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	<title>Sweeney Todd &#8211; Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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	<title>Sweeney Todd &#8211; Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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		<title>Zwischen Rache, Wahnsinn und schwarzem Humor</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 11:51:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2026]]></category>
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					<description><![CDATA[„Sweeney Todd“ am Theater Lüneburg ist ein musikalisch verstörendes Meisterwerk – und in der Lüneburger Inszenierung vor allem dann stark, wenn sie ihren Figuren Raum lässt Es gibt Musicals, die unterhalten wollen. Und es gibt Musicals, die ihr Publikum herausfordern. „Sweeney Todd“ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Stephen Sondheims Musical über den teuflischen Barbier aus ...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 class="PDq2pG_selectionAnchorContainer" dir="auto" data-section-id="eyfjgc" data-start="50" data-end="226">„Sweeney Todd“ am Theater Lüneburg ist ein musikalisch verstörendes Meisterwerk – und in der Lüneburger Inszenierung vor allem dann stark, wenn sie ihren Figuren Raum lässt</h3>
<p dir="auto" data-start="228" data-end="948">Es gibt Musicals, die unterhalten wollen. Und es gibt Musicals, die ihr Publikum herausfordern. „Sweeney Todd“ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Stephen Sondheims Musical über den teuflischen Barbier aus der Fleet Street ist düster, grausam und musikalisch alles andere als leicht zugänglich. Dass Sondheim sein Werk selbst als „schwarze Operette“ bezeichnete, ist dabei mehr als eine hübsche Umschreibung. Die Grenzen zwischen Musical und Oper verschwimmen immer wieder, die Musik kommentiert, verdichtet und treibt die Handlung voran. Das Theater Lüneburg wagt sich mit seiner Inszenierung von Olaf Schmidt an genau diese sperrige Seite des Werkes heran. Und das ist gut so.</p>
<p dir="auto" data-start="950" data-end="1062">Denn „Sweeney Todd“ ist keine Geschichte, die sich mit einer einfachen Einteilung in Gut und Böse zufriedengibt.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="50ew51" data-start="1064" data-end="1099">Ein Barbier, der zum Rächer wird</h4>
<p dir="auto" data-start="1101" data-end="1683">Benjamin Barker kehrt nach 15 Jahren Gefängnis unter dem Namen Sweeney Todd nach London zurück. Richter Turpin hat ihn einst unschuldig aus dem Weg räumen lassen, um sich seine Frau Lucy und seine Tochter Johanna anzueignen. Nun will Todd Rache. Zunächst gilt sie Turpin. Schon bald aber wird aus dem gezielten Rachefeldzug ein wahlloses Morden. Gemeinsam mit Mrs. Lovett, die in Todd nicht nur einen Geschäftspartner, sondern den Mann ihrer Träume sieht, entwickelt er ein makabres Geschäftsmodell: Aus den Opfern des Barbiers werden Pasteten.</p>
<p dir="auto" data-start="1685" data-end="1731">Das klingt grotesk. Und genau das ist es auch.</p>
<p dir="auto" data-start="1733" data-end="2263">Sondheim und sein Librettist Hugh Wheeler verbinden die Rachegeschichte mit einer bitteren Gesellschaftskritik. London ist eine Stadt der Gewinner und Verlierer. Menschen werden eingesperrt, ausgebeutet oder einfach beseitigt. Richter Turpin und Büttel Bamford gehören zu jener Seite der Gesellschaft, die ihre Macht nicht nur besitzt, sondern sie hemmungslos ausnutzt. Johanna wird buchstäblich zum Besitz des Richters. Tobias wiederum ist ein Junge, der zwischen den Fronten landet und bei Mrs. Lovett eine Ersatzfamilie findet.</p>
<p dir="auto" data-start="2265" data-end="2299">Und mittendrin steht Sweeney Todd.</p>
<p dir="auto" data-start="2301" data-end="2430">Ist er ein Mörder? Ein Rächer? Ein Opfer? Oder irgendwann einfach nur noch ein Mann, der die Kontrolle über sich selbst verliert?</p>
<p dir="auto" data-start="2432" data-end="2579">Die Lüneburger Inszenierung gibt darauf keine einfache Antwort. Das passt zu einem Stück, dessen Figuren kaum in Schwarz und Weiß einzuteilen sind.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="93o4kf" data-start="2581" data-end="2639"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-3887 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-4-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-4-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-4-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-4-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-4-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-4-2048x1366.jpg 2048w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Ein klassischer Blick auf Sondheims „schwarze Operette“</h4>
<p dir="auto" data-start="2641" data-end="2956">Regisseur und Choreograph Olaf Schmidt inszeniert „Sweeney Todd“ vergleichsweise klassisch. Das ist vielleicht gerade deshalb bemerkenswert, weil Sondheims Musik selbst schon genügend Irritation bereithält. Sie ist komplex, häufig dissonant und verlangt sowohl Sängerinnen und Sängern als auch Orchester einiges ab.</p>
<p dir="auto" data-start="2958" data-end="3005">Sondheim ist und bleibt musikalisch verstörend. Immer wieder scheinen Gesang und Orchester gegeneinander zu laufen. Das ist kein Fehler, sondern Teil der musikalischen Konstruktion. Gleichzeitig macht genau diese Musik das Stück anstrengend. Sie lässt sich nicht einfach konsumieren. Sie verlangt Aufmerksamkeit.</p>
<p dir="auto" data-start="3273" data-end="3488">Die Lüneburger Inszenierung versucht nicht, diese Sperrigkeit künstlich zu glätten. Stattdessen darf die Musik ihre Wirkung entfalten. Das ist besonders dann stark, wenn die Figuren emotional an ihre Grenzen kommen.</p>
<p dir="auto" data-start="3490" data-end="3955">Auch der Chor trägt wesentlich dazu bei. Bereits beim Opening zeigt sich, wie gut der Chor einstudiert ist. Einzelne solistische Momente sind nicht immer gleichermaßen überzeugend, in seiner Gesamtheit entwickelt der Chor aber eine große Wirkung. Dass er nicht nur musikalischer Hintergrund bleibt, sondern immer wieder kommentierend in die Handlung eingreift, verstärkt den Eindruck einer Gesellschaft, die das Geschehen beobachtet und gleichzeitig Teil davon ist.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="1aa2ij8" data-start="3957" data-end="4032">Thomas Borchert: ein Sweeney Todd zwischen Verzweiflung und Verbitterung</h4>
