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	<title>Jan Rogler-Archiv - Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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		<title>Hexen auf Diät</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Sep 2021 10:34:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Neue Flora in Hamburg war schon immer prädestiniert für „Wicked“: ein hohes und weites Bühnenportal sowie eine große Bühne mit viel Platz daneben, darunter und darüber, um Kulissen und technische Finessen gekonnt zu verstecken. Dass die deutsche Fassung bisher nur in Stuttgart (2007) und Oberhausen (2010) zu sehen war, war für Deutschlands Musical-Hauptstadt immer ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.musicals-online.com/hexen-auf-diaet/">Hexen auf Diät</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.musicals-online.com">Herzlich willkommen auf musicals-online.com</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Neue Flora in Hamburg war schon immer prädestiniert für „Wicked“: ein hohes und weites Bühnenportal sowie eine große Bühne mit viel Platz daneben, darunter und darüber, um Kulissen und technische Finessen gekonnt zu verstecken. Dass die deutsche Fassung bisher nur in Stuttgart (2007) und Oberhausen (2010) zu sehen war, war für Deutschlands Musical-Hauptstadt immer sehr bedauerlich.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-3118 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Emerald-City_GlindacBrinkhoff-Moegenburg-1056-0288-267x400.jpg" alt="" width="267" height="400" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Emerald-City_GlindacBrinkhoff-Moegenburg-1056-0288-267x400.jpg 267w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Emerald-City_GlindacBrinkhoff-Moegenburg-1056-0288-683x1024.jpg 683w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Emerald-City_GlindacBrinkhoff-Moegenburg-1056-0288-768x1152.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Emerald-City_GlindacBrinkhoff-Moegenburg-1056-0288-1024x1536.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Emerald-City_GlindacBrinkhoff-Moegenburg-1056-0288-1365x2048.jpg 1365w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Emerald-City_GlindacBrinkhoff-Moegenburg-1056-0288-scaled.jpg 1707w" sizes="(max-width: 267px) 100vw, 267px" />Zehn Jahre nach dem letzten Vorhang in Metronom Theater wurde nun die Neue Flora grünifiziert und die neue, moderne Fassung des Broadway-Hits „Wicked“ feierte (Corona-bedingt ein Jahr später als geplant) am 5. September 2021 Premiere.</p>
<p>Gleich vorneweg: Dem Vergleich mit der Original-Produktion hält diese Tourfassung nicht stand. Nicht ohne Grund hat „Wicked“ nach seiner Weltpremiere Tony Awards für die besten Kostüme und das beste szenische Design bekommen. Doch die magische Welt von Oz, das in jedem Detail grüne Glitzern der Emerald City, das fiel in der neuen Inszenierung der Modernisierungsschere zum Opfer.</p>
<p>Es ist völlig legitim, ein Stück, dass schon 18 Jahre alt ist, auf Herz und Nieren zu prüfen und zu schauen, ob es noch „State of the Art“ ist und künstlerische Elemente noch funktionieren. Das wird beim „Starlight Express“ seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert und auch eine „Evita“ kommt immer mal wieder in modernerem Gewand daher.</p>
<p>Doch warum etwas ändern, das in sich stimmig ist, wo alle Gewerke perfekt harmonieren und dass das Publikum in New York und London auch nach 18 Jahren noch jeden Abend begeistert von den Sitzen reißt?</p>
<p>Wie immer spielt das Geld eine entscheidende Rolle: Schon der Drache über dem Bühnenportal ist nur bedingt für den Tour-Betrieb geeignet. Die überbordende Farben-, Design und Detailvielfalt der Kostüme verschlingt ebenfalls Unsummen. Ganz zu schweigen von einem 25-köpfigen Orchester wie in der Originalproduktion. Ein Drittel davon muss für die Neuinszenierung reichen.</p>
<p>Das lokale Kreativ-Team (Regie: Lindsay Posner, Choreografie: Fabian Aloise, Set-Design: Jon Bausor, Kostüme: Moritz Junge, Music-Supervisor: Sebastian de Domenico) möchte „für Hamburg ein neues, modernes „Wicked“ schaffen. Ein anderes „Wicked“. Ein Musical-Märchen, magisch, aber doch voller Humor. Inhaltlich in Teilen brandaktuell, fast schon politisch, aber auch klassisch-berührend.“, so Posner. Man wollte eine komplett neue Kostümwelt erfinden, ein zeitgemäßes Bühnenbild kreieren sowie urbane Choreografien, die die Story voranbringen, aber nicht zu stark von ihr ablenken. Soweit die Aussagen der Kreativen in der Pressemappe der Stage Entertainment.</p>
