrem gemeinsamen Kind ihre Geschichte zu erzählen. Die Hexe mahnt, vorsichtig mit dem zu sein, was man Kindern erzählt, denn Kinder hören zu. So endet &#8222;Into the Woods&#8220; mit der Erkenntnis, dass Wünsche Konsequenzen haben, jeder seinen eigenen Weg durch den „Wald“ gehen muss und dabei die Erfahrungen der Vergangenheit nicht vergessen darf. (Quelle: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Into_the_Woods">Wikipedia</a>)</em></p>
<p>Ausgerechnet diese verworrende Geschichte, die wie bei Sondheim üblich, mit anspruchsvollen Kompositionen und sehr viel Text daherkommt, haben die Schüler:innen des 2. Jahrgangs der Stage School Hamburg für ihr Semesterprojekt gewählt. Allein daür gebührt ihnen schon Respekt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3846 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC8499_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC8499_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC8499_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC8499_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-1024x682.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC8499_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC8499_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Doch dabei bleibt es nicht: Die Umsetzung darf durchaus als gelungen bezeichnet werden: Emma Beckmann und Nina Oeter haben beim Bühnenbild gute Arbeit geleistet und verwandeln die Bühne mit wenigen beweglichen Kulissen in einen Wald voller Überraschungen und Erlebnisse. Die Kostüme von Marek Blass und Emma Kosmanek sind stimmig und passen zum authentischen Gesamtbild der Show. Die Musikalische Leitung für dieses anspruchsvollen Musical lag bei Paula Gorek und Deborah Joss. Auch dieses Tandem hat sehr gute Arbeit geleistet; die Rollen sind gut besetzt, die Ensemble-Nummern gut einstudiert. Timon Strick zeichnet mit Assistenz von Marla Günther, die zudem auch die spärlich gesäte Choreographie verantwortet, für die Regie verantwortlich. Sicherlich keine leichte Aufgabe, da der rote Faden sich mehrfach im Wald zu verlieren droht und die Märchenfiguren jede für sich bereit für das Rampenlicht wäre. Doch Strick gelingt es, die verworrende Handlung und die starken Charaktere in Einklang zu bringen.</p>
<p>Nurya Bascio überzeugt als Hexe schauspielerisch als gesanglich gleichermaßen &#8211; sowohl im 1. Akt, in dem sie ja noch die &#8222;böse&#8220; Hexe ist, als auch im 2. Akt, vor dem sie sich in eine Sterbliche verwandelt hat. Man darf gespannt sein, auf welcher Bühne man dieses Naturtalent in Zukunft sehen wird.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3844 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC8367_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC8367_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC8367_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC8367_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-1024x682.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC8367_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC8367_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Man lernt in &#8222;Into the Woods&#8220; die beliebten und bekannten Märchenfiguren von einer ganz anderen Seite kennen. Das gilt auch für Rotkäppchen, das Caroline Pötzelsberger sehr erwachsen und berechnend spielt. Vom naiven Kind keine Spur! Im Gegenteil &#8211; Rotkäppchen ist sehr selbstbewusst und wehrhaft!</p>
<p>Auch Aschenputtel ist nicht so süß und hilflos wie man sie kennt. Anna Sofia Bäuer bringt ihre zielstrebige, entscheidungsfreudige Seite gut zu Geltung. Auch gesanglich jonglieren beide Text und Melodie gekonnt, was nicht allen Schüler:innen so gut gelingt.</p>
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<p>Für die komischen Momente sind die Prinzen von Aschenputtel und Rapunzel zuständig. Maximilian Dosk und Tobias Remmel gehen in ihren überzeichneten Schürzenjägerrollen auf. Ihre Lacher verfehlen das Publikum nicht. Dass die beiden im 2. Akt scheinbar spielend von ihren eroberten Prinzessinen zu den nächsten (Schneewittchen und Dornröschen) weitergehen, unterstreicht die Oberflächlichkeit dieser Figuren, die sich auch im äußeren Erscheinungsbild widerspiegelt. Optik und Status sind für diese beiden Herren alles. Wirklich toll!