<p dir="auto" data-start="4034" data-end="4233">Mit Thomas Borchert übernimmt ein Musicaldarsteller die Titelrolle, der seit Jahrzehnten zu den prägenden Künstlern des deutschsprachigen Musicaltheaters gehört.</p>
<p dir="auto" data-start="4316" data-end="4768">Optisch wirkt Borchert für die Rolle vielleicht etwas zu alt. Gerade weil Todd ein Mann ist, der nach 15 Jahren Gefangenschaft zu seinem früheren Leben zurückkehrt, entsteht dadurch eine gewisse Distanz zur Figur. Interessanterweise verschwindet diese Distanz in manchen Dialogen fast vollständig. Dann klingt Borchert erstaunlich jung, verzweifelt und verletzlich – und eben nicht wie der verbitterte, berechnende Rächer, als den man ihn sich zunächst vorstellt.</p>
<p dir="auto" data-start="4770" data-end="5015">Gesanglich überzeugt er vor allem dort, wo Todd seine ganze innere Zerrissenheit zeigen kann. Bei „Mein Freund“ fehlt seiner Interpretation allerdings stellenweise der nötige Druck. Das starke Vibrato nimmt dem Stück etwas von seiner Intensität.</p>
<p dir="auto" data-start="5017" data-end="5291">Auch „Pretty Women“, das Duett mit Richter Turpin, bleibt musikalisch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Beide Stimmen wirken hier zu leise und zu wenig intensiv. Ob daran zumindest teilweise die auch in anderen Inszenierungen schon negativ aufgefallene Tontechnik beteiligt ist, lässt sich aus dem Zuschauerraum schwer beurteilen.</p>
<p dir="auto" data-start="5293" data-end="5496">Und trotzdem funktioniert Borcherts Todd. Denn je weiter der Abend voranschreitet, desto deutlicher wird, dass hier kein souveräner Racheengel unterwegs ist, sondern ein Mensch, der sich selbst verliert.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="d8oqoj" data-start="5498" data-end="5548">Navina Heyne ist die heimliche emotionale Mitte</h4>
<p dir="auto" data-start="5550" data-end="5644">Wenn es eine Figur gibt, die den Abend immer wieder menschlich erdet, dann ist es Mrs. Lovett. Navina Heyne gibt ihr eine außergewöhnliche Wärme. Ihre Stimme ist schön, ihre Ausstrahlung liebevoll, und genau das macht diese Figur so interessant. Denn Mrs. Lovett ist keine eindimensionale Komplizin. Sie erkennt Sweeney Todd sofort als Benjamin Barker und verliebt sich gleichzeitig hoffnungslos in ihn.</p>
<p dir="auto" data-start="5956" data-end="6300">Dass sie für Todd mehr empfindet als nur geschäftliche Sympathie, wird spätestens in „By the Sea“ deutlich. Heyne legt so viel Wärme in diesen Song, dass man beinahe vergessen könnte, wie makaber die Situation eigentlich ist. Sie träumt von einem gemeinsamen Leben am Meer – während das Publikum längst weiß, dass diese Hoffnung vergeblich ist.</p>
<p dir="auto" data-start="6302" data-end="6640">Auch das Zusammenspiel von Heyne und Borchert gehört zu den stärkeren Momenten des Abends. Besonders „Prelat“ gelingt wunderbar. Die beiden begegnen sich hier frech, hemdsärmelig und mit sichtbarer Spielfreude. Der Versuchung, die beiden in dieser Szene einen Walzer tanzen zu lassen, wurde glücklicherweise widerstanden. Musikalisch naheliegt, aber szenisch total unpassend. So bleibt die Szene genau dort, wo sie hingehört: zwischen Komik und Abgründigkeit.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="1h6e3es" data-start="6727" data-end="6773">Ein Richter als selbsternannter Sonnenkönig</h4>
<p dir="auto" data-start="6775" data-end="7032">Steffen Neutze zeichnet Richter Turpin als ausgesprochen unangenehme Figur. Das beginnt bei seinem Auftreten und setzt sich bis ins Kostüm fort. Seine Selbstinszenierung als eine Art Sonnenkönig von London wird beispielsweise durch seine &#8222;Barockpumps&#8220; und den Pelzmantel unterstützt.</p>
<p dir="auto" data-start="7034" data-end="7292">Noch erschreckender ist die Szene, in der Turpin Lucy beim Maskenball vergewaltigt. Die Inszenierung macht aus diesem Moment keinen beiläufigen Bestandteil der Vorgeschichte, sondern konfrontiert das Publikum unmittelbar mit dem Machtmissbrauch des Richters.</p>
<p dir="auto" data-start="7294" data-end="7370">Gerade dadurch wird verständlich, weshalb Todd zunächst als Opfer erscheint. Aber eben nur zunächst. Denn Sweeney Todd überschreitet selbst immer mehr Grenzen. Die Menschen, die auf seinem Rasierstuhl landen, sind längst nicht nur diejenigen, an denen er Rache nehmen wollte. Viele sind schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort.</p>
<p dir="auto" data-start="7629" data-end="7689">Die Grenze zwischen Opfer und Täter beginnt zu verschwimmen.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="bchhzo" data-start="7691" data-end="7741">Joana, Tobias und die Sehnsucht nach Freiheit</h4>
<p dir="auto" data-start="7743" data-end="8063">Lavinia Husmann gibt Joana eine bemerkenswert klare Stimme. Schon körperlich wird ihre Gefangenschaft sichtbar. Wenn sie bei Turpin auf dem Stuhl hockt, erinnert ihre Haltung an eine sich gerade öffnende Dahlie oder Rose. Ein schönes Bild für eine junge Frau, die eigentlich erblühen möchte und doch festgehalten wird.</p>
<p dir="auto" data-start="8065" data-end="8258">Husmann macht gleichzeitig deutlich, wie unwohl Joana sich in Turpins Gegenwart fühlt. Ihre Stimme gibt der Figur eine Stärke, die über die reine Funktion als Tochter und Liebende hinausgeht.</p>
<p dir="auto" data-start="8260" data-end="8523">Auch Leo Ehmke als Tobias gelingt eine interessante Zeichnung. Sein Tobias wirkt jungenhaft und klar. Dadurch entsteht sofort ein Beschützerinstinkt beim Publikum. Besonders „Not While I&#8217;m Around“ funktioniert deshalb emotional sehr gut.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="wscalm" data-start="8525" data-end="8575"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-3886 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-3-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-3-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-3-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-3-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-3-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-3-2048x1366.jpg 2048w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Pirelli, Bamford und die Kunst der Nebenfiguren</h4>