<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-3116 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/WIC_HH_Prio1_Der-Kuss_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1455-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/WIC_HH_Prio1_Der-Kuss_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1455-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/WIC_HH_Prio1_Der-Kuss_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1455-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/WIC_HH_Prio1_Der-Kuss_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1455-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/WIC_HH_Prio1_Der-Kuss_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1455-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/WIC_HH_Prio1_Der-Kuss_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1455-2048x1365.jpg 2048w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Das Kreativ-Team muss sich an seinen eigenen Zielen messen lassen. Ein anderes „Wicked“ bringen sie ganz sicher auf die Bühne. Aber ist es wirklich so modern und neuartig wie angestrebt? Eine neutrale Betrachtung wird zwangsläufig schwer, denn innerlich vergleicht man immer wieder mit der Fassung am Broadway oder London. Hat man diesen Vergleich jedoch nicht, lohnt es sich, sich auf das neue „Wicked“ einzulassen.</p>
<p>Das Publikum findet sich unter den herumfliegenden Trümmern von Dorothys Haus wieder. Im Schachbrett-Verfahren platziert, sieht der Saal auch gut gefüllt aus.</p>
<p>Es fällt direkt ins Auge, dass in der Neuinszenierung der Fokus auf Videoprojektionen anstatt handwerklicher Kulissen liegt. Anstatt verschiedener Spielorte spricht Glinda fast ausschließlich vom Balkon des angedeuteten Oz-Wolkenkratzers zu ihren „Mitbürger:innen“ (diese Anrede wird von Glinda nur an dieser Stelle verwendet).</p>
<p>Ein rosa beleuchteter Kreis fliegt von oben in die Eröffnungsszene und wird ruckelnd auf dem Balkon platziert, auf dem dann Glinda auftaucht und die wartende Menge (allesamt in identischen gründen Regenmänteln) über den aktuellen Stand zu Elphabas Verbleib aufklärt. Magische Seifenblase? Fehlanzeige!</p>
<p>So wie Glinda auf dem Balkon steht, erinnert das Geschehen an die bekannte Szene aus „Evita“ („Don’t cry for me, Argentina“). Die gleichförmigen Bewegungen der Ozianer tragen gemeinsam mit den identischen Regenmänteln dazu bei, dass man den Eindruck bekommt, hier handele es sich um Bürger ohne eigene Gedanken. Da hilft auch der alles überragende Regenbogen, der im Verlauf der Inszenierung mehrfach zum Einsatz kommt, nicht. Während Glinda von „Propaganda und Contraganda“ spricht, tanzen die Ozianer mehrfach dasselbe. In der Tat lenken diese Choreografien von der Handlung nicht ab. Die deutschen Dialoge (Ruth Deny) bleiben holprig und leider nur allzu häufig verkrampft witzig.</p>
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<p>Musikalisch bestimmen in der Neu-Inszenierung elektronische Instrumente den Klang. Dies wird nicht nur bei „Der Zauberer und ich“ überdeutlich. Dadurch geht sehr viel Gefühl verloren, es klingt alles recht nüchtern. Zusätzlich war das Sound-Design an diesem Abend (noch) nicht ganz ausgewogen und die Musiker haben die Sänger nicht selten übertönt. Dass die Projektionen nicht immer von Vorteil sind, zeigt sich hier ebenfalls, denn anstelle sich auf Elphaba und ihre Träume und Ängste zu konzentrieren, lässt man sich nur allzu leicht von den Sternen etc. rund um die Protagonistin ablenken.</p>
<p>Dass die Choreografien noch nicht ganz sitzen, sieht man in der Szene „Was fühl ich in mir?“ sehr deutlich. Viele nicht synchrone Schrittfolgen, eine Schlangenlinie anstelle einer geraden Reihe, alles noch nicht gänzlich überzeugend. Auch „Tanz durch die Welt“ wirkt durch den ziemlich plumpen Pop-Beat und etwas altmodische Hip-Hop-Elemente sehr holprig. Fiyeros Auftritt in der Uni-Mensa gerät hier beinahe zur Nebensache.</p>
<p>Deutlich kritisieren kann man, dass auf Deutsch von der „Ozkothek“ als dem angesagtesten Tanz-Club gesprochen wird, in diesem allerdings „Oz Dust Ballroom“ (die englische Bezeichnung) auf dem DJ Pult steht. Solche Inkonsistenzen müssen nicht sein.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3114 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Hexenmagie_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1473-267x400.jpg" alt="" width="267" height="400" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Hexenmagie_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1473-267x400.jpg 267w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Hexenmagie_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1473-683x1024.jpg 683w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Hexenmagie_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1473-768x1152.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Hexenmagie_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1473-1024x1536.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Hexenmagie_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1473-1366x2048.jpg 1366w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Hexenmagie_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1473-scaled.jpg 1707w" sizes="auto, (max-width: 267px) 100vw, 267px" />Ein Highlight dieser Inszenierung ist &#8211; dank Jeannine Wacker als Glinda &#8211; „Heiß geliebt“: Sie quietscht nicht so arg beim Singen, aber spielt die Klischee-Tussi sehr glaubhaft. Wacker und Vajèn van den Bosch als Elphaba harmonieren nicht nur gesanglich gut, sondern ergänzen sich auch schauspielerisch. Van den Bosch überzeugt zudem mit „Ich bin es nicht“ durch viel Gefühl.</p>
