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	<title>Harald Weiler-Archiv - Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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	<title>Harald Weiler-Archiv - Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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		<title>Weltpremiere mit viel Potential</title>
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		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Jul 2017 22:03:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2017]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Gundlach]]></category>
		<category><![CDATA[Craig Simmons]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als Sönke Wortmanns Film 1994 die Massen ins Kino zog, machte Ralf König keinen Hehl daraus, dass er von der Verfilmung seines Comics nichts hielt, insbesondere da die homosexuellen Protagonisten im Gegensatz zu den Heteros sehr überzeichnet wurden. Mehr als 23 Jahre später bringt das Hamburger Thalia Theater im Rahmen des Thalia Sommers die Musicalfassung ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als Sönke Wortmanns Film 1994 die Massen ins Kino zog, machte Ralf König keinen Hehl daraus, dass er von der Verfilmung seines Comics nichts hielt, insbesondere da die homosexuellen Protagonisten im Gegensatz zu den Heteros sehr überzeichnet wurden. Mehr als 23 Jahre später bringt das Hamburger Thalia Theater im Rahmen des Thalia Sommers die Musicalfassung von Christian Gundlach und Craig Simmons auf die Bühne. Die Weltpremiere wird von Harald Weiler inszeniert, während Stephan Sieveking Gundlachs Kompositionen mit der 5-köpfigen Band intoniert.</p>
<p>In den 30 Jahren seit der Erstveröffentlichung des Comics hat sich die Welt weitergedreht, Themen wie Homosexualität werden in der Öffentlichkeit lange nicht mehr als so anrüchig wahrgenommen wie damals – auch wenn man leider sagen muss, dass unsere Gesellschaft nicht müde wird, die Unterschiede zu betonen anstatt die Menschlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen. Man könnte also annehmen, dass Theatermacher die Chance nutzen, ein Stück, das mit den Klischees von Hetero- und Homosexualität spielt, ins Hier und Jetzt zu übertragen. Doch weit gefehlt, „Der bewegte Mann“ ist eine ungeschönte Reise zurück in die späten 1980er Jahre&#8230;</p>
<p>Lars Peter (Ausstattung) versteckt die Hinterbühne mitsamt Band hinter einem Lametta-Vorhang und baut die Schlafzimmer von Norbert und Doro im Vordergrund nebeneinander auf. Die Handlung spielt abwechselnd in einem der beiden Schlafzimmer, doch manchmal lässt Weiler Doro auch mitten im Song in Norberts Schlafzimmer wechseln und sich an der Schulter des Metzgers ausweinen. Verstehen muss man diese Vermischung der Schauplätze nicht&#8230;</p>
<p>Die Idee, die Geschichte von Axel, Doro und Norbert abwechselnd in einem der beiden Schlafzimmer zu erzählen, ist nicht schlecht, wird aber nach dem dritten Wechsel von Dialog und Song zunehmend fad. Anstrengend und phasenweise sehr bedauerlich ist auch, dass die Schwulen-Klischees auch in der Bühnenfassung Überhand nehmen: Waltraud und Fränzchen laufen permanent im Fummel herum, der Metzger hat offenbar einen Lack- &amp; Leder-Fetisch, und überhaupt zählen für sie nur „Sahnehintern“. Der Mensch, der diesen Hintern trägt, scheint unwichtig.</p>
<p>Wenn also Bühne und Handlung schon nicht überzeugen können, wie schaut es dann mit der Musik und den Darstellern aus? Die 17 Songs, die das Publikum im Laufe des Abends zu Hören bekommt, sind poppig und seicht. Stücke, die das Potential zu einer Hymne haben (bspw. Waltrauds „Sei einfach Du“, „Waltraud weiß Bescheid“) verpuffen im klischeetriefenden Nebel.</p>
<p>Apropos Waltraud, diese Figur bringt viel mit, um der eigentliche Star der Show zu sein, doch leider verschenken Gundlach und Weiler auch hier viele Gelegenheiten. Es gibt zwar einige sehr witzige Dialoge, doch die reißen es leider auch nicht raus. Mark Weiler, der die Rolle erst drei Wochen vor der Premiere vom erkrankten Tim Koller übernahm, kann man hier keinen Vorwurf machen. Er ist der sympathische Kopf des Dreiergespanns mit Norbert und Fränzchen und redet Norbert immer wieder ins Gewissen. Jan Kersjes gibt eben diesen hochgradig in Axel verliebten Norbert sehr gefühlfühl und authentisch. Gesanglich kann er – genau wie der Rest des Ensembles – nicht überzeugen, doch er darf die mit Abstand sympathischste Rolle spielen und weiß diesen Vorteil zu nutzen.</p>
