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	<title>Simon Mehlich-Archiv - Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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	<title>Simon Mehlich-Archiv - Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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		<title>Musik hat keine Farbe</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Mar 2019 16:32:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2019]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Hype um die Deutschlandpremiere von „Tina – Das Tina Turner Musical“ ist groß. Endlich wieder ein Hitmusical für Deutschland! Schon für die Präsentation der Hauptdarstellerin Kristina Love hatte die Stage Entertainment im vergangenen Herbst Tina Turner aus der Schweiz eingeflogen. Aber hält das Musical, was die Stage Entertainment verspricht? Die schon vor der Premiere ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Hype um die Deutschlandpremiere von „Tina – Das Tina Turner Musical“ ist groß. Endlich wieder ein Hitmusical für Deutschland! Schon für die Präsentation der Hauptdarstellerin Kristina Love hatte die Stage Entertainment im vergangenen Herbst Tina Turner aus der Schweiz eingeflogen.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-2523 alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/03/JPG_72_dpi_RGB-TINA-Das-Tina-Turner-Musical-Nutbush-Foto-Manuel-Harlan-400x246.jpg" alt="" width="400" height="246" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/03/JPG_72_dpi_RGB-TINA-Das-Tina-Turner-Musical-Nutbush-Foto-Manuel-Harlan-400x246.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/03/JPG_72_dpi_RGB-TINA-Das-Tina-Turner-Musical-Nutbush-Foto-Manuel-Harlan.jpg 681w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Aber hält das Musical, was die Stage Entertainment verspricht? Die schon vor der Premiere am 3. März 2019 mehr als 150.000 verkauften Tickets zeigen: Die Vorfreude ist riesig! Auch im Saal des Operettenhauses ist die Stimmung von Anfang an gut – kein Wunder, beginnt die Show doch mit den Klängen von „The Best“. Sofort spürt man die Energie, welche die Drums auslösen und merkt, das Publikum möchte tanzen, singen und feiern…</p>
<p>Doch Pustekuchen! Tina kommt auf die Bühne, setzt sich in den Schneidersitz und meditiert erst einmal.</p>
<p>Während dieser Meditation erscheinen Tinas Großmutter und ihr eigenes Kind-Ich auf der Bühne. Hieraus entwickelt sich ein mitreißender Gospel-Gottesdienst in Nutbush, Tennesee. Hier beginnt die Geschichte von Anna Mae Bullock, wie Tina Turner mit bürgerlichem Namen heißt. Und diese Geschichte ist alles andere als lustig und erfolgsverwöhnt.</p>
<p>Anna Mae wächst mit einem gewalttätigen Vater auf, wird von ihrer Mutter verstoßen und zum Sündenbock für alles gemacht, was schiefläuft. Schlussendlich lebt sie bei ihrer Großmutter, von der sie die richtigen Werte mit auf den Lebensweg bekommt.</p>
<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-2519 alignleft" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/03/JPG_72_dpi_RGB-TINA-Das-Tina-Turner-Musical-Club-Manhattan-Foto-Manuel-Harlan-267x400.jpg" alt="" width="267" height="400" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/03/JPG_72_dpi_RGB-TINA-Das-Tina-Turner-Musical-Club-Manhattan-Foto-Manuel-Harlan-267x400.jpg 267w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/03/JPG_72_dpi_RGB-TINA-Das-Tina-Turner-Musical-Club-Manhattan-Foto-Manuel-Harlan.jpg 