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	<title>Stiftsruine-Archiv - Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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	<title>Stiftsruine-Archiv - Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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		<title>Selten ist Maury Yestons musikalischer Luxusliner so stilvoll untergegangen</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Aug 2017 21:20:51 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bad Hersfeld überzeugt Jahr um Jahr durch herausragende Musicalproduktionen. Hierbei bleiben mal die Kulissen, mal opulente Kostüme, mal die exzellente Besetzung und dann wieder das großartige Orchester im Gedächtnis haften. Bei der diesjährigen Produktion von „Titanic“ sind es Wertschätzung und Stil, die sich wie ein roter Faden durch Stefan Hubers Inszenierung ziehen und sie besonders ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.musicals-online.com/selten-ist-maury-yestons-musikalischer-luxusliner-so-stilvoll-untergegangen/">Selten ist Maury Yestons musikalischer Luxusliner so stilvoll untergegangen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.musicals-online.com">Herzlich willkommen auf musicals-online.com</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Bad Hersfeld überzeugt Jahr um Jahr durch herausragende Musicalproduktionen. Hierbei bleiben mal die Kulissen, mal opulente Kostüme, mal die exzellente Besetzung und dann wieder das großartige Orchester im Gedächtnis haften. Bei der diesjährigen Produktion von „Titanic“ sind es Wertschätzung und Stil, die sich wie ein roter Faden durch Stefan Hubers Inszenierung ziehen und sie besonders machen.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-2066 alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-13-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-13-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-13-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-13.jpg 960w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Timo Dentler und Okarina Peter (Bühne) sowie Susanne Hubrich (Kostüme) haben sich hinsichtlich des Farbspektrums von Kulissen und Kostümen lediglich an Schwarz-, Grau- und Weißtönen orientiert. Einzig der Kapitän und die Offiziere tragen sehr dunkelblaue Uniformen. Diese durch die Kontraste zwischen hell und dunkel ganz und gar nicht triste Farbwelt ist bei weitem nicht so deprimierend wie es scheint.</p>
<p>Die sieben jeweils dreistöckigen Buchstaben, die mit ihrem Etagen und Metallgerüsten die Decks der Titanic vortrefflich symbolisieren, schüchtern durch ihre bloße Größe ein. Man könnte auch sagen, sie wirken erhaben, fast schon majestätisch. Die Einamkeit der Besatzung auf Brücke und im Krähennest wird hiermit nur allzu klar. Zwischen den beiden großen Steinsäulen in der Mitte der Stiftsruinenbühne ist eine Brücke an Ketten aufgehängt, mit der sich die spätere Schräglage des Ozeanriesen nachdrücklich unterstreichen lässt.</p>
<p>Diese Bühnenelemente werden im Laufe des Stücks unzählige Male hin und her bewegt, gedreht oder auf der Seitenbühne versteckt. Darüber hinaus gibt es nur noch wenige Kleinkulissen wie Tische und Stücke, die insbesondere dann eine tragende (bzw. schwimmende) Rolle erhalten, wenn sie beim Untergang der Titanic auf der steil ansteigenden Hinterbühne zusammen mit den ertrinkenden Passieren durcheinander purzeln und so das blanke Chaos hinterlassen.</p>
<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-2065 alignleft" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-8-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-8-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-8-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-8.jpg 960w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />So stilvoll und unaufdringlich wie die Bühne sind auch die Kostüme. Natürlich trägt die 1. Klasse reich bestickte und glänzende Stoff in einem warmen, eleganten Elfenbeinton. Die 2. Klasse hat Hubrich in alltagstaugliche hellgraue Kleider und Anzüge gesteckt, deren Schnitte aber durchaus etwas Elegantes haben. Die 3. Klasse ist in ihren teilweise dreckigen, zerschlissenen Kleidern in dunkelgrau und schwarz eindeutig als mittellos zu identifizieren. Die wenigen Akzente sind punktgenau und gekonnt gesetzt. Toll, wenn schon in diesen Bereichen sichtbar wird, dass sich jemand grundlegende Gedanken über ein Stück gemacht hat.</p>
<p>Christoph Wohlleben und sein Orchester haben das große Vergnügen, Maury Yestons raumgreifende, gefühlvolle Kompositionen zu intonieren. Dies gelingt ihnen über weite Strecken ganz hervorragend. Schon die ersten Noten der Ouvertüre und das genüssliche Anschwellen des Klangvolumens sorgen für Gänsehaut. Jeder in der Stiftsruine spürt: Das hier ist kein oberflächliches, leicht verdauliches Musical. Schon allein die Musik ist so vielseitig und anspruchsvoll, dass jeder Zuschauer leicht nachvollziehen kann, warum „Titanic“ 1997 Tony Awards für die ‚Beste Originalmusik’, das ‚Beste Musicallibretto’ sowie die ‚Beste Orchestrierung’ bekam. Zudem wurde das Stück von Peter Stone (Buch) und Maury Yeston (Musik) noch als ‚Bestes Musical’ und für das ‚Beste Bühnenbild’ ausgezeichnet. Das alles ist mehr als 20 Jahre her und doch kann „Titanic“ auch 2017 – in dieser Bad Hersfelder Fassung &#8211; vollends überzeugen.</p>
<p>Wohlleben treibt seine Musiker deutlich hör- und sichtbar an. Ja, das Tempo von Yestons Kompositionen ist hoch und bei einigen Passagen „trödeln“ ein paar Musiker etwas. Zufrieden ist Wohlleben an diesem Tag nicht – das sieht man ihm auch noch beim Schlussapplaus an. Doch für den geneigten Musicalbesucher sind diese Tempoabweichungen marginal, ist er doch gefangen von den Schicksalen auf dem Schiff.</p>
<p>Wenn die „Titanic“ dann endlich in See sticht („Gute Fahrt“) und hierzu die Buchstaben zum ersten Mal in Gänze vor dem Publikum stehen, erleben die Zuschauer das perfekte Zusammenspiel von Bühne, Darstellern und Orchester. Auf der Bühne ist abstrakt zu erkennen, was für eine beeindruckende Konstruktion den Hafen von Southampton verlässt, die Darsteller erzählen ihre Motive, Wünsche und Träume für ihre Reise mit viel Gefühl und das Orchester lässt die sich schneller drehenden Schiffsschrauben fast spürbar werden.</p>
<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-2068 alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-15-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-15-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-15-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-15.jpg 960w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />David Arnsperger gibt den Heizer Barrett vielleicht etwas zu glatt. Der sonst eher raubeinige Heizer ist in Bad Hersfeld sehr lyrisch. Arnsperger hat eine wunderschöne Stimme und singt seine Soli glasklar, daran gibt es keinen Zweifel. Doch an der ein oder anderen Stelle hätte etwas „Dreck in der Stimme“ der Figur Barrett sicherlich nicht geschadet.</p>
<p>Das Duett von Barrett und Funker Bride (Andreas Bongard) ist sehr gelungen und emotional – wenn auch auf komplett unterschiedlichen Ebenen. Die beiden Herren passen stimmlich sehr gut zusammen.</p>
<p>Ebenfalls wunderschön und ebenfalls wesentlich weniger exzentrisch als in anderen Inszenierungen ist das Trio der drei irischen Kates. „In Amerika“ ist jugendlich, frisch und voll weiblichem Charme. Gabriela Ryffel, Melanie Gebhard und Veronika Hörmann ergänzen sich sehr gut und verkörpern ihre Rollen sehr sympathisch und nahbar.</p>