<p>Der – in der Musicalfassung leider nicht besonders überzeichnete – Macho Axel wird von dem erst 21-jährigen Elias Krischke gespielt. So schön sein durchtrainierter Körper – insbesondere in den viel zu ausgedehnten Nacktszenen – anzuschauen ist, so wenig gelingt es ihm, die Rolle glaubwürdig über die Rampe zu bringen. Dafür wirkt er auch im Vergleich zu seinen Kollegen einfach noch zu jung. Gesanglich zeigt er nach „Fast normal“ 2016 in den Kammerspielen einmal mehr, dass er viel Potential hat. Doch Gundlachs Kompositionen geben ihm dazu leider keine Möglichkeit.</p>
<p>Die von Axel gleichermaßen betrogene und geliebte Doro wird von Jennifer Siemann verkörpert. Viel Charakter vermag sie der auf einer emotionalen Achterbahn fahrenden Doro nicht zu geben, und auch gesanglich kann sie ihr Können nicht zeigen. In beiden Fällen liegt dies aber nicht an ihrem Unvermögen, sondern an der schwachen Personenregie und den wenig gehaltvollen Songs.</p>
<p>Aus der Besetzung sticht Sascha Rotermund als Metzger und Doros alternder Onkel hervor. Seine Sprüche treffen genau ins Schwarze. Er wirkt sowohl als norddeutscher Onkel, der sich mit Männern in Frauenkleidung konfrontiert sieht, als auch als homosexueller Metzger, der nach einer Ladung Bullenspray auch einer nymphomanen Frau nicht abgeneigt ist, sehr authentisch und hat viele Lacher auf seiner Seite.</p>
<p>Das Premierenpublikum spendet eher braven Applaus, wirkliche Begeisterung klingt anders. Aber man kann es ihm nicht verdenken, die Musicalfassung von „Der bewegte Mann“ ist über lange Strecken altbacken und voller Klischees, musikalisch unaufgeregt und die Charaktere zu oberflächlich. Schade, dass bei einer immer noch aktuellen Thematik so viele Möglichkeiten ungenutzt verschenkt wurden.</p>
<p style="text-align: right;">Michaela Flint<br />
erschienen <em>in <span style="color: #333399;"><a style="color: #333399;" title="http://www.musicals-magazin.de/" href="http://www.musicals-magazin.de/">musicals &#8211; Das Musicalmagazin</a></span></em></p>
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<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Thalia Theater, Hamburg</span><br />
<span class="Bold" style="color: #000080;"> <strong>Premiere:</strong> 26. Juli 2017</span></div>
<div class="style_3"><span class="Bold" style="color: #000080;"><strong>Darsteller: </strong>Elias Krischke, Jennifer Siemann, Mark Weiler, Sascha Rotermund, Jan Kersjes</span><br />
<span style="color: #000080;"> <strong><span class="Bold">Musik &amp; Buch / Regie:</span></strong> Christian Gundlach &amp; Craig Simmons / Harald Weiler</span><br />
<span style="color: #000080;"> <strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> G2 Baraniak<br />
</span></div>
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		<title>Rockige Umsetzung eines Dramamusicals</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/rockige-umsetzung-eines-dramamusicals-mit-guter-band-und-starken-charakteren/</link>
		
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2016 11:02:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2016]]></category>
		<category><![CDATA[Alice Hanimyan]]></category>
		<category><![CDATA[Anatol Kotte]]></category>
		<category><![CDATA[Bo Lahola]]></category>
		<category><![CDATA[Carolin Fortenbacher]]></category>
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		<category><![CDATA[Kammerspiele Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Next to Normal]]></category>
		<category><![CDATA[Robin Brosch]]></category>
		<category><![CDATA[Tim Grobe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tom Kitts (Musik) und Brian Yorkeys (Buch, Lyrics) „Next to Normal“ ist alles andere als ein „Feel Good Musical“. Vielmehr behandeln die beiden ein vielfach noch tabuisiertes Thema: Was passiert, wenn ein Familienmitglied (in diesem Fall die Mutter) aufgrund eines traumatischen Ereignisses psychisch erkrankt (in diesem Fall manisch-depressiv) und die Familie mit allen ihr zur ...</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div>
<div id="body_content" class="bumper">
