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	<title>Marc Clear-Archiv - Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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	<title>Marc Clear-Archiv - Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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		<title>Ein Genuss für alle Sinne!</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Jun 2021 11:19:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Maury Yestons Untergangs-Drama begeistert schon seit der Uraufführung 1997 mit symphonisch aufbrandenden Klängen, die die Zuschauer vollumfänglich in ihren Bann ziehen. Allein diese musikalische Kulisse open air bereitzustellen, ist eine Herausforderung für sich! Doch das Mecklenburgische Staatstheater hat keine Mühen gescheut und platziert sein komplettes Orchester Corona-konform Abstand haltend in einem großen Saal innerhalb des Theaters, von dem aus der Sound live in das Amphitheater im Alten Garten vor dem Theater übertragen wird. Und was für ein Sound das ist! Martin Schelhaas hat hier erstklassige Arbeit geleistet, die von der exzellenten Tontechnik ohne jeden Verlust zu Gehör gebracht wird. Und so sitzt das Publikum schon während der Ouvertüre mit Gänsehaut da und lauscht gebannt den musikalischen Wogen, auf denen die Titanic schwimmt.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-3075 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/Titanic-in-Schwerin-Wie-die-Schlossfestspiele-das-Schiffsunglueck-auf-die-Buehne-bringen_reference_4_3-400x300.jpg" alt="" width="400" height="300" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/Titanic-in-Schwerin-Wie-die-Schlossfestspiele-das-Schiffsunglueck-auf-die-Buehne-bringen_reference_4_3-400x300.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/Titanic-in-Schwerin-Wie-die-Schlossfestspiele-das-Schiffsunglueck-auf-die-Buehne-bringen_reference_4_3-1024x768.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/Titanic-in-Schwerin-Wie-die-Schlossfestspiele-das-Schiffsunglueck-auf-die-Buehne-bringen_reference_4_3-768x576.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/Titanic-in-Schwerin-Wie-die-Schlossfestspiele-das-Schiffsunglueck-auf-die-Buehne-bringen_reference_4_3-1536x1152.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/Titanic-in-Schwerin-Wie-die-Schlossfestspiele-das-Schiffsunglueck-auf-die-Buehne-bringen_reference_4_3.jpg 1600w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Die Zuschauer wurden im Schachbrettmuster platziert und jede zweite Reihe blieb frei, so dass auch hier die obligatorischen 1,5 m Abstand gewahrt wurden. Das wunderbare Bühnenbild von Wolfgang Kurima Rauschning (blau-weiße Skizzen der Titanic säumen in Rundbögen links und rechts die verschiedenen Spielebenen), die dahinter aufblitzenden Türme des Schweriner Schlosses sowie die Möwen über den Köpfen des Publikums lassen diese Sicherheitsmaßnahmen jedoch schnell vergessen. Die schwungvollen Melodien, wenn die verschiedenen Gästeklassen „ihre“ Titanic entdecken, nehmen einen direkt mit auf große Fahrt!</p>
<p>Das Ensemble klingt voluminös; Daniel Kirchmann hat hier mit der Choreinstudierung ein gutes Händchen bewiesen. Nur selten hört man einzelne Darstellerinnen oder Darsteller aus der Gruppe heraus.</p>
<p>Auch optisch sind die Klassen der Passagiere sehr gut voneinander unterscheidbar: Während die dritte Klasse in dickeren Stoffen und Erdtönen gewandet ist, gibt es in der 2. Klasse durchweg feinere Gewebe in klareren Farben (insbesondere Alice und Edgar Beane) zu sehen. Die 1. Klasse sticht besonders durch die detailverliebten Kleider und Hüte hervor, die vor Satin und Glitzer nur so wimmeln. Adriana Mortelliti zeichnet für diese Kostümwelten verantwortlich.</p>
<p><img decoding="async" class="alignleft wp-image-3072 size-medium" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I9945-scaled-e1633261319846-400x255.jpg" alt="" width="400" height="255" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I9945-scaled-e1633261319846-400x255.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I9945-scaled-e1633261319846-1024x653.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I9945-scaled-e1633261319846-768x490.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I9945-scaled-e1633261319846-1536x979.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I9945-scaled-e1633261319846-2048x1306.jpg 2048w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Inszeniert wurde dieses Festspiel-Musical von Toni Burkhardt, der als Operndirektor des Hauses auch schon einige andere Musicals („My Fair Lady“, „Im Weißen Rössl“) auf die Bühne gebracht hat. Burkhardt hat ein Gespür für große Stoffe, vergisst aber dabei nicht die Charaktere. Dies wird auch hier bei „Titanic“ sehr deutlich: So viel Empfindsamkeit und Menschlichkeit trifft man bei den Protagonisten selten an. So wirkt bspw. der 1. Offizier Murdoch (gespielt von Marco Fahrland-Jadue) sehr natürlich und bringt sein Solo „Ein Kapitän zu sein“ sehr gefühlvoll über die Rampe. Oliver Morschel sitzt zwar als Funker Bride in seinem kleinen Kämmerlein, doch auch er ist wundervoll nahbar und sein teils sehr klassischer Gesang („Die Nacht hallte wider“) berührt tief. Als der robuste und hemdsärmelige Heizer Barrett steht Dennis Weißert auf der Bühne. Auch er legt viel Gefühl in seinen Gesang und wirkt sehr authentisch in seinen Handlungen.</p>