585w" sizes="(max-width: 267px) 100vw, 267px" />Ihre Schwester Alline holt sie nach St. Louis und die beiden Schwestern verbringen die Abende in mehr oder weniger verrufenen Clubs. Es dauert nicht lang, bis Bandleader Ike Turner auf Anna Maes besondere Stimme aufmerksam wird. Kurzerhand lädt er sie ein, mit auf Tour zu kommen, was Anna Mae nur zu gern annimmt. Doch die Schattenseiten – Drogen, Ikes Gewalttätigkeit, Geldprobleme – zeigen sich schnell. Als Anna Mae von einem Bandkollegen schwanger ist, setzt Ike sie unter Druck, so dass sie bei ihm bleibt.</p>
<p>Es folgen viele Jahre als musikalisches und bald auch privates Paar. In dieser Zeit schlägt Ike auch den Künstlernamen Tina Turner vor. Die „Ike &amp; Tina Turner Revue“ wird ein großer Erfolg. Die Plattenfirmen haben jedoch mehr Interesse an Tina, was Ike in seinem Stolz kränkt und zu weiteren Gewaltausbrüchen führt, die Tina – inzwischen zweifache Mutter – irgendwann nicht mehr ertragen kann. Mithilfe ihrer Managerin versucht sie, es in Las Vegas allein als Künstlerin zu schaffen. Doch die Plattenfirmen lassen die bald 40-Jährige abblitzen und Ike überzieht sie mit einer Klagewelle.</p>
<p>Ein mutiger und gleichzeitig verzweifelter Schritt bringt Tina nach London, wo sie mit ihrem neuen Manager Roger Davies versucht, den europäischen Markt zu erobern. Doch auch dies misslingt. Erst als sie in die USA zurückkehrt und auf einem Konzert in New York „What’s love got to do“ präsentiert, bricht der Fluch. Sie rechnet mit Ike ab und sagt ihrer Mutter klar die Meinung.</p>
<p>Die Show endet mit der Auftaktszene: Tina sitzt meditierend hinter der Bühne des Maracana-Stadions in Rio de Janeiro, wo 180.000 Zuschauer auf ihren Auftritt warten. Nun bekommt das Publikum endlich das, worauf es die ganze Zeit schon wartet: 15 Minuten lang brennen Kristina Love, das gesamte Ensemble und das sehr gute Orchester unter der Leitung von Tobias Vogt ein Hitfeuerwerk ab!</p>
<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-2522 alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/03/JPG_72_dpi_RGB-TINA-Das-Tina-Turner-Musical-Kristina-Love-Finale-Foto-Manuel-Harlan-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/03/JPG_72_dpi_RGB-TINA-Das-Tina-Turner-Musical-Kristina-Love-Finale-Foto-Manuel-Harlan-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/03/JPG_72_dpi_RGB-TINA-Das-Tina-Turner-Musical-Kristina-Love-Finale-Foto-Manuel-Harlan-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/03/JPG_72_dpi_RGB-TINA-Das-Tina-Turner-Musical-Kristina-Love-Finale-Foto-Manuel-Harlan-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/03/JPG_72_dpi_RGB-TINA-Das-Tina-Turner-Musical-Kristina-Love-Finale-Foto-Manuel-Harlan.jpg 1326w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Diese Show steht und fällt mit der Hauptdarstellerin. Mit Kristina Love wurde eine exzellente Darstellerin gefunden, welcher der Spagat zwischen den eher weichgespülten Musicalsongs und den weltbekannten Rocksongs über weite Strecken sehr gut gelingt. Einzig bei „Ich werd weiter tanzen“ („Private Dancer“ im Original) spürt man, dass hier etwas nicht stimmt. Loves Stimmlage will so gar nicht zu diesem Song passen, was sehr schade ist. Schauspielerisch zeichnet sie das bewegte Leben von Anna Mae Brown emotional glaubwürdig nach.</p>
<p>Als Ike Turner wurde Mandela Wee Wee besetzt. Seine Stärken liegen sicherlich mehr im Schauspiel als im Gesang. Mit seinen Ensemblekollegen kann er jedenfalls leider nicht mithalten. Denise Lucia Aquino ist Anna Maes Schwester Alline. Ihre Lebensfreude ist ansteckend und sie macht auch als Tänzerin und Sängerin eine gute Figur.</p>