<p>Tom Kitts (Musik) und Brian Yorkeys (Buch, Lyrics) „Next to Normal“ ist alles andere als ein „Feel Good Musical“. Vielmehr behandeln die beiden ein vielfach noch tabuisiertes Thema: Was passiert, wenn ein Familienmitglied (in diesem Fall die Mutter) aufgrund eines traumatischen Ereignisses psychisch erkrankt (in diesem Fall manisch-depressiv) und die Familie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten versucht, sich mit dieser Situation zu arrangieren und dem erkrankten Familienmitglied so gut es geht zu helfen.</p>
<div id="body_layer">
<div class="style_SkipStroke_2 shape-with-text flowDefining">
<div class="text-content style_External_394_271">
<div class="style_2">
<p class="Body">In „Next to Normal“ (zu deutsch: „Fast normal“) ist es Diana, die den plötzlichen Tod des Sohnes nicht verarbeiten konnte und auch nach 18 Jahren noch an einer ausgeprägten bipolaren Störung leidet. Weder sie noch ihr Mann Dan tragen eine Schuld an dem Nichterkennen des Darmverschlusses ihres Säuglings Gabriel, waren sie selbst doch noch Kinder als der Junge zur Welt kam. Auch die wenig später geborene Tochter Natalie kann der Mutter nicht helfen, das Schicksal anzunehmen.</p>
<div><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft" src="http://old.musicals-online.com/musicals-online/Fast_normal_2016_files/shapeimage_4.png" alt="" width="378" height="490" /></div>
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</div>
</div>
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<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3">Diana funktioniert zu Hause mal mehr, mal weniger gut, schwankt zwischen extremer gute Laune und Aktionismus und totaler Lethargie. In ihrer Welt aus Halluzinationen lebt Gabriel immer noch und ist ein ganz normaler Teenager, um den sie sich aufopferungsvoll kümmert und mit dem sie sich austauscht. Dan geht jeden psychologisch-medizinischen Weg, um die Frau, die er über alles liebt, zu unterstützen und wieder ein gemeinsames Leben mit ihr zu führen. Natalie kommt bei alledem zu kurz und da ihre hervorragenden schulischen Leistungen nicht zu der erhofften Anerkennung führen, gibt sie sich den Drogen hin. Am Ende entscheidet sich Diana für ein Leben ohne Dan und Natalie, während Dan sich eingesteht, dass auch er Gabriel sieht und braucht. Natalie, die davon nichts ahnt, steht ihrem Vater zur Seite und hofft, dass sie es auch ohne Diana schaffen, eine Familie zu sein.</div>
</div>
</div>
<div id="id5" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_669_458">
<div class="style_2">
<p class="Body">Spannend bei all dem ist, zumindest in Harald Weilers Inszenierung in den Hamburger Kammerspielen, dass Gabriel keine passive Halluzination Dianas ist, sondern aktiv in das Geschehen eingreift: Sei es nun, dass er der Mutter den Mülleimer hinhält, wenn sie ihre Pillen entsorgt, ihr vehement zuredet, dass sie die EKT (Elektrokrampftherapie) nicht machen soll, oder dass er Natalie die Tabletten der Mutter als Lösungsweg darbietet. Mehr als einmal wirkt er wie ein Puppenspieler, der die Geschicke seiner Familie nach seinen Wünschen lenkt. Auf die ein oder andere Weise stehen alle drei in Gabriels Bann, was besonders am Schluss klar wird: Diana trennt sich nicht nur von Mann und Tochter, sondern lässt auch ihren Sohn zurück. Dieser wiederum wendet sich direkt dem Vater zu, der in seiner Verletztheit für diesen Einfluss seines Unterbewusstseins sehr empfänglich ist.</p>
<p class="Body">Schon die Inhaltsbeschreibung macht deutlich, dass es bei diesem Stück nicht auf das Drumherum ankommt, sondern auf die Charaktere. Die Darsteller von Diana, Dan, Natalie und Gabriel müssen starke schauspielerische Qualitäten und eine gute Bühnenpräsenz haben, um zu überzeugen. Auch gesanglich haben Kitt und Yorkey ihren Künstler einige Herausforderungen geschaffen. Jeder der Protagonisten hat Soli, in denen er bzw. sie ganz pur und aufgewühlt vor Emotionen allein im Scheinwerferlicht steht.</p>
<p class="Body">Folglich finden sich auf der Bühne der Kammerspiele außer ein paar Stühlen, einem Tisch und einem von innen beleuchteten portalähnlichen Kubus nichts, was von der Handlung ablenken könnte. Lars Peter (Ausstattung) und Gerald Timmann (Licht) haben hier eine gut funktionierende Atmosphäre geschaffen.</p>
</div>
</div>
</div>
<div id="id6" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_669_604">
<div class="style_2">
<p class="Body">Das Publikum lernt Diana in einer ihrer manischen Phasen kennen. Carolin Fortenbacher wirkt in diesen Momenten schon fast zu exzentrisch und zeigt eine überzogene Mimik, die knapp an der Parodie entlangschrammt. Ihr Zweigespräch mit Gabriel hingegen ist in sich sehr stimmig.</p>