<p>Die unaufgeregte Handschrift Hubers in der Personenregie zeigt sich auch in der Figur der Alice Beane. Kristin Hölck spielt die willensstarke, eigensinnige und geltungssüchtige Zweite-Klasse-Passagierin glaubwürdig und nicht so extrem. Dass ihr stimmlich so schnell niemand etwas vormacht, wird auch in Bad Hersfeld einmal mehr klar.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2064 alignleft" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-7-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-7-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-7-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-7.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Michael Flöth hat den glücklosen Kapitän E. J. Smith bereits bei der Deutschlandpremiere 2002/2003 in Hamburg gespielt. Auch nach 15 Jahren ist er die unangefochtene Respektsperson der Inszenierung. Seine Offiziere &#8211; Jörg Neubauer als 1. Offizier Murdoch, Jürgen Strohschein als 2. Offizier Lightoller und Dominik Büttner als 3. Offizier Pitman – kommen ebenfalls sehr authentisch über die Rampe. Insbesondere Neubauer kann mit seinem Solo punkten, in dem er mit den Verpflichtungen eines Kapitäns hadert.</p>
<p>Nicht vergessen sollte man Alen Hodzovic, der als Schiffskonstrukteur Andrews zu jeder Zeit genau über das Können des Schiffs und die Auswirkungen der Schäden Bescheid weiß. Er gibt den Ingenieur souverän und clever. Als er kurz vor dem Untergang erkennt, dass ein kurzer Strich im Konstruktionsplan die Schotten um ein Deck erhöht und damit das Unglück somit hätte verhindern werden können, ist seine Verzweiflung spürbar. „Mr. Andrews’ Vision“ intoniert er sehr wandelbar, wobei er in der „Schuldfrage“-Szene mit dem Kapitän und Bruce Ismay noch glaubwürdiger wirkt.</p>
<p>Apropos Ismay, Frank Winkels spielt den unsympathischen Reederei-Direktor treffsicher überheblich und unsympathisch. Dass sich dieser windige, feige Kerl kurz vor dem Untergang von Bord geschlichen hat, nimmt man Winkels fast persönlich übel.</p>
<p>Der dramaturgisch gelungene Aufbau hin zum Finale des 1. Akts, dem Rammen des Eisbergs, bei dem am Ende das „A“ in der Mitte zerbricht und Treppen ins Nirgendwo führen, ist einmal mehr ein gelungener Kniff von Stefan Huber.</p>
<p>Wenn im 2. Akt die teilweise doch sehr leichtgläubigen Passagiere vom 1. Klasse Steward Henry Etches (von Mathias Schlung mit der idealen Mischung aus Untergebenheit und Selbstbewusstsein gespielt) aus ihren Kabinen geholt werden, ist die Drei-Klassen-Gesellschaft dank der Etagenkonstruktion visuell wieder exzellent dargestellt.</p>
<p>Das Ausbooten ist chaotisch und laut, doch dann wird es ganz ruhig.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2067 alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-14-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-14-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-14-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/08/Titanic-by-Stephan-Drewianka-Web-14.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Ida und Isidor Strauss (Christine Rothacker und Uwe Dreves) stehen auf der Brücke hoch über den Köpfen der Zuschauer und verbringen ihre letzten Momente gemeinsam und voller Liebe und Zuneigung füreinander. Auch in Bad Hersfeld rührt dieses süße alte Ehepaar zu Tränen.</p>
<p>Nachdem die Titanic im schwarzen Atlantik versunken ist und die Bühne zeitweilig komplett geräumt wurde, kommen nach und nach die Überlebenden an den Bühnenrand. Dass sie ihre Trauer vor den im Hintergrund liegenden Ertrunkenen zum Ausdruck bringen, erhöht die ohnehin schon große Anspannung beim Publikum.</p>
<p>„Titanic“ ist keine Gute-Laune-Show, auch wenn es Szenen wie „Ragtime“ (von Melissa King sehr stimmig und wenig exzentrisch choreographiert) gibt. Doch das Publikum lässt seiner Begeisterung für diesen so schnörkellos inszenierten Stoff freie Bahn und steht schon wenige Sekunden nachdem der letzte Ton verhallt ist auf, um den Künstler stehende Ovationen zu spenden.</p>
<p>Maury Yestons mitreißende Kompositionen verfehlen ihre Wirkung nicht. Stefan Huber hat zudem die Produktion so angelegt, dass Musik, Darsteller und Bühne nicht wie so oft in Konkurrenz zueinander treten, sondern ein überaus stillvolles, harmonisches Ganzes bilden, wie man es heutzutage doch eher selten sieht. Schlichtweg wunderbar!</p>
<p style="text-align: right;">Michaela Flint</p>
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<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Stiftsruine, Bad Hersfeld</span><br />
<span class="Bold" style="color: #000080;"> <strong>Besuchte Vorstellung:</strong> 6. August 2017</span></div>
<div class="style_3"><span class="Bold" style="color: #000080;"><span class="Bold" style="color: #000080;"><strong>Darsteller: </strong></span></span><span style="color: #000080;"> Michael Flöth, Frank Winkels, Alen Hodzovic, David Arnsperger, Gabriela Ryffel, Melanie Gebhard, Veronika Hörmann, Andreas Bongard, Mathias Schlung, Kristin Hölck, Christine Rothacker, Uwe Dreves</span><br />
<span style="color: #000080;"> <strong><span class="Bold">Musik / Regie:</span></strong> Maury Yeston / Stefan Huber</span><br />
<span style="color: #000080;"> <strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Stephan Drewianka, musical-world.de<br />
</span></div>
</div>
</div>
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		<title>Klassische Inszenierung mit einem herausragenden Prof. Higgins</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/klassische-inszenierung-mit-einem-herausragenden-prof-higgins/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Jul 2016 11:43:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2016]]></category>
		<category><![CDATA[Bad Hersfeld]]></category>
		<category><![CDATA[Bad Hersfelder Festspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Cusch Jung]]></category>
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		<category><![CDATA[Gunther Emmerlich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist fast schon eine Tradition, dass die Bühnenbilder und Kulissen in der Stiftsruine Bad Hersfeld, kreativ und absolut stimmig zur Handlung des jeweiligen Stücks sind. Da bildet auch das diesjährige Sommermusical „My Fair Lady“ keine Ausnahme. Karin Fritz hat auf der rechten Seite die schäbigen Bars am Covent Garden nachgebaut, wo sich Eliza als ...</p>
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<div class="style_2">
<p class="Body">Es ist fast schon eine Tradition, dass die Bühnenbilder und Kulissen in der Stiftsruine Bad Hersfeld, kreativ und absolut stimmig zur Handlung des jeweiligen Stücks sind. Da bildet auch das diesjährige Sommermusical „My Fair Lady“ keine Ausnahme.</p>
<p class="Body">Karin Fritz hat auf der rechten Seite die schäbigen Bars am Covent Garden nachgebaut, wo sich Eliza als Blumenverkäuferin um jeden Penny bemüht. Links ist der Blick frei auf eine gepflegte Rasenfläche mit dahinter liegender Straße, die in einer Szene stilecht mit einem wunderschönen Jaguar befahren wird. Die Rasenfläche zieht sich über den Mittelteil zwischen den Säulen entlang und wird zeitweilig zum Treffpunkt von Pferd und Adel in Ascot.</p>
<p class="Body">Zentrale Spielfläche ist jedoch ein nach zwei Seiten zu öffnendes Zelt, in dem sich Prof. Higgins Wohn- und Arbeitszimmer befindet. Mit scheinbar wenigen Mitteln hat Fritz eine rundum gelungene Umgebung für die Liebesgeschichte von Prof. Higgins und Eliza Doolittle geschaffen.</p>