<p>Irgendwann darf Elphaba zum Zauberer in die Smaragdstadt fahren: Der Zug erinnert mehr als nur vage an den 1940er Jahre Comic-Stil, die Kostüme sind wieder sehr gleichförmig und maximal zweifarbig. Von Grüntönen in allen erdenklichen Schattierungen und Designs, für die es 2004 einen Tony Award gab, sieht man hier nichts. Die Choreografien mit Zylinder und grünen Handschuhen wecken Erinnerungen große Ensemble-Nummern à la Bob Fosse und / oder „Chorus Line“. Sie stören das Gesamtbild nicht, aber neu oder urban ist hieran nichts.</p>
<p>Der Zauberer von Oz nutzt in der Neuinszenierung eine an Abraham Lincoln erinnernde Statue mit Wasserkopf, um die Ozianer einzuschüchtern. Die projizierte Mimik ist sehr hölzern und Frankenstein-ähnlich. Das hätte man mit modernen Mitteln sicherlich authentischer umsetzen können.</p>
<p>Der Zauberer selbst ist kein eleganter älterer Herr, sondern ausnehmend böse, nur auf seinen Eigennutz fokussiert und hat in Madame Akaber (übrigens unverändert im Schul-Outfit) seine hinterlistige Gespielin. Sofort wird von den fliegenden Affen als Spitzel gesprochen. Um das Wohlergehen der Tiere geht es dem Gespann in keinster Weise. Dass Elphaba hier nur noch weg möchte und zutiefst enttäuscht ist, kann man gut verstehen.</p>
<p>Es folgt der eigentliche Showstopper der Show: „Defying Gravity“, zu Deutsch „Frei und schwerelos“. Leider fingert Van den Bosch etwas lange an ihrem Besen herum und auch der aus dem Hintergrund zu Hilfe eilende Bühnenmitarbeiter hilft nicht, die Magie dieser Szene aufzubauen. Sanft an zwei Seilen hin und her schaukelnd, gibt Van den Bosch ein druckloses „Frei und schwerelos“ zum Besten und schwebt dann in bester „Mary Poppins“ Manier über die Köpfe der Zuschauer hinweg in den Rang.</p>
<p>Ja, die Szene ist anders als bisher, aber moderner als das mit Licht, Wind und Stoff gelungen eingefasste Hubpodest der Originalproduktion ist dieser Flug keinesfalls. Denn „Mary Poppins“ fliegt schon seit 2004 auf diese Weise durch die Musicaltheater dieser Welt…</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3119 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Ankunft_Emerald-City-cBrinkhoff-Moegenburg-min_1056-1373-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Ankunft_Emerald-City-cBrinkhoff-Moegenburg-min_1056-1373-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Ankunft_Emerald-City-cBrinkhoff-Moegenburg-min_1056-1373-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Ankunft_Emerald-City-cBrinkhoff-Moegenburg-min_1056-1373-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Ankunft_Emerald-City-cBrinkhoff-Moegenburg-min_1056-1373-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Ankunft_Emerald-City-cBrinkhoff-Moegenburg-min_1056-1373-2048x1365.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Auf dem rosenumrankten Balkon des Oz-Towers überrascht eine etwas geknickt wirkende Glinda das Volk und Fiyero mit ihrer Verlobung. In Evita-Pose zelebriert sie unter dem allgegenwärtigen Regenbogen „Wie herrlich“ das Leben ist, nachdem Elphaba verschwunden ist. Die Flügelbewegung der Hände von den sie anhimmelnden Ozianern erklären sich vor allem vor dem Hintergrund der fliegenden Spitzel-Affen jedoch nicht wirklich.</p>
<p>Nach dem Tod des Vaters ist Nessa, Elphabas Schwester, die Gouverneurin. In einem spritzigen Elektro-Rollstuhl fährt sie über die Bühne. Für Spiegelfolie auf dem Standspiegel hat es offenbar leider nicht gereicht. Welchen Zweck diese Kulisse hat, bleibt im Verborgenen. Der Effekt ihrer sich von silbernem Diamantglitzer in die bekannten roten Schuhe verwandelnden Pumps ist hingegen gelungen. Pamina Lenn spielt und singt hier sehr intensiv, fast schon bösartig, als sie erkennt, dass Elphaba alles nur noch schlimmer macht.</p>
<p>Etwas befremdlich wirkt die Drehscheibe, auf der Elphaba und Fiyero ihre Zweisamkeit („Solang ich Dich hab“) genießen. Gesanglich ist dieses Duett jedoch sehr schön. Van den Bosch ist gefühlvoll intensiv und Naidjim Severina kann den Soul in seiner Stimme sehr effektvoll einsetzen.</p>
<p>Der von Madame Akaber herbeigeführte Wirbelsturm, dem Nessa zum Opfer fällt, um Elphaba aus ihrem Versteck zu locken, bleibt hinter den technischen Möglichkeiten zurück: Eine Strudelprojektion, ein paar Lichtblitze in den Trümmerkulissen an der Saaldecke, ein defekter Fernseher (gab es die damals schon?) auf der Bühne, dem unerwartet Dorothy entsteigt und von Glinda zum Diebstahl der roten Schuhe motiviert wird.</p>
