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	<title>2012-Archiv - Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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		<title>Kurzes, aber sehr intensives Gastspiel in Stuttgart</title>
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		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Dec 2012 16:40:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2012]]></category>
		<category><![CDATA[Arvid Larsen]]></category>
		<category><![CDATA[Christina Patten]]></category>
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		<category><![CDATA[Palladium Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Pia Douwes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nicht einmal 13 Monate wurde das Drama-Musical „Rebecca“ in Stuttgart gespielt. Auch Stars der Szene wie Thomas Borchert und Pia Douwes verhalfen dem Stück nicht zu einer längeren Spielzeit, die es inhaltlich und musikalisch durchaus verdient hätte. Neben dem beherzt aufspielenden Orchester unter der Leitung von Boris Ritter und den für die Stuttgarter Inszenierung hinzugefügten ...</p>
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<div class="text-content style_External_390_285">
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<p class="Body">Nicht einmal 13 Monate wurde das Drama-Musical „Rebecca“ in Stuttgart gespielt. Auch Stars der Szene wie Thomas Borchert und Pia Douwes verhalfen dem Stück nicht zu einer längeren Spielzeit, die es inhaltlich und musikalisch durchaus verdient hätte.</p>
<p class="Body">Neben dem beherzt aufspielenden Orchester unter der Leitung von Boris Ritter und den für die Stuttgarter Inszenierung hinzugefügten Videoprojektionen bleibt vor allem Pia Douwes intensive Strahlkraft als Mrs. Danvers im Gedächtnis haften. Große Momente haben auch Kerstin Ibald als Maxims Schwester Beatrice und Oliver Heim als Ben.</p>
<p class="Body">Doch der Reihe nach&#8230; Die Geschichte der verstorbenen Rebecca alias Mrs. de Winter basiert auf Gerüchten der englischen High Society und ihrer Fähigkeit, die Menschen um sie herum zu täuschen. Als sich ihr Witwer neu verliebt und seine junge, naive Frau mit auf seinen Landsitz Manderley im englischen Cornwall bringt, sorgt dies vor allem bei der langjährigen Haushälterin Mrs. Danvers für großen Unmut.</p>
<p class="Body">Mrs. Danvers versucht alles, um den vermeintlich guten Ruf ihrer verstorbenen Herrin zu erhalten und den jungen Störenfried aus dem Haus zu ekeln. Auch vor bösartigen Intrigen schreckt sie nicht zurück. Unterstützung erfährt sie von Rebeccas Cousin Jack Favell, der versucht, seinen Vorteil aus der neuen Situation zu ziehen.</p>
<p class="Body">Die junge Mrs. de Winter versucht, es allen Recht zu machen und verliert hierüber das Vertrauen ihres sehr introvertierten Gatten Maxim. Doch ihre Liebe ist stark. Sie übersteht das Gerichtsverfahren, in dem sich Maxim plötzlich mit Mordanschuldigungen auseinandersetzen muss. Und Mrs. Danvers findet ihren eigenen endgültigen Ausweg aus der für sie unerträglichen Wahrheit, die ihre Rebecca als Lügnerin entlarvt.</p>
<p class="Body">Sylvester Levays raumfüllende Kompositionen kommen bei diesem Musical besonders gut zur Geltung und das für heutige Verhältnisse immer noch sehr große Orchester macht dem Erfolgskomponisten von „Elisabeth“, alle Ehre. Schade, dass die „Rebecca“ flüsternden Chöre aus dem Off in Stuttgart zusammengestrichen wurden. Damit geht ein wichtiges Gänsehautelement verloren.</p>
<p class="Body">Die Sängerinnen und Sängern meistern die stimmlichen Herausforderungen, einzig Pia Douwes fällt durch eigene Interpretationsansätze auf. Arvid Larsen (Maxim de Winter) und auch Christina Patten (Ich) verschwinden jedoch in Douwes (Mrs. Danvers) scheinbar übermächtigem Schatten fast gänzlich, obwohl beide gut spielen und singen.</p>
<p class="Body">Neu in Stuttgart sind bühnenfüllende Videoprojektionen, die dem Zuschauer einerseits die Phantasie abnehmen und andererseits die Szenerie noch klarer machen. Spinnt man diese Idee weiter, erleben wir in naher Zukunft Musicals vor kompletter Videoprojektion und man wird auf die Kunst der Bühnenbildner und Kulissenbauer fast gänzlich verzichten. So amüsant es ist, einen Arvid Larsen als Maxim direkt am Bahnsteig neben einem einfahrenden Zug stehen zu sehen, so bedauerlich ist es, dass hierdurch der Fokus weg vom Theater hin zum Kino gelegt wird.</p>
<p class="Body">Dass Pia Douwes ein komplettes Musical allein tragen kann, weiß seit „Elisabeth“ jeder in der europäischen Musicalszene. Dass sie diesen Part auch in „Rebecca“ übernimmt, ist nicht unbedingt zu erwarten, da es ja mit Maxim und Ich zwei weitere starke Charaktere in dem Stück gibt. Doch ist es einzig Pia Douwes, die dieses Musical an diesem Abend sehenswert macht. Keiner ihrer Kollegen vermag ihr als starke, gnadenlose und tief im Innern enttäuschte Mrs. Danvers das Wasser zu reichen. Für Arvid Larsen ist die Rolle von Maxim de Winter vor allem stimmlich eine Nummer zu groß. Er erinnert phasenweise an ein theatralisch leidendes Phantom der Oper und nicht an einen gehörnten Ehemann. Christina Patten ist eine süße Ich, vermag es aber nicht die Wandlung zur selbstbewussten Frau an Maxims Seite über die Rampe zu bringen.</p>
<p class="Body">Sicherlich mag dieser Eindruck ein anderer sein, wenn man Jan Ammann und Valerie Link als Bühnengegner von Pia Douwes erlebt.</p>
<p class="Body">Kerstin Ibald brennt sich mit ihrem starken Auftritt als mitfühlende, energische „B“ in Gedächtnis. Von ihr möchte man gern mehr sehen und hören. Oliver Heim legt viel Gefühl in den beschützenswerten Ben und spielt sich damit direkt in die Herzen der Zuschauer. Isabel Dörfler gibt die laute, aufdringliche Mrs. van Hopper ideal und sorgt so für einige heitere Momente.  Hannes Stafflers Jack Favell hingegen gerät etwas zu glatt. Man vermisst das Hinterlistige in seinem „Eine Hand wäscht die andere Hand“, was sehr schade ist, denn auch mit dieser vermeintlich kleinen Figur kann man sich gut nach vorn spielen.</p>
<p class="Body">„Rebecca“ hat seinen Platz in der Musicalwelt mehr als verdient. Dass der schwere düstere Stoff kein Massenpublikum anzieht, ist nur allzu verständlich, da hier weder mit technischen Raffinessen oder Songs mit Hitpotential aufgewartet werden kann. Es bleibt abzuwarten, ob, wann und wo die Stage Entertainment das Stück in Deutschland noch einmal auf die Bühne bringt.</p>
<p style="text-align: right;">Michaela Flint</p>
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<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Palladium Theater, Stuttgart</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Besuchte Vorstellung: </span></strong>21. Dezember 2012</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Pia Douwes, Isabel Dörfler, Oliver Heim, Kerstin Ibald, Arvid Larsen, Christina Patten</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Musik / Texte:</span></strong> Sylvester Levay / Michael Kunze<br />
<strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Stage Entertainment<br />
</span></div>
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		<title>Leider etwas zahnloses Vampirmusical</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/leider-etwas-zahnloses-vampirmusical/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Nov 2012 16:24:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2012]]></category>
		<category><![CDATA[Dracula]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Wildhorn]]></category>
		<category><![CDATA[Franka Kraneis]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich von Mansberg]]></category>
		<category><![CDATA[Gerd Achilles]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Schneider]]></category>
		<category><![CDATA[Kristian Lucas]]></category>
		<category><![CDATA[Theater Lüneburg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Broadway-Komponist Frank Wildhorn bürgt für herausragende musikalische Qualität (u. a. „Jekyll &#38; Hyde“) und auch das Theater im beschaulichen Lüneburg hat schon einige exzellente Musiktheater-Produktionen auf die Bühne gebracht („Chess“, „Aida“, etc.). Mit der Musicalfassung von Don Blacks und Christopher Hamptons „Dracula“ scheint man hier jedoch überfordert: Es mangelt an Personenregie; auch ein sehr guter ...</p>
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<div class="text-content style_External_390_285">
<div class="style_2">
<p class="Body">Broadway-Komponist Frank Wildhorn bürgt für herausragende musikalische Qualität (u. a. „Jekyll &amp; Hyde“) und auch das Theater im beschaulichen Lüneburg hat schon einige exzellente Musiktheater-Produktionen auf die Bühne gebracht („Chess“, „Aida“, etc.).</p>
<p class="Body">Mit der Musicalfassung von Don Blacks und Christopher Hamptons „Dracula“ scheint man hier jedoch überfordert: Es mangelt an Personenregie; auch ein sehr guter Hauptdarsteller und das beherzt aufspielende Orchester unter der Leitung von Urs-Michael Theus kann die Scharten, die sich durch Friedrich von Mansbergs Inszenierung hindurchziehen, nicht auswetzen.</p>
<p class="Body">Aber der Reihe nach: Der ins heutige London transferierten Geschichte liegt Bram Stokers Briefroman „Dracula“ zugrunde. Dracula lebt in einem Hotel &#8211; von Otto-Normal-Bürgern unerkannt und gleichzeitig von zahlreichen Jüngern angebetet &#8211; um nah bei seiner Mina zu sein. Doch diese liebt und heiratet den Anwalt Jonathan Harker.</p>
<p class="Body">Minas Freundin Lucy, die sich vor potentiellen Heiratskandidaten kaum retten kann, findet ihren Traummann im schüchternen Arthur. Doch sie ist eine nur allzu leichte Beute für Dracula, der sie ohne Zögern zu seiner Gespielin macht. Hier tritt nun Draculas Erzfeind Abraham van Helsing auf den Plan, der die Massen gegen den Vampir aufhetzt, um seine eigene Besessenheit zu befriedigen &#8211; hat der Vampir doch vor einigen Jahren dessen Ehefrau getötet.</p>
<p class="Body">Am Ende bleibt Dracula mit gebrochenem Herzen zurück und seine Peiniger haben gelernt, dass in diesem Wesen nicht nur ein blutrünstiges Biest steckt.</p>
<p class="Body">Ein wenig ratlos verlässt man das Theater, denn die Inszenierung wirkt zusammengestrichen und macht es schwer, eine  zusammenhängende Handlung auszumachen. Dies liegt zu einem großen Anteil daran, dass nach nahezu jeder Szene der Vorhang fällt und das Orchester die eingeblendete Orts- und Zeitangabe brillant überbrückt. Der Sinn dieser Unterbrechungen erschließt sich nicht, denn die Geschichte ist nicht sonderlich komplex.</p>
<p class="Body">Einzelne Szenen sind jedoch durchaus gelungen. Dies liegt vorrangig an Wildhorns Kompositionen, die es den Darstellern ermöglichen, die mangelnde Personenregie durch gesangliche Expressionen auszugleichen. So wird der schräge Barkeeper und Dracula-Bewunderer Renfield (MacKenzie Gallinger) dem Klischee eines Wahnsinnigen gerecht und zieht die Blicke auf sich, weil man wissen möchte, was er als nächstes anstellt&#8230; Auch Annabelle Mierzwa zeigt Spielfreude als Lucy, besonders wenn sie die Schmeicheleien ihrer drei Galane genießt oder sich Dracula hingibt. Dass sie dabei nicht jeden Ton trifft, mag man ihr nachsehen. Karl Schneider ist ein van Helsing, der optisch zwar an Dieter Bohlen erinnert, aber über eine gute energetische Ausstrahlung verfügt und der sich auch im Gesangsensemble von seinen Kollegen abhebt.</p>
<p class="Body">Die Leading Lady, Mina, wird von Franka Kraneis gegeben. Ihr glockenklarer Sopran will nicht so recht zu Wildhorns Melodien passen und so bleibt eigentlich nur ein Duett zwischen Mina und Dracula in Erinnerung („Die Verführung“), in dem sich die Stimmen der beiden Hauptdarsteller ideal ergänzen.</p>
<p class="Body">Eigentlich geht man bei „Dracula“ immer von einem Dreigespann aus Dracula, Mina und Jonathan aus, doch in diesem Stück verkauft sich Kristian Lucas als Jonathan Harker eindeutig unter Wert. Nicht nur, dass er sowohl optisch als stimmlich Dracula-Darsteller Gerd Achilles sehr ähnelt und man ihn daher nicht als eigenständigen Charakter wahrnimmt, man hört ihn auch kaum, obgleich er im 2. Akt schöne Soli hat.</p>
<p class="Body">Die Rolle des „Meisters“ und Vampirgrafen übernimmt Gerd Achilles, der auch schon in der Lüneburger „Chess“-Inszenierung beeindruckte. Er ist der einzige, der seinem Charakter die notwendige Tiefe verleiht. Sein Dracula ist nicht das eindimensionale, blutdürstende Monster, sondern zeigt Gefühle und Zweifel. Seine schlanke, in schwarze Kostüme gewandete Gestalt, gibt ihm ein stattliches Aussehen, der seine Bühnenpräsenz in nichts nachsteht. Auch gesanglich vermag Achilles zu überzeugen: Von energisch über sanft, mal betörend, mal fordernd, dann wieder verletzt oder liebend, zeigt er eine beachtliche Spannbreite stimmlicher Spielarten.</p>
<p class="Body">Auf diesem Niveau hätte man sich gern mehr gewünscht. Doch leider wurde der Fokus offenbar ausschließlich auf die Titelfigur gelegt und alle anderen Rollen nur minimal ausgearbeitet. Neben der verwirrenden Inszenierung an sich, ist es die mangelhafte Personenregie, die bei diesen Besuch in Lüneburg haften bleibt. Hinzu kommt noch die ungenügende Tontechnik, die verhindert, dass man dem Gesang der Darsteller im Zuschauerraum folgen kann, müssen sie sich doch mit viel Kraft gegen das &#8211; zugegebenermaßen schwungvolle Orchester durchsetzen, was zumeist gründlich misslingt.</p>