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3843 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC9492_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC9492_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC9492_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC9492_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-1024x682.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC9492_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC9492_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Der Bäcker und seine Frau, die ja aufgrund des Familienfluchs im Mittelpunkt der Handlung stehen, werden von Elias Niesner und Nina Oeter gespielt. Beiden gelingt es, die charakterlichen Stärken und Schwächen ihrer Rollen herauszuarbeiten. Auch gesanglich schlagen sie sich gut.</p>
<p>Leopard Riegger und Ann-Kathrin Bognar haben als Hans (und die Bohnenranke) und dessen Mutter zwar weniger Szenen, aber beide sind sehr gut besetzt und können das Publikum für sich gewinnen.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3840 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7806_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7806_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7806_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7806_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-1024x682.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7806_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/DSC7806_Into-the-woods_argb_c_Patrick-Sobottka.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Zu erwähnen ist auf jeden Fall noch Jan Paschelke als Wolf, bei dem die Anleihen an Dr. Jekyll und Mr. Hyde sicherlich nicht zufällig gewählt sind. Eine sehr gelungene Darbietung.<br />
Insgesamt stehen 36 Schüler:innen in verschiedenen Rollen auf der Bühne. Es ist schön zu sehen, dass sich alle einbringen können und durch Besetzungswechsel auch jeder Mal in der sprichwörtlichen 1. Reihe steht.</p>
<p>Die Schüler:innen haben für sich die Vision formuliert, dass ihre Inszenierung die Beziehungen zwischen den Figuren in den Mittelpunkten stellen möchte.</p>
<p>Humorvolle Momente und märchenhafte Bilder stehen neben den ernsten Fragen nach Verantwortung und Zusammenhalt, was eine Welt erschafft, die vertraut und überraschend zugleich ist.</p>
<p>Die Schüler:innen werden ihren eigenen Ansprüchen mit ihrem Semesterprojekt mehr als gerecht.</p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #000080;">Michaela Flint</span></p>
<div id="id4" class="style_SkipStroke_4 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_270_124">
<p><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> First Stage Theater, Hamburg</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Besuchte Vorstellung: </span></strong><span class="Bold">8</span><span class="Bold">. August 2026</span><span class="Bold"><br />
<strong>Darsteller: </strong>Schüler:innen des 2. Jahrgangs der S</span>tage School Hamburg</span><br />
<span class="Bold" style="color: #000080;"><strong>Regie &amp; Choreographie: </strong><span class="Bold">Schüler:innen des 2.Jahrgangs der S</span>tage School Hamburg<br />
<strong>Fotos: </strong>Patrick Sobottka</span></p>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mr &#038; Mrs Musical</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/mr-mrs-musical/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Feb 2026 16:20:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Pankoke]]></category>
		<category><![CDATA[Lüneburg]]></category>
		<category><![CDATA[Navina Heyne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater Lüneburg]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Borchert]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit zwei Jahren stehen Thomas Borchert und Navina Heyne in Lüneburg gemeinsam bei &#8222;Liebe stirbt nie&#8220; auf der Bühne des Stadttheaters. Zuvor waren sie dort schon in &#8222;Der Graf von Monte Cristo&#8220; zu erleben. Das Ehepaar versteht sich blind, was in den beiden Inszenierungen zu spüren war. Nun widmen sie ihrem schöpferischen und privaten Band ...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit zwei Jahren stehen Thomas Borchert und Navina Heyne in Lüneburg gemeinsam bei <a href="https://www.musicals-online.com/grosse-oper-im-stadttheater/">&#8222;Liebe stirbt nie&#8220;</a> auf der Bühne des Stadttheaters. Zuvor waren sie dort schon in <a href="https://www.musicals-online.com/clever-erzaehltes-biografie-musical/">&#8222;Der Graf von Monte Cristo&#8220;</a> zu erleben. Das Ehepaar versteht sich blind, was in den beiden Inszenierungen zu spüren war.