<p>Glinda mutiert in dieser Szene optisch endgültig zur Barbie, sind ihre Korsage und die Volants um die Taille doch aus unbeweglichem Plastik geformt. Elphaba adressiert das „blonde Wonneproppenhirn“ ganz zutreffend…</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3115 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Hexenflug_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1273-267x400.jpg" alt="" width="267" height="400" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Hexenflug_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1273-267x400.jpg 267w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Hexenflug_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1273-683x1024.jpg 683w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Hexenflug_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1273-768x1152.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Hexenflug_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1273-1024x1536.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Hexenflug_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1273-1365x2048.jpg 1365w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2021/11/JPG-72-dpi-RGB-WIC_HH_Prio1_Hexenflug_c_Brinkhoff-Moegenburg-1056-1273-scaled.jpg 1707w" sizes="auto, (max-width: 267px) 100vw, 267px" />Außer sich vor Wut zieht sich Elphaba in einen kirchenähnlichen Raum zurück. Der durch Lichtschienen auf den Boden dargestellte Stern bildet das Zentrum des Raums und soll augenscheinlich ein „Hexenkreuz“ darstellen. Warum dieser Stern auf der Bühne aber acht Ecken hat und kein Pentagramm mit den überlieferten fünf Zacken ist, verwirrt sehr. „Gutes tun“ ist sehr klassisch musicalesque inszeniert. Leider baut der Song so nicht die Intensität auf, die ihm innewohnt.</p>
<p>Nach dem „Marsch der Hexenjäger“, bei dem Moq (leider in einem Blechmannkostüm aus Stoff) in Anwesenheit des feigen Löwen direkt zur Tötung von Elphaba aufruft, finden Moq, Löwe und Vogelscheuche die grüne Hexe in ihrem Kirchenzimmer. Dorothy, die ebenfalls dabei ist, gießt einen Eimer mit Glitzerpartikeln über Elphaba, die daraufhin im Bühnenboden verschwindet und nur ihren Hut zurücklässt. Diese plakative Art der Inszenierung nimmt den Zuschauern jegliche Fantasie ab und greift einmal mehr auf veraltete kreative Möglichkeiten zurück.</p>
<p>Als der Zauberer von Glinda erfährt, dass er seine eigene Tochter auf dem Gewissen hat, liefert Andreas Lichtenberger ein weithin sichtbares mimisches Overacting ab. Der in dieser Inszenierung von sich so überzeugte Zauberer fällt unerwartet schnell in sich zusammen und verlässt Oz auf Nimmerwiedersehen.</p>
<p>Während Glinda ihrer Rolle treu bleibt, Madame Akaber wegsperren lässt und dem Volk als neue Anführerin die seifenblasig-rosige Richtung vorgibt, eilt Vogelscheuche Fiyero zu seiner Elphaba und befreit sie aus ihrem Versteck. Die Maske scheint jedoch für Severina nicht optimal zu sitzen, denn sein Gesang klingt doch allzu nasal.</p>
<p>Zurückgehend auf das Ziel des Kreativ-Teams, für Hamburg ein neues und modernes „Wicked“ zu schaffen, das mit viel Magie und Humor ein brandaktuelles, klassisch-berührendes Musicalmärchen ist, muss man leider feststellen, dass diese Ziele nicht erreicht wurden.</p>
<p>Weder ist die Neuinszenierung von „Wicked“ technisch auf einem besonders modernen Niveau, noch sind die Kostüme sonderlich kreativ – im Gegenteil. Das penetrante Einblenden des Regenbogens, der spärliche Einsatz von genderkonformer Sprache und ein Hexenjäger-Schild, das proklamiert, dass „Hexen schlecht für das Klima“ sind, machen die Show nur oberflächlich politisch. Da viele Zusammenhänge nur allzu plastisch gezeigt werden, brauchen die Zuschauer auch kaum mehr nachzudenken, um der Handlung folgen zu können. Einzig die Choreografie wird ihren Zielen gerecht: Sie fällt so wenig auf, dass man im Nachhinein kaum zu sagen vermag, ob sie nun urban war oder nicht.</p>
<p>Das neue „Wicked“ hätte neben all diesen äußeren Faktoren auch schlichtweg durch herausragende Darsteller punkten können. Doch leider kann Jeannine Wacker die Show nicht allein tragen. Das wäre auch gar nicht die Aufgabe der Glinda. Vajèn van den Bosch überzeugt in erster Linie in den Duetten, solistisch scheint ihr jedoch leider manches Mal – sicher auch aufgrund des nicht ganz optimalen Sounds &#8211; der Halt zu fehlen, weshalb Songs wie „Frei und schwerelos“ und „Gutes tun“ nicht wirklich zünden.</p>
<p>Susanne-Elisabeth Walbaum und Andreas Lichtenberger bleiben als Duo Infernale hinter den Erwartungen zurück. Es mag an der Personenregie liegen, dass die beiden nicht an die spitzfindigen Interpretationen ihrer Rollenvorgänger anknüpfen können, ist aber sehr schade.</p>
<p>Schauspielerisch und gesanglich können Gianni Meurer als Dr. Dillamonth und Pamina Lenn als Nessarose Glanzpunkte setzen, doch auch sie können das Ruder nicht herumreißen.</p>
<p>Führt man sich vor Augen, dass die teuersten Tickets in Hamburg mit allen Gebühren 170 Euro kosten, während man in London eine wesentlich opulenter ausgestattete Inszenierung in derselben Preiskategorie für „nur“ 150 Euro anschauen kann, stellt sich wirklich die Frage, ob künstlerische Ziele bei dieser Neuinszenierung überhaupt eine Rolle gespielt haben.</p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #000080;">Michaela Flint</span><br />