<p class="Body">Für die nächste Musicalpremiere wünschen wir uns, dass mehr Augenmerk auf die Figuren gelegt wird. Denn Musical bedeutet nicht nur vorzügliche, raumgreifende Melodien und Gesang, sondern auch beeindruckende schauspielerische Leistungen und eine stimmige, nachvollziehbare Handlung.</p>
<p style="text-align: right;">Michaela Flint</p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Theater Lüneburg<br />
</span><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Besuchte Vorstellung: </span></strong>29. November 2012<br />
</span><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Gerd Achilles, Franka Kraneis, Kristian Lucas, Karl Schneider<br />
</span><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Musik / Regie:</span></strong>  Frank Wildhorn / Friedrich von Mansberg</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong>  t &amp; w, Andreas Tamme<br />
</span></p>
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		<title>So amerikanisch wie ein Hamburger</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/so-amerikanisch-wie-ein-hamburger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Nov 2012 16:46:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2012]]></category>
		<category><![CDATA[Alex Timbers]]></category>
		<category><![CDATA[Drew Sarich]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Operettenhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Rocky]]></category>
		<category><![CDATA[Stage Entertainment]]></category>
		<category><![CDATA[Stephen Flaherty]]></category>
		<category><![CDATA[Terence Archie]]></category>
		<category><![CDATA[Wietske van Tongeren]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>36 Jahre nach dem ersten Oscar-dekorierten „Rocky“-Film und sieben Jahre nach den ersten Gesprächen feiert die Musicalversion des Boxer-Epos in Hamburg Weltpremiere. Aber Moment mal&#8230; Fäuste schwingende Boxer, blutige Kämpfe ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit, ein von Gangstern geprägtes Milieu in Philadelphia &#8211; wie bringt man das zusammen mit einer musikalischen, gute Laune erzeugenden ...</p>
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<div class="text-content style_External_390_268">
<div class="style_2">
<p class="Body">36 Jahre nach dem ersten Oscar-dekorierten „Rocky“-Film und sieben Jahre nach den ersten Gesprächen feiert die Musicalversion des Boxer-Epos in Hamburg Weltpremiere.</p>
<p class="Body">Aber Moment mal&#8230; Fäuste schwingende Boxer, blutige Kämpfe ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit, ein von Gangstern geprägtes Milieu in Philadelphia &#8211; wie bringt man das zusammen mit einer musikalischen, gute Laune erzeugenden Bühnenkunstform? Das war die größte Herausforderung, der sich das Kreativteam stellen musste.</p>
<p class="Body">Doch Thomas Meehan (Buch), Stephen Flaherty (Musik), Wolfgang Adenberg (Songtexte), Ruth Deny (Dialoge) und nicht zuletzt Christopher Barreca (Set Design) ist es nicht nur gelungen, sämtliche Vorurteile gegenüber singenden Boxern im Keim zu ersticken, sondern sie haben ein Musical geschaffen, das die Gratwanderung zwischen Menschlichkeit und Kampfsport spielend meistert.</p>
<div id="id5" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_667_201">
<div class="style_2">
<p class="Body">Der Trick ist so einfach wie effektiv: Man gibt beiden Facetten ausreichend Raum und bedient die Erwartungen von Musicalfans und Sportfreunden gleichermaßen. Regisseur Alex Timbers beweist viel Gespür für das richtige Maß an Emotionen und umschifft die Gefahr des Abdriftens in die belanglose Seichtigkeit gekonnt.</p>
<p class="Body">Im ersten Akt lernt das Publikum Rocky Balboa kennen und bekommt viel Zeit, eine Beziehung zu dem glücklosen Boxer aufzubauen. Er ist sicherlich nicht die hellste Leuchte, gewinnt aber die Sympathien durch seine Aufrichtigkeit und sein großes Herz. Dem kann sich auch Adrian nicht verschließen. Es braucht zwar einen ziemlich unsanften Schups ihres Bruders Paulie, aber dann weicht sie Rocky nicht mehr von der Seite und unterstützt ihn in seinem schwersten Kampf.</p>
<p class="Body">Die zweite Hälfte spielt fast ausschließlich am 1.1.1976 &#8211; dem Tag des Kampfes zwischen dem Italian Stallion Rocky Balboa und  dem Schwergewichtsweltmeister Apollo Creed. Die Zuschauer erleben wie aus Rockys Selbstzweifeln ein unbedingter Siegeswille wird. Dennoch verliert er den Kampf nach Punkten, geht aber als Held der Herzen aus dem Boxring.</p>
<div id="id7" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_383_335">
<div class="style_2">
<p class="Body">Das Musical ist eine gelungene Kurzfassung des Films und setzt genau die richtigen Schwerpunkte. Auch ohne jede Szene des Hollywood-streifens zu kennen, kann man dem Geschehen folgen. Es gibt keine Inhaltssprünge und die Charaktere erliegen keinem der bei Adaptionen von Film zu Bühne so häufigen unerklärlichen Sinneswandel.</p>
<p class="Body">Dies ist vor allem dem Buch von Thomas Meehan zu verdanken, der bereits mit seinen Vorlagen zu „The Producers“ und „Hairspray“ gezeigt hat, dass es auch heutzutage noch neue, unterhaltsame und geistreiche Musicals gibt, die erfolgreich auf allen großen Bühnen gespielt werden.</p>
<p class="Body">Auch die deutschen Übersetzungen von Dialogen und Songtexten sind sehr gelungen. Das in den letzten Jahren sehr verbreitete BILD-Niveau mit schmerzhaften Reimen und aneinandergereihten Plattitüden oder lästigen Werbebotschaften ist kaum mehr auszumachen. Während einige Songzeilen etwas zu banal daher kommen, so jedoch zum nicht gerade ausgeprägten Intellekt der Hauptfigur passen („&#8230;duckt sich eine dunkle Ecke und macht sich ein Streichholz an&#8230;“ oder „&#8230;zerschunden bis zum kleinen Zeh, wie überfahren von einem LKW“), gibt es einige wunderschöne Stilblüten in den Dialogpassagen: Der despektierliche „Spaghetti Wallach“ ist noch sehr eindeutig. Bei Rockys Aussage: „Ich bin Rechtsausleger und werde keine linken Touren versuchen.“ muss man schon etwas nachdenken, um den Wortwitz nicht zu verpassen, da man ihn von jemandem der „zwei Monate gebraucht hat, um meine Spind-Kombination auswendig zu lernen“. nicht unbedingt erwartet. Dass Adrian an Thanksgiving den „Truthahn im Ofen“ hat und hier von Deny der sprichwörtliche „Braten in der Röhre“ nicht eingesetzt wurde, macht dankbar. Apollo Creeds Statement, dass Rocky „so amerikanisch wie ein Hamburger“ sei, ist beim gewählten Musicalstandort für die Weltpremiere auch wunderbar zweideutig interpretierbar.</p>
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<p class="Body">Ein Running Gag ist Rockys „Die Nase hält noch“, was schon als Solo unfreiwillig komisch wirkt („&#8230; diese Nase ist genial, ist ja auch schon fast 30 Jahre alt&#8230;“). Da es aber immer wieder Reprisen davon gibt, gelangt das Stück &#8211; vor allem im finalen Boxkampf, in dem die Nase bricht &#8211; an die Grenze zur Persiflage.</p>