<p>Zelma Bullock zieht als Adisat Semenitsch alle Register: Sie ist mürrisch, stark, bevormundend und unerbittlich. Nebenbei sorgt sie aber auch für den ein oder anderen Lacher&#8230; Roger Davis und Erwin Bach, Manager und „Marketing-Fuzzi“, die Tina in London wieder in die Erfolgsspur helfen wollen, werden von Nikolas Heiber und Simon Mehlich rollendeckend gespielt. Dass allerdings Mehlich als „Kölscher Jung‘“ nur 1-2 Sätze Kölsch zum Besten gibt und ansonsten hochdeutsch redet, ist sehr bedauerlich. Hier hätte man sich mehr Konsequenz gewünscht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2521 alignleft" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/03/JPG_72_dpi_RGB-TINA-Das-Tina-Turner-Musical-Kristina-Love-in-Whats-Love-Foto-Manuel-Harlan-267x400.jpg" alt="" width="267" height="400" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/03/JPG_72_dpi_RGB-TINA-Das-Tina-Turner-Musical-Kristina-Love-in-Whats-Love-Foto-Manuel-Harlan-267x400.jpg 267w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/03/JPG_72_dpi_RGB-TINA-Das-Tina-Turner-Musical-Kristina-Love-in-Whats-Love-Foto-Manuel-Harlan.jpg 585w" sizes="auto, (max-width: 267px) 100vw, 267px" />Etwas schwierig ist bei deutschsprachigen Musicals gemeinhin die Übersetzung von englischen, international bekannten Songs. Für „Tina – Das Tina Turner Musical“ haben sich Kevin Schröder und Sera Finale dieser Herausforderung gestellt und fast alle Songs zumindest großteils ins Deutsche übertragen. Dies gelingt zumeist sehr gut, dennoch hat das Publikum die englischen Originaltexte im Ohr. Und wenn man dann anstatt „I can’t stand the rain“ „Regen fällt wie Blei (an mein Fenster)“ hört, ist das schon etwas befremdlich. Die Mischung zwischen deutschen und englischen Texten fällt besonders im Finale auf: Zunächst singt Tina noch auf deutsch und „The Best“ kommt daher wie eine 08/15-Musicalballade, wenn sie dann aber die Treppe hinaufläuft, sich umdreht und „You’re simply the best“ schmettert, gibt es kein Halten mehr!</p>
<p>„Tina – Das Tina Turner Musical“ zeigt die bewegte und bewegende Lebensgeschichte der weltberühmten Sängerin. Dabei steht jedoch der Mensch Anna Mae Brown im Mittelpunkt und nicht die Musikerin Tina Turner. Mehr als zwei Drittel des Abends sehen die Zuschauer ein ungeschöntes Dramamusical, in dem Tina Turners Musik nur eine Nebenrolle spielt. Dafür werden sie die letzten 15 Minuten für ihr Durchhaltevermögen belohnt: Das Publikum steht schon nach wenigen Taktschlägen von „The Best“ und feiert!</p>
<p>Auch wenn sich viele wünschen, dass dieses Minikonzert nicht endet, gehen sie dennoch mit einem guten Gefühl und Tina Turners Welthits summend aus dem Theater. Und genau so soll es doch sein, oder?</p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #000080;">Michaela Flint<br />
</span><em><span style="color: #000080;">erschienen in</span> <a title="http://www.musicals-magazin.de/" href="http://www.musicals-magazin.de/"><span style="color: #333399;">musicals &#8211; Das Musicalmagazin</span></a></em></p>
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Operettenhaus, Hamburg</span><br />
<span class="Bold" style="color: #000080;"> <strong>Premiere:</strong> 3. März 2019</span></div>