<p>Die drei Kates (Carmen Danen als McGowan, Laura Saleh als Mullins und Katrin Hübner als Murphey) bringen die Sehnsüchte, die sie mit einem neuen Leben „in Amerika“ verbinden, ganz zauberhaft zum Ausdruck. Insbesondere Danen‘s rauchige Stimme passt ganz hervorragend zum burschikosen Wesen der Kate McGowan.</p>
<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-3069 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I0243-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I0243-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I0243-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I0243-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I0243-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I0243-2048x1365.jpg 2048w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Cornelius Lewenberg und Marion Wulf stehen als Edgar und Alice Beane auf der strahlend weißen Bühne. Ihre blauen Kostüme heben sich hier ganz vortrefflich ab. Während Alice in dieser Inszenierung zwar nicht so exzentrisch, aber dennoch sehr willensstark ist, besticht Edgar durch eine raumgreifende Souveränität. Lewenbergs tiefe Stimme verleiht dem seiner Frau vermeintlich hinterherlaufenden Edgar eine ganz besondere Nuance.</p>
<p>„Kein Mond“, eine der ergreifendsten und aufwühlendsten Nummern dieses Stück, ist perfekt inszeniert: Konstantin Busack überstrahlt als Frederick Fleet im Krähennest mit seiner klaren Stimme alles! Das Ensemble erklingt einmal mehr tadellos.</p>
<p>Das Wasser vor der Bühne ist in dieser Szene tatsächlich komplett ruhig und der schwarze Mond, der im Hintergrund wohl die mondlose Nacht symbolisieren soll, geben dieser etwas Bedrohliches. In dem Moment, in dem die unsinkbare Titanic den Eisberg trifft, scheinen das ganze Amphitheater und alle Tribünen zu erbeben.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3068 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I7587-267x400.jpg" alt="" width="267" height="400" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I7587-267x400.jpg 267w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I7587-683x1024.jpg 683w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I7587-768x1152.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I7587-1024x1536.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I7587-1365x2048.jpg 1365w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I7587-scaled.jpg 1706w" sizes="auto, (max-width: 267px) 100vw, 267px" />Es gelingt dem Kreativteam Burkhardt-Schelhaas diese Intensität auch nach der Pause aufrechtzuerhalten: „Im Schlafanzug im Großen Saal“ strebt gleichsam energisch voran und schwebt trotzdem scheinbar leicht dahin. Alles gipfelt in der „Schuldfrage“, in der sich Eigentümer Ismay (Marc Clear), Schiffskonstrukteur Andrews (Max Niemeyer) und Captain Smith (Ansgar Schäfer) gegenseitig anklagen, für das Unglück verantwortlich zu sein. Sowohl gesanglich als auch mimisch lässt Clear hier keinen Zweifel aufkommen: Ismay ist gänzlich unschuldig. Doch die mitschwingende und deutlich sichtbare Emotionalität belegt etwas anderes. Andrews alias Niemeyer sieht sehr schnell, dass dieses Unglück ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren ist. Sein vehementes Gegenangehen wirkt so gar nicht britisch unterkühlt. Eine großartige Dramatik! In diesem Trio ist der Captain tatsächlich das schwächste Glied, doch irgendwie passt dessen Verletztheit und unbedingte Verantwortung perfekt dazu.</p>
<p>Zartfühlend und sehr liebevoll anzuschauen sind Femke Soetenga und Sven Mattke als alterndes Ehepaar Ida und Isidor Straus, das sich entschließt, seine Plätze in den Booten jüngeren Passagieren zu überlassen. „Wie vor aller Zeit“ ist einerseits sehr traurig, andererseits aber doch auch eine wundervolle Liebeserklärung, die von den beiden Sängern mit sehr viel Verve intoniert wird.</p>
<p>Max Niemeyer zeigt bei „Andrews‘ Vision“ nochmals viel Scham und Schuldgefühl, was in jedem Ton mitklingt. Man ist so gebannt von diesem Einzelschicksal, dass man fast verpasst, dass sich der Untergang nun auch auf der Bühne zeigt: Einzelne Spielebenen verschieben sich und werden immer schräger. Hier hätte man sich vielleicht etwas mehr gewünscht, doch eine umfassende Veränderung der Bühne hätte andererseits den Fokus auf die Protagonisten zu sehr gestört.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3071 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I1577-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I1577-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I1577-1024x682.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I1577-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I1577-1536x1023.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/10/AF5I1577-2048x1365.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Wenn zum Finale die Überlebenden am Bühnenrand stehen (Marc Clear alias Ismay würde aber wohl am liebsten im Erdboden verschwinden), während in der Großkulisse noch die Ertrunkenen liegen und das Ensemble ein letztes Mal zur Lobpreisung der Titanic ansetzt, sieht man hier und da im Publikum durchaus einige Tränen fließen. Die dramatische Geschichte über die vielen verschiedenen Menschen, die man in gut drei Stunden ein wenig kennenlernen durfte, eingefasst von Melodien, die mitreißender nicht sein könnten – bei den Schlossfestspielen in Schwerin erlebt man die perfekte Symbiose.</p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #000080;">Michaela Flint</span><br />