<p class="Body">Eine Besonderheit von „Rocky“ ist, dass man nach vielen Jahren mit Compilations-Shows und Wiederaufgüssen alter Musicals wieder einmal wirklich neue Melodien zu hören bekommt. Keine Aneinanderreihung von Welthits, sondern lupenreine, kreative und sehr gelungene Pop-Rock-Sounds, denen auch das obligatorische „Eye of the Tiger“ nichts anhaben kann. Wer Stephen Flahertys Kompositionen zu „Ragtime“ kennt, weiß, dass der Amerikaner ein Händchen für klangvolle, voluminöse Arrangements hat. Auch für „Rocky“ hat er sich einiges einfallen lassen und schafft eine harmonische Klangwelt, in der die aufblühenden Gefühle zwischen Rocky und Adrian („Mehr als nur ich und Du“ genauso ihren Platz finden wie Rockys Kampf mit sich und seinem Umfeld („Ich will wissen warum“, „Standzuhalten“). Mit viel Energie bedenkt Flaherty die Auftritte von Apollo Creed („Patriotisch“) sowie die druckvollen Ensemblenummern („Er fällt noch nicht“, „Dieser Mann“).</p>
<p class="Body">Der zweite Akt wird vom allgegenwärtigen „Eye of the Tiger“ dominiert. Dass dieses Stück erst im dritten Teil von „Rocky“ zum ersten Mal zu hören ist, während der erste Film von Bill Contis Kompositionen, u. a. der weltberühmten Fanfare, geprägt ist, kann getrost ignoriert werden. Denn die Art und Weise, wie der wohl bekannteste Hit von Survivor in die Handlung eingebunden wird, ist sehr gelungen: Die Choreographie, in der während Rockys heißer Trainingsphase bis zu 12 Rockys schattenboxend über die Bühne tänzeln, ist wunderbar. Kein Wunder, dass das Publikum genau diesen Hit als Zugabe einfordert und begeistert mitklatscht und tanzt.</p>
<div id="id8" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_357_402">
<div class="style_2">
<p class="Body">Ein bisschen Pulver wird in der berühmten Treppenlauf-Szene verschossen: Anstatt Rocky oben auf der Treppe die bekannte Pose machen zu lassen, wird diese während seines Laufs gedreht, so dass er am Ende frontal zum Publikum steht. Dadurch verpufft die eindrucksvolle Wirkung dieser Szene leider gänzlich.</p>
<p class="Body">Szenisch herausragend sind die Trainings-Sessions im Schlachthaus und natürlich der mitten im Parkett ausgetragene Boxkampf.</p>
<p class="Body">Die Rinderhälften, auf die Rocky zu Trainingszwecken eindrischt, sehen erschreckend echt aus. Und wer sich vor dem Stück gefragt hat, warum die Boxringbeleuchtung über dem ersten Parkettdrittel angebracht ist, erhält die Antwort im zweiten Akt. Da werden kurzerhand zehn Reihen mit Zuschauern von ihren Sitzen auf die Bühne geleitet, wo sie auf einer Tribüne Platz nehmen. In dieser Zeit wird der Boxring, der während des ersten Akts als Wohnungsdecke, später auch als Leinwand zur Gegnerstudie fungiert, weit in den Zuschauerraum hineingefahren und von oben entrollen sich Leinwände, die den Kampf live zeigen. Näher dran am Geschehen ist man auch bei einem echten Boxkampf nicht! Eine tolle Idee, die ihre beeindruckende Wirkung beim Publikum nicht verfehlt und den Boxkampf so real wirken lässt, dass man bei den Schlägen, die die Kontrahenten sich verpassen, unweigerlich selbst in Deckung geht.</p>
<div id="id9" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_667_419">
<div class="style_2">
<p class="Body">Dass solche technischen „Spielereien“, zu denen auch der Regen, der Schnee und der romantische Lauf auf der Eisbahn gehören, nicht ohne Tücken sind, bekommt viele Zuschauer in den Shows vor der Premiere zu spüren: Da bleiben die Rinderhälften einfach mal hängen, anstatt eindrucksvoll im Bühnenturm des Operettenhauses zu entschwinden, weil der Computer den Ablauf der weiteren Show aufgrund eines kleinen Fehlers gestoppt hat. Solche Kinderkrankheiten bekommt man in den Griff, keine Sorge. Auch der Kronleuchter des Phantoms stürzte vor 22 Jahren nicht immer und einwandfrei vom Theaterdecke&#8230;</p>
<p class="Body">Bei einem Stück, das so sehr auf die Titelfigur abgestellt ist wie „Rocky“, muss der Hauptdarsteller nicht nur gesangliche und sportliche Fähigkeiten mitbringen. Es muss ihm auch gelingen, mit seinem Schauspiel in der Rolle aufzugehen. Der US-Amerikaner Drew Sarich erfüllt diese Anforderungen schlichtweg zu 100 %. Er bringt soviel Sympathie und Authentizität über die Rampe, dass man Rocky einfach mögen muss. Die Naivität und Ehrlichkeit der italienischen Boxers nimmt man ihm in jeder Sekunde ab. Seine Ausdrucksweise und Bewegungen sind genauso perfekt wie der unterschwellige Frust und die wahre Liebe zu Adrian greifbar sind. Ob es allerdings auf Dauer gesund ist, in jeder Show rohe Eier zu trinken, darf bezweifelt werden. Aber zweifelsohne trägt auch diese Szene zu seiner Glaubwürdigkeit bei. Gesanglich verlangt „Rocky“ Drew Sarich zwar nicht alles ab, aber seine Soli präsentiert er stark, gefühlvoll und bleibt damit im Ohr.</p>
<p class="Body">Die schüchterne Adrian wird von der Holländerin Wietske van Tongeren gegeben. Den Bogen vom schüchternen, wortkargen Mädchen zur selbstbewussten, starken Frau an Rockys Seite spannt sie eindrucksvoll. Sie kreiert eine äußerst charmante Adrian, auch wenn es ihr hier und da an Tiefgang fehlt. Das mach sie jedoch doch ihre glänzende Leistung in ihren Soli und Duetten wieder wett.</p>
<p class="Body">Auch die weiteren Rollen sind sehr gut besetzt. Allen voran Terence Archie, der als Apollo Creed am Entstehungsprozess des Musicals von Beginn an dabei war und bei seinem Europa-Debüt eine mehr als gute Figur macht. Nicht nur optisch gibt er einen einschüchternden Gegner von Rocky, auch seine Songs bringt er mit seiner warmen Soul-Stimme nachhaltig zu Gehör.</p>
<p class="Body">Alex Avenell, Patrick Imhof, Uwe Dreves, Robin Brosch, Frank Logemann sind nur fünf der insgesamt 24 Darsteller, die in verschiedenen Rollen auf der Bühne stehen. Jeder hat seinen besonderen Moment und erreicht das Publikum.</p>
<p class="Body">Zu dem rundum gelungenen Showbesuch trägt auch das fast 20-köpfige Live-Orchester unter der bewährten Leitung von Bernhard Volk bei. Ein so enthusiastisch aufspielendes Orchester hat man lange nicht mehr erlebt und so bleibt nur, dies in vollen Zügen genießen. Pünktlich zur Premiere wurde auch das Album zu „Rocky“ fertig gestellt.</p>
<p class="Body">Der musicalische „Rocky“ vereint alles, was man von einem Boxmusical erwartet: Eine liebevoll arrangierte Handlung, einen herausragenden Hauptdarsteller, mitreißende Melodien, eine beeindruckende Bühnentechnik und Künstler in allen Bereichen, deren Spaß an ihrem Job sich auf das begeisterte Publikum überträgt.</p>
<p class="Body">Solche Weltpremieren bleiben allen im Gedächtnis und schüren das Verlangen nach mehr.</p>
<p style="text-align: right;">Michaela Flint</p>