<p class="Body">Elias Krischke gibt den verstorbenen Gabriel, der in Dianas Halluzinationen als Teenager fortlebt. Mit seinen schon fast teuflischen Seitenblicken und seiner Ausstrahlung, die weit über die schlichte Bühnenpräsenz hinausgeht, zieht er das Publikum sofort in seinen Bann. Jeder möchte wissen: Wer ist das? Und wieso kann offenbar nur Diana ihn sehen? Dieses Geheimnis wird jedoch erst später gelüftet.</p>
<p class="Body">Dass die vier Familienmitglieder alle in ihrer eigenen Welt leben, zeigt die allmorgendliche Routine – jeder an seinem eigenen Stuhl mit seinen eigenen Abläufen und Problemen beschäftigt („Wie an jedem Tag“). Die anschließende Szene (der Arztbesuch von Diana) nimmt die häufig als einziger Ausweg praktizierte Psychopharmaka-Therapie auf die Schippe. Tim Grobe jongliert als Arzt mit Diagnosen und kunterbunten Pillen, während Diana sich fragt, ob sie die Nebenwirkungen wirklich in Kauf nehmen muss. Robin Brosch kann Dans Verzweiflung („Wer spinnt hier?“) sehr gut Ausdruck verleihen. Dass auch ihm irgendwann die sprichwörtliche Puste ausgeht, glaubt man ihm sofort.</p>
<div class="tinyText stroke_0">
<div><img decoding="async" class="alignright" src="http://old.musicals-online.com/musicals-online/Fast_normal_2016_files/shapeimage_6.png" alt="" width="415" height="412" /></div>
</div>
<p class="Body">Parallel nähern sich Natalie und Henry, einer ihrer Mitschüler, einander an. Auch wenn Natalie (Alice Hanimyan) zunächst noch sehr burschikos ist, spürt sie doch, dass Henry (Jan Rogler) ihr gut tut. Und so wird „Richtig für Dich“ zu einer sehr süßen, schüchternen Liebeserklärung unter Teenies.</p>
<p class="Body">Eine der Schlüsselszenen des Stücks ist „Alles wird gut“: Die Therapie scheint zu wirken, Diana ist (fast schon wieder zu) fröhlich und die Familie freut sich auf ein gemeinsames Essen mit Henry. Als Diana mit der Geburtstagstorte für Gabriel hereinkommt, kippt die Stimmung. Dan erklärt ihr zum wiederholten Mal, dass Gabriel tot ist und das schon seit Jahren. Robin Brosch legt einmal mehr viel Gefühl in sein Solo „Er ist fort“. Carolin Fortenbacher bestätigt, dass ihr Sarkasmus und trockener Humor liegen, denn als Dan fragt, wo die Pillen sind, antwortet sie in der ihr eigenen Art jovial: „Wir haben die glücklichste Klospülung der Straße!“ Leider kann sie diese Authentizität nicht in den folgenden Song mitnehmen. „Was weißt Du?“ fällt gegenüber der vorangegangenen Szene deutlich ab, auch wenn die überfällige Entscheidung zwischen Dan und Gabriel sehr gut inszeniert und gespielt ist („Kein Mensch“).</p>
<p class="Body">Im Laufe des Abends hört man leider viele disharmonische Töne. Dies mag Absicht sein und es passt teilweise auch zu den rockigen Nummern, dennoch zuckt man unweigerlich zusammen.</p>
<p class="Body">Die stärkste Nummer von Natalie ist „Superboy und seine Schwester aus Glas“. Alice Hanimyan platzt schier vor unterdrücktem Frust. Ihre ausladende, kraftvolle Gestik und die traurig-wütende Mimik sind beeindruckend. Das Publikum versteht, warum die Tochter sich zurückgesetzt fühlt und sich nach und nach von den Zwängen des Elternhauses zu befreien versucht.</p>
</div>
</div>
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<div id="id7" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_259_402">
<div class="style_2">
<p class="Body">Einen Bruch im Fluss bildet der nächste Arzt-besuch von Diana. Der Arzt (Tim Grobe) mutiert in ihrer Phantasie zu einen Rock-Prediger. Grobe gelingt der Wechsel zwischen altklugem, phrasendreschendem Psychiater und dem überdrehten Rockstar extrem gut. Dass sich Gabriel von diesem Versuchen, sich seiner zu entledigen, nicht einschüchtern lässt, stellt er mit „Ich lebe“ eindrücklich unter Beweis. Elias Krischke dosiert die Energie für diesen Song genau richtig. In der Folge wird sein Schicksal noch mehr mit dem seiner Schwester verwoben, der er – während die gemeinsame Mutter vom Arzt hypnotisiert wird – die Tasche mit den Pillen rüberschiebt. Natalie erliegt der Verlockung zwar nicht direkt, aber die Zuschauer spüren, dass sie nicht stark genug ist, sich dieser Flucht in eine andere, schönere Welt, dauerhaft zu widersetzen.</p>