<em><span style="color: #000080;">leicht gekürzt erschienen in </span><a title="http://www.musicals-magazin.de/" href="http://www.musicals-magazin.de/"><span style="color: #000080;">musicals &#8211; Das Musicalmagazin</span></a></em></p>
<p><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Mecklenburgisches Staatstheater, Schwerin</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Besuchte Vorstellung: </span></strong><span class="Bold">25</span><span class="Bold">. Juni 2021</span></span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Darsteller: </span></strong><span class="Bold">Marc Clear, Max Niemeyer, Ansgar Schäfer, Marco Fahrland-Jadue</span>, Oliver Morschel, Dennis Weißert, Carmen Danen, Laura Saleh, Katrin Hübner, Cornelius Lewenberg, Marion Wulf, Konstantin Busack, Femke Soetenga, Sven Mattke     </span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Regie:</span></strong> <span class="Bold">Toni Burkhardt<br />
</span></span><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Silke Winkler<br />
</span></p>
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		<item>
		<title>Beeindruckende Umsetzung dieses hochpolitischen und nicht weniger hochemotionalen Musicals mit einem Wermutstropfen</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/beeindruckende-umsetzung-dieses-hochpolitischen-und-nicht-weniger-hochemotionalen-musicals-mit-einem-wermutstropfen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Feb 2020 15:45:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
		<category><![CDATA[Abba]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Gergen]]></category>
		<category><![CDATA[Chess]]></category>
		<category><![CDATA[Cornelius Lewenberg]]></category>
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		<category><![CDATA[Itziar Lesaka]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Clear]]></category>
		<category><![CDATA[Mecklenburgisches Staatstheater]]></category>
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		<category><![CDATA[Schwerin]]></category>
		<category><![CDATA[Sebastian Kroggel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Allein Namen wie Andreas Gergen, Marc Clear, Femke Soetenga und Rasmus Borkowski heben die Erwartungshaltung schon auch ein sehr hoches Niveau. Dass das Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin immer wieder mit herausragenden Produktionen („The Producers“, „Jekyll &#38; Hyde“) von sich hören macht, mindert diese Hoffnungen auf einen großartigen Musicalabend in keiner Weise. Das kurzgefasste Urteil lautet: ...</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Allein Namen wie Andreas Gergen, Marc Clear, Femke Soetenga und Rasmus Borkowski heben die Erwartungshaltung schon auch ein sehr hoches Niveau. Dass das Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin immer wieder mit herausragenden Produktionen („The Producers“, „Jekyll &amp; Hyde“) von sich hören macht, mindert diese Hoffnungen auf einen großartigen Musicalabend in keiner Weise.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2930 alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/AF5I9619-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/AF5I9619-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/AF5I9619-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/AF5I9619-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/AF5I9619-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/AF5I9619-2048x1365.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Das kurzgefasste Urteil lautet: Alle Beteiligten, alle Gewerke treffen 100%ig in Schwarze und liefern in einer selten gesehenen, überzeugenden Art und Weise ab. Schauen wir uns die Details an…</p>
<p>Andreas Gergen gelingt es, die von der Feindschaft der Großmächte USA und UdSSR einerseits und dem sportlichen Ehrgeiz andererseits geprägte Lebenswirklichkeit von Frederic Trumper und Anatoly Sergievsky ungemein menschlich auf die Bühne zu bringen.</p>
<p>Er verzichtet hierbei auf Plattitüden und Klischees und greift stattdessen auf bildgewaltige Hintergründe sowie starke und zugleich nahbare Protagonisten zurück.</p>
<p>Während der Ouvertüre werden auf der rückwärtigen Leinwand Originalbilder des Aufstands von 1956 in Budapest gezeigt. Die Zuschauer sind sofort in der richtigen Grundstimmung: Die historische Einordnung des Ost-West-Konflikts für die handelnden Figuren gelingt perfekt.</p>