<p dir="auto" data-start="8577" data-end="8658">Auch die Nebenfiguren profitieren von einer insgesamt sehr genauen Personenregie.</p>
<p dir="auto" data-start="8660" data-end="8945">Pirelli darf herrlich überdreht sein. Jürgen Brehm spielt den italienischen Barbier angenehm klischeehaft und mit sichtbarer Spielfreude. Gleichzeitig gelingt es ihm, auch die verschlagene Seite der Figur glaubwürdig zu zeigen. Dadurch wird aus der vermeintlichen Karikatur eine runde Figur.</p>
<p dir="auto" data-start="8947" data-end="9120">Büttel Bamford dagegen ist genau so unangenehm, wie er sein muss. Marcus Billen verleiht ihm eine Erscheinung, bei der man schon beim Auftreten lieber Abstand halten möchte.</p>
<p dir="auto" data-start="9122" data-end="9456">Und dann ist da Anthony Hope. Andrea Marchetti verfügt über einen wunderbar warmherzigen Tenor und überzeugt an diesem Abend besonders. Seine Stimme bleibt sauber und kontrolliert in den Tönen. Gemeinsam mit Navina Heyne, Lavinia Husmann und Aleksandra Nygaard gehört er für mich zu den gesanglich stärksten Sängern des Abends.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="pm3n81" data-start="9458" data-end="9497">Wenn aus Mord plötzlich Komödie wird</h4>
<p dir="auto" data-start="9499" data-end="9591">&#8222;Sweeney Todd“ ist grausam. Es ist blutig. Und es ist an erstaunlich vielen Stellen komisch. Das ist einer der großen Kunstgriffe Sondheims.</p>
<p dir="auto" data-start="9642" data-end="9987">Wenn die Gäste im Pie Shop die Pasteten verspeisen, während das Publikum längst weiß, was darin steckt, entsteht eine makabre Form von Humor. In Lüneburg wird diese Absurdität konsequent ausgespielt. Teilweise vielleicht sogar etwas zu exzessiv: Das Schlecken an den Pasteten wirkt eher wie Eisessen als wie der Versuch, herzhaft hineinzubeißen.</p>
<p dir="auto" data-start="9989" data-end="10030">Trotzdem funktioniert der schwarze Humor.</p>
<p dir="auto" data-start="10032" data-end="10382">Auch das Blut wird zum wiederkehrenden Bühneneffekt. Über dem Vorhang aus Plastikstreifen im Hintergrund läuft Blut, wenn Sweeney seine Kunden in den Tod schickt. Mit einer anderen Hintergrundgestaltung oder einer stärkeren Projektion hätte sich daraus vermutlich noch mehr herausholen lassen. Aber auch so erschrickt das Publikum jedes Mal aufs Neue.</p>
<p dir="auto" data-start="10384" data-end="10507">Und genau darin liegt eine Stärke der Inszenierung: Sie nimmt den Horror ernst, ohne auf den schwarzen Humor zu verzichten.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="ey0w4" data-start="10509" data-end="10557">Eine Drehbühne, ein Rasierstuhl und viel Blut</h4>
<p dir="auto" data-start="10559" data-end="10733">Das Bühnenbild von Barbara Bloch setzt auf relativ einfache, aber funktionale Lösungen. Die manuell bewegte Drehbühne ist eine pfiffige Idee und funktioniert erstaunlich gut.</p>
<p dir="auto" data-start="10735" data-end="10944">Ab dem zweiten Akt bekommt Todds Raum dann auch den Rasierstuhl, den man aus der Geschichte kennt. Die Rutsche hinunter in den Keller ist dabei geschickt integriert und macht den makabren Mechanismus sichtbar.</p>
<p dir="auto" data-start="10946" data-end="11131">Überhaupt arbeitet die Inszenierung gern mit dem Konkreten. Sie erklärt die Geschichte nicht über spektakuläre Einfälle, sondern lässt die Figuren und die Musik ihre Wirkung entfalten.</p>
<p dir="auto" data-start="11133" data-end="11155">Das passt zu Sondheim. Denn „Sweeney Todd“ braucht eigentlich nicht viel. Ein Rasiermesser reicht.</p>
<h4 dir="auto" data-section-id="13d8hff" data-start="11235" data-end="11265">Das Grauen hinter der Rache</h4>
<p dir="auto" data-start="11267" data-end="11379">Die vielleicht größte Stärke des Abends liegt darin, dass sich die moralischen Grenzen immer weiter verschieben.</p>
<p dir="auto" data-start="11381" data-end="11499">Zu Beginn scheint die Sache klar: Sweeney Todd ist das Opfer, Turpin der Täter. Todd hat allen Grund, Rache zu nehmen. Doch irgendwann wird aus dem Opfer selbst ein Täter.</p>
<p dir="auto" data-start="11555" data-end="11874">Mrs. Lovett macht sich zur Komplizin, obwohl sie nicht aus Bosheit handelt. Sie ist verliebt, pragmatisch und will überleben. Tobias versucht, sich gegen die Erwachsenenwelt zu behaupten. Joana möchte schlicht frei sein. Turpin missbraucht seine Macht. Bamford unterstützt ihn. Und Todd verliert sich in seiner Rache.</p>
<p dir="auto" data-start="11876" data-end="11909">Wer ist hier eigentlich der Böse? Die Antwort ist unbequem: Es gibt nicht nur einen.</p>
<p dir="auto" data-start="11963" data-end="12231">Gerade deshalb funktioniert „Sweeney Todd“ auch heute noch so gut. Das Musical erzählt nicht einfach die Geschichte eines Mannes, der sich an seinem Peiniger rächt. Es erzählt davon, was aus einem Menschen werden kann, wenn er sein gesamtes Leben auf Rache ausrichtet.</p>
<p dir="auto" data-start="12233" data-end="12269"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-3885 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-2-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-2-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-2-1024x683.jpg 1024w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-2-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-2-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2026/09/Sweeney-Todd_Presse-c-Jochen-Quast-2-2048x1365.jpg 2048w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Sweeney Todd bekommt keine Erlösung. Und das Publikum bekommt ebenfalls kein Happy End.</p>
<p dir="auto" data-start="12333" data-end="12715">Das Theater Lüneburg zeigt einen „Sweeney Todd“, der vor allem von seinem starken Ensemble, einer sorgfältigen Personenregie und der Bereitschaft lebt, Sondheims ungewöhnliche musikalische Sprache nicht zu vereinfachen. Die Inszenierung von Olaf Schmidt bleibt dabei angenehm klassisch und gibt dem Werk Raum, seine Wirkung selbst zu entfalten.</p>
<p dir="auto" data-start="12717" data-end="13055">Nicht jeder musikalische Moment überzeugt gleichermaßen. Gerade bei Sweeney Todd und Richter Turpin fehlt es stellenweise an Lautstärke und Intensität. Thomas Borchert wirkt zudem nicht immer wie die naheliegende Besetzung für diesen Todd. Dafür gelingt ihm in den stilleren und verzweifelteren Momenten eine interessante Seite der Figur.</p>