<div class="style_3"><span class="Bold" style="color: #000080;"><strong>Darsteller: </strong><span class="ce-uploads-description">Kristina Love, Mandela Wee Wee, Denise Lucia Aquino, Zelma Bullock, Nikolas Heiber, Simon Mehlich</span> </span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Regie / Musik:</span></strong> Phyllida Lloyd &amp; Ola Ince / Tina Turner</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Stage Entertainment / Manuel Harlan</span></div>
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		<title>Der perfekte Startschuss für Hamburgs Off-Musicalszene</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/der-perfekte-startschuss-fuer-hamburgs-off-musicalszene/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Dec 2013 15:07:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2013]]></category>
		<category><![CDATA[Dörthe Thiel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die neugegründete Produktionsfirma „Avenue A productions“ hat es sich zum Ziel gesetzt, kleinere und unabhängige Musical-Produktionen, in Hamburg auf die Bühne zu bringen. Dass der Firmenname nicht von Ungefähr kommt, zeigt schon das erste Stück, das das Team um Urs Affolter und Sebastian Rousseau auf die Bühne des Gruenspans bringt: Das Tony Award dekorierte Musical ...</p>
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<div class="text-content style_External_390_268">
<div class="style_2">
<p class="Body">Die neugegründete Produktionsfirma „Avenue A productions“ hat es sich zum Ziel gesetzt, kleinere und unabhängige Musical-Produktionen, in Hamburg auf die Bühne zu bringen. Dass der Firmenname nicht von Ungefähr kommt, zeigt schon das erste Stück, das das Team um Urs Affolter und <span style="color: #333399;"><a style="color: #333399;" title="Sebastian_Rousseau_2014.html" href="http://www.musicals-online.com/?p=810">Sebastian Rousseau</a></span> auf die Bühne des Gruenspans bringt: Das Tony Award dekorierte Musical „Rent“ aus der Feder von Jonathan Larson bildet den Auftakt zu einer Reihe von Musicalschätzen, die in New York und London Weltruhm erlangt haben, es aber in Deutschland mehr als schwer hatten, weil sie eben nicht bunt, fröhlich und massenkompatibel sind.</p>
<p class="Body">Kenner der Hamburger Musikszene kratzen sich sicherlich verwundert am Kopf: Der Rock-Club Gruenspan als Musical-Location? Oh ja, das funktioniert. Schon beim Try-Out von „Sherlock Holmes 2.0“ im August 2013 zeigte das Gruenspan seine Qualitäten als Spielstätte für kleine Musicals, denen eine intime Umgebung sehr gut zu Gesicht steht.</p>
<p class="Body">Auch „Rent“, die im New York Ende des letzten Jahrhunderts angesiedelte Handlung, seine acht Hauptfiguren mit ihren Problemen rund um Liebe, Drogen, AIDS und die titelgebende Wohnungsnot sind alles andere Mainstream. Dennoch oder gerade deshalb zählt „Rent“ mit mehr als 5.000 Vorstellungen zu den erfolgreichsten Broadway-Musicals.</p>
<p class="Body">Nach Düsseldorf 1999 und Wiesbaden 2007-2009 bekommen die Zuschauer in Hamburg die neuere deutsche Fassung von Wolfgang Adenberg zu hören. Wenn man jedoch eine der englischen Versionen – sei es nun die Broadway Cast oder den Soundtrack zum Film von 2006 &#8211; im Ohr hat, holpern einige deutsche Passagen doch arg. Das Wort Rent mit Geld zu übersetzen, ist inhaltlich zweifelsfrei korrekt und es passt zur Melodie des Titelsongs, und doch fühlt es sich befremdlich an, das Wort, das dem Stück seinen Namen verdankt, in der Show nicht einmal zu hören. Doch ein deutsches Publikum wünscht sich deutsche Texte und diese Hürde muss auch eine Off-Szene nehmen.</p>