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<div><img decoding="async" class="alignright" src="http://old.musicals-online.com/musicals-online/My_Fair_Lady_2016_files/shapeimage_1.png" alt="" /></div>
<p>Schon bei der Ouvertüre weiß man, hier war jemand am Werk, der die Location kennt: Das Orchester unter der bewährten Leitung von Christoph Wohlleben ist exzellent ausgesteuert. Druckvoll kreieren die Musiker eine wohlige Atmosphäre und ziehen die Zuschauer schon mit den ersten beiden Stücken in ihren Bann. Diese fast schon zu harmonische Abmischung gereicht einigen Darstellern im Laufe des Abends zum Nachteil, da sie sich gegen das Orchester nur schwerlich durchsetzen können. Doch insgesamt darf man Joern Grünsfelder für die gelungene Tontechnik in dieser herausfordernden Umgebung gratulieren.</p>
</div>
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<div class="text-content style_External_669_1746">
<div class="style_2">
<p class="Body">Die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen den Besuchern der Royal Opera Covent Garden und den herumlungernden Tagelöhnern hat Ella Späte sehr gut herausgearbeitet. Während die Bettler und Tagelöhner in schmutzigen Grau-und Brauntönen gekleidet sind, strahlen die Operngäste in blitzsauberen Pastelltönen die ihrem Stand angemessene Eleganz aus. Auch die helle Grundstimmung der Ascot-Szene unterstreicht Späte insbesondere durch ausgefallene Hüte und geschmackvolle Kleider. Insbesondere das rosa Kleid von Mrs. Eynsford-Hill und die gelbe Robe von Eilza ragen hier heraus. Auf die Schirme hätte Späte jedoch gern mehr Augenmerk legen können. Diese sehen aus wie von der Stange, nur einer erinnert an die im ausklingenden 19. Jahrhundert üblichen Stockschirme.</p>
</div>
</div>
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<div class="style_2">
<p class="Body">Doch das größte Lob gebührt Cusch Jung. In Personalunion führte er Regie und übernahm die Hauptrolle. Beides gelingt ihm ganz vorzüglich. Nicht nur, dass die Charaktere alle ideal besetzt sind. Jungs Personenregie ist so ausgefeilt, dass jeder Einzelne sehr authentisch wirkt.</p>
<p class="Body">Zudem inszenierte er das Stück mit viel Humor und einer großen Portion Selbstironie: Oberst Pickering sorgt beispielsweise für viele Lacher, wenn er bei Eliza Lerneinheiten so durcheinander kommt, dass er selbst von „jrienen Pistazien“, einer Diskussion „um 3 Uhr frie“ und einer Oper von Lohengrün“ spricht. Das Publikum schüttet sich aus vor Lachen! Auch seine Motivationsversuche (das von Bundeskanzlerin Angela Merkel geprägte „Wir schaffen das!“) während Elizas Ü-Übungen sind sehr charmant. Den sprichwörtlichen Vogel schießt Pickering aber als Experte für Ballkleider ab: „Ich hab Ihnen ja gesagt, dass dieser französische Modesalon amaçon nichts taugt!“ So gewieft darf man seinen Hauptsponsor gern unterbringen. Chapeau!</p>
<p class="Body">Cusch Jung spielt Prof. Higgins so wie man es sich wünscht: extrem überheblich, von sich und seinem Können über alle Maßen überzeugt, herablassend zu Eliza und die Männerfreundschaft mit Oberst Pickering genussvoll auskostend. Man glaubt Jung diese Facetten sofort.</p>
<div><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="http://old.musicals-online.com/musicals-online/My_Fair_Lady_2016_files/shapeimage_3.png" alt="" width="360" height="429" /></div>
<p class="Body">Auch sein genervtes Lamento „Lass’ ein Weib an Dich heran“ / „Kann denn eine Frau nicht sein wie ein Mann?“ bringt er genervt, mit glaubhafter Empörung in sehr gutem Sprechgesang zum Ausdruck. Dass er auch eine komische Seite hat, zeigt sich, wenn er sich als beleidigte Leberwurst im Wagen seiner Mutter verkriecht, nachdem Eliza ihm einen Korb gegeben und seine Mutter ihm eine Standpauke gehalten hat. Man hört förmlich das „Stell Dich nicht so an!“, dass die Zuschauer diesem im Selbstmitleid zerfließenden Professor entgegenschmettern wollen.</p>
</div>
</div>
</div>
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<div class="text-content style_External_259_292">
<div class="style_2">
<p class="Body">Ein weiterer stilistischer Pluspunkt sind die Choreographien von Melissa King. Sie erinnern sicherlich nicht nur zufällig an die Tänze aus „Mary Poppins“ oder „Chitty Chitty Bang Bang“, deren Verfilmungen ja zeitgleich mit dem „My Fair Lady“-Film die Welt eroberten.</p>
<p class="Body">„Wäre det nich wundascheen?“ und „Mit ’nem kleenen Stückchen Glück“ sind nur einige Beispiele, wo die schwungvollen, stimmigen Choreographien die Zuschauer zum Mitwippen einladen. Perfekt gelungen ist auch „Bringt mich pünktlich zum Altar“, wo die Stepptänzer zunächst im Publikum tanzen, um dann nach und nach auf die Bühne zurückzukehren. Das alles wirkt schon sehr ausgefeilt und wird zudem nahezu fehlerfrei von den Darstellern umgesetzt.</p>
</div>
</div>
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<div class="text-content style_External_259_301">
<div class="style_2">
<p class="Body">Ganz sanft und ruhig, aber nicht weniger glaubwürdig, wird Jung, wenn er sich auf seine einzigartige Weise eingesteht, dass er sich in Eliza verliebt hat: „Ich bin gewöhnt an ihr Gesicht“ spielt ganz ausgezeichnet mit dem Kontrast von Selbstgespräch und Ballade.</p>
<p class="Body">Der Grund für Prof. Higgins Selbstverzweifel und Verwirrung ist Eliza Doolittle, die er in sechs Monaten mit gnadenlosem Drill zu einer Dame der Gesellschaft getrimmt hat. Mit Sandy Mölling wurde für diese Rolle eine bühnenerfahrene Popsängerin gefunden, die insbesondere die burschikosen Elemente des Charakters sehr glaubhaft über die Rampe bringt. Ihr Berliner „Rinnsteinjargon“ ist schön görig und empört („Baden bekommt ma nich!“) und passt gut zum Habitus des stolzen Blumenmädchens. Dass sie den Berliner Slang gerade im Gesang so manches Mal nicht konsequent durchzieht, ist etwas schade, aber das Gesamtbild passt dennoch. Mölling singt gerade in den tieferen Lagen sehr sauber und strahlt nicht nur bei „Wäre det nich wundascheen?“ eine große Sympathie aus.</p>
</div>
</div>
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<div class="text-content style_External_669_285">
<div class="style_2">
<div><img decoding="async" class="alignright" src="http://old.musicals-online.com/musicals-online/My_Fair_Lady_2016_files/shapeimage_5.png" alt="" /></div>
<p class="Body">Eliza macht pflichtschuldigst alle ihre Sprachübungen . egal wie müde oder frustriert sie ist. Beim Anfeuern von Pferd Dover in Ascot fällt sie jedoch in ihre Gossensprache zurück („Mach hin, sonst streu ick Dir Pfeffa in’n Arsch!“) und vergisst die mühsam antrainierte gute Schule. Mölling interpretiert beide Extreme mit viel Gefühl und der genau richtigen Energie.</p>
<p class="Body">Als sich Higgins und Pickering nach dem erfolgreichen Treffen beim König selbst feiern und Eliza dabei komplett ignorieren, möchte man Mölling, die wie ein Häufchen Elend über die Bühne schleicht, einfach nur tröstend in den Arm nehmen. Die folgende Auseinandersetzung mit Higgins ist kraftvoll und wird von Jung und Mölling mit raumgreifender Intensität umgesetzt. Klasse!</p>
<p class="Body">Das Spiel mit dem Feuer, als Eliza sich endlich stark genug fühlt, Prof. Higgins in seine Schranken zu weisen („Tu’s doch“) ist eine weitere Szene, die das überaus gelungene Zusammenspiel von Mölling und Jung unterstreicht: Sehr plakativ, trotzig und selbstbewusst, fordert Eliza ihren Lehrer heraus, bis sie schließlich auf ihm sitzt und den Kuss einfordert, den Higgins ihr im Streit „androht“.</p>