<p dir="auto" data-start="13057" data-end="13340">Besonders stark ist Navina Heyne als Mrs. Lovett. Sie macht aus der Pastetenbäckerin keine bloße schrullige Nebenfigur, sondern eine warmherzige, verliebte und zugleich pragmatische Frau. Auch Andrea Marchetti, Lavinia Husmann und Aleksandra Nygaard setzen starke Akzente.</p>
<p dir="auto" data-start="13342" data-end="13389">Am Ende bleibt vor allem ein Gefühl: Unbehagen. Und das ist bei „Sweeney Todd“ vermutlich genau richtig.</p>
<p dir="auto" data-start="13449" data-end="13792">Denn Sondheim wollte nie nur eine Geschichte vom bösen Barbier erzählen. Sein Musical zeigt eine Gesellschaft, in der Macht missbraucht wird, in der Menschen zu Opfern werden und in der aus einem Opfer selbst ein Täter werden kann. Die Lüneburger Inszenierung macht diese Ambivalenz sichtbar, ohne sie mit einer eindeutigen Antwort aufzulösen.</p>
<p dir="auto" data-start="13794" data-end="13924"><em>Sweeney Todd ist kein Musical über Gut und Böse. Es ist ein Musical darüber, wie schnell aus dem einen das andere werden kann.</em></p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #000080;">Michaela Flint</span></p>
<div id="id4" class="style_SkipStroke_4 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_270_124">
<p><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Theater Lüneburg</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Wiederaufnahme-Premiere: </span></strong><span class="Bold">27. September 2026</span><span class="Bold"><br />
<strong>Darsteller: </strong></span>Navina Heyne, Thomas Borchert, Andrea Marchetti, Lavinia Husmann, Aleksandra Nygaard, Steffen Neutze, Jürgen Brehm, Leo Ehmke</span><br />
<span class="Bold" style="color: #000080;"><strong>Regie / Choreographie: </strong>Olaf Schmidt<br />
<strong>Fotos: </strong>Jochen Quast</span></p>
</div>
</div>
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			</item>
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		<title>Brillant auf die musikalischen Gäste zugeschnitten</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/brillant-auf-die-musikalischen-gaeste-zugeschnitten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Oct 2023 13:18:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2023]]></category>
		<category><![CDATA[Carin Filipcic]]></category>
		<category><![CDATA[Elvire Beekhuizen]]></category>
		<category><![CDATA[Laurence Kalaidjian]]></category>
		<category><![CDATA[Patrick Stanke]]></category>
		<category><![CDATA[Steffen Kubach]]></category>
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		<category><![CDATA[Theater Lübeck]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Sobotka]]></category>
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					<description><![CDATA[Stephen Sondheims Musicals sind beileibe keine leichte Kost – weder für die Zuschauer noch für die Darsteller und Musiker, die seine anspruchsvollen Kompositionen zu Gehör bringen. Dass in Lübeck in dieser Spielzeit die Wahl auf „Sweeney Todd“ ist daher umso erfreulicher, wird Sondheim doch hierzulande nicht allzu oft am Stadttheater gezeigt. Das Drei-Sparten-Haus bleibt seinem ...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Stephen Sondheims Musicals sind beileibe keine leichte Kost – weder für die Zuschauer noch für die Darsteller und Musiker, die seine anspruchsvollen Kompositionen zu Gehör bringen. Dass in Lübeck in dieser Spielzeit die Wahl auf „Sweeney Todd“ ist daher umso erfreulicher, wird Sondheim doch hierzulande nicht allzu oft am Stadttheater gezeigt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3380 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2024/01/TL_2023_24_Sweeney-Todd_02-820427_c_Olaf-Malzahn-400x266.jpg" alt="" width="400" height="266" /></p>
<p>Das Drei-Sparten-Haus bleibt seinem bewährten Vorgehen treu und hat auch für diese Musical-Inszenierung zwei erfahrene Musicaldarsteller für die Hauptrollen engagiert. Patrick Stanke und Carin Filipčić erweisen sich im Laufe des Abends als perfekt eingespieltes Team: Die Chemie zwischen beiden stimmt, sie bilden ein eingeschworenes mörderisches Duo und sind gesanglich über jeden Zweifel erhaben. Doch von vorn…</p>
<p>Das Publikum findet sich in einem rundum mit Plastikfolie abgehängten Theatersaal wieder. Wird hier gerade renoviert? Nein, natürlich will man die historischen Ränge vor potenziellen Blutspritzern schützen. Denn der Barbier des Grauens nimmt auf nichts und niemanden Rücksicht. Okay, tatsächlich wird es gar nicht so blutig wie bspw. 2019 im English Theatre in Frankfurt, wo sogar die Zuschauer in der ersten Reihe Schutzumhänge anziehe mussten, doch Sweeney Todd, gänzlich von Rache zerfressen, verfolgt sein Ziel unerbittlich.</p>
<p>Optisch bleibt es weitgehend düster: Mit Ausnahme von Pirelli und seiner Gaukler-Truppe erinnern alle Darsteller an Gruftis, auch Mrs. Lovett (Filipčić) und Todd (Stanke) bilden hier keine Ausnahme. Londons Skyline ist unten auf die Plastikvorhänge gemalt, die die Bühne umrahmen, einige Großkulissen skizzieren Mrs. Lovetts Pie Shop und Richter Turpins Haus. Stephan Prattes (Bühne) und Elizabeth Gressel (Kostüme) haben hier ein stimmiges Gesamtbild geschaffen, Armut, Hunger und Frust der städtischen Bevölkerung im (vor)-industriellen London sind deutlich spürbar. Nikolai Meyers Maske fügt sich phasenweise sehr harmonisch in das Gesamtbild ein, bei manchen Figuren fühlt man sich dann plötzlich sehr an „Cabaret“ oder „Struwwelpeter“ erinnert, so sehr leuchten die Wangen, Lippen und Lidschatten in kräftigen Farben.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3377 alignleft" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2024/01/TL_2023_24_Sweeney-Todd_01-820372_c_Olaf-Malzahn-400x266.jpg" alt="" width="400" height="266" /></p>
<p>Schon beim ersten Aufeinandertreffen von Mrs. Lovett und Sweeney Todd begeistert Carin Filipčić mit ihrem pointierten Timing, Sinn für Komik und herausragender Mimik. Der von Trauer gezeichnete und von Vergeltung getriebene Todd wird schnell zu ihrem Auserkorenen. Als sie erkennt, dass es sich bei dem grantelnden Barbier um Benjamin Barker handelt, auf den sie schon früher ein Auge geworfen hatte, ist sie wild entschlossen, ihn um jeden Preis für sich zu gewinnen. Um wirklich jeden Preis! Sie überredet ihn und gemeinsam bauen sie einen über alle Maßen erfolgreichen Pie Shop auf. Zum Glück ahnt keiner der bierseligen Gäste, was oder besser wen sie gerade verspeisen. Mrs. Lovetts Unbeirrbarkeit zieht sich wie ein roter Faden durch das Stück und wird unterstrichenmit optisch wie schauspielerisch sehr gelungenen Szenen wie „Dort am Meer“.</p>
