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	<title>Gil Mehmert-Archiv - Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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	<title>Gil Mehmert-Archiv - Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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		<title>München feiert &#8222;drei singende Tunten im Fummel im australischen Outback&#8220;</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Dec 2017 17:09:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2017]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Travestiekünstlerin Doris alias Tick lebt ein (mehr oder weniger) schönes Leben in Sydney als plötzlich Marion, seine Ehefrau, anruft und ihm eröffnet, dass er sich endlich auch mal um seinen achtjährigen Sohn kümmern soll. Als Aufhänger organisiert die patente Kleinstadt-Mutti eine Travestieshow in Alice Springs, in dem Tick als Star auftreten soll. Tick überzeugt die ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.musicals-online.com/muenchen-feiert-drei-singende-tunten-im-fummel-im-australischen-outback/">München feiert &#8222;drei singende Tunten im Fummel im australischen Outback&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.musicals-online.com">Herzlich willkommen auf musicals-online.com</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Travestiekünstlerin Doris alias Tick lebt ein (mehr oder weniger) schönes Leben in Sydney als plötzlich Marion, seine Ehefrau, anruft und ihm eröffnet, dass er sich endlich auch mal um seinen achtjährigen Sohn kümmern soll. Als Aufhänger organisiert die patente Kleinstadt-Mutti eine Travestieshow in Alice Springs, in dem Tick als Star auftreten soll.</p>
<p>Tick überzeugt die frisch verwitwete Bernadette und die leicht durchgeknallte Felicia (eigentlich Adam) von dem wohltuenden Tapetenwechsel. Stilecht starten die drei Grazien mit einem arg in die Jahre gekommenen Bus in Richtung Outback, denn Alice Springs ist wahrlich kein Vorort von Sydney.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-2164 alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513268150_x_201712priscillagenegf26-400x259.jpg" alt="" width="400" height="259" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513268150_x_201712priscillagenegf26-400x259.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513268150_x_201712priscillagenegf26-768x497.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513268150_x_201712priscillagenegf26.jpg 1000w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Es kommt wie es kommen muss: Der Bus ächzt unter seinem Alter und bleibt schließlich liegen. Zum Glück findet sich in der Nähe der Mechaniker Bob, der welcher die Gelegenheit beim Schopfe packt, die Ladies als Ein-Mann-Boxen-Crew auf ihrer weiteren Reise zu unterstützen und so seiner sehr herrischen Ehefrau zu entfliehen. Bernadette und Bob verlieben sich ineinander, Felicia sorgt für jede Menge Chaos bei der Dorfbevölkerung und entgeht nur knapp einer Vergewaltigung, und Tick versucht bei allem den Überblick zu behalten. Dabei muss er selbst sehr darauf achten, dass er sich von seinen selbstgesteckten Erwartungen und Befürchtungen im Hinblick auf seine aktive Vaterschaft nicht auffressen lässt.</p>
<p>Wie auch im gleichnamigen Film, der seit seiner Premiere 1994 Kultstatus erlangt hat, gibt es ein Happy End für alle Protagonisten. Stephan Elliott, der Autor dieses bunten Filmfeuerwerks voller Discohits und deftiger Sprüche, hat gemeinsam mit Allan Scott auch das Buch für die Musicalfassung geschrieben. 11 Jahre nach seiner Weltpremiere in Sydney und immerhin noch ganze 6 Jahre nach der Broadway-Premiere kommt nun endlich eine deutsche Fassung dieses im anglo-australischen Raums gehypten Kultmusicals auf die Bühne.</p>
<p>Das Münchner Theater am Gärtnerplatz ist nicht gerade der erste Spielort, der einem für diese Show in den Sinn kommt &#8211; da lägen Köln, Düsseldorf, Hamburg und Berlin deutlich näher. Doch das Team von Intendant Josef E. Köpplinger hat schon in den letzten Jahren immer wieder von seinen Deutschlandpremieren international erfolgreicher Musicals (u. a. „Tschitti Tschitti Bang Bang“) reden gemacht. Das Kreativteam kann sich auf jeden Fall sehen lassen: Gil Mehmert übernahm die Regie, Melissa King choreographierte, Jeff Frohner zeichnete für die musikalische Leitung verantwortlich. Was sollte da noch schiefgehen?</p>