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3834 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/genid-cd3aabd8d9c24bdaa69e564475fc509c83033682-b4.jpg-400x221.webp" alt="" width="400" height="221" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/genid-cd3aabd8d9c24bdaa69e564475fc509c83033682-b4.jpg-400x221.webp 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/genid-cd3aabd8d9c24bdaa69e564475fc509c83033682-b4.jpg-768x424.webp 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/genid-cd3aabd8d9c24bdaa69e564475fc509c83033682-b4.jpg-1024x565.webp 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/genid-cd3aabd8d9c24bdaa69e564475fc509c83033682-b4.jpg-1536x847.webp 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/genid-cd3aabd8d9c24bdaa69e564475fc509c83033682-b4.jpg.webp 1590w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Nun widmen sie ihrem schöpferischen und privaten Band einen ganzen Abend. Es gab bereits einen Konzertabend mit beiden, in dem sie die schönes Musical-Duette präsentiert hatten. Diesmal sind es Soli. Angekündigt sind &#8222;Musical-Kracher unplugged&#8220;. Entsprechend erwartet das Publikum natürlich &#8222;Das Phantom der Oper&#8220;, &#8222;Tanz der Vampire&#8220;, &#8222;Liebe stirbt nie&#8220; und wird auch nicht enttäuscht. Die beiden sind Vollprofis, was man deutlich spürt. Manchmal spult vor allem Thomas Borchert die Songs zu sehr ab. Doch insgesamt ist es ein unterhaltsamer Abend, in dessen Verlauf das Paar sich neckt, sich gegenseitig aber auch das Rampenlicht zugesteht und die Zuschauer das Gefühl haben, wirklich mit den beiden im Wohnzimmer zu sitzen.</p>
<p>Den &#8222;Unplugged&#8220;-Anteil steuert Eva Pankoke bei, die jede bekannte Melodie, aber auch jedes neue Arrangement virtuos intoniert. Das Zusammenspiel zwischen Sängern und Pianistin ist perfekt!</p>
<p>Zu Beginn feuert Navina Heyne mit &#8222;Gold von den Sternen&#8220; aus &#8222;Mozart!&#8220;, &#8222;Der Sieger hat die Wahl&#8220; aus &#8222;Mamma Mia&#8220; und &#8222;Liebe stirbt nie&#8220; die drei Highlights des Abends ab. Besser wird es nicht mehr! Borcherts &#8222;Dies ist die Stunde&#8220; aus &#8222;Jekyll &amp; Hyde&#8220; oder &#8222;So sehr fehlt mir Dein Gesang&#8220; aus &#8222;Liebe stirbt nie&#8220; sind zwar sehr gefühlvoll, aber doch routiniert. Da gelingt es Heyne eher zu berühren.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3833 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/genid-cd3aabd8d9c24bdaa69e564475fc509c83033682-b7.jpg-400x221.webp" alt="" width="400" height="221" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/genid-cd3aabd8d9c24bdaa69e564475fc509c83033682-b7.jpg-400x221.webp 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/genid-cd3aabd8d9c24bdaa69e564475fc509c83033682-b7.jpg-768x424.webp 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/genid-cd3aabd8d9c24bdaa69e564475fc509c83033682-b7.jpg-1024x565.webp 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/genid-cd3aabd8d9c24bdaa69e564475fc509c83033682-b7.jpg-1536x847.webp 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/08/genid-cd3aabd8d9c24bdaa69e564475fc509c83033682-b7.jpg.webp 1590w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Es folgen eine wunderschön arrangierte Version von &#8222;The impossible dream&#8220; aus &#8222;Der Mann von La Mancha&#8220; und mit &#8222;Gemeinsam&#8220; aus &#8222;Scholl &#8211; Die Knospe der Weißen Rose&#8220; (geschrieben von Titus Hoffmann und Thomas Borchert) ein bisher weitgehend unbekanntes Stück. Auf ein eher souliges Arrangement von &#8222;Der letzte Tanz&#8220; schließt sich ein wunderschön energetisches, starkes &#8222;Ich gehör nur mir&#8220; aus &#8222;Elisabeth&#8220;. Der Dialog rund um das Brautkleid ist ein wenig zu albern, aber die beiden haben Spaß und das glaubt man ihnen.</p>
<p>Dass die beiden auch richtig komisch können, stellen sie mit der Zugabe &#8222;Bassschwein &amp; Sopransau&#8220; aus &#8222;Asterix und Obelix&#8220;, an dem Thomas Borchert gerade arbeitet. Das Publikum hat Spaß und feiert das Paar mit anhaltendem Applaus.</p>