<div id="id4" class="style_SkipStroke_4 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Operettenhaus, Hamburg</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Premiere: </span></strong>18. November 2012</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Terence Archie, Drew Sarich, Wietske van Tongeren</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Musik / Regie:</span></strong> Stephen Flaherty / Alex Timbers<br />
<strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Stage Entertainment<br />
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		<title>Garantiert nicht jugendfrei</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/garantiert-nicht-jugendfrei/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Apr 2012 16:14:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2012]]></category>
		<category><![CDATA[Cornelius Dane]]></category>
		<category><![CDATA[Duncan Sheik]]></category>
		<category><![CDATA[Joanna Clamann]]></category>
		<category><![CDATA[Junge Bühne T.3]]></category>
		<category><![CDATA[Lüneburg]]></category>
		<category><![CDATA[Niclas Schmidt]]></category>
		<category><![CDATA[Oliver Hennes]]></category>
		<category><![CDATA[Sonja Gornik]]></category>
		<category><![CDATA[Spring Awakening]]></category>
		<category><![CDATA[Theater Lüneburg]]></category>
		<category><![CDATA[Ulrike Schäfer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wendla lernt, dass sie ein Baby bekommt, wenn sie ihren Ehemann so sehr liebt wie keinen anderen, Moritz hält sich beharrlich an dem fest, was Kirche und Bibel ihm vorgeben, Hänschen passt sich nur vermeintlich den Konventionen an, Ilse kann ihrem Vater nicht entfliehen und Melchior rebelliert gegen zumindest in Gedanken gegen alles und Jeden. ...</p>
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<p class="Body">Wendla lernt, dass sie ein Baby bekommt, wenn sie ihren Ehemann so sehr liebt wie keinen anderen, Moritz hält sich beharrlich an dem fest, was Kirche und Bibel ihm vorgeben, Hänschen passt sich nur vermeintlich den Konventionen an, Ilse kann ihrem Vater nicht entfliehen und Melchior rebelliert gegen zumindest in Gedanken gegen alles und Jeden.</p>
<p class="Body">Auf den ersten Blick alles typische Teenager-Probleme, doch Frank Wedekinds Drama „Frühlings Erwachen“ ist alles andere als Trivialliteratur. 1891 geschrieben, befasst er sich ausführlich mit der Gedankenwelt junger deutscher Schüler, die hin- und hergerissen sind zwischen den Erwartungen der Eltern, Anforderungen der Lehrer, Ideen der Freunde und den eigenen Wünschen an die Gestaltung ihres Lebens und die Auslebung ihrer (sexuellen) Phantasien.</p>
<p class="Body">Gepaart mit rockiger Musik, rebellischen Songtexten, interpretiert von charismatischen Jungdarstellern ergibt diese Literaturvorlage eines der am meisten gefeierten Off-Broadway-Musicals der letzten Jahre.</p>
<p class="Body">In dieser Spielzeit nimmt sich das Junge Theater in Lüneburg in Zusammenarbeit mit der Leuphana Universität Lüneburg und Haute Culture e. V. diesem aufwühlenden Stoff an. Elf Nachwuchsdarsteller, unterstützt von zwei erfahrenen Kollegen, versetzen sich in eine Zeit als Normen und Regeln wichtiger waren als Individualität, als Eltern und Lehrer noch mit Maßregelungen und bewusster Fehl-Information die aufkeimende Selbständigkeit der Kinder unterdrückten.</p>
<p class="Body">Das Stück ist keine leichte Kost, umso wichtiger ist die Glaubwürdigkeit der Protagonisten. Dies gelingt durch die Jugend der Akteure, die zeitgemäßen Kostüme und die wieder einmal sehr guten Kulissen (in Form von Vorhängen, die die verschiedenen Räumlichkeiten andeuten) von Barbara Bloch.</p>
<p class="Body">„Spring Awakening“ ist sowohl gesanglich als auch schauspielerisch eine Herausforderung. Nahezu jeder Charakter hat eine extreme Seite oder muss extreme Erfahrungen ausdrücken. Die elf Jungdarsteller sind schauspielerisch ganz klar auf dem richtigen Weg: Cornelius Dane transportiert Melchiors überbordende Energie und den Drang, die Welt zu verändern sehr glaubhaft. Manches Mal scheint er nah am Wahnsinn, was gut zu dieser von der Gesellschaft zerrissenen Figur passt. Niclas Schmidt interpretiert die tiefe Verwirrung von Moritz und dessen Hilflosigkeit bis hin zum Selbstmord sehr eindrucksvoll. Dass Wendla zwischen Baum und Borke steht, einerseits das kleine Mädchen, das seiner Mutter glaubt und andererseits eine junge Frau, die mit Melchior ihr erstes Mal erlebt, bringt Ulrike Schäfer ehrlich und nachvollziehbar über die Rampe.</p>
<p class="Body">Zwei Szenen erhielten vom Publikum besonders viel Aufmerksamkeit: Zum einen der erste Geschlechtsverkehr von Melchior und Wendla, der ausführlich, mit sportlichem Höchsteinsatz und nackten Tatsachen der Phantasie keinen Spielraum mehr lässt sowie die Kussszene des schwulen Paares Hänschen (Thomas Nienhaus) und Ernst (Joscha Enger), die bei den jungen Zuschauern für anhaltenden Zwischenapplaus und Jubel sorgte. Die Altersbeschränkung „ab 15 Jahre“ erklärt sich mit diesen beiden Szenen nur allzu deutlich. nicht zu vergessen die explizite Sprache, die keinerlei Blatt vor dem Mund nimmt.</p>
<p class="Body">In den Ensemble-Stücken gelingt es den Sängerinnen und Sängern die Energie, von der in Duncan Sheiks Kompositionen reichlich zu finden ist, auf das Publikum zu übertragen. Auch die zahlreichen Duette werden mal rockig, mal gefühlvoll intoniert und unterstreichen die verschiedenen Beziehungsgeflechte. Dass hier keine ausgebildeten Sänger auf der Bühne stehen, merkt man besonders während der Rebellion im Lateinunterricht („So&#8217;n verficktes Leben“) und beim Briefwechsel von Moritz und seiner Vertrauten Fanny Gabor, der Mutter von Melchior („Und dann ist&#8217;s vorbei“): Immer wenn es in die hohen Lagen geht, fehlt es sowohl Cornelius Dane als auch Niclas Schmidt an Kraft, die Töne auszusingen oder auch nur zu treffen. Doch diese Fehlgriffe sind Ausnahmen und stören den Gesamteindruck dieses jungen Musicals mit und für junge Menschen nicht.</p>
<p class="Body">Die vierköpfige Band unter der Leitung von Franziska Polmann haut kräftig in die Tasten und Saiten und wird Sheiks Partitur in vollem Umfang gerecht. Auch hier gibt es zwar ab und an einen Misston oder die Einsätze stimmen nicht, doch bei einem Nachwuchs-Musical verzeiht man so etwas gern. Schwierig ist jedoch, dass die Band für die Sänger vor dem abgrenzenden Gaze-Vorhang viel zu laut ist. Unverstärkt, d. h. ohne Mikrofon, hat auch ein ausgebildeter Vollprofi gegen satten Rocksound keine Chance.</p>