<p class="Body">Urs Affolter inszeniert das Stück so klar, deutlich und ungeschminkt wie man es sich wünscht. Nichts lenkt von den starken Charakteren ab. Die Personenregie ist einwandfrei, jede Hauptrolle hat starke Momente und darf diese auch voll auskosten. Arnold Grevers kleidet alle Protagonisten treffend ein. Nichts stört das Bild der drogenabhängigen Mimi, der Drag Queen Angel oder des leicht spießigen Mark.</p>
<p class="Body">Die fünfköpfige Band unter der Leitung von Peter Koobs ist auf der rechten Bühnenhälfte platziert – eine echte Herausforderung für die Tontechnik. Um zu vermeiden, dass die volle Wucht der rockigen Sounds das Ensemble auf der Bühne übertönt, hat man Drummer Henning Brandt in einen Plexiglaskäfig verbannt. Aber es gelingt ihm und seinen Kollegen Ulrich Rohde (Gitarre), Julius Trautvetter (Keyboard) und Sebastian Behnk (Bass) dem Stück die musikalische Intensität zu verleihen, die es braucht, um seine volle Wirkung zu entfalten.</p>
<p class="Body">Doch am Anfang wird es ganz still im Gruenspan: Die Ouvertüre wird a-cappella vom Ensemble intoniert. Ganz pur sorgen die Sänger so für den ersten Gänsehautschauer. Als erstes lernen die Zuschauer naturgemäß Mark Cohen kennen, der als eine Art Erzähler durch die Handlung führt. Simon Mehlich spielt den unentschlossenen, frisch verlassenen Filmemacher sehr überzeugend und sympathisch. Sowohl im „Tango Maureen“ als auch bei „Living in America“ kann er zeigen, was gesanglich in ihm steckt.</p>
<p class="Body">Robert Meyer wurde als erfolgloser Musiker Roger gecastet. Dass was Meyer im Vergleich zu Rollen-Vorgängern an Rockröhre fehlt, macht er durch eine große emotionale Bandbreite weit. Er spielt seinen Frust über das Leben im Allgemeinen genauso ergreifend wie seine unterdrückte und doch übermächtige Liebe zu Mimi. Wenn ihm bei Angels Beerdigung die Tränen übers Gesicht laufen, ist das Publikum von dieser Gefühlstiefe sehr beeindruckt.</p>
<p class="Body">Mimi gewinnt Roger mit einer List für sich. Lisa Huk wickelt als Mimi Roger in der Kerzen-Szene spielend um den kleinen Finger. Drogensucht und Krankheit haben das Mädchen gezeichnet. Huk trägt diesem Verfall überzeugend Rechnung, sprüht in den richtigen Momenten vor Energie und lässt es stimmlich an nichts vermissen.</p>
<p class="Body">Das zweite Paar, Angel und Collins, lernt sich nach einem Überfall auf der Straße kennen. Nicht nur Collins ist von Angels Fürsorge und Güte begeistert. Sebastian Rousseau spielt die AIDS-kranke und dennoch lebensbejahende Drag Queen ergreifend, sorgt für Lacher und viele Damen im Publikum zollen ihm ob seines artistischen Könnens auf High Heels („Today for you, tomorrow for me“) sicherlich Respekt.</p>
<p class="Body">Gerd Achilles spielt den desillusionierten MIT-Absolventen Tom Collins. Dass Collins ein wesentliches Bindeglied der Gruppe ist, fließt immer wieder in seine liebevollen Gestiken ein. Man glaube Achilles sofort, dass Collins ein herzensguter Mensch ist, der für Angel unendlich tief empfindet. „Ich deck Dich zu“ (zunächst im Duett mit Rousseau, dann auf Angels Beerdigung solo) gehört auch in dieser Inszenierung zu den schönsten und traurigsten Momenten.</p>
<p class="Body">Die Performance-Künstlerin Maureen wird abwechselnd von Dörthe Thiel und Dorothea Maria Müller gespielt. Beide Darstellerinnen haben sichtlich Spaß daran, das Publikum mit der „Fliegenden Kuh“ zum Muhen zu animieren (was im übrigen einwandfrei klappt). Ihre Interpretationen unterscheiden sich in Nuancen. Beide werden der kraftvollen, raumgreifenden, sexy provozierenden Maureen mehr als gerecht.</p>