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<p class="Body">Wer in dieser Beziehung die Hosen anhat, wird nicht erst in der letzten Szene deutlich, in der Eliza sich in Higgins Arbeitszimmer schleicht, die Füße auf seinen Tisch legt und ihm neckisch eine der Pralinen anbietet, die er früher als Belohnung für erfolgreiche Sprachübungen eingesetzt hat. Schon ihre klare Ansage „Ohne Dich“, einmal mehr sehr sympathisch von Mölling intoniert, zeigt Higgins, wie stark die junge Frau ist, in die er sich gegen seinen Willen verliebt hat.</p>
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<div>Mit Gunther Emmerlich und Ilja Richter wurden zwei weitere namhafte Darsteller für das Sommermusical engagiert: Emmerlich begeistert als liebevoller „Teddybär“, Oberst Pickering.</div>
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<p class="Body"><img decoding="async" class="alignleft" src="http://old.musicals-online.com/musicals-online/My_Fair_Lady_2016_files/shapeimage_6.png" alt="" />Seine humorigen Sprüche, seine umsorgende Haltung gegenüber Eliza und seine leider nur in wenigen Momenten anklingende tiefe Gesangsstimme sorgen für gute Laune. Bemerkenswert ist auch das gute Zusammenspiel mit Cusch Jung. Die beiden werfen sich die Bälle gekonnt zu. „Es grünt so grün“ ist einer der schwungvollsten Songs des Abends und die drei Darsteller sind in dieser Szene sehr nahbar. Auch „Sie sind’s, der es geschafft hat“ unterstreicht die tiefe Freundschaft der beiden Männer, an der man im Publikum keinerlei Zweifel hegt.</p>
<p class="Body">Ilja Richter steht als Elizas Vater Alfred P. Doolittle auf der Bühne. Seine Stimme ist auch mit Berliner Akzent (der im übrigen gern noch ausgeprägter hätte sein können) unverkennbar. Er hat eine dankbare Rolle, darf albern sein und flirten und animiert das Publikum mit „Bringt mich pünktlich zum Altar“ zum Klatschen. Dass er nicht der stärkste Sänger und Tänzer ist, verzeiht man ihm.</p>
<p class="Body">Zwei weitere Damen des insgesamt 27-köpfigen Ensembles (plus Statisterie) darf man nicht unerwähnt lassen: Gertraut Jesserer gibt eine herrliche resolute Mrs. Higgins, die Eliza gekonnt unter ihre Fittiche nimmt als sie erkennt, wie gut das Mädchen ihrem so wenig gesellschaftsfähigen Sohn tut. Als Prof. Higgins „gute Seele“, Mrs. Pearce, die ihrem Arbeitgeber aber weiß Gott nicht kritiklos gegenüber steht, erleben die Zuschauer Jessica Kessler. Sie hat zwar keine große Rolle, aber es gelingt ihr dank ihrer Bühnenpräsenz dennoch einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.</p>
<p class="Body">Last but not least gibt es noch Marlon Wehmeier, der den liebestrunkenen Freddy Eynsford-Hill mit viel Naivität und jungenhaften Charme spielt. Sein „In der Straße, wo du lebst“ ist naturgemäß zu süß, um ein Showstopper zu sein. Doch Wehmeier macht das Beste aus dieser doch recht undankbaren Rolle des glücklosen Verehrers.</p>
<p class="Body">Die Musical-Produktionen der Bad Hersfelder Festspiele sollten einen festen Platz im Sommerkalender eines jeden Musicalfans haben. Denn es gibt kaum ein andere Open Air Spielstätte, wo Jahr für Jahr Musicals auf solch hohem Niveau abgeliefert werden. „My Fair Lady“ ist ein weiterer Beleg dafür, dass Klassiker, die klassisch und nicht mit pseudomoderner Brechstange inszeniert werden, das Publikum begeistern.</p>
<p class="paragraph_style" style="text-align: right;">Michaela Flint</p>
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<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Stiftsruine, Bad Hersfeld</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Besuchte Vorstellung: </span></strong>4. Juli 2016</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Sandy Mölling, Cusch Jung, Gunther Emmerlich, Ilja Richter, Jessica Kessler, Marlon Wehmeier, Gertraut Jesserer </span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Musik / Regie:</span> </strong>Frederick Loewe / Cusch Jung<span class="Bold"><br />
</span><strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Bad Hersfelder Festspiele</span></div>
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		<title>Ein rundum gelungener Klassiker in einmaliger Umgebung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jul 2015 13:18:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2015]]></category>
		<category><![CDATA[Bad Hersfeld]]></category>
		<category><![CDATA[Bad Hersfelder Festspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Bettina Mönch]]></category>
		<category><![CDATA[Cabaret]]></category>
		<category><![CDATA[Gil Mehmert]]></category>
		<category><![CDATA[Helen Schneider]]></category>
		<category><![CDATA[Jessica Kessler]]></category>
		<category><![CDATA[Rasmus Borkowski]]></category>
		<category><![CDATA[Stiftsruine]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit 65 Jahren strömen alljährlich Tausende Besucher in die Ruine des alten Benediktinerstifts in Bad Hersfeld, um dort Schauspiel und Musical auf höchstem Niveau zu erleben. TV-Regisseur Dieter Wedel hat in diesem Jahr die Intendanz der Bad Hersfelder Festspiele übernommen, was bei einem Theaterschaffenden seiner Reputation die Erwartungen naturgemäß um einiges höher schraubt. Als Musical ...</p>
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<p>Seit 65 Jahren strömen alljährlich Tausende Besucher in die Ruine des alten Benediktinerstifts in Bad Hersfeld, um dort Schauspiel und Musical auf höchstem Niveau zu erleben. TV-Regisseur Dieter Wedel hat in diesem Jahr die Intendanz der Bad Hersfelder Festspiele übernommen, was bei einem Theaterschaffenden seiner Reputation die Erwartungen naturgemäß um einiges höher schraubt.</p>
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<p class="Body">Als Musical wurde in diesem Jahr der Kander/Ebb-Hit „Cabaret“ auf den Spielplan gesetzt. Die Besetzung ließ schon vermuten, dass Regisseur Gil Mehmert keine alltägliche Inszenierung des Musicals auf die Bühne der Stiftsruine bringen wollte. Mit Helen Schneider als Conférencier, Bettina Mönch als Sally Bowles, Rasmus Borkowski als Clifford Bradshaw, Judy Winter als Fräulein Schneider und Helmut Baumann als Herr Schultz konnte das Publikum sich ausrechnen, dass es ein hochkarätiger Abend werden würde.</p>
<p class="Body">Das große Orchester unter der bewährten Leitung von Christoph Wohlleben zieht das Publikum sofort in seinen Bann. Helen Schneider bahnt sich ihren Weg durch die Reihen und begrüßt die Zuschauer mit dem weltbekannten „Willkommen, Bienvenue, Welcome“. Man muss schon genau hinschauen, um direkt zu erkennen, dass der Conférencier hier eine Frau ist. Das Kostüm erinnert vage an den verrückten Hutmacher aus Tim Burtons „Alice im Wunderland“. Die Vermutung liegt nahe, dass Johnny Depp und die ihm eigene exzentrische Auslegung verschiedener Charaktere bei der Schaffung des Conférenciers Pate stand.</p>
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<p class="Body">Das Reich des Conférenciers, der Kit Kat Klub, wird mittels einer Drehbühne (Heike Meixner) zum Leben erweckt: Auf einem übergroßen Flügen tanzen die Kit Kat Girls und Boys, verdreht Sally Bowles den zumeist männlichen Gästen den Kopf und Fräulein Kost findet weitere Matrosen, deren Wünsche nach Gesellschaft sie nur zu gern erfüllt. Der Conférencier spielt mit seinen übergroßen, an Stäben angebrachten Händen nicht nur das Klavier, sondern nimmt auf die ein oder andere Weise auch am Schicksal der Protagonisten teil.</p>