<p>Zu Beginn ist Patrick Stanke hinter dem langen Bart und mit den tiefen Augenringen kaum zu erkennen, doch spätestens bei der gesungenen Liebeserklärung an Todds Rasiermesser („Mein Freund“) ist seine warme, gefühlvolle Stimme unverkennbar. Gleiches gilt für sein flehentliches „Johanna“. Auch mimisch zieht er das Publikum in seinen Bann &#8211; insbesondere beim gemeinsamen Probieren der Meat Pies mit Mrs. Lovett („Nehmt Prelat“). Den ausgedehnten Zwischenapplaus nach seinem Rache-Monolog hat sich Stanke mehr als verdient!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-3376 alignright" src="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2024/01/TL_2023_24_Sweeney-Todd_06-820692_c_Olaf-Malzahn-266x400.jpg" alt="" width="266" height="400" /></p>
<p>So authentisch Filipčić und Stanke in die Haut ihrer Alter Egos schlüpfen, so wenig gelingt dies bei den aus dem Haus besetzten Rollen: Elvire Beekhuizen gibt Johanna Barker, Todds Tochter, die als Mündel von Richter Turpin ihr Dasein fristet. Leider fehlt es der lyrischen Koloratursopranistin an Gespür für die Figur, sie wirkt die meiste Zeit seltsam aufgesetzt und hat auch ihre liebe Müh mit Sondheims Kompositionen. Auch Bariton Laurence Kalaidjian zeigt Züge von Overacting, doch seine gefühlvolle Stimme und sein charmantes Spiel lassen darüber schnell hinwegschauen. Doch ihr „Küss mich“ Duett bleibt unfreiwillig schräg und ist schwer zu ertragen.</p>
<p>Franz Gürtelschmied gibt den herrlich schrägen Pirelli, der Todd sehr nervt und durch seinen plumpen Erpressungsversuch zu Mrs. Lovetts erster menschlicher Pie-Füllung wird. Sein Wettstreit mit Todd ist voll gelungener Slapstick-Momente. Pirellis Handlager Toby wird von Noah Schaul gegeben, der schon während seiner Ensemble-Einsätze aufhorchen lässt. Auch sein „Nun bin ich bei Euch“ („Not while I’m around“) ist herzerweichend und gefühlvoll.</p>
<p>Ein Heimspiel feiert einmal mehr Steffen Kubach, diesmal in der Rolle des fiesen Richters Turpin, der sein Mündel Johanna – auch gegen ihren Willen – heiraten will. Tatsächlich wirkt Kubachs Richter aber weniger fies als vielmehr recht naiv. „Hübsche Frauen“, das Duett zwischen den ehemaligen Widersachern Todd und Turpin, klingt fast schon zu befreit und harmonisch. Das dämonische, was dieser Szene innewohnt, geht hier leider etwas verloren.</p>
<p>Es wird deutlich, dass Werner Sobotka seine Inszenierung auf die beiden Gäste zugeschnitten hat. Sie können in allen Facetten glänzen und gewinnen das Publikum trotz der fragwürdigen Handlungen des grausamen Paares für sich. „Sweeney Todd“ in Lübeck ist einmal mehr ein Beleg, dass es sich lohnt, auch einem auf den ersten Blick sehr herausfordernden Sondheim-Musical eine Chance zu geben.</p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #000080;">Michaela Flint</span><br />
<span style="color: #000080;"><em>erschienen in <a style="color: #000080;" title="http://www.musicals-magazin.de/" href="http://www.musicals-magazin.de/">musicals &#8211; Das Musicalmagazin</a></em></span></p>
<div id="id4" class="style_SkipStroke_4 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_270_124">
<p><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Großes Haus, Theater Lübeck</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Besuchte Vorstellung: </span></strong><span class="Bold">29</span><span class="Bold">. Oktober 2023</span><span class="Bold"><br />
<strong>Darsteller:</strong> Carin Filipčić, Patrick Stanke<br />
<strong>Regie / Musik: </strong>Werner Sobotka / Stephen Sondheim<br />
<strong>Fotos: </strong>Olaf Malzahn<br />
</span></span></p>
<p><iframe loading="lazy" hcb-fetch-image-from="https://youtu.be/VlixHEye3lo" title="Theater Lübeck »Sweeney Todd«" width="640" height="360" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen consent-original-src-_="https://www.youtube.com/embed/VlixHEye3lo?feature=oembed" consent-required="3783" consent-by="services" consent-id="3784" consent-click-original-src-_="https://www.youtube.com/embed/VlixHEye3lo?feature=oembed&amp;autoplay=1"></iframe></p>
</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Sweeney verfolgt sein Ziel unerbittlich, blutig und sehr emotional</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Nov 2019 11:45:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2019]]></category>
		<category><![CDATA[Aliza Vakil]]></category>
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					<description><![CDATA[Dem English Theatre in Frankfurt gelingt es immer wieder für seine Inszenierungen erfahrene West End Darsteller an den Main zu holen. Da bildet auch „Sweeney Todd“ keine Ausnahme. Stephen Sondheims wohl auch dank des Films mit Johnny Depp, Helena Bonham Carter und Alan Rickman (2007) bekanntestes Werk ist ohnehin keine leichte Kost und ihre Akzeptanz ...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dem English Theatre in Frankfurt gelingt es immer wieder für seine Inszenierungen erfahrene West End Darsteller an den Main zu holen. Da bildet auch „Sweeney Todd“ keine Ausnahme. Stephen Sondheims wohl auch dank des Films mit Johnny Depp, Helena Bonham Carter und Alan Rickman (2007) bekanntestes Werk ist ohnehin keine leichte Kost und ihre Akzeptanz steht und fällt mit den Hauptdarstellern.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2829 alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/sweeney_c_Kaufhold_0173-400x266.jpg" alt="" width="400" height="266" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/sweeney_c_Kaufhold_0173-400x266.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/sweeney_c_Kaufhold_0173-768x511.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/sweeney_c_Kaufhold_0173.jpg 1000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Krankheitsbedingt musste die Premiere „zweigeteilt“ werden, da am eigentlichen Premierenabend Sarah Ingram als Mrs. Lovett im ersten Akt ihre Stimme verlor (die Zweitbesetzung konnte noch nicht übernehmen) und somit die Erstaufführung drei Tage später mit Samanthey Ivey als Leading Lady nachgeholt wurde. Der Start in diese Jubiläumsspielzeit (das English Theatre feiert sein 40-jähriges Bestehen) ist von vielen Ausfällen überschattet. Auch bei Matt Bateman (Pirelli) war es bis einen Tag vor der Premiere nicht klar, ob er die Show würde durchspielen können, und bei der „Nachholpremiere“ verletzte sich Hauptdarsteller Stephen John Davis und bestritt den 2. Akt humpelnd mit einem verletzten Knie.</p>