<p>Die Leinwand sowie vier mobile Elemente werden im Laufe der Handlung immer wieder eingesetzt, um den Ort der Handlung zu lokalisieren. Mit Ausnahme von „One NIght in Bangkok“ ist dieses alles sehr dezent. Doch auch in Bangkok passt die überbordende Farbenpracht ganz hervorragend. Momme Hinrichs (fettFilm) zeichnet für dieses gelungene Bühnenbild verantwortlich. Auch die schwarz-weißen Würfel, die sich zu unterschiedlichsten Großkulissen zusammensetzen lassen (bis hin zum bühnenfüllenden Schachbrett) fügen sich perfekt ein. Warum allerdings die Bildqualität bei den Hotelbildern oder in Meran so schlecht ist erklärt sich nicht. Dass Videos von 1956 verschwommen und pixelig sind, ist klar. Warum dies auch auf eine Hotelfassade, ein Foyer oder Bilder von italienischen Bergwelten zutrifft, erscheint fragwürdig.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2925 alignleft" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Mitte-Itziar-Lesaka-Marc-Clear-Femke-Soetenga-hinten-Solisten-des-Musiktheaters-Opernchor-Ballettensemble-Popchor-·-Foto-©-Silke-Winkler-400x255.jpg" alt="" width="400" height="255" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Mitte-Itziar-Lesaka-Marc-Clear-Femke-Soetenga-hinten-Solisten-des-Musiktheaters-Opernchor-Ballettensemble-Popchor-·-Foto-©-Silke-Winkler-400x255.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Mitte-Itziar-Lesaka-Marc-Clear-Femke-Soetenga-hinten-Solisten-des-Musiktheaters-Opernchor-Ballettensemble-Popchor-·-Foto-©-Silke-Winkler-1024x653.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Mitte-Itziar-Lesaka-Marc-Clear-Femke-Soetenga-hinten-Solisten-des-Musiktheaters-Opernchor-Ballettensemble-Popchor-·-Foto-©-Silke-Winkler-768x490.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Mitte-Itziar-Lesaka-Marc-Clear-Femke-Soetenga-hinten-Solisten-des-Musiktheaters-Opernchor-Ballettensemble-Popchor-·-Foto-©-Silke-Winkler-1536x980.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Mitte-Itziar-Lesaka-Marc-Clear-Femke-Soetenga-hinten-Solisten-des-Musiktheaters-Opernchor-Ballettensemble-Popchor-·-Foto-©-Silke-Winkler-2048x1306.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Doch mit Highlights wie der brennenden Bühne bei Trumpers ergreifenden Erinnerungen an seine unglückliche Kindheit („Sei nie ein Kind“) macht Hinrichs dies spielend wett.</p>
<p>Auch bei den Kostümen (Conny Lüders) ist alles treffend abgestimmt: Die Protagonisten tragen „normale“ Kleidung, die Bewohner von Meran oder Bangkok abgesehen von einigen roten Lackleder-Ensembles traditionelle Trachten / Kostüme. Und auch für die Tänzerinnen und Tänzer hat sich Lüders etwas Spannendes ausgedacht: Sie sind in hautengen Lackleder-Kostümen gewandet und tragen an Schachfiguren erinnernde Kopfbedeckungen (Pferd, Läufer, Turm, König sind gut zu erkennen). Dass hier auf eine Trennung von schwarzen und weißen Figuren verzichtet wurde, stört nicht weiter.</p>
<p>Apropos Tanzensemble: Till Nau hat für „Chess“ Choreographien ersonnen, die durchaus mehrfach an Dennis Callahan („Tanz der Vampire“, „Elisabeth“) erinnern. Es gibt viele zackige Armbewegungen und sehr schön anzusehende, athletische und sehr körperbetonte Tanzabfolgen. Wären die Tänzerinnen und Tänzer auch hierbei synchron, würden sie noch mehr Freude bereiten.</p>
<p>Doch die vertanzten Schach-Spielzüge, um die vom Referee moderierten Intrigen zu visualisieren, sind großartig und unterstützen die Dramatik der Szene vortrefflich.</p>
<p>Einen famosen Job hat auch Daniel Kirchmann mit der Choreinstudierung gemacht: Pop- und Opernchor sind immer auf den Punkt. Zu keinem Zeitpunkt wirkt auch nur einer der Sängerinnen und Sänger überfordert mit den teilweise sehr schnellen Kompositionen und abrupten Tempowechsel von Benny Anderssons und Björn Ulvaeus‘ „Chess“.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2928 alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Marc-Clear-Femke-Soetenga-·-Foto-©-Silke-Winkler-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Marc-Clear-Femke-Soetenga-·-Foto-©-Silke-Winkler-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Marc-Clear-Femke-Soetenga-·-Foto-©-Silke-Winkler-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Marc-Clear-Femke-Soetenga-·-Foto-©-Silke-Winkler-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Marc-Clear-Femke-Soetenga-·-Foto-©-Silke-Winkler-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Marc-Clear-Femke-Soetenga-·-Foto-©-Silke-Winkler-2048x1365.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Kommen wir zu den Protagonisten: Rasmus Borkowski ist in einer Doppelrolle als Schiedsrichter und Florences Vater zu sehen. Als einziger in einer weißen Smokingjacke sticht er schon optisch deutlich hervor, da alle anderen dunkle Farben tragen. Er hat als Referee zu jeder Zeit die Übersicht über das Geschehen, auch wenn er auch nicht immer sauber spielt. Er kommt sehr gut mit seinen Songs zurecht, wirkt souverän und unerbittlich.</p>