<p class="Body">Nicht nur, dass die Bühne – auf der einen Seite der Kit Kat Klub, auf der anderen das Mietshaus mit den Wohnungen von Fräulein Schneider, Clifford Bradshaw, Herrn Schultz und Fräulein Kost; alles überragt von einem eindrucksvollen Berlin-Schriftzug – absolut überzeugt, auch andere szenische Einfälle erhalten Szenenapplaus. Hierzu zählt unter anderem die auf dem Steg zwischen Orchester und Publikum umgesetzte Zugfahrt, in der Cliff die verhängnisvolle Bekanntschaft von Ernst macht. Auch die Discokugeln, die beim Titelsong von den Tänzern eingesetzt werden, sorgen durch die direkte Beleuchtung für einen effektvollen Sternenhimmel am Dach des Zuschauerraums.</p>
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<p class="Body">„Cabaret“ lebt von einer gewissen Schlüpfrigkeit, spielt die Handlung doch im Rotlichtmilieu. Was Falk Bauer sich an Kostümen ausgedacht hat, passt zu jedem Charakter perfekt: Ob nun der exzentrische, überschminkte Conférencier im XXL-Anzug, die leicht anrüchig bekleidete Sally Bowles, die klassischen 1940er Jahre Anzüge von Bradshaw, Schultz und Ludwig oder Fräulein Kosts koketten Kleider, mit denen sie spielend die Aufmerksamkeit der Matrosen gewinnt. Am gelungensten sind jedoch die Kostüme der Tänzerinnen und Tänzer: Es gibt Männer in Kostümen, die zur Hälfte aus einem schicken Abendkleid und zur anderen Hälfte aus eleganten Anzügen bestehen (inklusive entsprechend „geteilter“ Perücken und Schuhe). Aber natürlich gibt es auch viel nackte Haut zu sehen, die jedoch gekonnt mit entsprechenden Kleidern umrahmt wird.</p>
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<p class="Body">Die Rahmenbedingungen könnten nicht idealer sein. Man fühlt sich mit diesem Setup sehr wohl und es passt alles! Dass auch die Besetzung hält, was die großen Namen versprechen, ist nicht selbstverständlich. Aber Bad Hersfeld wird auch diesbezüglich seinem guten Ruf gerecht.</p>
<p class="Body">Bettina Mönch überragt nahezu alle anderen Darsteller um fast einen Kopf. Ihre große, schlanke Erscheinung ist ungewöhnlich für eine Sally, aber sie bewegt sich schön lasziv, weiß ihre Vorzüge einzusetzen und auch der eher unnötige Busenblitzer tut ihrer beeindruckenden Erscheinung keinen Abbruch. Hinzu kommt, dass es ihr gelingt, das Publikum schon bei ihrem erste Song „Mama“ in Erstaunen zu versetzen: Sie trifft jeden Ton, schafft eine perfekte Harmonie von Schauspiel und Gesang und spätestens bei „Mein Herr“ sind im Publikum laute Jubelrufe zu hören. Sie spielt sehr zielstrebig und offensiv. Auch die leisen Töne („Maybe this time“) gelingen ihr ausnehmend gut. Sie singt so gut, dass auch die große Liza Minelli, die ja bekanntermaßen die Rolle der Sally Bowles erst berühmt gemacht hat, vor Ihr den Hut ziehen würde. Bettina Mönch ist die perfekte Besetzung für diese durchaus komplexe Figur.</p>
<p class="Body">Als Cliff Bradshaw ist Rasmus Borkowski zu sehen. Dass der Lübecker mehr kann, hat er u. a. als Mozart im gleichnamigen Musical bewiesen. Doch auch diese vermeintlich kleine Rolle füllt er mit viel Energie glaubwürdig aus. Er sprüht vor Wissensdurst, seine Liebe zu Sally wirkt authentisch und sein gebrochenes Herz am Ende ist geradezu greifbar. Die Kompositionen von John Kander liegen ihm und sein nachdenkliches „Willkommen, Bienvenue, Welcome“ zum Finale klingt noch lange nach.</p>
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<p class="Body">Das zweite Paar im Stück – die Vermieterin Fräulein Schneider und der Obsthändler Herr Schultz –, werden gespielt von Judy Winter und Helmut Baumann. Schauspielerisch sind die beiden Altstars der deutschen Theaterszene über jeden Zweifel erhaben. Sie harmonieren sehr gut und ihr „Ananas“-Duett ist zuckersüß und sehr charmant. Herr Schultz erzeugt große Betroffenheit – einerseits, weil er seine späte Liebe aufgrund des aufkommenden Nationalsozialismus nicht heiraten kann, andererseits, weil er sich mit aller Kraft gegen die unberechtigten Anfeindungen wehrt.</p>
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<p class="Body">Baumann kann diese starken Emotionen gut über die Rampe bringen. Judy Winter führt als Hausverwalterin ein strenges Regiment. Sie wirkt in dieser Rolle absolut authentisch. In den Gesangsszenen (bspw. „Wie geht’s weiter?“) kann sie weniger überzeugen, doch ihre liebevolles Zusammenspiel mit Baumann macht dieses Manko spielend wett.</p>
<p class="Body">Bleiben noch Fräulein Kost, gespielt von Jessica Kessler, die keine Gelegenheit auslässt, um einem Matrosen ihre Lustgrotte zu zeigen. Kessler spielt mit wunderbar frecher, Berliner Schnauze und ist herrlich burschikos. Sie ist auch die einzige, die Ernst Ludwig, dem Parteifunktionär, der ab der Mitte des Stücks seine Gesinnung in SA-Uniform deutlich zur Schau stellt, folgt. Björn Bonn verleiht diesem kritischen Charakter ein Gesicht, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Die Beklemmung, die von dieser Figur ausgeht, ist augenblicklich spürbar als er den Trenchcoat ablegt und das Hakenkreuz auf seinem Arm sichtbar wird. Doch insgesamt wird das Thema Faschismus in dieser Inszenierung weniger plakativ dargestellt: Eine einzelne Hakenkreuzfahne reicht für die optische Einordnung des Zeitgeschehens aus. Ansonsten wird viel mit Analogien gearbeitet: „Two Ladies“ ist, wenn auch eine insgesamt sehr verwirrende Szene, eine Persiflage auf Hitler. In einer anderen Szene werden die Federpuschel auf den Köpfen des Tanzensembles zu Stahlhelmen. Das ist sehr effektiv und zeigt die Wandlung des Umfeldes sehr klar.</p>
<p class="Body">Ähnlich bedrückend ist „Seht Ihr sie mit meinen Augen“ – hier tanzt der Conférencier mit einem Affen und stellt nachdrücklich das bittere Schicksal von Fräulein Schneider und Herrn Schultz dar. So gut Helen Schneider in dieser Szene ist, so bedauerlich ist es, dass sie bei „Money“ gesanglich nicht mitkommt. Sie hetzt dem Orchester hinterher anstatt die Führung bei diesem beeindrucken Stück Musicalgeschichte zu nehmen.</p>
<p class="Body">Mit Choreographien wird bei „Cabaret“ bekanntermaßen nicht gespart. Melissa Kling setzt diese in klarer Tradition von Bob Fosse um. Schon beim „Telefon-Song“ wird dies überdeutlich. Es wunderbar zu sehen, dass es noch Choreographen gibt, die ein funktionierendes Konzept nicht neu erfinden, nur um sich selbst ein Denkmal zu setzen.</p>
<p class="Body">In der letzten Szene steht eine abgewrackte Sally Bowles zwischen den riesenhaften Leuchtbuchstaben über der Bühne. Wie es mit ihr weitergeht? Das erfährt das Publikum nicht. Aber dass sie ganz sicher keiner rosigen Zukunft entgegentanzt, ist jedem Zuschauer klar.</p>
<p class="Body">Gil Mehmert hat „Cabaret“ geradlinig und von der ersten bis zur letzten Minute in sich stimmig umgesetzt. Er hat Gespür für die richtige Besetzung bewiesen und legt die Charaktere so an, dass sie sehr authentisch wirken. In dieser Konstellation beweist Bad Hersfeld einmal mehr, dass diese Festspiele einen festen Platz im deutschen Musicalspielplan haben.</p>
<p style="text-align: right;">Michaela Flint</p>
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<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Stiftsruine Bad Hersfeld</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Besuchte Vostellung:</span></strong> <span class="Bold">19</span>. Juli 2015</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Bettina Mönch, Rasmus Borkowski, Helen Schneider, Jessica Kessler</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Musik / Regie:</span></strong>  John Kander / <span class="Bold">Gil Mehmert<br />
</span><strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Klaus Lefebvre<br />