<p>Doch all dies schmälert den wieder einmal sehr gelungenen Gesamteindruck nicht im Geringsten: Rachel Stone hat ein gelungenes Umfeld geschaffen, in dem in einem Haus bis zu sechs Spielebenen möglich sind. Nackte Kupferrohre ragen aus der Decke, das Dach ist teilweise zerstört, die Wände von Pub und Barber Shop sind in die Jahre gekommen und farblich in den 1970ern stehengeblieben. Das ist jedoch mehr als passend, denn „Sweeney Todd“ erlebte seine Uraufführung 1979 – ebenfalls vor 40 Jahren.</p>
<p>Entsprechend sind auch die Kostüme (Olivia Ward) etwas altmodisch: zu kurze Hosenbeine, grobe Stiefel zu Kleidern und zu breite Krawatten sind allgegenwärtig. Clever ist es jedoch, Mrs. Lovett im zweiten Akt ein Kleid aus demselben Leder zu schneidern, wie ihre Hose im ersten Akt. Der Unterschied ist nicht groß, aber verfehlt seine Wirkung nicht.</p>
<p>Als besonderes Highlight können sich die Zuschauer sogenannte „bloody seats“ – wahlweise direkt auf der Bühne, als Gäste in Mrs. Lovetts Pie Shop, oder in der ersten Reihe – buchen. Blutabweisende Umhänge gibt es auf diesen Plätzen kostenlos dazu. Hier werden hohe Erwartungen an ein Splattermusical geschürt…</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2824 alignleft" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/SplashZone_3-400x252.jpg" alt="" width="400" height="252" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/SplashZone_3-400x252.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/SplashZone_3-768x485.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/SplashZone_3.jpg 1000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Sondheims teils verstörende Kompositionen klingen schon in der Ouvertüre an. Die vier Musiker (2 x Percussion, 2 x Keyboard) unter der Leitung von Matt Ramplin (sonst beim „Starlight Expresss“ am Taktstock) spielen schräg, laut und intensiv. Dazu passt Sweeneys Verbitterung und Verletztheit ob des Todes seiner Frau und dem Verschwinden seiner Tochter ganz ausgezeichnet.</p>
<p>Derek Anderson legt in seiner Regie großen Wert darauf, dass die Agierenden auf der Bühne trotz der morbiden Handlung nahbar bleiben. Seine Erfahrung mit dem Stück, welches er 2015 für das Twickenham Theatre im Off-West End inszenierte, kommt ihm hier sehr zugute. In London hat er bereits ebenfalls mit Matt Ramplin zusammengearbeitet. Dieses eingespielte Team zieht alle Register und lässt das Publikum vergessen, dass es im verregneten Frankfurt sitzt und nicht in London.</p>
<p>Mrs. Lovett (Ingram) ist ein Original. Sie ist energisch, ausnehmend erfinderisch und geschäftstüchtig. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, offenbart mütterliche Gefühle gegenüber Tobey und zeigt auch ihre Zuneigung zu Sweeney sehr deutlich.</p>
<p>Sie weiß genau, dass Sweeney Todd eigentlich Benjamin Barker ist. Sie weiß aber leider auch, dass dessen Frau nicht tot ist und dass dessen Tochter Joana von Judge Turpin in Obhut genommen wurde. Als sie Barker / Todd seine Rasierklingen wiedergibt, ist allen klar, dass hier eine besondere Bindung besteht.</p>
<p>Ingram spielt sehr einschüchternd und mit einem wundervollen Cockney-Akzent. Dass sie auch stimmlich über ein beeindruckendes Spektrum verfügt, zeigt sich nicht zuletzt beim Finale des ersten Akts („A little priest“), währenddessen die beiden ihren Meat Pie Plan auf unnachahmlich lustige Art visualisieren. Doch auch dem Publikum ist nicht verborgen geblieben, dass Ingram viel gehustet und immer wieder etwas getrunken hat. Da war die Absage des 2. Akts am Premierenabend nur konsequent.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2827 alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/sweeney_c_Kaufhold_1102-400x266.jpg" alt="" width="400" height="266" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/sweeney_c_Kaufhold_1102-400x266.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/sweeney_c_Kaufhold_1102-768x511.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/sweeney_c_Kaufhold_1102.jpg 1000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Samantha Ivey legt die resolute Pie Shop Inhaberin etwas weicher und verletzlicher an. Ihr fehlt der Cockney Akzent und sie singt „zu schön und schnörkellos“. Dies passt aber gerade in Songs wie „By the sea“ und „Not while I’m around” ganz hervorragend.</p>
<p>Lucy Warway spielt Tobey, den Handlanger von Todds erstem Opfer, dem betrügerischen Taschenspieler Pirelli. Ein Mädchen in dieser Rolle zu sehen, ist ungewöhnlich, funktioniert aber erstaunlich gut. Einzig „Not while I’m around” vermag ihr nicht so recht zu gelingen, da sie es zu hart intoniert und die mit diesem Song eigentlich verbundenen Gefühle (Beschützer von Mrs. Lovett, Skepsis gegenüber Todd) so im Keim ersticken.</p>
<p>Als fieser Richter Turpin, der in seinem Mündel Joana plötzlich die Frau erkennt, die er zu ehelichen gedenkt, steht David Pendlebury auf der Bühne. Er ist unbestreitbar zielstrebig, weiß genau, was er will (Joana) und was er nicht will (Todd). Dass er mit Sondheim anspruchsvollen Kompositionen gut zurechtkommt, stellt er mehrfach unter Beweis. Eindrucksvoll bleibt die Selbstkasteiung „Mea culpa“ in Erinnerung.</p>