<span style="color: #000080;"><em>gekürzt erschienen in <a style="color: #000080;" title="http://www.musicals-magazin.de/" href="http://www.musicals-magazin.de/"><span style="color: #333399;">musicals &#8211; Das Musicalmagazin</span></a></em></span></p>
<div id="id4" class="style_SkipStroke_4 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_270_124">
<p><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Neue Flora Theater, Hamburg</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Premiere: </span></strong><span class="Bold">7. September 2021<br />
<strong>Darsteller:</strong> Vajèn van den Bosch, Jeannine Wacker, GIanni Meurer, Pamina Lenn, Susanne-Elisabeth Walbaum, Andreas Lichtenberger, Naidjim Severina, Jan Rogler<br />
<strong>Musik / Regie: </strong>Stephen Schwartz / Lindsay Posner<br />
<strong>Fotos: </strong>Brinkhoff-Moegenburg</span></span></p>
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		<title>Rockige Umsetzung eines Dramamusicals</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/rockige-umsetzung-eines-dramamusicals-mit-guter-band-und-starken-charakteren/</link>
		
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2016 11:02:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2016]]></category>
		<category><![CDATA[Alice Hanimyan]]></category>
		<category><![CDATA[Anatol Kotte]]></category>
		<category><![CDATA[Bo Lahola]]></category>
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		<category><![CDATA[Jan Rogler]]></category>
		<category><![CDATA[Kammerspiele Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Next to Normal]]></category>
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		<category><![CDATA[Tim Grobe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tom Kitts (Musik) und Brian Yorkeys (Buch, Lyrics) „Next to Normal“ ist alles andere als ein „Feel Good Musical“. Vielmehr behandeln die beiden ein vielfach noch tabuisiertes Thema: Was passiert, wenn ein Familienmitglied (in diesem Fall die Mutter) aufgrund eines traumatischen Ereignisses psychisch erkrankt (in diesem Fall manisch-depressiv) und die Familie mit allen ihr zur ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div>
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<p>Tom Kitts (Musik) und Brian Yorkeys (Buch, Lyrics) „Next to Normal“ ist alles andere als ein „Feel Good Musical“. Vielmehr behandeln die beiden ein vielfach noch tabuisiertes Thema: Was passiert, wenn ein Familienmitglied (in diesem Fall die Mutter) aufgrund eines traumatischen Ereignisses psychisch erkrankt (in diesem Fall manisch-depressiv) und die Familie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten versucht, sich mit dieser Situation zu arrangieren und dem erkrankten Familienmitglied so gut es geht zu helfen.</p>
<div id="body_layer">
<div class="style_SkipStroke_2 shape-with-text flowDefining">
<div class="text-content style_External_394_271">
<div class="style_2">
<p class="Body">In „Next to Normal“ (zu deutsch: „Fast normal“) ist es Diana, die den plötzlichen Tod des Sohnes nicht verarbeiten konnte und auch nach 18 Jahren noch an einer ausgeprägten bipolaren Störung leidet. Weder sie noch ihr Mann Dan tragen eine Schuld an dem Nichterkennen des Darmverschlusses ihres Säuglings Gabriel, waren sie selbst doch noch Kinder als der Junge zur Welt kam. Auch die wenig später geborene Tochter Natalie kann der Mutter nicht helfen, das Schicksal anzunehmen.</p>
<div><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="http://old.musicals-online.com/musicals-online/Fast_normal_2016_files/shapeimage_4.png" alt="" width="378" height="490" /></div>
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<div id="id4" class="style_SkipStroke_4 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3">Diana funktioniert zu Hause mal mehr, mal weniger gut, schwankt zwischen extremer gute Laune und Aktionismus und totaler Lethargie. In ihrer Welt aus Halluzinationen lebt Gabriel immer noch und ist ein ganz normaler Teenager, um den sie sich aufopferungsvoll kümmert und mit dem sie sich austauscht. Dan geht jeden psychologisch-medizinischen Weg, um die Frau, die er über alles liebt, zu unterstützen und wieder ein gemeinsames Leben mit ihr zu führen. Natalie kommt bei alledem zu kurz und da ihre hervorragenden schulischen Leistungen nicht zu der erhofften Anerkennung führen, gibt sie sich den Drogen hin. Am Ende entscheidet sich Diana für ein Leben ohne Dan und Natalie, während Dan sich eingesteht, dass auch er Gabriel sieht und braucht. Natalie, die davon nichts ahnt, steht ihrem Vater zur Seite und hofft, dass sie es auch ohne Diana schaffen, eine Familie zu sein.</div>
</div>
</div>
<div id="id5" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_669_458">
<div class="style_2">