<p class="Body">„Spring Awakening“ ist einen Besuch wert. Allerdings ist hinterher durchaus Gesprächsbedarf vorhanden, der befriedigt werden will. Dies liegt unter anderem auch daran, dass der erste Akt sich auf die Entwicklung der Jugendlichen fokussiert und die verschiedenen Charaktere vorstellt, während im zweiten Akt ein Unglück auf das nächste folgt. Hiermit wird das Publikum weitgehend allein gelassen. Ein heiterer Musicalabend ist definitiv etwas anderes, das Label „gute Unterhaltung“ kann man aber in jedem Fall vergeben.</p>
<p style="text-align: right;">Michaela Flint</p>
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<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Junge Bühne T.3, Lüneburg</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Premiere: </span></strong>26. April 2012</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Joanna Clamann, Cornelius Dane, Sonja Gornik, Ulrike Schäfer, Niclas Schmidt</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Musik / Regie:</span></strong>  Duncan Sheik / Oliver Hennes<br />
<strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong>  Theater Lüneburg<br />
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		<title>Liebevolle Reise in die amerikanischen 1950er Jahre</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/liebevolle-reise-in-die-amerikanischen-1950er-jahre/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 16:28:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2012]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander di Capri]]></category>
		<category><![CDATA[David Gilmore]]></category>
		<category><![CDATA[Grease]]></category>
		<category><![CDATA[Joana Fee Würz]]></category>
		<category><![CDATA[Köln]]></category>
		<category><![CDATA[Lars Redlich]]></category>
		<category><![CDATA[Melissa Williams]]></category>
		<category><![CDATA[Musical Dome]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Rüh]]></category>
		<category><![CDATA[Tim Edwards]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer kennt sie nicht: die romantisch-kitschige Geschichte von Sandy und Danny, die sich in den Sommerferien verlieben, per Zufall auf der gleichen Highschool landen und nach einigen Wirrungen zueinander finden. John Travolta und Olivia Newton-John hat „Grease“ unsterblich gemacht. Schon sechs Jahre bevor der Film 1978 in die Kinos kam, feierte die Bühnenfassung am New ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="style_SkipStroke_2 shape-with-text flowDefining">
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<div class="style_2">
<p class="Body">Wer kennt sie nicht: die romantisch-kitschige Geschichte von Sandy und Danny, die sich in den Sommerferien verlieben, per Zufall auf der gleichen Highschool landen und nach einigen Wirrungen zueinander finden. John Travolta und Olivia Newton-John hat „Grease“ unsterblich gemacht. Schon sechs Jahre bevor der Film 1978 in die Kinos kam, feierte die Bühnenfassung am New Yorker Broadway große Erfolge.</p>
<p class="Body">In den 1990er Jahren hat David Gilmore die altmodische Highschool-Romanze entstaubt und im Londoner West End zur Aufführung gebracht. Seine Inszenierung hat er bereits 2011 für das deutsche Publikum nochmals überarbeitet und seither schickt Semmel Concerts die T-Birds und Pink Ladies durch deutschsprachige Lande.</p>
<p class="Body">Am 26. Januar 2012 wurde in Köln der Tourstart 2012 gefeiert. Die Besetzung hat sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verändert, doch das tut dem Spaß und der Spielfreude keinen Abbruch. Da jedem die Handlung bekannt ist, haben sowohl Darsteller als auch Musiker leichtes Spiel bei dieser Show. Die Songs sind Selbstgänger, das Ensemble sehr charismatisch und das Publikum freut sich auf einen Abend leichtfüßiger Unterhaltung &#8211; und das vollkommen zurecht!</p>
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<div class="text-content style_External_670_301">
<div class="style_2">
<p class="Body">Die beiden Hauptfiguren Danny und Sandy werden von Lars Redlich und Joana Fee Würz gespielt. Joana Fee Würz hat die Hauptrolle mit Jahresbeginn übernommen und gibt die süße, naive Sandy glaubwürdig. Es ist eine Freude ihrer schönen, klaren Stimme zuzuhören. In den Schatten gestellt wird sie nur von Lars Redlich, der als Danny über die nötige Bühnenpräsenz verfügt, um nicht nur vielen Schülerinnen, sondern auch Gästen im Publikum den Kopf zu verdrehen. Dass er schon seit einem Jahr in dieser Rolle zu sehen ist, kommt ihm hierbei sicherlich zugute. Optisch schlägt Redlich das Film-Vorbild um Längen und auch gesanglich kann sich John Travolta gern Nachhilfe bei Lars Redlich holen. Seine schmachtende Liebeserklärung „Sandy“ bringt Steine zum Erweichen.</p>
<p class="Body">Zusammen mit Stefan Rüh als Kenickie und den übrigen T-Birds bringt Redlich jede Menge Schwung in den Musical Dome. „Greased Lightning“ und „Those Magic Changes“ machen unglaublich viel Spaß! Dass sich in den Reihen der T-Birds und Pink Ladies wahre Perlen verbergen, hört das Publikum vor allem bei „Mooning“ &#8211; gesungen von Tim Edwards alias Roger und „There are worse things I could do“, hinreißend interpretiert von Denise Obedekah als Rizzo.</p>
<p class="Body">Omri Schein sticht als Eugene aus der Menge der Rydell High Schüler hervor, da er seine Rolle so wunderbar herzerfrischend spielt, dass man den strebhaften, stetig bemühten, aber immer scheiternden, Außenseiter einfach nur in den Arm nehmen möchte.</p>
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<div class="text-content style_External_248_291">
<div class="style_2">
<p class="Body">Eher etwas unauffällig kommt Jennifer Pöll als Frenchy daher. Sie gibt angehende Kosmetik-Schülerin lange nicht so quietschbunt wie sie sein könnte. Eine Ausnahme ist der Auftritt des Teen Angel, dem Frenchy sehr süß und schüchtern an den Lippen hängt. Alexander di Capri übernimmt die Rolle des stark an Elvis erinnernden Teen Angel mit Bravour. „Beauty School Dropout“ ist eines der schönsten Stücke des Abends. Auch die Anforderungen, die seitens der Regie an Vince Fontaine gestellt werden &#8211; aalglatt, egoistisch, eitel &#8211; erfüllt di Capri einwandfrei.</p>
<p class="Body">Szenisch ist die Verwandlung in die Umgebung der Rydell High School in den 1950er Jahren sehr gelungen.</p>
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<p class="Body">Einige perfekt ausgesuchte Requisiten machen aus der Bühne eine Sportumkleide, ein Mädchenzimmer oder die Aula der High School. Auch die Kostüme wirken authentisch.</p>