<p class="Body">Nach einem Selbstmordversuch Dianas, der durch Gabriels Lockversuch („Komm mit mir“ – sehr gefühlvoll von Krischke interpretiert) ausgelöst wird, sehen der Arzt und Dan nur noch die EKT als Ausweg. Brosch zeigt eine große emotionale Betroffenheit, als er sich als Dan fragt, „Wohin soll das führ’n?“. So eine Entscheidung trifft sich nicht „mal eben so.“ Diana verleiht ihrer Sorge mit „Das ist doch wie im Kino“ Ausdruck. Diese Rocknummer steht Fortenbacher sehr gut.</p>
<div>Als es schließlich zur EKT kommt, liegt Gabriel zuckend über den Köpfen von Diana und dem Arzt. Krischke wird sichtbar schwächer. Ein wirklich sehr gelungener Regie-Kniff von Harald Weiler, die Halluzination von Diana auf diese Weise sichtbar schwächer werden zu lassen!</div>
</div>
</div>
</div>
<div id="id8" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_669_402">
<div class="style_2">
<p class="Body">Parallel kollabiert Natalie im Drogenrausch nach einem Hustensaft-Trip. Henry kann sie retten, während Dan seine Frau nach 14 Tagen EKT ebenfalls wieder nach Hause holen darf. „Wär ich nur da“ ist ein starkes Duett der beiden Leading Ladies, die sich gerade beide selbst verlieren.</p>
<div><img decoding="async" class="alignleft" src="http://old.musicals-online.com/musicals-online/Fast_normal_2016_files/shapeimage_2.png" alt="" width="403" height="240" /></div>
<p class="Body">Leider erinnert sich Diana nur noch an Dan, alles andere wurde durch die Behandlung (vorübergehend) aus ihrem Gedächtnis gelöscht. Sehr einfühlsam versucht Dan die Erinnerung zurückzubringen („Lied vom Vergessen“). Dabei schönt er die Vergangenheit an der einen oder anderen Stelle. Natalie ist tief verletzt, dass sich ihre Mutter nicht mehr an sie erinnert und stattdessen auf den Fleck an der Wand starrt, an dem bis vor Kurzem noch ein Foto von Gabriel hing. Brosch, Fortenbacher und Hanimyan spielen hier ihr ganzes Können aus, so dass das Publikum die fast schon unwirkliche Situation für die Familie nachempfinden kann. Erst Natalies Schocktherapie – das Zeigen von Fotos des durch Dianas Verschulden abgebrannten Hauses – löst den Knoten und bringt Dianas Erinnerung zurück. Doch ein weißer Fleck bleibt&#8230;</p>
<p class="Body">In einer der folgenden Sitzungen berät sich Diana mit ihrem Arzt, der ihr in einem unbedachten Moment verrät, dass sie einen Sohn hatte. Zu Recht stellt sie ihren Mann zur Rede. „Wie konnte mir das entfall’n“ ist ein sehr zartes Duett, das von Brosch und Fortenbacher mit viel Gefühl fortgetragen wird. Fortenbacher wirkt ganz zerbrechlich in ihrer Erinnerung an den verstorbenen Sohn.</p>
</div>
</div>
</div>
<div id="id9" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_259_520">
<div class="style_2">
<p class="Body">Während Dan noch glaubt, dass sich alles zum Guten wendet, verfällt Diana wieder in alte Muster. Sie unterhält sich mit Gabriel, dreht komplett auf und über und doch ist etwas anders („Warum?). Sie fasst den Entschluss, sich von Dan zu trennen und sagt sich gleichzeitig von Gabriel los, um sich endlich selbst zu finden.</p>
<p class="Body">Der verzweifelte Versuch von Dan, Diana mit gemeinsamen Erinnerungen daran wie glücklich sie einmal waren, zu halten, führt ins Leere. „Ein Versprechen“ ist ein sehr cleverer Song, zeigt er doch zum einen das Paar Dan und Diana, das vor den Scherben seiner Ehe steht als auch die junge, aufblühende Liebe von Natalie und Henry, die ihren gemeinsamen Weg noch vor sich haben. Diese Szene gehört zu den ein-drücklichsten des Abends, da die beiden Paare akustisch und schauspielerisch sehr gut harmonieren.</p>
<p class="Body">Diana geht noch einmal zum Arzt, der ihr eine weitere EKT-Behandlung rät. Diese lehnt sie jedoch nachdrücklich ab. Und im Hintergrund wird Gabriel wieder präsenter.</p>
<p class="Body">Ein erstes und letztes Mal kümmert sich Diana um ihre Tochter, die von Henry zum Ball eingeladen wurde. „Fast normal“ ist ein sehr schönes Duett von Fortenbacher und Hanimyan in denen sich zarte Bande der Annäherung ausmachen lassen. Beide Frauen legen eine gute Energie in ihre Interpretation und zeigen sehr viel Gefühl. Doch der Neuanfang wird von Gabriel gestört: Er wirft einen Papierflieger in Richtung der Frauen und bringt sich so wieder direkt in Dianas Gedanken ein.</p>
<div class="tinyText stroke_2">
<div><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright" src="http://old.musicals-online.com/musicals-online/Fast_normal_2016_files/shapeimage_3.png" alt="" width="320" height="396" /></div>
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</div>
<div id="id10" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_669_721">
<div class="style_2">