</span></div>
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		<title>Stephan Kuno: Wie bringt man Barrikaden in eine Stiftsruine?</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/stephan-kuno-wie-bringt-man-barrikaden-in-eine-stiftsruine/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 May 2008 13:01:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews mit Kreativen]]></category>
		<category><![CDATA[Bad Hersfeld]]></category>
		<category><![CDATA[Les Miserables]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Kuno]]></category>
		<category><![CDATA[Stiftsruine]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="style_SkipStroke_3 shape-with-text flowDefining">
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<div class="style_2">
<p class="Body">Wenn am 14. Juni die ersten Premierennoten der Ouvertüre zu Alain Boublil und Claude-Michel Schönbergs Musical-Hit „Les Misérables“ durch Bad Hersfeld klingen, haben zahllose Künstler schon fast ein Jahr Vorbereitung in den Knochen. Dazu gehört auch Stephan Kuno, der für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet. Der Quereinsteiger als Bühnenbildner hat schon vieles in seinem Leben ausprobiert: „Ich war Kfz-Mechaniker und Dachdecker und habe 1983 für die Schauspielausbildung in Berlin einige Kulissen gebaut.“ Zum Theater als darstellender Künstler kam Kuno durch einen großen Zufall: „Für die anstehende Helmut Stauss Tournee hatte man vergessen, eine Rolle zu besetzen. Ich weiß nicht warum, aber man fragte mich, ob ich die Rolle, sie war ja auch nur sehr klein, spielen wolle und ich entschloss mich kurzerhand, mein Leben auf den Kopf zu stellen und nahm das Angebot an.“</p>
<p class="Body">Es folgten zahlreiche Theater- und TV-Rollen. Aber Kuno hat es auch immer wieder in den Backstage-Bereich gezogen: „Ich habe häufiger mal als Bühnentechniker gearbeitet, aber damals noch selten als Bühnenbildner. Erst für die „Rocky Horror Show“ 1995 in Bad Hersfeld habe ich angefangen, auch Kulissen zu bauen und konnte meine Kenntnisse über Special Effects einbringen.“ Seitdem ist Kuno Bad Hersfeld treu geblieben.</p>
<p class="Body">Bis zum Ende der Intendanz von Volker Lechtenbrink 1998 war er der Technische Leiter aller Produktionen und blieb auch während der Intendanz von Peter Lotschak in dieser Position. „Ich habe danach zwar nicht mehr fest für die Festspiele gearbeitet, sondern gemeinsam mit einem Partner Messen und Events ausgestattet, aber da ich meine große Liebe in Bad Hersfeld gefunden habe, ist hier jetzt mein Lebensmittelpunkt. Als dann der Technische Leiter nach der Saison 2005/2006 ging, wurde ich erneut gefragt, ob ich diese Position übernehmen wolle.“ Obwohl er durch verschiedene TV-Engangements gut ausgelastet war, sagte Kuno zu und machte sich seit letzten Sommer Gedanken über die Umsetzung von „Les Misérables“ in der Stiftsruine.</p>
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<div class="text-content style_External_675_587">
<div class="style_2">
<p class="Body">Die Herausforderung ist nicht zu verachten: „Wir haben 1400 m² einsehbare Bühnenfläche, keine Seitenbühne, auf der wir etwas lagern könnten und ein Tor mit nur 2,50 Breite und 3,50 Höhe. Für Großkulissen also gänzlich ungeeignet. Da mussten wir uns einiges einfallen lassen, um die Barrikaden transportabel und flexibel zu gestalten.“ Zum Glück besteht Produzent Cameron Mackintosh nicht mehr auf einer Drehbühne bei „Les Misérables“, dennoch musste Kuno den Verantwortlichen in London seine genaue Bühnenkonzeption vorlegen. „Wir werden viel mit Licht arbeiten und die einzelnen Spielflächen auf der Bühne verteilen. Durch die entsprechende Beleuchtung sind auf diese Weise nahtlose Szenenwechsel möglich.“ Der Aufgabe mit den eindrucksvollen, üblicherweise szenen- und bühnenfüllenden Barrikaden stellte sich Kuno mit viel Kreativität: „Wir haben ein Untergestell auf Schienen entwickelt, auf dem verschiedene Materialien, wie Räder, Stuhle, Bretter, Türen usw., im Laufe des Stücks gestapelt werden. Diese Materialien habe ich in ganz Deutschland zusammengesammelt. Ich habe in Zeitungen inseriert und man wundert sich, was für Schätze in manchen Scheunen schlummern. Gerade in den Neuen Bundesländern konnten wir viele authentische Gegenstände finden, die auf alten Höfen oder Heimatvereinen ihr Dasein fristeten.“ Darüber hinaus konnte sich Kuno auf die Unterstützung der Einwohner der kleinen Stadt in der Mitte Deutschlands verlassen: „Die Bad Hersfelder lieben ihre Festspiele und helfen sehr gern.“</p>
<p class="Body">Neben den unabdingbar flexiblen Kulissen setzt „Les Misérables“ auch personell neue Maßstäbe: „Es werden über 100 Personen auf der Bühne stehen. Darunter viele Statisten. Da muss technisch einfach alles perfekt sein, damit es nicht zu Zwischenfällen kommt.“ Ein solcher ungeplanter Zwischenfall ereignete sich Ende März. Wenige Tage nachdem das Zeltdach über dem Zuschauerraum aufgestellt war, gab es einen Wintereinbruch. Der ungewöhnliche starke Schneefall zwang die Konstruktion in die Knie. Als ob man mit der parallelen Vorbereitung von vier Festspielstücken nicht schon genug zu tun hätte… „Zum Glück ist niemand verletzt worden. Die Proben fangen ja erst am 8. Mai an. Und dafür haben wir eine ganze Fabriketage gemietet, so dass wir hier alles in Ruhe reparieren und für die verschiedenen Stücke vorbereiten können.“</p>
<p class="Body">Nach diesen beeindruckenden Schilderungen bleibt uns nur noch, allen Beteiligten viel Erfolg zu wünschen. Wir sind gespannt, wie sich das Studentendrama in die Naturkulisse der Stiftsruine einfügen wird. Doch bei soviel Erfahrung auf technischer und kreativer Seite braucht man sich eigentlich keine Sorgen zu machen.</p>
<p class="paragraph_style" style="text-align: right;">Michaela Flint<br />
<em>veröffentlicht in blickpunkt musical</em></p>
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		<item>
		<title>Regisseur Reinfried Schießler über historische Musicalstoffe</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/regisseur-reinfried-schiessler-ueber-historische-musicalstoffe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Jul 2005 13:27:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews mit Kreativen]]></category>
		<category><![CDATA[Bad Herfeld]]></category>
		<category><![CDATA[Camelot]]></category>
		<category><![CDATA[Reinfried Schießler]]></category>
		<category><![CDATA[Stiftsruine]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Regisseur von „Camelot“ in Bad Hersfeld und „Bonifatius“ in Fulda stand blickpunkt musical am Mittag nach der Premiere Rede und Antwort. Michaela Flint: Was genau meinen Sie, wenn Sie im Festspieljournal sagen „Camelot ist anders!“? Reinfried Schießler: „Camelot“ ist ein typisches Dialog-Musical. Darauf muss man sich erst einmal einlassen, da die Hör- und Sehgewohnheiten bei ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.musicals-online.com/regisseur-reinfried-schiessler-ueber-historische-musicalstoffe/">Regisseur Reinfried Schießler über historische Musicalstoffe</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.musicals-online.com">Herzlich willkommen auf musicals-online.com</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body">Der Regisseur von „Camelot“ in Bad Hersfeld und „Bonifatius“ in Fulda stand blickpunkt musical am Mittag nach der Premiere Rede und Antwort.</p>
<div class="style_SkipStroke_3 shape-with-text flowDefining">
<div class="text-content style_External_400_373">
<div class="style_2">