<p class="Body">Spannend bei all dem ist, zumindest in Harald Weilers Inszenierung in den Hamburger Kammerspielen, dass Gabriel keine passive Halluzination Dianas ist, sondern aktiv in das Geschehen eingreift: Sei es nun, dass er der Mutter den Mülleimer hinhält, wenn sie ihre Pillen entsorgt, ihr vehement zuredet, dass sie die EKT (Elektrokrampftherapie) nicht machen soll, oder dass er Natalie die Tabletten der Mutter als Lösungsweg darbietet. Mehr als einmal wirkt er wie ein Puppenspieler, der die Geschicke seiner Familie nach seinen Wünschen lenkt. Auf die ein oder andere Weise stehen alle drei in Gabriels Bann, was besonders am Schluss klar wird: Diana trennt sich nicht nur von Mann und Tochter, sondern lässt auch ihren Sohn zurück. Dieser wiederum wendet sich direkt dem Vater zu, der in seiner Verletztheit für diesen Einfluss seines Unterbewusstseins sehr empfänglich ist.</p>
<p class="Body">Schon die Inhaltsbeschreibung macht deutlich, dass es bei diesem Stück nicht auf das Drumherum ankommt, sondern auf die Charaktere. Die Darsteller von Diana, Dan, Natalie und Gabriel müssen starke schauspielerische Qualitäten und eine gute Bühnenpräsenz haben, um zu überzeugen. Auch gesanglich haben Kitt und Yorkey ihren Künstler einige Herausforderungen geschaffen. Jeder der Protagonisten hat Soli, in denen er bzw. sie ganz pur und aufgewühlt vor Emotionen allein im Scheinwerferlicht steht.</p>
<p class="Body">Folglich finden sich auf der Bühne der Kammerspiele außer ein paar Stühlen, einem Tisch und einem von innen beleuchteten portalähnlichen Kubus nichts, was von der Handlung ablenken könnte. Lars Peter (Ausstattung) und Gerald Timmann (Licht) haben hier eine gut funktionierende Atmosphäre geschaffen.</p>
</div>
</div>
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<div id="id6" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_669_604">
<div class="style_2">
<p class="Body">Das Publikum lernt Diana in einer ihrer manischen Phasen kennen. Carolin Fortenbacher wirkt in diesen Momenten schon fast zu exzentrisch und zeigt eine überzogene Mimik, die knapp an der Parodie entlangschrammt. Ihr Zweigespräch mit Gabriel hingegen ist in sich sehr stimmig.</p>
<p class="Body">Elias Krischke gibt den verstorbenen Gabriel, der in Dianas Halluzinationen als Teenager fortlebt. Mit seinen schon fast teuflischen Seitenblicken und seiner Ausstrahlung, die weit über die schlichte Bühnenpräsenz hinausgeht, zieht er das Publikum sofort in seinen Bann. Jeder möchte wissen: Wer ist das? Und wieso kann offenbar nur Diana ihn sehen? Dieses Geheimnis wird jedoch erst später gelüftet.</p>
<p class="Body">Dass die vier Familienmitglieder alle in ihrer eigenen Welt leben, zeigt die allmorgendliche Routine – jeder an seinem eigenen Stuhl mit seinen eigenen Abläufen und Problemen beschäftigt („Wie an jedem Tag“). Die anschließende Szene (der Arztbesuch von Diana) nimmt die häufig als einziger Ausweg praktizierte Psychopharmaka-Therapie auf die Schippe. Tim Grobe jongliert als Arzt mit Diagnosen und kunterbunten Pillen, während Diana sich fragt, ob sie die Nebenwirkungen wirklich in Kauf nehmen muss. Robin Brosch kann Dans Verzweiflung („Wer spinnt hier?“) sehr gut Ausdruck verleihen. Dass auch ihm irgendwann die sprichwörtliche Puste ausgeht, glaubt man ihm sofort.</p>
<div class="tinyText stroke_0">
<div><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright" src="http://old.musicals-online.com/musicals-online/Fast_normal_2016_files/shapeimage_6.png" alt="" width="415" height="412" /></div>
</div>
<p class="Body">Parallel nähern sich Natalie und Henry, einer ihrer Mitschüler, einander an. Auch wenn Natalie (Alice Hanimyan) zunächst noch sehr burschikos ist, spürt sie doch, dass Henry (Jan Rogler) ihr gut tut. Und so wird „Richtig für Dich“ zu einer sehr süßen, schüchternen Liebeserklärung unter Teenies.</p>
<p class="Body">Eine der Schlüsselszenen des Stücks ist „Alles wird gut“: Die Therapie scheint zu wirken, Diana ist (fast schon wieder zu) fröhlich und die Familie freut sich auf ein gemeinsames Essen mit Henry. Als Diana mit der Geburtstagstorte für Gabriel hereinkommt, kippt die Stimmung. Dan erklärt ihr zum wiederholten Mal, dass Gabriel tot ist und das schon seit Jahren. Robin Brosch legt einmal mehr viel Gefühl in sein Solo „Er ist fort“. Carolin Fortenbacher bestätigt, dass ihr Sarkasmus und trockener Humor liegen, denn als Dan fragt, wo die Pillen sind, antwortet sie in der ihr eigenen Art jovial: „Wir haben die glücklichste Klospülung der Straße!“ Leider kann sie diese Authentizität nicht in den folgenden Song mitnehmen. „Was weißt Du?“ fällt gegenüber der vorangegangenen Szene deutlich ab, auch wenn die überfällige Entscheidung zwischen Dan und Gabriel sehr gut inszeniert und gespielt ist („Kein Mensch“).</p>
<p class="Body">Im Laufe des Abends hört man leider viele disharmonische Töne. Dies mag Absicht sein und es passt teilweise auch zu den rockigen Nummern, dennoch zuckt man unweigerlich zusammen.</p>