<p>Cornelius Lewenberg und Sebastian Kroggel sind als Strippenzieher Walter de Courcey und Alexander Molokow zu erleben. Beide bestechen durch ihre wunderbaren Baritone, die ihren intriganten Figuren noch mehr Nachdruck verleihen. Spielerisch können die beiden mit den Produktionsgästen nicht ganz mithalten. Gleiches gilt auch für Itziar Lesaka, wie Lewenberg und Kroggel Mitglied des Gesangsensembles des Mecklenburgischen Staatstheaters, die als Anatolys Frau Svetlana auf der Bühne steht. Sie stöckelt sehr hölzern über die Bühne, wahre Gefühle spürt man bei ihr kaum. Zudem klingt ihr Akzent leider sehr klischeehaft, obwohl man von einer Spanierin keinen russischen Akzent erwarten würde.</p>
<p>Der Shooting Star des amerikanischen Schachs, Frederic Trumper, wird von Fabio Diso sehr lebendig und aufbrausend dargestellt. Alles und jeder muss sich um ihn drehen. Erfolg ist für ihn das einzige Lebensziel. Seine Welt gerät sehr schnell ins Wanken, wenn sich auch nur ein Element in seinem Umfeld gegen ihn wendet. Seine Auseinandersetzung mit Florence ist intensiv. In die Feindschaft zu Anatoly steigert er sich dermaßen hinein, dass er bereit ist, über sprichwörtliche Leichen zu gehen und vor bösartigen Lügen nicht zurückschreckt.</p>
<p>Sein Showstopper „Sei nie ein Kind” ist an spielerischer und gesanglicher Intensität kaum zu überbieten. Zuerst weich und verletzt, dann frustriert und böse ob des Unrechts, das ihm widerfährt – Diso kann auf dieser Klaviatur jeden Ton spielen. Gerade im zweiten Teil des Songs fühlt man sich an einen Judas aus „Jesus Christ Superstar“ erinnert, für den er sich trotz seiner Jugend zweifellos empfiehlt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2924 alignleft" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Mitte-Viviane-Bretz-Konstantin-Busack-Rasmus-Burkowski-Marc-Clear-Finja-Harder-Balletensemble-hinten-Solisten-des-Musiktheaters-Opernchor-·-Foto-©-Silke-Winkler-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Mitte-Viviane-Bretz-Konstantin-Busack-Rasmus-Burkowski-Marc-Clear-Finja-Harder-Balletensemble-hinten-Solisten-des-Musiktheaters-Opernchor-·-Foto-©-Silke-Winkler-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Mitte-Viviane-Bretz-Konstantin-Busack-Rasmus-Burkowski-Marc-Clear-Finja-Harder-Balletensemble-hinten-Solisten-des-Musiktheaters-Opernchor-·-Foto-©-Silke-Winkler-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Mitte-Viviane-Bretz-Konstantin-Busack-Rasmus-Burkowski-Marc-Clear-Finja-Harder-Balletensemble-hinten-Solisten-des-Musiktheaters-Opernchor-·-Foto-©-Silke-Winkler-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Mitte-Viviane-Bretz-Konstantin-Busack-Rasmus-Burkowski-Marc-Clear-Finja-Harder-Balletensemble-hinten-Solisten-des-Musiktheaters-Opernchor-·-Foto-©-Silke-Winkler-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Mitte-Viviane-Bretz-Konstantin-Busack-Rasmus-Burkowski-Marc-Clear-Finja-Harder-Balletensemble-hinten-Solisten-des-Musiktheaters-Opernchor-·-Foto-©-Silke-Winkler-2048x1365.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Trumpers Widersacher, Anatoly Sergievsky, wird von Marc Clear gespielt. Das Schweriner Publikum kennt ihn bereits von „Jekyll &amp; Hyde“ und wird auch bei „Chess“ nicht enttäuscht. Clears nur scheinbar unauffällige Erscheinung mündet in einer raumgreifenden Bühnenpräsenz, die sich bei „Wer ich sein will“ und natürlich der ergreifenden „Hymne“ Bahn bricht. Gergen hat die Dramaturgie bei „Anthem“ perfekt nachgezeichnet. Gesanglich meistert er die schwungvollen und textreichen Songs beeindruckend souverän. Wenn Clear am Schluss auf einer Mauer steht und um ihn herum Wachtürme, Stacheldraht und die UdSSR-Flagge projiziert werden, muss man dies neidlos als ein perfektes Szenenbild mit einer unzweideutigen Botschaft und einem herausragenden Protagonisten anerkennen. Gänsehaut pur!</p>
<p>Die Dame, die sich zwischen den beiden Schach-Genies entscheiden muss, Florence, wird von Femke Soetenga gespielt. Florence hat eine osteuropäische Vergangenheit, die sie am liebsten vergessen möchte. Doch genau damit gerät sie in die Fänge von Walter und Molokow, die nichts unversucht lassen, um ihr Land als Sieger zu sehen. Dabei geht es Florence doch nur um Schach und ihre Liebe – die ganzen politischen Spielchen lehnt sich ab.</p>
<p>Als sie sich in Anatoly verliebt und damit Freddie vor den Kopf stößt, nimmt das Drama seinen Lauf. Anatoly und Florence sind Seelenverwandte, was Soetenga und Clear bei „Du und ich“ eindrucksvoll mit unendlich viel Gefühl beweisen. Anatoly opfert am Ende seine Liebe und kehrt nach Russland zurück, damit Florence ihren Vater wiedersehen kann. Als Florence dies erkennt, bricht sie zusammen: „Wieviele Nationen haben sich im Krieg verbrannt? Mein Herz ist die Grenze für mein Heimatland!“</p>