<p class="Body">Die Bühnenfassung von „Grease“ ist kurz, fast schon zu kurz. Nach nur zweieinhalb Stunden ist die Geschichte von Sandy und Danny im Schnelldurchlauf erzählt. Nebenhandlungen wie die nicht ganz leichte Beziehung von Rizzo und Kenickie oder Frenchy und dem Teen Angel finden nur in einem einzelnen Song statt. Das Autorennen und die damit verbundene Feindschaft zweier Jungenbanden fehlt gänzlich. Der Fokus liegt ganz klar auf den Songs und den beiden Hauptdarstellern. Das mag bei einem Tanzmusical legitim sein, vergibt aber jede Menge Chancen auf eine runde Story. Einen wirklichen roten Faden sucht man vergebens. Warum tanzt Danny beim Highschool-Ball mit Cha-Cha? Was für eine Vergangenheit haben die Cheerleaderin Patty und Danny? Warum bändelt Sandy plötzlich mit dem Sportstar der Highschool an? Wieso hat Frenchy mit einem Mal pinkfarbene Haare? Zur Beantwortung all dieser Fragen wäre der ein oder andere Dialog sicherlich hilfreich gewesen.</p>
<p class="Body">Obgleich man sehr dankbar sein kann, dass die Songs nicht übersetzt, sondern im englischen Original gesungen werden, verwundert der ein oder andere sprachliche Ausfall doch sehr. Rizzo hätte an einem „Gangbang“ vor 60 Jahren ganz sicher keinen Spaß gehabt. Auch Darsteller, die in feinster Angus Young Manier über die Bühne rocken, sind der Zeit doch um zwei Jahrzehnte voraus.</p>
<p class="Body">Zudem wurden im Vergleich zum Film viele Songs an anderer Stelle platziert. Im Film werden viele Stücke im Rahmen des Balls gespielt, der auf der Bühne fast zu kurz kommt. Dafür erhalten aber einige Songs im Gegenzug ein stärkeres inhaltliches Gewicht wie bspw. das wunderschöne „Mooning“ von Roger und Jan. Unter anderem ändert sich aber bei „There are worse things I could do“ die Aussage des Songs (Rizzo schüttet damit in der Bühnenfassung Sandy ihr Herz aus &#8211; im Film ist sie traurig und allein, beobachtet „ihren“ Kenickie). Dass der Ball in der Bühnenshow auf ein Mindestmaß reduziert wird, ist mehr als bedauerlich. Gerade hier wäre viel tänzerisches und gesangliches Potential enthalten gewesen.</p>
<p class="Body">Alles in allem kommt der Zuschauer aber musikalisch voll auf seine Kosten, denn die bekannten Hits wie „Greased Lightning“, „Hopelessly devoted to you“, „Sanday“ und natürlich „You‘re the one that I want“ zünden erwartungsgemäß und man möchte unweigerlich das Tanzbein schwingen.</p>
<p class="Body">Daran trägt natürlich die Live-Band einen großen Anteil. Die Musiker haben den Rock‘N‘Roll im Blut und so hält es am Schluss keinen mehr auf den Sitzen; jeder macht beim Hand-Jive mit und das Premierenpublikum wird zu Rock‘N‘Roll Party Kings and Queens.</p>
<p class="Body">Dieses klassische Gute-Laune-Herz-Schmerz-Musical ist auch 40 Jahre nach seiner Uraufführung einen Besuch wert. Man verlässt das Theater beschwingt, tanzend und lachend. Eine schönere Auszeichnung kann man sich für Künstler und Kreative kaum wünschen!</p>
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<p style="text-align: right;">Michaela Flint</p>
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<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Musical Dome, Köln</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Tour-Premiere: </span></strong>26. Januar 2012</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Alexander di Capri, Tim Edwards, Lars Redlich, Joana Fee Würz, Stefan Rüh</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Regie / Choreographien:</span></strong> David Gilmore / Melissa Williams<br />
<strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Herbert Schulze<br />
</span></div>
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		<title>Hält leider nicht, was die Werbung verspricht</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/haelt-leider-nicht-was-die-werbung-verspricht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 16:36:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2012]]></category>
		<category><![CDATA[Alex Balga]]></category>
		<category><![CDATA[Capitol Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Düsseldorf]]></category>
		<category><![CDATA[Enrico de Pieri]]></category>
		<category><![CDATA[Kein Pardon]]></category>
		<category><![CDATA[Roberta Valentini]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Hermanns]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hape Kerkeling preist dieses Musical in der Fernsehwerbung als „Mördershow“ an. Das Publikum schüttet sich aus vor Lachen und wer den Film kennt, weiß warum. „Kein Pardon“ ist eine Show, die wie kaum eine andere von den Darstellern lebt, die auf der Bühne stehen. In der besuchten Vorstellung fehlte nicht nur Dirk Bach, sondern auch ...</p>
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<p class="Body">Hape Kerkeling preist dieses Musical in der Fernsehwerbung als „Mördershow“ an. Das Publikum schüttet sich aus vor Lachen und wer den Film kennt, weiß warum.</p>
<p class="Body">„Kein Pardon“ ist eine Show, die wie kaum eine andere von den Darstellern lebt, die auf der Bühne stehen. In der besuchten Vorstellung fehlte nicht nur Dirk Bach, sondern auch Iris Schumacher und Wolfgang Trepper. So gut die Zweitbesetzungen auch spielen, man spürt zu sehr, dass die Rollen auf jemand anders zugeschrieben sind. Dass niemand aus dem Publikum sich zu Standing Ovations hinreißen lässt, spricht für sich.</p>
<p class="Body">Das ist sehr schade, denn mit Enrico De Pieri steht als Peter Schlönzke ein sehr charismatischer Darsteller auf der Bühne, der es schafft, Hape Kerkeling nicht zu parodieren, sondern seinen eigenen Weg zu finden, dem glücklosen Ruhrpott-Jungen Leben einzuhauchen.</p>
<p class="Body">Musikalisch bietet „Kein Pardon“ unerwartet viel Abwechslung und auch die Kostüme und Szenenbilder sind sehr gelungen.</p>
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<div class="style_2">
<p class="Body">Von der ersten Idee, aus der Satire auf die Fernsehwelt ein Musical zu machen bis zur Weltpremiere im November 2011 vergingen fast drei Jahre. Comedian Thomas Hermanns zeichnet für Buch und Liedtexte verantwortlich. Hape Kerkeling und Dirk Bach waren schon früh am Kreativprozess beteiligt. Die Musik stammt von Achim Hagemann und Thomas Zaufke. Allesamt Profis &#8211; gute Voraussetzungen für eine tolle Show.</p>
<p class="Body">An der Handlung an sich ist nichts auszusetzen. Man muss den Film nicht kennen, um dem Geschehen folgen zu können. Mittzwanziger Peter Schlönzke wohnt immer noch bei seinen Eltern und wünscht sich nichts mehr, als Fernseh-Moderator zu werden. Wie der Zufall es will, tritt er in die Fußstapfen seines Idols Heinz Wäscher und lernt die gar nicht so schillernde und schöne TV-Welt kennen. Hinter den Kulissen herrscht der Kampf um Quoten; Neid und Missgunst sind an der Tagesordnung und Peter merkt nicht erst als auch er abserviert wird, dass er sich selbst etwas vorgemacht hat. Der Weg zurück in seine alte Welt ist holprig, aber dank ein wenig Glück wird er im Schoß seiner Familie wieder willkommen geheißen.</p>