<p>Joana, die von Turpin und Anthony gleichermaßen – wenn auch aus komplett unterschiedlichen Motiven („Kiss me“) – angebetete Tochter von Todd wird von der zauberhaften Aliza Vakil gegeben. Schon während ihrer Ausbildung hat sie sich zu einer Art „Sondheim-Expertin“ entwickelt und wendet dieses Wissen nun in ihrem Engagement vortrefflich an. Ihr glockenklarer Sopran überstrahlt alles und man fühlt sehr mit ihr mit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2828 alignleft" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/sweeney_c_Kaufhold_0029-400x266.jpg" alt="" width="400" height="266" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/sweeney_c_Kaufhold_0029-400x266.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/sweeney_c_Kaufhold_0029-768x511.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2020/01/sweeney_c_Kaufhold_0029.jpg 1000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Im Mittelpunkt des Abends steht jedoch ein bestechend spielender Stephen John Davis. Sein Sweeney Todd ist nicht einfach ein mordlüsterner Barbier. Er ist tief verletzt, vermisst seine Frau Lucy und setzt alles daran, seine Tochter Joana aus den Fängen von Turpin zu befreien. Dabei übersieht er, dass er in Mrs. Lovett mehr als nur eine Verbündete hat. Davis spielt die besessenen Momente genauso glaubwürdig wie die ruhigen, gefühlvollen. In den zahlreichen Duetten setzt er sich regelmäßig gegen seine Bühnenkollegen durch (bspw. „Pretty Women“). Beinah zwangsläufig folgt man eher Todd als Turpin, Pirelli oder Lovett. „The closest shave you’ll ever know“ jagt einem – nicht zuletzt wegen Davis‘ ausdrucksstarker Mimik – Gänsehaut-Schauer über den Rücken.</p>
<p>Natürlich trägt auch das herumspritzende Theaterblut maßgeblich zum Gruselfaktor dieses Stücks bei. Die zahlreichen aufgeschlitzten Kehlen von Todds Kundschaft versprühen ihr Innerstes höchst effektvoll. Glücklicherweise wird hier eine andere Blutmischung benutzt als normalerweise im Theater üblich: Diese hier soll sich problemlos auswaschen lassen, wenn doch etwas durch die Umhänge durchdringt.</p>
<p>Vom Splattermusical ist man jedoch weit entfernt. Dass die Kupferrohre tatsächlich nur Dekoration bleiben und keinen weiteren Zweck erfüllen, ist schade.</p>
<p>Als Joana am Ende einerseits miterlebt, wie Todd (von dem sie nicht weiß, dass er ihr Vater ist) Turpin kaltblütig ermordet und fliehen will, Todd seine Tochter aber durch ihre Verkleidung als Junge nicht erkennt, Mrs. Lovett andererseits von Todd in ihren eigenen Ofen geworfen wird als dieser feststellt, das sie ihm die Wahrheit über die inzwischen von ihm selbst getötete Lucy vorenthalten hat, und schlussendlich auch noch Tobey den Todd von Mrs. Lovett rächt und Todd die Kehle durchschneidet, ist die Erlösung für Todd alias Barker für alle im Publikum greifbar.</p>
<p>Das Jubiläumsjahr des English Theatre steht unter dem Motto „Flirting with Madness“. „Sweeney Todd“ ist ein Musical, das eindeutig hervorragend hierzu passt und in der aktuellen Inszenierung, die (wie schon „Cabaret“ im letzten Jahr) im kommenden Frühjahr auch im Deutschen Theater in München gezeigt werden wird, dem höchstprofessionellen Anspruch dieses kleinen „Nischentheaters“ mehr als gerecht wird.</p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #000080;">Michaela Flint</span><br />
<span style="color: #000080;"><em>erschienen in <a style="color: #000080;" title="http://www.musicals-magazin.de/" href="http://www.musicals-magazin.de/">musicals &#8211; Das Musicalmagazin</a></em></span></p>
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> English Theatre, Frankfurt</span><br />
<span class="Bold" style="color: #000080;"> <strong>Premiere:</strong> 2. November 2019</span></div>
<div class="style_3"><span class="Bold" style="color: #000080;"><strong>Darsteller: </strong><span class="ce-uploads-description">Stephen John Davis, Sarah Ingram, Samanthey Ivey, Matt Bateman, Lucy Warway, Aliza Vakil, David Pendlebury </span> </span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Regie / Musik:</span></strong> Derek Anderson / Stephen Sondheim</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> English Theatre / Kaufhold<br />
</span></div>
<div></div>
<div style="text-align: center;"><a href="https://youtu.be/yto4KfOlgFo"><strong>Promo-Video des English Theatre</strong></a></div>
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			</item>
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		<title>Sweeney Todd</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/sweeney-todd/</link>
		
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		<pubDate>Fri, 07 Mar 2008 15:13:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Filme]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Rickman]]></category>
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					<description><![CDATA[Blutig, blutiger, Sweeney Todd &#8211; der Splatter-Musical-Film von Tim Burton Bereits zum sechsten Mal arbeitet das Team Burton / Depp hier zusammen. Schon mit Filme wie „Edward mit den Scherenhänden“, „Sleepy Hollow“ oder „Charlie und die Schokoladenfabrik“ hat das Gespann sein Händchen für schräge Stoffe und nicht minder bizarre Charaktere hat. Mit Stephen Sondheims „Sweeney ...]]></description>
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<h3>Blutig, blutiger, Sweeney Todd &#8211; der Splatter-Musical-Film von Tim Burton</h3>
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<div class="text-content style_External_390_301">
<div class="style_2">
<p class="Body">Bereits zum sechsten Mal arbeitet das Team Burton / Depp hier zusammen. Schon mit Filme wie „Edward mit den Scherenhänden“, „Sleepy Hollow“ oder „Charlie und die Schokoladenfabrik“ hat das Gespann sein Händchen für schräge Stoffe und nicht minder bizarre Charaktere hat.</p>
<p class="Body">Mit Stephen Sondheims „Sweeney Todd“ bot sich ein Musical an, das thematisch auch nicht unbedingt als leichte Unterhaltung gilt. Die düstere Stimmung wird auf der Leinwand perfekt eingefangen, so richtig Tag wird es in Tim Burtons London nicht. Überall ist es grau-braun und schmutzig. Einzig die Klingen von Sweeney Todd alias Johnny Depp schillern als gäbe es kein Morgen. Ebenfalls auffallend farbenfroh ist das Kostüm von Sacha Baron Cohen als der als erster von Todd gemeuchelte Signor Adolfo Pirelli.</p>
</div>
</div>
<div><img decoding="async" class="alignright" src="http://old.musicals-online.com/musicals-online/Sweeney_Todd_2007_files/shapeimage_1.png" alt=""></div>
<div class="style_3">Der Film ist mit seinen 116 Minuten im Vergleich zur Bühnenfassung erstaunlich kurz und kompakt, aber deshalb nicht weniger blutig. Nicht ohne Grund wurde das Leinwandmusical in Deutschland erst ab 16 Jahren freigegeben. Nichtsdestoweniger lohnt sich der Besuch des Kinos auf jeden Fall!</div>
<div class="text-content style_External_670_285">
<div class="style_2">