<p>Solche Abende, an denen man Musicaldarsteller mal abseits der gewohnten Rollen erleben kann, gibt es viel zu selten. Das volle Haus und der begeisterte Zwischenapplaus zeigen dies!</p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #000080;">Michaela Flint</span></p>
<div id="id4" class="style_SkipStroke_4 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_270_124">
<p><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Theater Lüneburg</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Premiere: </span></strong><span class="Bold">27. Februar 2026</span><span class="Bold"><br />
<strong>Darsteller: </strong></span>Navina Heyne, Thomas Borchert</span><br />
<span class="Bold" style="color: #000080;"><strong>Piano: </strong>Eva Pankoke<br />
<strong>Fotos: </strong>Jingyu Qiu / Cosima Liang</span></p>
</div>
</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Eine gelungene Frischzellenkultur für Tarzan</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/eine-gelungene-frischzellenkultur-fuer-tarzan/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Nov 2025 21:35:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2025]]></category>
		<category><![CDATA[Abla Alaoui]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Klaws]]></category>
		<category><![CDATA[Bob Crowley]]></category>
		<category><![CDATA[Dániel Rákász]]></category>
		<category><![CDATA[Elindo Avastia]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Kerry Jean]]></category>
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		<category><![CDATA[Neue Flora]]></category>
		<category><![CDATA[Phil Collins]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Büttner]]></category>
		<category><![CDATA[Tarzan]]></category>
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					<description><![CDATA[Pool Fast auf den Tag 17 Jahre nach der Deutschlandpremiere von &#8222;Tarzan&#8220; wird die Neue Flora (endlich) wieder von Gorillas bevölkert. Grün steht dem Haus außen wie innen hervorragend! Die zuvor in Stuttgart gezeigte Inszenierung hat sich auf den ersten Blick verändert: Auf der Bühne wird statt der üppigen Dschungel-Fransen jetzt mit Tourtauglichen Kulissen aus ...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Pool Fast auf den Tag 17 Jahre nach der <a href="https://www.musicals-online.com/gorillas-im-dschungel-erobern-hamburg/">Deutschlandpremiere von &#8222;Tarzan&#8220;</a> wird die Neue Flora (endlich) wieder von Gorillas bevölkert. Grün steht dem Haus außen wie innen hervorragend!</p>
<p>Die zuvor in Stuttgart gezeigte Inszenierung hat sich auf den ersten Blick verändert: Auf der Bühne wird statt der üppigen Dschungel-Fransen jetzt mit Tourtauglichen Kulissen aus Hartfaser gearbeitet. Dazu wird die Bühne durch gekonnt verkleidete Treppenaufgänge in den Saal verlängert. Der Schiffsuntergang von Tarzans Eltern, das Zelt der Forschertruppe, der Wasserlauf, die hereinschwebenden Insekten und natürlich die farbenprächtige Flora im afrikanischen Dschungel sorgen für ein harmonisches Gesamtbild. Das Publikum sitzt gefühlt mitten im Geschehen.</p>
<p>Die Kostüme der 17 Darstellenden bestechen durch Farbe, Fluoreszenz und Kreativität. In der Show gibt es 80 (1) unterschiedliche Kostümdesigns. Die Affenkostüme wurden aus einem speziellen Lycramaterial in 21 verschiedenen Farbtönen und 4 verschiedenen Schwarzabstufungen gefertigt. An jedes Affenkostüm werden ca. 20.000 handgefertigte Fransen angebracht. Für die Show wurden zudem über 150 Perücken angefertigt. Das Knüpfen einer regulären Perücke dauert ca. 40 Arbeitsstunden. Diese Liebe zum Detail sieht man gerade bei &#8222;Tarzan&#8220; besonders deutlich, da man den Künstlern durchaus mitunter sehr nah ist.</p>
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<p>Man bekommt recht schnell mit, dass viele im Saal &#8222;Tarzan&#8220;-erfahren sind: Viele Köpfe wenden sich an den entsprechenden Stellen gen Decke. Die Zuschauer wissen, dass bei &#8222;Tarzan&#8220; auch einiges über den Köpfen passiert. Noch bevor Alexander Klaws, dessen Name wie kein Zweiter für &#8222;Tarzan&#8220; steht, sich das erste Mal durch die neue Flora schwingt, johlt das Publikum.</p>