<p>Soetenga hat eine wunderbare Ausstrahlung. Sie singt mit unglaublicher Intensität („Jeder geht allein“) und harmoniert perfekt mit Marc Clear. Auch im Duett „Ich kenn ihn so gut“, in dem Florence und Svetlana ihre Liebesgeschichten Revue passieren lassen, rührt Soetenga zu Tränen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2927 alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Carmen-Danen-Fabio-Diso-Finja-Harder-hinten-Cornelius-Lewenberg-·-Foto-©-Silke-Winkler-400x289.jpg" alt="" width="400" height="289" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Carmen-Danen-Fabio-Diso-Finja-Harder-hinten-Cornelius-Lewenberg-·-Foto-©-Silke-Winkler-400x289.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Carmen-Danen-Fabio-Diso-Finja-Harder-hinten-Cornelius-Lewenberg-·-Foto-©-Silke-Winkler-1024x740.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Carmen-Danen-Fabio-Diso-Finja-Harder-hinten-Cornelius-Lewenberg-·-Foto-©-Silke-Winkler-768x555.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Carmen-Danen-Fabio-Diso-Finja-Harder-hinten-Cornelius-Lewenberg-·-Foto-©-Silke-Winkler-1536x1109.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/06/CHESS-THE-MUSICAL-·-Carmen-Danen-Fabio-Diso-Finja-Harder-hinten-Cornelius-Lewenberg-·-Foto-©-Silke-Winkler-2048x1479.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Die Besetzung könnte insgesamt kaum besser sein. Einzig „One Night in Bangkok“ – der vom Publikum heiß ersehnte Welthit dieser Show – verpufft etwas. Die Szene sieht gut aus, das Ensemble tanzt mitreißend, doch Fabio Diso scheint in den Song nicht reinzukommen. Warum am Schluss die englischen Songtexte eingeblendet werden (während zu Beginn Deutsch gesungen wird) und man nun offenbar in einer Karaoke-Bar ist, kommt beim Publikum nicht an. Anstatt Jubelstürmen, die man sonst bei diesem Hit gern erlebt, geht das Publikum einfach zur nächsten Szene über.</p>
<p>Die Übersetzungen von Kevin Schroeder sind sehr zeitgemäß, was die Aktualität der politischen Ränkespiele sehr gut betont. Aber auch die zwischenmenschlichen Interaktionen wirken dank seiner Adaptionen sehr authentisch.</p>
<p>Das einzige, was an diesem Abend wirklich sehr bedauerlich ist, ist die Klangwolke des Orchesters, die sich schwer zwischen Bühnenrand und Publikum legt. Es ist immer wieder spannend zu erleben, dass Staats- und Stadttheater über herausragende Künstler auf der Bühne und im Orchestergraben verfügen, ihnen die Vereinigung von beiden jedoch regelmäßig misslingt. In Schwerin wird es zwar im zweiten Akt besser, aber der Eindruck, dass die Sängerinnen und Sänger nicht durch den opulenten Orchesterklang durchdringen können, bleibt. Man vermag sich kaum auszumalen, wie „Chess“ im Zuschauersaal ankommen würde, wenn die Tontechnik genauso exzellent wäre wie die Darsteller und die Regie.</p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #000080;">Michaela Flint</span><br />
<span style="color: #000080;"><em>erschienen in <a style="color: #000080;" title="http://www.musicals-magazin.de/" href="http://www.musicals-magazin.de/">musicals &#8211; Das Musicalmagazin</a></em></span></p>
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Mecklenburgisches Staatstheater, Schwerin</span></div>
<div class="style_3"><span class="Bold" style="color: #000080;"><strong>Besuchte Vorstellung:</strong> 15. Februar 2020</span></div>
<div class="style_3"><span class="Bold" style="color: #000080;"><strong>Darsteller: </strong><span class="ce-uploads-description">Femke Soetenga, Marc Clear, Fabio Diso, Cornelius Lewenberg, Sebastian Kroggel, Rasmus Borkowski, Itziar Lesaka </span> </span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Regie / Musik:</span></strong> Andreas Gergen / Benny Andersson &amp; Björn Ulvaeus</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Silke Winkler<br />
</span></div>
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		<title>Opulent inszenierter Slapstick</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/opulent-inszenierter-slapstick/</link>
		
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		<pubDate>Wed, 06 Apr 2005 16:44:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2005]]></category>
		<category><![CDATA[3 Musketiere]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Clear]]></category>
		<category><![CDATA[Patrick Stanke]]></category>
		<category><![CDATA[Pia Douwes]]></category>
		<category><![CDATA[Theater des Westens]]></category>
		<category><![CDATA[Uwe Kröger]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="style_SkipStroke_2 shape-with-text flowDefining">
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<div class="style_2">
<p class="Body">Die Geschichte der 3 Musketiere ist in zahllosen Filmen, Büchern und Theaterstücken erzählt worden. Der Inhalt von Alexandre Dumas’ Werk von 1844 dürfte dank Hollywood der breiten Masse wohl bekannt sein. Spätestens nachdem die musikalische Fassung der Bolland-Brüder vor 2 Jahren in Rotterdam Weltpremiere feierte, wartete der Rest der Welt gespannt auf einen Transfer des Stücks um Liebe, Freundschaft und Intrigen in andere Städte.</p>