<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-2162 alignleft" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513182266_x_201712priscillahp2kf41-400x263.jpg" alt="" width="400" height="263" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513182266_x_201712priscillahp2kf41-400x263.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513182266_x_201712priscillahp2kf41-768x505.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513182266_x_201712priscillahp2kf41.jpg 1000w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Auch an der Besetzung gibt es nichts zu mäkeln, denn alle Protagonisten wurden tadellos ausgewählt: Armin Kahl gibt den zwischen der Verantwortung als Vater und dem ohnehin schon nicht besonders einfachen Leben als homosexueller Travestiekünstler hin- und hergerissenen Tick sehr überzeugend. Mal einfühlsam, mal verzweifelt, mal voller Sehnsucht oder mit vollem Körpereinsatz und Leidenschaft als Travestiekünstler – Tick durchlebt im Laufe des Abends ein reges Auf und Ab. Kahl kann dies gut transportieren. Leider liegen ihm die 1970er Jahre Popsongs („Go West“, I love the Nightlife“) nicht ganz so gut wie klassischer Musicalstoff („Jekyll &amp; Hyde“). Einzig mit Elvis’ „Always on my mind“ kann er zum Ende der Show sein Können zeigen.</p>
<p>Erwin Windegger schlüpft in die sehr gut passenden Kleider des Transvestiten Bernadette, die gleich zu Beginn den Verlust ihres Mannes Trumpet zu beklagen hat. So schräg und überzogen die Beerdigungsszene anmutet, so stilvoll leidend beherrscht Bernadette die Szenerie. Man kann sich keine bessere Besetzung für diese Rolle vorstellen als Windegger – auch gesanglich setzt er an diesem Abend Maßstäbe. Sein „I will survive“ sorgt für ausgiebigen Szenenapplaus.</p>
<p>Der dritte im Bunde ist Terry Alfaro als Adam, der in Habitus und Sprache dem filmischen Original sehr nahe kommt. Einerseits ist er zuckersüß wie ein Welpe, der nur spielen will, andererseits ist er sehr körperbewusst und sexgetrieben, was nicht selten zu brenzligen Situationen führt. Der Zickenalarm zwischen Adam alias Felicia und Bernadette ist gut dosiert und lässt die Vermutung zu, dass sich die beiden im Grund doch sehr sympathisch sind.</p>
<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-2165 alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513268197_x_201712priscillagenegf47-400x252.jpg" alt="" width="400" height="252" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513268197_x_201712priscillagenegf47-400x252.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513268197_x_201712priscillagenegf47-768x484.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513268197_x_201712priscillagenegf47.jpg 999w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Namensgebend ist natürlich auch hier der zunächst noch mausgraue Bus „Priscilla“, der mit einem überdimensionalen, pink glitzernden Stöckelschuh auf dem Dach vom Publikum schon fast frenetisch bejubelt wird. Erst im Verlauf des Abends bekommt der Bus seinen rosa Anstrich. Diese Verwandlung ist bühnentechnisch sehr schön gelöst.</p>
<p>Flankiert werden die „drei Pimmel im Fummel am Himmel“ (einer der deftigen Sprüche aus der Show) von drei Diven (Jessica Kessler, Amber Schoop, Dorina Garuci), die mal mit Engelsflügen ausstaffiert den Bus erklimmen, mal mit Cindy Lauper Gedenkfrisur popmusikalisches Beiwerk sind.</p>
<p>Wesentlich mehr in Erinnerung bleibt da Angelika Sedlmeier als Sophie, die von Bernadette als Vokuhila-Fee tituliert wird und sich noch den Ratschlag anhören muss, „sich den Tampon anzuzünden, um die Muschi damit in die Luft zu jagen, denn das wird der einzige Bums sein, den sie in diesem Leben noch haben wird.“ Eine herausragende Szene! Sedlmeier gibt aber auch ein besonders ekliges Exemplar Western-Frau ab, der man nicht im Dunkeln auf der Straße begegnen möchte.</p>
<p>Sympathiepunkte sammelt auch Frank Berg als Mechaniker Bob. Von seiner Hilfsbereitschaft und seinem komplett wertfreien Umgang mit den drei Paradiesvögeln aus Sydney kann sich manch einer gern eine Scheibe abschneiden. Bobs Frau Cynthia (überragend gespielt von Marides Lazo) scheint dem Alkohol sehr zugetan und erfreut mit ihrer sehr besonderen Form der „Pop“-Musik die Herren im Dorf über alle Maßen. Doch Bob fühlt sich mehr und mehr zu Bernadette hingezogen. Die aufblühende Zuneigung der beiden, das anfängliche Zögern Bernadettes, das liebevolle Werben Bobs – all dies ist mit viel Fingerspitzengefühl inszeniert und wird von beiden Darstellern nicht weniger gefühlvoll über die Rampe gebracht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2160 alignleft" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513100219_x_201712priscillahp1kf70-400x263.jpg" alt="" width="400" height="263" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513100219_x_201712priscillahp1kf70-400x263.