<p class="Body">Diana zieht einen Schlussstrich. Fortenbacher darf dies einmal mehr in einem sehr ruhigen Solo intonieren („Ich werde Dich verlassen“). Sie lässt Dan keine Wahl.</p>
<p class="Body">Plötzlich meldet sich auch bei Dan das Unterbewusstsein zu Wort und er sieht das, was Diana die letzten Jahre gesehen hat: ihren gemeinsamen Sohn Gabriel. Dass Dan mit einem Mal zu seinen offenbar verdrängten Gefühlen und Halluzinationen steht, kommt für die Zuschauer sehr unerwartet. War er doch sonst eine sehr starke Persönlichkeit. Doch Gabriel ist sehr eindringlich in seinem Begehren und schlussendlich ergibt sich Dan seinem Schicksal und akzeptiert, dass Gabriel fortan auch ein Teil seines Lebens sein wird.</p>
<p class="Body">Dass das Stück mit dem hoffnungsfrohen „Licht“ endet, kann man mögen oder auch nicht. Gut ist sicherlich, dass man noch einmal alle sechs Darsteller auf der Bühne vereint sieht. Und sicherlich lässt sich auch für jeden Charakter sein ganz persönliches Licht am Ende des Tunnels finden. Aber irgendwie wirkt dieser versöhnliche, friedliche Abschluss etwas zu sehr gewollt und passt nicht so recht zur dramatischen Handlung.</p>
<p class="Body">Wie eingangs erwähnt, braucht es bei „Next to Normal“ Charakterdarsteller, die eine emotionale Achterbahnfahrt glaubhaft über die Rampe bringen können. Robin Brosch gelingt dies auf der schauspielerischen Ebene hervorragend, gesanglich muss man bei ihm jedoch leider ein paar Abstriche machen.</p>
<p class="Body">Elias Krischke und Alice Hanimyan überzeugen schauspielerisch wie gesanglich gleichermaßen, obwohl bei beiden noch Luft nach oben ist. Die Rocknummern stehen den Nachwuchsdarstellern sehr gut zu Gesicht und sie können sich energetisch austoben. Dass ihnen das Freude macht, spürt man.</p>
<p class="Body">Gleiches gilt für Jan Rogler als Henry. Er hat zusammen mit Tim Grobe (Arzt) zwar die kleineren Rollen. Doch ihnen gelingt es, sich die notwendige Aufmerksamkeit zu verschaffen. Insbesondere Grobe bleibt als Rock-Doc in Erinnerung.</p>
<p class="Body">Last but not least bleibt noch Carolin Fortenbacher, die das Publikum hier in einer eher ungewöhnlichen Rolle erleben kann. Üblicherweise besticht Fortenbacher durch einen hohen Comedy-Anteil, Gespür für Wortwitz und ihre wandlungsfähige Stimme. Mit Ausnahme von letzterem bewegt sie sich bei „Fast normal“ auf weitgehend ungewohntem Terrain. Sie verfällt recht oft in Extreme, was aber auch den Regieanweisungen geschuldet sein mag. Ansonsten kann sie in einzelnen Szenen sehr überzeugen, in anderen weniger. Es fehlt ihr an Kontinuität über den Verlauf des Abends; nicht jede Szene wirkt authentisch, einige gar unfreiwillig komisch. Doch diese anspruchsvolle Figur stellt sicherlich für viele Darstellerinnen eine große Herausforderung dar.</p>
<p class="Body">Nur beim Schlussapplaus sichtbar, dafür aber den ganzen Abend umso besser zu hören, ist die fünfköpfige Band unter der Leitung von Matthias Stötzel. Die Musiker spielen Tom Kitts Partitur mit viel Schwung ohne zu übersteuern und rocken mit den Uptempo-Nummern das Haus. Genauso wünscht man sich eine Musicalband! Das ist einmal mehr der Beleg, dass man auch mit wenigen Musikern ein Statement in Sachen Rockmusical abliefern kann.</p>
<p class="Body">Von solchen Produktionen möchte ich in den Hamburger Kammerspielen gern mehr sehen!</p>
<p class="paragraph_style" style="text-align: right;">Michaela Flint</p>
</div>
</div>
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<div id="id4" class="style_SkipStroke_4 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><span class="Bold">Theater:</span> Kammerspiele, Hamburg</span><br />
<span style="color: #000080;"><span class="Bold">Besuchte Vorstellung: </span>11. September 2016</span><br />
<span style="color: #000080;"><span class="Bold">Darsteller:</span> Carolin Fortenbacher, Robin Brosch, Elias Krischke, Alice Hanimyan, Tim Grobe, Jan Rogler</span><br />
<span style="color: #000080;"><span class="Bold">Musik / Regie:</span> Tom Kitt / Harald Weiler<span class="Bold"><br />
</span><span class="Bold">Fotos:</span> Anatol Kotte / Bo Lahola</span></div>
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		<title>Melancholie und Freude in perfekter Kombination</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/melancholie-und-freude-in-perfekter-kombination/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 08:13:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2011]]></category>