<p>Dass die (ausgewählten) Auftritte in seiner Paraderolle nicht nur unglaublich anstrengend sind &#8211; er ist halt auch keine 25 mehr &#8211; sondern, ihm richtig viel Spaß machen, sieht man am verschmitzten Lächeln, wenn er sich angurtet. Dass diese Show in diesem Theater für ihn einen besonderen Stellenwert hat, bestätigt er auch im Gespräch: &#8222;Gerade die Neue Flora trägt Erinnerungen in jedem Winkel – vom Foyer bis zur Bühne. Es fühlt sich so an, als wäre ich nie weg gewesen. Dieser Ort ist für mich ein Zuhause. Dass sich der Kreis nun wieder schließt, ist surreal und zugleich einfach schön.“</p>
<p>&#8222;Tarzan&#8220; ist für alle Darstellenden herausfordernd, umso beeindruckender sind die atemberaubenden Stunt- und Bungee-Choreographien, mit denen vor allem die Gorilla-Sippe begeistert. Gianluca Passeri hat Sergio Trujllos Original-Choreos perfekt mit den 17 Künstlern einstudiert. Eine wirkliche Freude! Marcel Landgrebe hat die Modernisierung der Show mit viel Gespür für die Figuren umgesetzt: Janes Vater wurde kurzerhand &#8222;gestrichen&#8220; und Jane ist erwachsen geworden. Das steht der Handlung gut zu Gesicht. Eine mutige junge Forscherin ist eine viel glaubwürdigere Partnerin für Tarzan als das überdrehte englische Töchterchen aus früheren Inszenierungen. Abla Alaoui überzeugt als selbstbewusste Botanik-Liebhaberin durch Charme, Witz und eine sehr sympathische Ausstrahlung. Von Clayton (von Luciano Mercoli rollendeckend schön böse und auf den eigenen Vorteil bedacht gespielt) lässt sich diese Jane nicht einschüchtern. Auch die fleischfressende Pflanze oder die Gorilla-Sippe machen ihr keine Angst&#8230; Beides weckt nur ihren Forschergeist.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3738 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2025/11/JPG-72-dpi-RGB-2025_CJohan-Persson_TARZAN_Karla_Kerchak-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2025/11/JPG-72-dpi-RGB-2025_CJohan-Persson_TARZAN_Karla_Kerchak-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2025/11/JPG-72-dpi-RGB-2025_CJohan-Persson_TARZAN_Karla_Kerchak-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2025/11/JPG-72-dpi-RGB-2025_CJohan-Persson_TARZAN_Karla_Kerchak-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2025/11/JPG-72-dpi-RGB-2025_CJohan-Persson_TARZAN_Karla_Kerchak.jpg 1293w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Dániel Rákász gibt einen sehr gefühlvollen Kerchak, der seine Familie zwar über alles stellt, aber dennoch auch zulässt, dass man hinter die herrische Fassade guckt. Eine sehr angenehme &#8222;Wandlung&#8220; dieses Charakters. Kerry Jean ist eine liebevolle Mutter für Tarzan und eine Partnerin auf Augenhöhe für den Silberrücken Kerchak. Sie singt mit viel Gefühl und lässt erahnen, zu was sie stimmlich in der Lage ist (Tina im gleichnamigen Musical in Hamburg, Waris Dirie in &#8222;Die Wüstenblume&#8220;). Den Klassenclown, guten Kumpel, großen Bruder und Dschungel-Entertainer Terk gibt Elindo Avastia. Er hat sicherlich eine sehr dankbare Rolle, aber die muss man auch erstmal ausfüllen. Und das macht er! Die punktuell modernisierten Texte helfen, eine direktere Bindung zu den Zuschauern aufzubauen. Wenn er und die Sippe das Forscher-Camp auseinandernehmen, hat man automatisch gute Laune!</p>
<p>Bleibt noch Alexander Klaws&#8230; Was soll ich sagen? Der reifere Tarzan steht der Show sehr gut zu Gesicht. Tarzan ist ein Dschungel-Mann, kein Junge, und dafür ist Klaws einfach die Idealbesetzung. Auch gesanglich lässt er es an nichts vermissen, auch wenn das Echo durch einen seinen Gesang verstärkenden zweiten Sänger u.a. bei &#8222;Ich will es so&#8220; etwas irritierend ist.</p>
<p>&#8222;Tarzan&#8220; ist eine wunderbare Familien-Show, die zeigt, wie wichtig familiärer Zusammenhalt, Freundschaft und Liebe sind. Genau so etwas braucht es in den aktuell sehr bewegten Zeiten.</p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #000080;">Michaela Flint</span></p>
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<div class="text-content style_External_270_124">
<p><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Stage Theater Neue Flora, Hamburg</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Premiere: </span></strong><span class="Bold">20. November 2025</span><span class="Bold"><br />
<strong>Darsteller: </strong></span>Alexander Klaws, Abla Alaoui, Kerry Jean, Dániel Rákász, Elindo Avastia, Luciano Mercoli</span><br />
<span class="Bold" style="color: #000080;"><strong>Regie / Musik: </strong>Bob Crowley / Phil Collins<br />
<strong>Fotos: </strong>Johan Persson</span></p>
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