<p class="Body">Einen sehr guten Eindruck von der musikalischen Intensität und Explosivität des Materials bekam man schon auf der holländischen CD mit Bastiaan Ragas als D’Artagnan, Pia Douwes als Milady de Winter und Stanley Burleson als Kardinal Richelieu. Die in Rotterdam aufgenommene DVD zeigt eine konsequente Inszenierung, bei der einzelne Kulissen wie ein Pferd oder ein Segelschiff effektvoll eingesetzt werden. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen aber die Darsteller. Einzelne Sänger in einem weißen Lichtkegel vor einer ansonsten abgedunkelten Bühne sind in der holländischen Inszenierung keine Seltenheit.</p>
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<div class="style_2">
<p class="Body">Ganz anders und komplett runderneuert kommen die Berliner Musketiere daher. Man kann guten Gewissens von einer zweiten Weltpremiere sprechen, denn mit dem holländischen Vorgänger hat die Berliner Fassung nur noch wenig gemein:</p>
<p class="Body">Rob und Ferdi Bolland haben für die deutsche Version sieben weitere Songs komponiert, die sich gut in das klangliche Gesamtbild einfügen.</p>
<p class="Body">Die Bühnenbildner und Requisiteure rund um Eric van der Palen haben Extraschichten geschoben, um jeden Quadratzentimeter der Bühne mit allen erdenklichen Kulissen und Kleinteilen zu füllen.</p>
<p class="Body">Ein in Deutschland neuartiges Videodesign sorgt für ständig wechselnde Hintergründe und unterstützt die 26 Szenenwechsel sehr gut.</p>
<p class="Body">Die mehr als 350 Gewänder, Kleider, Roben und Uniformen sind noch farbenfroher und origineller als in Rotterdam.</p>
<p class="Body">Oliver Mülich führt als Conférencier das Publikum an die Handlung des ersten und zweiten Akts heran.</p>
<p class="Body">Besonders auffällig ist das Bühne-in-und-auf-der-Bühne-System, das es Regisseur Paul Eenens ermöglichte, mehrere Szenen und Schauplätze nebeneinander vorzubereiten und durch eine kleine Überblendung ineinander greifen zu lassen.</p>
<p class="Body">Es wurde ein enormer Aufwand betrieben, um die „3 Musketiere“ im Theater des Westens frei nach dem Motto „größer, bunter, moderner“ in Szene zu setzen. Hierbei kommen die 46 Darsteller fast zu kurz. Doch die Protagonisten, allen voran Patrick Stanke, Pia Douwes, Uwe Kröger und Marc Clear, versuchen ihr Bestes, um sich vor all diesem Kulissen- und Technikpomp zu behaupten.</p>
<p class="Body">Am eindrucksvollsten gelingt dies der unvergleichlichen Pia Douwes, die die emotionale Zerrissenheit der zu Unrecht geächteten Milady de Winter hervorragend umsetzt. Dass man ihr allerdings ihren Showstopper „Männer“ in eine seicht dahinplätscherten Popmus verwandelt hat, ist unverzeihlich.</p>
<p class="Body">Marc Clear gibt den ewig zweifelnden und übervorsichtigen Athos, dem jeglicher Lebensmut fehlt, seitdem ihn seine große Liebe – Milady de Winter – verlassen hat. Sein „Engel aus Kristall“ geht tief unter die Haut.</p>
<p class="Body">Man könnte geneigt sein, Athos und Milady de Winter als das Paar des Abends zu bezeichnen. Doch laut Dumas’ Geschichte sind dies D’Artagnan und Constance.</p>
<p class="Body">Leider bleibt Sabrina Weckerlin hinter den Erwartungen an das von der Stage Holding verkündete „Stimmwunder“ zurück. Eher schüchtern als selbstbewusst spielt sie die große Liebe D’Artagnans. Der wiederum wird von Patrick Stanke so gut es eben geht in den Mittelpunkt gerückt. Auch hier kann der Künstler wenig dafür, dass viele Neu-Arrangements von Michael Reed seicht, fast schon schlagermäßig daherkommen und es deutlich an Energie und Kraft vermissen lassen. Hinzu kommt, dass Stanke kaum eine Chance hat, dem entschlossenen Möchtegern-Musketier den Charakter zu verleihen, den er als selbstbewusster, kämpferischer, aber auch gefühlvoller Mann des 17. Jahrhunderts hat. Dennoch: Stankes raumfüllende, schöne Stimme und sein sympathisches Spiel werden den Anforderungen an einen Hauptdarsteller in vollem Umfang gerecht.</p>
<p class="Body">Mit dem schwachen Buch kämpft auch Uwe Kröger als Kardinal Richelieu an der ein oder anderen Stelle. Durch seine Erfahrung kann er vieles wettmachen und so gelingen auch Szenen wie „Glaubt mir!“, die dem Fortgang der Handlung nicht wirklich dienlich sind. Seine großen Soli „O Herr“ und „Nicht aus Stein“ meistert Kröger mit Bravour. Man merkt, dass er sich in dieser Rolle sehr wohl fühlt. Hinzu kommt, dass er mit Pia Douwes eine Kollegin an seiner Seite hat, mit der er sich auf der Bühne blind versteht.</p>
<p class="Body">Neben Athos komplettieren Aramis und Porthos die drei berühmt-berüchtigten Musketiere. Matthias Sanders gibt einen vorwitzigen Aramis, dem man seine Gottesfürchtigkeit abnimmt. Stets bemüht um das richtige Maß an Komik, Freundschaft und Kampfkunst bietet er eine gute Bühnenshow. Christian Schleicher ist als Porthos für die Plattitüden dieses stück zuständig. Wie schon seine filmischen Vorbilder Gerard Dépardieu und Oliver Reed steht für ihn der Spaß am Leben im Mittelpunkt. Diese Rolle füllt Schleicher glaubhaft aus.</p>
<p class="Body">Die A-cappella-Einlagen der 3 Musketiere gehören zweifellos zu den Highlights des Abends.</p>
<p class="Body">Das Königspaar wird von Kristin Hölck und Hans Piesbergen dargestellt. Auch hier wird deutlich, dass das Stück irgendwie noch nicht ganz fertig ist. Beide geben sich größte Mühe, ihren Charakteren Leben einzuhauchen, doch so recht gelingen mag es ihnen nicht. So verwundert es wenig, dass beide kaum nachhaltig im Gedächtnis bleiben.</p>