<p class="Body">Die stärkste Nummer von Natalie ist „Superboy und seine Schwester aus Glas“. Alice Hanimyan platzt schier vor unterdrücktem Frust. Ihre ausladende, kraftvolle Gestik und die traurig-wütende Mimik sind beeindruckend. Das Publikum versteht, warum die Tochter sich zurückgesetzt fühlt und sich nach und nach von den Zwängen des Elternhauses zu befreien versucht.</p>
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<div id="id7" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_259_402">
<div class="style_2">
<p class="Body">Einen Bruch im Fluss bildet der nächste Arzt-besuch von Diana. Der Arzt (Tim Grobe) mutiert in ihrer Phantasie zu einen Rock-Prediger. Grobe gelingt der Wechsel zwischen altklugem, phrasendreschendem Psychiater und dem überdrehten Rockstar extrem gut. Dass sich Gabriel von diesem Versuchen, sich seiner zu entledigen, nicht einschüchtern lässt, stellt er mit „Ich lebe“ eindrücklich unter Beweis. Elias Krischke dosiert die Energie für diesen Song genau richtig. In der Folge wird sein Schicksal noch mehr mit dem seiner Schwester verwoben, der er – während die gemeinsame Mutter vom Arzt hypnotisiert wird – die Tasche mit den Pillen rüberschiebt. Natalie erliegt der Verlockung zwar nicht direkt, aber die Zuschauer spüren, dass sie nicht stark genug ist, sich dieser Flucht in eine andere, schönere Welt, dauerhaft zu widersetzen.</p>
<p class="Body">Nach einem Selbstmordversuch Dianas, der durch Gabriels Lockversuch („Komm mit mir“ – sehr gefühlvoll von Krischke interpretiert) ausgelöst wird, sehen der Arzt und Dan nur noch die EKT als Ausweg. Brosch zeigt eine große emotionale Betroffenheit, als er sich als Dan fragt, „Wohin soll das führ’n?“. So eine Entscheidung trifft sich nicht „mal eben so.“ Diana verleiht ihrer Sorge mit „Das ist doch wie im Kino“ Ausdruck. Diese Rocknummer steht Fortenbacher sehr gut.</p>
<div>Als es schließlich zur EKT kommt, liegt Gabriel zuckend über den Köpfen von Diana und dem Arzt. Krischke wird sichtbar schwächer. Ein wirklich sehr gelungener Regie-Kniff von Harald Weiler, die Halluzination von Diana auf diese Weise sichtbar schwächer werden zu lassen!</div>
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<div class="text-content style_External_669_402">
<div class="style_2">
<p class="Body">Parallel kollabiert Natalie im Drogenrausch nach einem Hustensaft-Trip. Henry kann sie retten, während Dan seine Frau nach 14 Tagen EKT ebenfalls wieder nach Hause holen darf. „Wär ich nur da“ ist ein starkes Duett der beiden Leading Ladies, die sich gerade beide selbst verlieren.</p>
<div><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="http://old.musicals-online.com/musicals-online/Fast_normal_2016_files/shapeimage_2.png" alt="" width="403" height="240" /></div>
<p class="Body">Leider erinnert sich Diana nur noch an Dan, alles andere wurde durch die Behandlung (vorübergehend) aus ihrem Gedächtnis gelöscht. Sehr einfühlsam versucht Dan die Erinnerung zurückzubringen („Lied vom Vergessen“). Dabei schönt er die Vergangenheit an der einen oder anderen Stelle. Natalie ist tief verletzt, dass sich ihre Mutter nicht mehr an sie erinnert und stattdessen auf den Fleck an der Wand starrt, an dem bis vor Kurzem noch ein Foto von Gabriel hing. Brosch, Fortenbacher und Hanimyan spielen hier ihr ganzes Können aus, so dass das Publikum die fast schon unwirkliche Situation für die Familie nachempfinden kann. Erst Natalies Schocktherapie – das Zeigen von Fotos des durch Dianas Verschulden abgebrannten Hauses – löst den Knoten und bringt Dianas Erinnerung zurück. Doch ein weißer Fleck bleibt&#8230;</p>
<p class="Body">In einer der folgenden Sitzungen berät sich Diana mit ihrem Arzt, der ihr in einem unbedachten Moment verrät, dass sie einen Sohn hatte. Zu Recht stellt sie ihren Mann zur Rede. „Wie konnte mir das entfall’n“ ist ein sehr zartes Duett, das von Brosch und Fortenbacher mit viel Gefühl fortgetragen wird. Fortenbacher wirkt ganz zerbrechlich in ihrer Erinnerung an den verstorbenen Sohn.</p>
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<div class="text-content style_External_259_520">
<div class="style_2">
<p class="Body">Während Dan noch glaubt, dass sich alles zum Guten wendet, verfällt Diana wieder in alte Muster. Sie unterhält sich mit Gabriel, dreht komplett auf und über und doch ist etwas anders („Warum?). Sie fasst den Entschluss, sich von Dan zu trennen und sagt sich gleichzeitig von Gabriel los, um sich endlich selbst zu finden.</p>
<p class="Body">Der verzweifelte Versuch von Dan, Diana mit gemeinsamen Erinnerungen daran wie glücklich sie einmal waren, zu halten, führt ins Leere. „Ein Versprechen“ ist ein sehr cleverer Song, zeigt er doch zum einen das Paar Dan und Diana, das vor den Scherben seiner Ehe steht als auch die junge, aufblühende Liebe von Natalie und Henry, die ihren gemeinsamen Weg noch vor sich haben. Diese Szene gehört zu den ein-drücklichsten des Abends, da die beiden Paare akustisch und schauspielerisch sehr gut harmonieren.</p>
<p class="Body">Diana geht noch einmal zum Arzt, der ihr eine weitere EKT-Behandlung rät. Diese lehnt sie jedoch nachdrücklich ab. Und im Hintergrund wird Gabriel wieder präsenter.</p>