<p class="Body">Johnny Depp spielt den mordenden Barbier sehr verletzt und für seine Außenwelt schwer durchschaubar. Depp lässt den Zuschauer die Verletztheit beinahe körperlich spüren, die den von Richter Turpin in jungen Jahren so böswillig abgeschobenen Mann überhaupt zum Mörder macht. Schauspielerisch lässt er es an nichts vermissen. Gesanglich darf man sch schon fragen, ob die Gesangsstunden, die seine Kollegen eigens für diesen Film genommen haben, ihm nicht auch gut getan hätten. Nur allzu oft hört man schiefe Töne oder nicht ausgesungene Passagen von ihm. Das ist sehr bedauerlich, doch schadet es der Figur an sich weniger, denn zu einem Mann mit gebrochenem Herzen passt auch die emotionale Wankelmütigkeit in der Stimme.</p>
<p class="Body">Mrs. Lovett, deren Pie Shop durch Todds spezielle Füllungen zu einem der angesagtesten Lokale Londons wird, wird von Helena Bonham Carter einfühlsam und mit viel Herz gespielt. Dass sie im Grunde nur den Mann für sich gewinnen will und sich dann mit dem Kompromiss als „Arbeitskollegen“ zufrieden gibt, wird in einigen Szene mehr als deutlich. Dennoch wäre Sweeney Todd ohne die pfiffige Mrs. Lovett aufgeschmissen, vermietet sie ihm doch seine alte Wohnung und versorgt ihn als es ihn bei seiner Ankunft in London emotional fast zerreißt.</p>
</div>
</div>
<div class="text-content style_External_264_301">
<div class="style_2">
<p class="Body">Jamie Campbell Bower spielt Anthony Hope, der sich Hals über Kopf in Todds Tochter Johanna (Jayne Wisener) verliebt und sich damit den fiesen Richter Turpin (Alan Rickman) zum Feind macht. Der hat, nach dem sich deren Mutter und ehemalige Frau von Todd selbst das Leben genommen hat, ganz andere Pläne mit seinem Mündel: Er möchte die bildhübsche junge Frau ehelichen. Dass Todds Frau und Johannas Mutter mit ihrem Selbstmordversuch nicht erfolgreich war, kommt zum Ende des Film heraus als Todd in den Gesichtszügen einer vom ihm ermordeten Bettlerin seine geliebte Frau wieder erkennt. Laura Michelle Kelly spielt die wenigen Szenen als glückliche junge Mutter und entstellte Bettlerin rollendeckend und verzückt durch ihre Erscheinung seither nicht mehr nur Bühnenproduzenten (zurzeit steht sie im „Lord of the Rings“ in London auf der Bühne).</p>
</div>
</div>
<div id="id7" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_670_604">
<div class="style_2">
<div><img decoding="async" class="alignleft" src="http://old.musicals-online.com/musicals-online/Sweeney_Todd_2007_files/shapeimage_3.png" alt=""></div>
<p class="Body">Alan Rickman ist der geborene Fiesling – das hat er in diversen Rollen eindrucksvoll bewiesen. Auch als Richter Turpin sammelt er keine Sympathiepunkte. Er gibt Todds Widersacher sehr eigensüchtig und rücksichtslos. So stellt man sich den Grund für den blutigsten Racheplan in einem Musical vor! Man kann sich vorstellen, dass Rickman sich auf dem Stuhl von Sweeney Todd / Johnny Depp und den messerscharfen Rasierklingen and seinem Hals nicht sonderlich wohl gefühlt hat, denn zwischen den Schauspielern brennt spürbar die Luft vor Hass.</p>
<p class="Body">Turpins Handlager Beadle Bamford wird von Timothy Spall gegeben, der an Widerlichkeit kaum zu überbieten ist. Eine selten unsympathische Erscheinung, deren schleimige Äußerungen vor Ekel für Gänsehautschauer sorgen.</p>
<p class="Body">Apropos Ekel, „Sweeney Tood“ ist als Musicalfilm schon fast im Splattergenre anzusiedeln. Wenn Todd wieder einem seiner Opfer die Kehle durchschneidet, spritzt das Blut nur so durch die Dachgeschosswohnung. Alles ist in Filmblut getränkt – das ist nichts für zart besaitete Zuschauer!</p>
<p class="Body">Gesanglich werden die Zuschauer vor allem durch Edward Sanders als Toby überzeugt. Der inzwischen knapp 15-jährige Engländer überzeugt durch glockenklaren Gesang und strahlt während des Showstoppers „Not while I’m around“ tiefe Liebe aus, die man bei einem Nachwuchsdarsteller so nicht erwartet. Auch wenn Toby in seinem jungen Leben schon viel erlebt hat und ein rechtes Schlitzohr ist, verleiht ihm Sanders eine verletzliche und kindlich-schützenswerte Seite.</p>
<p class="Body">Damit läuft er seinem nur fünf Jahre älteren Kollegen Jamie Campbell Bower spielend den Rang ab, auch wenn dieser durch seine zerbrechliche Optik (das Gesicht erinnert mehr als nur vage an Keira Knightley) und eine schöne Stimme seinen Charakter überzeugend mit Leben füllt.</p>
<div><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright" src="http://old.musicals-online.com/musicals-online/Sweeney_Todd_2007_files/shapeimage_2.png" alt="" width="400" height="246"></div>
<p class="Body">„Sweeney Todd“ gibt als Film eine Art Kurzfassung vom Bühnengeschehen. Kaum taucht ein Charakter auf, schon wird er schon ermordet. Das ist ein wirkliches Manko an dieser ansonsten sehr gut umgesetzten Musicaladaption. Das Geschehen entwickelt sich so schnell, dass man kaum zum Luftholen kommt, ganz zu schweigen davon, dass man sich mit den einzelnen Charakteren ausgiebiger befassen könnte.</p>
<p class="Body">Die Sondheim-Kompositionen eignen sich hervorragend für die Leinwand. Das fängt bei der nach typischer Burton-Manier optisch umgesetzten, rein instrumentalen, Ouvertüre an, geht über das flehende „Johanna“ weiter, versetzt einen bei „Pretty Women“ in Schwingung und endet bei der kitschigen Traumsequenz „By the Sea“ noch lange nicht.</p>
<p class="Body">Der Film ist düster und seine Charaktere alle auf ihre Art dämonisch. Wenn man sich darauf einlässt, kann man ein mit wenigen Mitteln (es gibt eigentlich nur eine Handvoll Schauplätze anhand derer Sweeney Todds Geschichte erzählt wird) sehr gut für die Leinwand umgesetztes Musical erleben.</p>
<p class="paragraph_style" style="text-align: right;">Michaela Flint</p>
<p class="paragraph_style" style="text-align: right;"><em>veröffentlicht in blickpunkt musical </em><br />
<em>Ausgabe 02/08, März-April 2008</em></p>
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<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Regie:</span></strong> Tim Burton</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Sacha Baron Cohen, Helena Bonham Carter, Johnny Depp, Laura Michelle Kelly, Alan Rickman</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Musik:</span></strong> Stephen Sondheim</span><br />
<span style="color: #000080;"><span class="Bold"><strong>Verleih / Fotos:</strong> </span>Warner Bros.</span></div>
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