<p class="Body">Wie bereits erwähnt, sind die neuen Arrangements von Michael Reed (u. a. „Tanz der Vampire“) äußerst fragwürdig. Auch die Orchestrierung wirkt an einigen Stellen zu zaghaft. Im Vergleich zur holländischen Version wirken die Bolland-Stücke häufig wie ein Potpourri aus Schlager, Pop und Latino-Rhythmen. Ja, richtig, Latein-Amerikanisch: Einige der Fechtszenen sind mit Sambaklängen unterlegt und führen die Leistung der stilecht kämpfenden Soldaten doch arg ad absurdum.</p>
<p class="Body">Dennoch gibt es auch in Berlin – neben dem bereits erwähnten „Engel aus Kristall“ – weitere Stücke, die sich im Kopf festsetzen. Dazu zählt unter anderem „Wer kann schon ohne Liebe sein?“, das sowohl inszenatorisch als auch musikalisch sehr dicht an der holländischen Vorlage bleibt. Kristin Hölck, Pia Douwes und Sabrina Weckerlin stellen eindrucksvoll unter Beweis, wie sehr einen die unterschiedlichen Spielarten der Liebe mitnehmen können. Schlichtweg großartig!</p>
<p class="Body">Die Liste der Kritikpunkte der Berliner Inszenierung wird angeführt von einem unausgegorenen Buch (André Breedland), das nur oberflächlich ausgearbeitete Charaktere zulässt und zudem über deutliche Längen, vor allem im ersten Akt, verfügt.</p>
<p class="Body">Das erfolgreiche Übersetzerteam Ruth Deny („Mamma Mia“) und Wolfgang Adenberg („We Will Rock You“, „Titanic“) hat sich an die Aufgabe gemacht, dieses Buch zu übersetzen. Während Adenberg erneut sein Talent für Sprachmelodie und Wortklang unter Beweis stellt, kann man Deny’s Dialoge durchaus kritisieren.</p>
<p class="Body">Das beste Beispiel liefert folgendes Zitat anlässlich des zweiten Treffens von D’Artagnan und Constance: „Oh, Constance – ein Name wie ein Romanze… Gib mir die Chance, dass ich heute Abend (nun fällt ihm Porthos ins Wort) meine Lanze in Dich pflanze.“ Ist so etwas wirklich nötig? Die 3 Musketiere sind sicherlich nicht immer ernst zu nehmen und der ein oder andere gut platzierte Witz ist durchaus angebracht. Doch Dumas’ Werk auf dieses Sprach- und Inhaltsniveau abzusenken, ist beschämend. Die „3 Musketiere“ waren in Rotterdam keine Musical Comedy und sollten es auch hier nicht sein.</p>
<p class="Body">Zu Lachern führte während der Premiere, neben den etwas zu platten Witzen, vor allem die Reprise von „Heut ist der Tag“ im zweiten Akt. In dieser Szene jagen die 3 Musketiere und D’Artagnan vor einer rundum per Videobeamer auf die Leinwand projizierten Landschaft auf einem Pferdewagen in atemberaubender Geschwindigkeit durchs Land, um die Katastrophe in Paris zu verhindern. Das bereits erwähnte Pferd aus Holland kommt auch hier zum Einsatz. Wem dieser Szenenaufbau bekannt vorkommt, der hat ganz sicher „Our House“, das Madness-Musical, in London gesehen. Dort fahren die Hauptdarsteller mit einem Jaguar vor ebensolcher Videoleinwand durch englische Städte und Landschaften. Aber es ist davon auszugehen, dass die wenigsten Besucher diesen Wiedererkennungseffekt erleben werden und so erfüllt diese Szene ihren Zweck: Sie macht einfach nur Spaß.</p>
<p class="Body">In Staunen versetzt die Zuschauer das riesige Boot, mit dem D’Artagnan von Frankreich nach England übersetzt, um eine Botschaft von Königin Anna an den Herzog von Buckingham zu überbringen. Zum Auftakt des zweiten Akts erlebt das Publikum die stürmischen Untiefen des Ärmelkanals mit und ist von der Arbeit der Bühnentechniker zu Recht begeistert. Das Zusammenspiel von Technik, Licht und Requisite erreicht in dieser Szene perfekte Ausmaße.</p>
<p class="Body">Die „3 Musketiere“ sind angetreten, um in Deutschland etwas Neues, noch nicht da Gewesenes zu präsentieren. In der Opulenz ihrer Ausstattung ist die Produktion sicherlich unschlagbar. Die Kreativen bedienen sich aller erdenklichen im Musicalbereich einsetzbaren Medien und machen das Stück zu einem audio-visuellen Erlebnis.</p>
<p class="Body">Weniger Pomp, eine weniger mit Kulissen, Hintergründen und Requisiten überfrachtete Bühne, mehr Details bei der Ausarbeitung der Charaktere sowie deutlich schwungvollere Arrangements würden dem Stück in Berlin sicherlich gut zu Gesicht stehen.</p>
<p class="paragraph_style" style="text-align: right;">Michaela Flint<br />
<em>veröffentlicht in blickpunkt musical</em></p>
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<div class="spacer"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Theater des Westens, Berlin</span><br />
<span style="color: #000080;"> <strong><span class="Bold">Premiere: </span></strong>6. April 2005</span><br />
<span style="color: #000080;"> <strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Marc Clear, Pia Douwes, Patrick Stanke, Uwe Kröger</span><br />
<span style="color: #000080;"> <strong><span class="Bold">Regie:</span></strong> <span class="Bold">Paul Eenens<br />
</span><strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Stage Holding</span></div>
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