		<category><![CDATA[Altonaer Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Anna Katharina Bauer]]></category>
		<category><![CDATA[Benjamin Hübner]]></category>
		<category><![CDATA[Das Orangenmädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Harald Weiler]]></category>
		<category><![CDATA[Katrin Gerken]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Lingnau]]></category>
		<category><![CDATA[Sascha Rotermund]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Stell Dir vor, Du bekommst zwölf Jahre nach dem Tod Deines Vaters einen Brief von ihm, in dem er Dir die Liebesgeschichte Deiner Eltern erzählt und Dich ganz nebenbei nach dem Sinn des Lebens fragt. Ganz schön viel für einen Teeanger, der mit den üblichen Problemen des Erwachsenwerdens schon genug zu tun hat. Doch genau ...</p>
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<p class="Body">Stell Dir vor, Du bekommst zwölf Jahre nach dem Tod Deines Vaters einen Brief von ihm, in dem er Dir die Liebesgeschichte Deiner Eltern erzählt und Dich ganz nebenbei nach dem Sinn des Lebens fragt. Ganz schön viel für einen Teeanger, der mit den üblichen Problemen des Erwachsenwerdens schon genug zu tun hat.</p>
<p class="Body">Doch genau dies erlebt der 15-jährige Georg. Zwölf Jahre nachdem sein Vater Jan-Olav unerwartet, viel zu früh verstorben ist, findet seine Mutter Veronika beim Aufräumen einen Brief, den der Vater kurz vorm Tod an seinen Sohn verfasst hat. Beim Lesen dieses Briefs gerät der Teenager auf eine Achterbahn der Gefühle.</p>
<p class="Body">Die Geschichten von Vater und Sohn gleichen sich, denn nicht nur der junge Jan-Olav lässt sich durch die Treffen mit dem Orangenmädchen nur zu gern von seinem Medizinstudium ablenken, auch Georg steht vor der schier unüberwindlichen Aufgabe, die hübsche Geigenschülerin Isabell anzusprechen und sie um ein Date zu bitten.</p>
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<p class="Body">Die Romanvorlage zu diesem Stück stammt von Jostein Gaarder, der das Thema Tod eng mit dem Thema Liebe verbindet und so eine warmherzige Geschichte über das Leben erschafft, in der sich viele Leser in der ein oder anderen Episode wieder finden. Für die Musiktheater-Fassung wurde die komplexe Handlung gestrafft und ein kurzweiliges Vier-Personen-Stück kreiert.</p>
<p class="Body">Im Fokus von Christian Gundlachs Buch stehen zwei Parallelhandlungen: Der Medizinstudent Jan-Olav trifft das Mädchen im orangen Mantel mit der Tüte voll Orangen und verliebt sich Hals über Kopf in das „Orangenmädchen“. Die Irrungen dieses Kennenlernens und sich wieder aus den Augen-Verlierens führen von Oslo nach Spanien und wieder zurück. Schlussendlich stellt sich heraus, dass Veronika und Jan-Olav schon als Kinder befreundet waren und Veronika dieses Verwirrspiel geplant hat, damit die beiden Kinder von einst sich neu finden, kennen-, und liebenlernen können.</p>
<p class="Body">Georg, angehender Weltraumforscher, Träumer und Teenager-Sohn von Jan-Olav und Veronika, lernt seine erste Jugendliebe Isabell kennen und muss feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, einem Mädchen seine Gefühle zu zeigen &#8211; geschweige denn, es erst einmal überhaupt anzusprechen.</p>
<p class="Body">In dieser Situation liest Georg den Brief seines Vaters und findet darin das, was ihm bei seiner Mutter fehlt: Verständnis. Zudem erfährt er, dass der neue Mann an der Seite seiner Mutter schon da war, bevor sie seinen Vater kannte. Das wirkt sich nicht unbedingt förderlich auf das abgespannte Verhältnis zu seiner Mutter aus. Dass gerade die ersten Begegnungen mit der Liebe keineswegs nur dramatisch, sondern durchaus auch sehr lustig sein können, wird immer wieder deutlich.</p>
<p class="Body">In diesem Brief stellt sein Vater ihm eine bereits in Kindertagen gestellte Frage erneut: Würdest Du geboren werden wollen, wenn Du wüsstest, wie Dein Leben verlaufen wird?</p>
<p class="Body">Georg versteht diese Frage erst jetzt richtig und würde sie, wie sein Vater, tendenziell mit „Nein“ beantworten.</p>
<p class="Body">Erst als seine Mutter ihm erklärt, dass sein Vater seine Antwort aufgrund von Verbitterung und Schmerz wegen des viel zu früh endenden Lebens gegeben hat, gibt der Junge sich und seinem Leben eine richtige Chance und fasst den Mut, Jasmin um eine Verabredung zu bitten.</p>