<p class="Body"><strong><span class="style_3">Michaela Flint:</span></strong> Was genau meinen Sie, wenn Sie im Festspieljournal sagen „Camelot ist anders!“?</p>
<p class="Body" style="padding-left: 30px;"><strong><span class="style_3">Reinfried Schießler:</span></strong> „Camelot“ ist ein typisches Dialog-Musical. Darauf muss man sich erst einmal einlassen, da die Hör- und Sehgewohnheiten bei Musicals ganz anders sind. Das macht auf der einen Seite den Reiz von „Camelot“ aus, ist aber auf der anderen Seite auch die Schwierigkeit. Als Zuschauer wird man hier nicht ‚bedient’, sondern man muss aufmerksam dabei bleiben.<br />
Hinzu kommt, dass „Camelot“ ein Musical mit großem Inhalt ist und nicht eines von diesen sinnentleerten Stücken, die zurzeit recht häufig gespielt werden.</p>
<p class="Body"><span class="style_3"><strong>Michaela Flint:</strong> </span>Es gibt unglaublich viele Inszenierungen von der König Arthur Sage. Wie haben Sie sich als Regisseur auf dieses umfassende Thema vorbereitet?</p>
<p class="Body" style="padding-left: 30px;"><strong><span class="style_3">Reinfried Schießler:</span></strong> Auf der einen Seite gibt es die ‚historische’ Geschichte der Figur von König Arthur, die man sich ansieht.</p>
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</div>
<p class="Body" style="padding-left: 30px;">Aber das wichtigste ist es, sich das Skript anzusehen und zu schauen, was an Material vorhanden ist. Dann muss man diese überbordende Form in den Griff bekommen. Die Verlagsfassung dauert 3 Std. 15 Min. Da muss man dann genau schauen, was ist dramaturgisch wichtig, was kann man herausnehmen, was muss man herausnehmen. Zum Glück hatten wir bei „Camelot“ die Freiheit, viele Dinge zu ändern, solange wir die Grundhandlung beibehielten.</p>
<div id="id5" class="style_SkipStroke_3 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_675_715">
<div class="style_2">
<p class="Body"><span class="style_3"><strong>Michaela Flint:</strong> </span>In Bad Hersfeld steht eine sehr gemischte Cast aus musicalerfahrenen Darstellern und Laien wie dem Chorverein Bad Hersfeld auf der Bühne. Ist es besonders schwierig, die unterschiedlichen Kenntnisse unter einen Hut zu bekommen?</p>
<p class="Body" style="padding-left: 30px;"><strong><span class="style_3">Reinfried Schießler:</span> </strong>Speziell der Chorverein wird gesondert einstudiert und wurde nur für die finalen Proben mit dem restlichen Ensemble zusammengesetzt. Für unsere Choreographin war die Arbeit wesentlich härter, da sie den Laien Bewegungsabläufe beibringen musste, die sie so noch nicht kannten.</p>
<p class="Body" style="padding-left: 30px;">Es war uns sehr wichtig, dass wir die Rollen mit Sängern besetzten, die auch schauspielerisch sehr gut sind, da das Stück ansonsten nicht funktionieren würde.</p>
<p class="Body"><strong><span class="style_3">Michaela Flint:</span></strong> Wie lief die Zusammenarbeit mit Yngve Gasoy-Romdal und Co. ab? Ist es ein Vorteil, wenn man sich aus früheren Produktionen kennt?</p>
<p class="Body" style="padding-left: 30px;"><strong><span class="style_3">Reinfried Schießler:</span> </strong>Ich würde sagen, dass es weder hilft noch hemmt, wenn man sich von früher kennt. Bei Yngve Gasoy-Romdal ist es ganz speziell so, dass er sich immer 100 %ig auf eine Sache einlässt und dann auch den letzten Millimeter herausholt. Mit solch einem Schauspieler zu arbeiten ist wunderbar, da wir uns gegenseitig mit unseren Ideen befruchten.</p>
<p class="Body"><strong><span class="style_3">Michaela Flint:</span> </strong>Stellt eine Open Air Inszenierung eine besondere Herausforderung dar?</p>
<p class="Body" style="padding-left: 30px;"><strong><span class="style_3">Reinfried Schießler:</span></strong> Vom Ablauf her ist es das gleiche wie eine Inhouse-Produktion. Man kann hier jedoch auf keinen Fall gegen die Ruine inszenieren. Es ist ein allgegenwärtiger, toller Raum, in den man nur bedingt Kulissen hineinstellen kann. Beispielsweise die Tribüne, die wir für das Ritterturnier einsetzen, ist enorm groß und fast 6 m hoch, aber auf der großen Bühnen verschwindet sie fast schon und fällt nicht mehr so stark auf, wie wenn man als Mensch direkt daneben steht.</p>
<p class="Body" style="padding-left: 30px;">Problematisch ist, dass wir Lichtproben beispielsweise nur in der Nacht machen konnten. In den letzten Wochen saßen wir oft bei einstelligen Plusgraden bis morgens um 5 Uhr in der Ruine. Man kann sich soviel anziehen wie man will, die Kälte kriecht überall durch.</p>
<p class="Body"><strong><span class="style_3">Michaela Flint:</span> </strong>Zum Schluss: Warum sollten sich die Zuschauer „Camelot“ in Bad Hersfeld anschauen?</p>
<p class="Body" style="padding-left: 30px;"><strong><span class="style_3">Reinfried Schießler:</span> </strong>Weil man mit einem Musical, das im Mittelalter spielt und in einer mittelalterlichen Ruine aufgeführt wird, einfach das perfekte Zusammenspiel erleben kann. Darüber hinaus bin ich davon überzeugt, ohne übertreiben zu wollen, dass wir Protagonisten haben, die vielleicht woanders nicht so gut sind.</p>
<p class="paragraph_style" style="text-align: right;">Michaela Flint<br />
<em>veröffentlicht in blickpunkt musical</em></p>
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		<title>König Arthur regiert in Bad Hersfeld</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/koenig-arthur-regiert-in-bad-hersfeld/</link>
		
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		<pubDate>Thu, 14 Jul 2005 16:49:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2005]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Jay Lerner]]></category>
		<category><![CDATA[Bad Hersfeld]]></category>
		<category><![CDATA[Camelot]]></category>
		<category><![CDATA[Reinfried Schießler]]></category>
		<category><![CDATA[Stiftsruine]]></category>
		<category><![CDATA[Yngve Gasoy-Romdal]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="style_SkipStroke_2 shape-with-text flowDefining">
<div class="text-content style_External_390_301">
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<p class="Body">Camelot, der sagenumwobene Ort, an dem König Arthur seine Tafelrunde aus der Wiege hob. Der Ort, an dem er zuvor das magische Schwert Excalibur aus dem Stein zog. Der Ort, an dem ein Junge namens Arthur viel von seinem Lehrmeister, dem Zauberer Merlin lernte. Der Ort, an dem sich der englische König Arthur in die wunderschöne und nicht minder gescheite Lady Guenevere verliebte.</p>
<p class="Body">Camelot ist aber auch der Ort, an dem sich Lancelot und Guenevere ihre unmögliche Liebe gestehen. Der Ort, an dem Arthurs unehelicher Sohn Mordred mit Hilfe von der mystischen Morgan le Fey die Ritter zur Meuterei anstachelt.</p>
<p class="Body">Camelot ist vieles, aber der kleine Ort wird immer unwiderruflich mit König Arthur verbunden sein.</p>
<p class="Body">Jeder kennt die Geschichte, wurde sie doch in unzähligen Filmen und Theaterstücken aus immer unterschiedlichen Blickwinkeln und mit verschiedenen Schwerpunkten verarbeitet.</p>
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<div class="text-content style_External_669_1175">
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<p class="Body">Bei Alan Jay Lerners und Frederick Loewes Musicalfassung, die 1960 nach einem mehrjährigen Entstehungsprozess zunächst als fünfstündiges Musicalepos an den Broadway kam, steht ganz klassisch die Lebens- und Leidensgeschichte von König Arthur im Mittelpunkt. Arthur wird von Merlin aufgezogen, verliebt sich in Guenevere, erlebt mit, wie Merlin plötzlich verschwindet, findet einen Verbündeten in Pellinore und trifft Lancelot, den er wie einen Sohn liebt und der doch sein ganzes Leben verändern soll.</p>