<p class="Body">„Kein Pardon“ ist bunt, laut und lustig. Die Show will nur eines: unterhalten! In Bezug auf das Schicksal von Peter Schlönzke trifft dieser Ansatz in Schwarze. Enrico De Pieri gibt einen liebevollen Trottel; man möchte ihm unbedingt helfen, seinen Weg zu finden. Wenn er mit seinem Schnittchen-Fahrrad durch Bottrop radelt und dabei typische 80er Jahre Mitbürger trifft, ist das schon sehr süß. Seine Liebes-erklärung an seinen Fernseher („Kumpel Nummer Eins“) ist herzerweichend und hält dem Publikum charmant den Spiegel vor &#8211; denn ohne Fernseher geht es für viele heutzu-tage kaum noch. De Pieri hat eine sanfte Ausstrahlung und so ist man überrascht, dass in ihm eine solch raumgreifende glasklare Stimme versteckt ist. De Pieris Soli sind das Highlight der Show!</p>
<p class="Body">Die Menschen, denen Peter vor und während seiner Fernseh-Karriere begegnet sind echte Unikate. Jeder hat seine eigene mehr oder weniger charmante Macke, ob nun der ewig grantelnde Opa, die dauerlächelnde Redakteurin Doris, die Käffchen-Maus Karin, der schleimige Regisseur Bertram oder der gestresste, rücksichtslose TV-Star Heinz Wäscher. Und doch bleiben alle nur sehr oberflächlich in Erinnerung. Vieles wirkt aufgesetzt und unnatürlich. Einzig Roberta Valentini setzt als Ulla einen erfrischenden Lichtblick.</p>
<p class="Body">Die beiden Duette von Peter und Ulla (De Pieri und Valentini) sind wunderbar rockig &#8211; „Klingelsturm“ sprüht vor Spielfreude und in „Wild und frei“ empfiehlt sich Valentini eindrucksvoll als nächste Scaramouche in „We Will Rock You“. Die bekannten Klassiker aus dem Fernsehfilm („Witzigkeit kennt keine Grenzen“, „Das ganze Leben ist ein Quiz“) kommen souverän über die Rampe. Insgesamt will die Mischung aus 80er Jahre Schlagerpop und Rocksound dennoch nicht so recht passen. Die Brüche zwischen den musikalischen Elementen sind einfach zu stark.Die sechsköpfige Live-Band intoniert jedoch alle Stilrichtung perfekt.</p>
<p class="Body">Überhaupt erstrahlt die Leistung der Backstage-Abteilungen über allem: Die Kostüme von Mario Reichlin sind farbenprächtig und detailgetreu. Der Kontrast zwischen Ruhrpott-Familie und schillernder TV-Welt könnte größer kaum sein. Hans Peter Kudlichs Bühnenbild schafft spielend den Sprung zwischen Traum und Realität. Auch Andrew Voller kann lichttechnisch aus dem Vollen schöpfen, obwohl manche Effekte einen psychedelischen Ursprung nahelegen. Auch die Projektionen auf den mobilen Videosäulen (Uwe Hesse, Felix Kawamura), die in einigen Szenen das Geschehen einrahmen, sind überladen und beim Zuschauen wird einem schnell schwindelig.</p>
<p class="Body">Wie bereits erwähnt, wird die Show einzig von Enrico De Pieri getragen. Das ist eine große Last, die man gern auf mehr Schultern hätte verteilen können. Dennoch macht es viel Spaß De Pieri als Peter Schlönzke zuzuschauen. Man leidet und freut sich mit ihm. Als luschtiger Glückshase hat er die Lacher immer auf seiner Seite.</p>
<p class="Body">Roberta Valentini scheint als Peters Freundin Ulla etwas überqualifiziert, hat aber mit ihm zusammen die beiden besten Songs des Abends auf ihrer Habenseite.</p>
<p class="Body">Die Schlönzkes wurden in der besuchten Vorstellung von Susanna Panzner (Mutter) und Verena Plangger (Oma) gespielt. Alle spielten sympathisch und mit dem Herz am rechten Fleck. Doch es blieb der Beigeschmack, dass sie sich (noch) nicht wirklich mit den Figuren angefreundet hatten. Plangger ist die Ausnahme, denn wenn sie immer wieder vom Bollerwagen erzählt, rührt das auf komische Weise zu Tränen.</p>
<p class="Body">In Abwesenheit von Dirk Bach übernimmt Heinz-Peter Lengkeit die Rolle des alternden TV-Moderators Heinz Wäscher. Aber so recht will ihm das Kostüm nicht passen. Seine Interpretation der hessischen Frohnatur wirkte steif. Auch als Uschi Blum macht er eine eher unglückliche Figur. Eigentlich eine der zentralen Rollen der Show ging er beim Schlussapplaus in der Menge des Ensembles unter.</p>
<p class="Body">Reinhard Brussmann macht als österreichischer TV-Regisseur Bertram Spaß, kann sich aber auch nicht nachhaltig im Gedächtnis festsetzen. Bleibt noch der luschtige Glückshase, der mit den Niedlichfaktor die Herzen der Zuschauer spielend gewinnt &#8211; egal welcher Künstler drin steckt.</p>
<p class="Body">In erster Linie liegt es wohl an der Personenregie, dass die Charaktere blass bleiben und man tatsächlich das Gefühl hat, einer distanzierten TV-Sendung zuzuschauen als mitten in der abwechslungsreichen Lebensgeschichte von Peter Schlönzke. Es mag aber auch daran liegen, dass die Figuren bestimmten Darstellern auf den Leib geschrieben wurden und die Zweitbesetzungen schlicht anders gebaut sind. Hier scheint noch Potential zu sein, das Stück weiter zu entwickeln.</p>
<p class="Body">Szenisch hat Regisseur Alex Balga hingegen schöne Bilder geschaffen. Ob nun große Ensemblestücke wie „Fernsehland“, „Das ganze Leben ist ein Quiz“ oder die kleinen feinen Szenen wie „Kumpel Nummer Eins“ und „Mein Sohn ist beim Fernsehen“ &#8211; die szenische Welt funktioniert einwandfrei und das Capitol Theater zeigt alles her, was es an Kostümen und Ausstattung zu bieten hat.</p>
<p class="Body">Eine der nachhaltigsten Szenen war übrigens „Dat wär doch gelacht“, in der Opa Schlönzke kurz vor dem eigentlichen Showfinale eine Hymne auf den Ruhrpott zum Besten gibt, die alles aufzeigt, was den Pott so einmalig und sympathisch macht. Eigentlich hätte man das Stück auch an dieser Stelle enden lassen können. Aber dann hätte das große Finale gefehlt, bei dem noch einmal alles aufgefahren wurde, was „Kein Pardon“ zu bieten hat: Schillernde Kostüme, eine technikversierte Ausstattung, einen sehr charismatischen Hauptdarsteller und den gar nicht so heimlichen Star mit Puschelschwanz.</p>
<p class="Body">Dass das Stück beim Publikum nicht so recht ankam, zeigte sich beim Schlussapplaus: Niemand stand auf; außer Enrico De Pieri bekam keiner der Akteure übermäßigen Applaus. Es kann nicht nur daran liegen, dass Gäste von außerhalb dem Ruhrpott-Charme nicht erliegen. Wenn nicht einmal der Darsteller in der Rolle des „Warm-Uppers“ die Zuschauer zu Jubelstürmen motivieren kann (und normalerweise lässt sich deutsches Publikum gern zum Mitmachen animieren), wird die Luft echt dünn.</p>
<p style="text-align: right;">Michaela Flint</p>
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<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Capitol Theater, Düsseldorf</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Besuchte Vorstellung: </span></strong>27. Januar 2012</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Enrico De Pieri, Roberta Valentini</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Regie / Buch:</span></strong>  Alex Balga / Thomas Hermanns<br />
<strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Boehme und Margo / Jens Hauer<br />
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