<p class="Body">Das Stück wird szenisch sehr schlank umgesetzt. Fünf Podeste geben die verschiedenen Spielwiesen der vier Protagonisten ab. Ein großer oranger Mond eignet sich sowohl als romantischer Hintergrund für Jan-Olav und Veronika als auch als Ziel der Sehnsüchte des sternenguckenden Georg. Das Thema Orangen findet sich in in drei Stillleben mit Orangen wieder, die die Nationalgalerie Oslo und den Ort des ersten Treffen von Jan-Olav und Veronika darstellen. Das funktioniert prima und ist für dieses sehr emotionale Stück ideal. Die vielen Orangen, die in Papiertüten herumgetragen oder kunstvollen Pyramiden auf der Bühne drapiert werden, lassen das Publikum in den Genuss eines Dufttheaters kommen und machen dieses Stück nur umso besonderer.</p>
<p class="Body">Martin Lingnau hat für die vier Darsteller wunderschöne Balladen geschrieben, die von Piano (Stephan Sieveking) und Cello (Hagen Kuhr) einfühlsam untermalt werden. Auch die Aufgewühltheit wird musikalisch durch diese Instrumenten-Kombination perfekt transportiert und durch poppige Uptempo-Songs über die Rampe gebracht. Erfreulich ist, dass sich Lingnau mit diesem Stück deutlich von seinen übrigen Kompositionen absetzt und der sonst so oft beklagte Wiedererkennungswert kaum vorhanden ist. Die Texte von Edith Jeske könnten an der ein oder anderen Stelle etwas ausgefeilter oder weniger plump sein, doch im Großen und Ganzen überbringen die Texte sowohl die lustigen und romantischen als auch die traurigen Passagen dieses Stücks.</p>
<p class="Body">Ein Musical mit einem so philosophischen Ansatz wie „Das Orangenmädchen“ steht und fällt mit der Glaubwürdigkeit der Darsteller. Anna Katharina Bauer hat in der Rolle der Isabell den undankbarsten Part, da diese Figur eher eine Nebenrolle ist. So fällt sie leider kaum nachhaltig auf. Ihre drei Kollegen hingegen haben alle sehr starke Alter Egos &#8211; allen voran Sascha Rotermund als Jan-Olav. Er gibt den verliebten Medizinstudenten genauso überzeugend wie den genervten Ehemann, besticht aber vor allem im Zusammenspiel mit seinem Sohn. Gesanglich bedient Rotermund eine große emotionale Bandbreite. Sein finales Duett mit dem Sohn, in dem er ihm die entscheidende Frage stellt, geht sehr zu Herzen.</p>
<p class="Body">Benjamin Hübner hat es als „Halbstarker“ nicht leicht, dieser geballten Manneskraft etwas entgegenzusetzen, doch zeigt er Georgs Zerrissenheit sehr glaubhaft. Hier kommt ihm sicherlich zugute, dass seine Teenagertage noch nicht allzu lange her sind. Das Aufbäumen gegen die überfürsorgliche Mutter ist tragikomisch und nur zu nachvollziehbar.</p>
<p class="Body">Katrin Gerken gelingt der Spagat zwischen besorgter Mutter und jugendlichem Orangenmädchen sehr gut, wobei ihr der mütterliche Part deutlich besser zu Gesicht steht. Wenn sie ihrem Sohn die Welt der Liebe erklärt („Eine Leinwand ist kein Bild“, „Wenn Liebe sich ergibt“) ist dies sehr herzerwärmend.</p>
<p class="Body">Bei Themen wie dem Tod des Vaters, dem Sohn, der sich gegen die Mutter und deren neuen Mann auflehnt und damit kämpft, seinen Weg im Leben zu finden, könnte man durchaus ins Grübeln geraten. Doch dem Kreativ-Team ist es gelungen, dass Publikum durch viele amüsante und einfühlsam gestaltete Szenen mit einem guten Gefühl aus dem Theater zu entlassen.</p>
<p class="Body">Jeder, der Musiktheater mag, in dem die Menschen im Vordergrund stehen und nicht großartige Kulissen und pompöse Orchestrierungen; jeder, der Musicals mag, indem es nicht um seichte Unterhaltung geht, sondern in denen man seinen Kopf durchaus mitbenutzen darf, sollte sich dieses Stück nicht entgehen lassen. Glücklicherweise sind für 2012 weitere Spieltermine in und um Hamburg angesetzt, so dass die Geschichte vom „Orangenmädchen“ noch viele weitere Zuschauer berühren wird.</p>
<p style="text-align: right;">Michaela Flint</p>
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<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Altonaer Theater, Hamburg</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Besuchte Vorstellung: </span></strong>29. Dezember 2011</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Anna Katharina Bauer, Katrin Gerken, Benjamin Hübner, Sascha Rotermund</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Regie / Musik:</span></strong> Harald Weiler / Martin Lingnau<br />
<strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Oliver Fantitsch<br />
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