<p class="Body">Als Maureens Freundin Joanne steht Stefanie Derner auf der Gruenspan-Bühne. Dass in der Blondine jede Menge Kraft steckt, erlebt man nicht nur in ihrem Duett mit Maureen „Lass mich oder verlass mich“ eindrucksvoll, sondern auch in ihren Soli während „Seasons of Love“. Sie gibt eine wundervoll gestresste, überperfekte Anwältin, die auch noch das Leben ihrer Partnerin auf die Reihe kriegen will.</p>
<p class="Body">Einzig Benny, gespielt von Johannes Braun, bleibt in dieser Inszenierung verglichen mit den übrigen Protagonisten etwas blass. Er wirkt weder bedrohlich noch besonders zielstrebig. Vielmehr steht seine gute Seite im Fokus, die in anderen Produktionen fast untergeht.</p>
<p class="Body">Das „Rent“ kein buntes Spaßprogramm ist, spürt man während der Szene in der Selbsthilfegruppe bis in die letzte Fingerspitze. Das Ensemble spielt beklemmend authentisch.</p>
<p class="Body">„Du fehlst mir / Without you“ ist ein weiteres Beispiel dafür, dass weniger manchmal mehr ist. Während vorn rechts auf der Bühne Collins an Angels Sterbebett wacht, singt sich Mimi ihre Trauer und Verlustängste auf der Galerie von der Seele, während vorn links ein sehr verloren wirkender Roger leidet. Im Hintergrund wird per Videoprojektion ein Goldfisch eingeblendet, der nahezu auf dem Trockenen vor sich hinzappelt.</p>
<p class="Body">So viele Emotionen muss das Publikum erst einmal verarbeiten.</p>
<p class="Body">Diese Inszenierung besticht durch ihre puren Gefühle. Jeder Darsteller geht zu 100 % in seiner Rolle auf. Hinzu kommt, dass Band und Ensemble nahezu perfekt aufeinander abgestimmt sind. Nur in wenigen Momenten übertönt die Band die leisen Einsätze der Solisten. So wird jeder Zuschauer erreicht und es gibt – glaubt man den stehenden Ovationen &#8211; niemanden, der nicht restlos von „Rent“ begeistert ist.</p>
<p class="Body">Ja, es ist schwere Kost, die beileibe nicht in mundgerechten Häppchen serviert wird, sondern brutal und direkt. Aber genau das wollte Jonathan Larson mit seinem Stück bewirken: Das Leben ist eben nicht nur rosarot und fröhlich, sondern hat Schattenseiten, die gezeigt werden müssen.</p>
<p class="Body">Man kann Avenue A Productions nur wünschen, dass es nicht bei „Rent“ bleibt, sondern dass auf diesem Niveau noch weitere Produktionen folgen und man so den ersten Grundstein zu einer echten Fringe-Szene in Deutschland legt. Diese ist seit langem mehr als überfällig.</p>
<p style="text-align: right;">Michaela Flint<br />
<em>erschienen in <span style="color: #333399;"><a style="color: #333399;" title="http://www.musicals-magazin.de/" href="http://www.musicals-magazin.de/">musicals &#8211; Das Musicalmagazin</a></span></em></p>
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<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Gruenspan, Hamburg</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Besuchte Vorstellungen: </span></strong>14. + 22. Dezember 2013</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Lisa Huk, Simon Mehlich, Robert Meyer, Sebastian Rousseau, Dörthe Thiel</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Musik / Regie:</span></strong> <span class="Bold">Jonathan Larson / Urs Affolter<br />
</span><strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Avenue A productions<br />
</span></div>
</div>
</div>
</div>
</div>
</div>
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