<p class="Body">Arthur wird innerlich von seinen Gefühlen zerrissen; er zweifelt an sich selbst, seinen Fähigkeiten, der Richtigkeit seines Weges, misstraut den Menschen um sich herum zusehends un wendet sich immer wieder Hilfe suchend an den verschwundenen Ziehvater Merlin.  Schlussendlich fällt Arthur eine wahrlich tugendhafte, eines Königs würdige Entscheidung und sorgt dafür, dass seine Werte und Ansichten in die Welt hinausgetragen werden.</p>
<p class="Body">
Für die Rolle dieses großen und mächtigen, aber gleichzeitig unsicheren und verzweifelten Mannes wurde in Bad Hersfeld erneut Yngve Gasoy-Romdal verpflichtet, der das Publikum in der Stiftsruine in den vergangenen beiden Jahren als Jesus in „Jesus Christ Superstar“ begeisterte. Als Guenevere steht ihm die in Deutschland bis dato eher unbekannte Andrea Malek zur Seite. Sein geliebter Nebenbuhler Lancelot wird von Aris Sas („Pinkelstadt“, „Tanz der Vampire“ gegeben.</p>
<p class="Body">Die Kulisse der Stiftsruine ist zweifellos eine perfekte Spielstätte für ein Ritter-Musical. Das Licht und die Akustik sind – gemessen an der Tatsache, dass es sich um eine Open Air Veranstaltung handelt und man nur fünf Wochen unter zum Teil widrigsten Bedingungen proben konnte (s. Interview mit <span style="color: #333399;"><a style="color: #333399;" title="Reinfried_Schieler.html" href="http://www.musicals-online.com/?p=816">Reinfried Schießler</a></span>) – sehr gut. Sabine Wiesenbauer (Lichtdesign) versteht es, die Ruine in die passende Atmosphäre zu setzen.</p>
<p class="Body">Der musikalische Leiter Walter Lochmann (Vereinigte Bühnen Wien) hat zusammen mit Regisseur Reinfried Schießler und der Tontechnik vor Ort, Arrangements erarbeit, die nicht im Raum verpuffen, sondern beim Zuschauer direkt ankommen.</p>
<p class="Body">Die Voraussetzungen für die Musicalversion von König Arthurs, Camelot und Excalibur waren also mehr als gut. Die Bad Hersfelder freuten sich auf eine gelungene Produktion im Stil von „Jesus Christ Superstar“. Wäre da nicht das staubtrockene und komplett undramatische Buch von Alan Jay Lerner. Gut zweieinhalb Stunden, in Bad Hersfeld traditionell ohne Pause, dauert das Spektakel und der Spannungsbogen bleibt durchgehend auf Minimalniveau.</p>
<p class="Body">Im Gegensatz zu „My Fair Lady“, wo es durchaus das ein oder andere musikalische Highlight gibt, tut man sich bei „Camelot“ schwer, eine der klassischen Melodien im Kopf zu behalten. Nicht einmal der Titelsong „Camelot“ in der Interpretation von Yngve Gasoy-Romdal bleibt haften. Hinzu kommt, dass „Camelot“ sehr Dialog-lastig ist und die Musik bei diesem Musical zumindest scheinbar im Hintergrund steht.</p>
<p class="Body">Wenn also weder Buch noch Musik den Stoff hergeben, aus dem unterhaltsame Musicals gemacht werden, was bleibt dann noch? Ganz klar: die Darsteller. Aufhorchen lässt in dieser Inszenierung vor allem Andrea Malek, die mit ihrer glasklaren klassischen Stimme den wenigen Songs einen wundervollen Ausdruck verleiht. Ihre Grazie und ihr Auftreten ist absolut königlich und passt sehr gut zur Vorstellung einer eleganten Lady, die auf der einen Seite ihren König und Ehemann unterstützt, auf der anderen Seite aber ihrem Herzen und damit Lancelot folgen möchte. Aris Sas als Lancelot hat vor allem die Lacher auf seiner Seite, wenn er hoch zu Ross, auf seinem Pferd Maurice, die Bühne der Stiftsruine erobert und sein gesanglich einwandfreies „C’est moi“ in dieser Komik untergeht. Arias Sas gibt einen sehr nachdenklichen und unauffälligen Lancelot, bei dem man sich zu Recht fragen darf, was genau ihn für Guenevere anziehend macht. Dass die beiden plötzlich in großer Liebe zueinander entbrennen, kommt mehr als überraschend, da in den vorangehenden Szenen diese Zuneigung nicht transportiert wird. Es ist schade, dass die Figur nicht etwas enthusiastischer angelegt wurde, da Aris Sas, wie in „Pinkelstadt“ bewiesen, durchaus in der Lage ist, ein Ensemble und das Publikum für sich zu gewinnen und mitzureißen.</p>
<p class="Body">König Arthur muss dieses Geschehen mit ansehen. Yngve Gasoy-Romdal, versucht sichtbar die Zerrissenheit des Königs darzustellen. Am überzeugendsten wirkt er zu Beginn des Stücks, als junger König, der sich seiner Verantwortung nicht bewusst ist, sowie zum Ende des Stücks, wo er sich den Gefühlen von Guenevere und Lancelot unterordnet und einen kleinen Funken Hoffnung in Tom of Warwick sieht. Die vielen Dialoge kommen dem smarten Norweger nicht unbedingt entgegen. Man wird das Gefühl nicht los, dass er sich in seiner Traumrolle (siehe <span style="color: #333399;"><a style="color: #333399;" title="YGR_2003.html" href="http://www.musicals-online.com/?p=869">Interview</a></span>) nicht richtig wohl fühlt. Die wenigen Szenen, in denen er singen und tanzen(!) kann, nutzt er aus und zeigt, dass seine Stärken ganz eindeutig im Gesang liegen.</p>
<p class="Body">Als Arthurs Vertrauter König Pellinore überzeugt Michael Stobbe durch amüsantes Schauspiel und konsequent durchgezogene Verrücktheit. Arthurs illegitimer Sohn Mordred wird von Mario Ramos gespielt, der mit die stärksten Szenen auf sich vereint, wenn er die Ritter von Arthurs Tafelrunde anstachelt, sich gegen ihren König aufzulehnen. Alle weiteren Charaktere sind so schwach ausgeprägt, dass sie als Namen im Programmheft auftauchen, man sich aber spontan nicht an die Figur auf der Bühne erinnern kann. Szenen wie das Verschwinden von Merlin (Erich Schleyer) oder das Auftauchen der optisch einschüchternden Morgan Le Fey (Miriam Japp) verpuffen wirkungslos auf der Bühne.</p>
<p class="Body">Dafür rufen Szenen wie beispielsweise das knallbunt inszenierte Ritterturnier, bei dem Lancelot nacheinander Sir Dinadan (André Bauer), Sir Sagramore (Dietmar Seidner) und Sir Lionel (Hans Steuzner) besiegt, letzteren wiederauferstehen lässt und damit endgültig Gueneveres Gunst für sich gewinnt, Erinnerungen an die Turnierszene in Ascot aus „My Fair Lady“ wach.</p>
<p class="Body">Sicherlich ist es nicht einfach einen mittelalterlichen „Historienschinken“ auf eine akzeptable Länge und einen unterhaltsamen Spannungsbogen einzudampfen. Hier in Bad Hersfeld ist das Experiment mit „Camelot“ nicht geglückt. Es sei hier aber noch einmal betont, dass dies auf das schwache Buch und die wenig mitreißenden Kompositionen zurückzuführen ist und nicht auf mangelnde Leistungen der Künstler auf der Bühne. Gegen langatmige Dialoge und einfallslose Songs können auch die besten Darsteller nicht erfolgreich ankämpfen.</p>
<p class="paragraph_style" style="text-align: right;">Michaela Flint<br />
<em>veröffentlicht in blickpunkt musical</em></p>
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<div class="spacer"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Stiftsruine, Bad Hersfeld</span><br />
<span style="color: #000080;"> <strong><span class="Bold">Besuchte Vorstellung: </span></strong><span class="Bold">Juli 2005</span></span><br />
<span style="color: #000080;"> <strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Yngve Gasoy-Romdal</span><br />
<span style="color: #000080;"> <strong><span class="Bold">Musik / Regie:</span></strong> <span class="Bold"> Alan Jay Lerner / Reinfried Schießler<br />
</span><strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Festspiele Bad Hersfeld<br />
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