<p class="Body">Ein erstes und letztes Mal kümmert sich Diana um ihre Tochter, die von Henry zum Ball eingeladen wurde. „Fast normal“ ist ein sehr schönes Duett von Fortenbacher und Hanimyan in denen sich zarte Bande der Annäherung ausmachen lassen. Beide Frauen legen eine gute Energie in ihre Interpretation und zeigen sehr viel Gefühl. Doch der Neuanfang wird von Gabriel gestört: Er wirft einen Papierflieger in Richtung der Frauen und bringt sich so wieder direkt in Dianas Gedanken ein.</p>
<div class="tinyText stroke_2">
<div><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright" src="http://old.musicals-online.com/musicals-online/Fast_normal_2016_files/shapeimage_3.png" alt="" width="320" height="396" /></div>
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<div class="text-content style_External_669_721">
<div class="style_2">
<p class="Body">Diana zieht einen Schlussstrich. Fortenbacher darf dies einmal mehr in einem sehr ruhigen Solo intonieren („Ich werde Dich verlassen“). Sie lässt Dan keine Wahl.</p>
<p class="Body">Plötzlich meldet sich auch bei Dan das Unterbewusstsein zu Wort und er sieht das, was Diana die letzten Jahre gesehen hat: ihren gemeinsamen Sohn Gabriel. Dass Dan mit einem Mal zu seinen offenbar verdrängten Gefühlen und Halluzinationen steht, kommt für die Zuschauer sehr unerwartet. War er doch sonst eine sehr starke Persönlichkeit. Doch Gabriel ist sehr eindringlich in seinem Begehren und schlussendlich ergibt sich Dan seinem Schicksal und akzeptiert, dass Gabriel fortan auch ein Teil seines Lebens sein wird.</p>
<p class="Body">Dass das Stück mit dem hoffnungsfrohen „Licht“ endet, kann man mögen oder auch nicht. Gut ist sicherlich, dass man noch einmal alle sechs Darsteller auf der Bühne vereint sieht. Und sicherlich lässt sich auch für jeden Charakter sein ganz persönliches Licht am Ende des Tunnels finden. Aber irgendwie wirkt dieser versöhnliche, friedliche Abschluss etwas zu sehr gewollt und passt nicht so recht zur dramatischen Handlung.</p>
<p class="Body">Wie eingangs erwähnt, braucht es bei „Next to Normal“ Charakterdarsteller, die eine emotionale Achterbahnfahrt glaubhaft über die Rampe bringen können. Robin Brosch gelingt dies auf der schauspielerischen Ebene hervorragend, gesanglich muss man bei ihm jedoch leider ein paar Abstriche machen.</p>
<p class="Body">Elias Krischke und Alice Hanimyan überzeugen schauspielerisch wie gesanglich gleichermaßen, obwohl bei beiden noch Luft nach oben ist. Die Rocknummern stehen den Nachwuchsdarstellern sehr gut zu Gesicht und sie können sich energetisch austoben. Dass ihnen das Freude macht, spürt man.</p>
<p class="Body">Gleiches gilt für Jan Rogler als Henry. Er hat zusammen mit Tim Grobe (Arzt) zwar die kleineren Rollen. Doch ihnen gelingt es, sich die notwendige Aufmerksamkeit zu verschaffen. Insbesondere Grobe bleibt als Rock-Doc in Erinnerung.</p>
<p class="Body">Last but not least bleibt noch Carolin Fortenbacher, die das Publikum hier in einer eher ungewöhnlichen Rolle erleben kann. Üblicherweise besticht Fortenbacher durch einen hohen Comedy-Anteil, Gespür für Wortwitz und ihre wandlungsfähige Stimme. Mit Ausnahme von letzterem bewegt sie sich bei „Fast normal“ auf weitgehend ungewohntem Terrain. Sie verfällt recht oft in Extreme, was aber auch den Regieanweisungen geschuldet sein mag. Ansonsten kann sie in einzelnen Szenen sehr überzeugen, in anderen weniger. Es fehlt ihr an Kontinuität über den Verlauf des Abends; nicht jede Szene wirkt authentisch, einige gar unfreiwillig komisch. Doch diese anspruchsvolle Figur stellt sicherlich für viele Darstellerinnen eine große Herausforderung dar.</p>
<p class="Body">Nur beim Schlussapplaus sichtbar, dafür aber den ganzen Abend umso besser zu hören, ist die fünfköpfige Band unter der Leitung von Matthias Stötzel. Die Musiker spielen Tom Kitts Partitur mit viel Schwung ohne zu übersteuern und rocken mit den Uptempo-Nummern das Haus. Genauso wünscht man sich eine Musicalband! Das ist einmal mehr der Beleg, dass man auch mit wenigen Musikern ein Statement in Sachen Rockmusical abliefern kann.</p>
<p class="Body">Von solchen Produktionen möchte ich in den Hamburger Kammerspielen gern mehr sehen!</p>
<p class="paragraph_style" style="text-align: right;">Michaela Flint</p>
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<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><span class="Bold">Theater:</span> Kammerspiele, Hamburg</span><br />
<span style="color: #000080;"><span class="Bold">Besuchte Vorstellung: </span>11. September 2016</span><br />
<span style="color: #000080;"><span class="Bold">Darsteller:</span> Carolin Fortenbacher, Robin Brosch, Elias Krischke, Alice Hanimyan, Tim Grobe, Jan Rogler</span><br />
<span style="color: #000080;"><span class="Bold">Musik / Regie:</span> Tom Kitt / Harald Weiler<span class="Bold"><br />
</span><span class="Bold">Fotos:</span> Anatol Kotte / Bo Lahola</span></div>
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