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513100219_x_201712priscillahp1kf70-768x505.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/12/1513100219_x_201712priscillahp1kf70.jpg 1000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Gil Mehmert versteht sich sehr auf die Ausarbeitung der Charaktere, die im Mittelpunkt stehen. An seiner Personenregie gibt es nichts zu kritisieren. Die Show funktioniert von der ersten Minute an, in der Otto-Normal-Staatstheater-Abokunde erlebt, wie eine echte Travestieshow „aussieht“, über den Auftakt vom zweiten Akt, in dem acht Zuschauer auf der Bühne ihre Tanz- und Lassokünste unter Beweis stellen dürfen, bis hin zur Fast Forward Show in Alice Springs, in der Kostüme und Hits fast im Minutentakt gewechselt werden, und dem wunderschönen Finale, in dem der achtjährige Benji seinem Papa Tick völlig selbstverständlich sagt, dass natürlich auch sein Freund mit ihnen gemeinsam im Haus leben kann.</p>
<p>Melissa King passt ihre Choreographien der jeweiligen Umgebung perfekt an. Ob nun Travestieshow, Square Dance in Broken Hills, Rollschuh-Einlage mit bunten Schirmen oder der Bierbank-Einschüchterungs-Tanz der männlichen Dorfbewohner als sie feststellen, dass die verführerische Felicia ein Mann ist &#8211; jede Choreographie ist anders, keine langweilig und man guckt dem Ensemble gern zu.</p>
<p>„Priscilla“ ist deftig und nimmt kein Blatt vor den Mund. Michael Alexander Rinz hat hier bei der Adaption keine Scheu gezeigt und nennt die Dinge schonungslos beim Namen. Das ist einerseits sehr erfrischend und führt zu Szenenapplaus, anderseits dürften einige ob der klaren Ansagen, die von der Bühne geschmettert werden, sicherlich auch verschämt oder betreten zu Boden schauen, ,.</p>
<p>Der einzige Wermutstropfen an diesem Abend ist die Tontechnik, die mehrfach durch nicht offene Mikros, zu leise Mikros, zu laute Musik im Vergleich zum Gesang o. ä. aktiv ins Geschehen eingreift, was nicht gerade zum Gesamtgenuss beiträgt.</p>
<p>Doch die Mehrheit des Publikums ist begeistert und spendet langen Applaus am Ende der knapp zweieinhalbstündigen Show. Cast &amp; Creatives von „Priscilla“ haben sich diese Anerkennung redlich verdient. Es ist eine Gute-Laune-Show, in der das ein oder andere ernste Thema angeschnitten wird, ohne diese zu sehr in den Vordergrund zu zerren. Und so verlässt man das frisch renovierte Staatstheater am Gärtnerplatz mit einigem Redebedarf und guter Popmusik im Ohr.</p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #000080;">Michaela Flint</span></p>
<div id="id4" class="style_SkipStroke_4 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Staatstheater am Gärtnerplatz, München</span><br />
<span class="Bold" style="color: #000080;"> <strong>Besuchte Vorstellung:</strong> 16. Dezember 2017</span></div>
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><span class="Bold"><strong>Darsteller: </strong></span>Armin Kahl, Erwin Windegger, Terry Alfaro, Frank Berg, Angelika Sedlmeier, Tanja Schön, Marides Lazo, Jessica Kessler, Amber Schoop, Dorina Garuci</span><br />
<span style="color: #000080;"> <strong><span class="Bold">Regie / Choreographie:</span></strong> Gil Mehmert / Melissa King</span><br />
<span style="color: #000080;"> <strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Marie-Laure Briane<br />
</span></div>
</div>
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		<title>Ein rundum gelungener Klassiker in einmaliger Umgebung</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/ein-rundum-gelungener-klassiker-in-einmaliger-umgebung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jul 2015 13:18:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2015]]></category>
		<category><![CDATA[Bad Hersfeld]]></category>
		<category><![CDATA[Bad Hersfelder Festspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Bettina Mönch]]></category>
		<category><![CDATA[Cabaret]]></category>
		<category><![CDATA[Gil Mehmert]]></category>
		<category><![CDATA[Helen Schneider]]></category>
		<category><![CDATA[Jessica Kessler]]></category>
		<category><![CDATA[Rasmus Borkowski]]></category>
		<category><![CDATA[Stiftsruine]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit 65 Jahren strömen alljährlich Tausende Besucher in die Ruine des alten Benediktinerstifts in Bad Hersfeld, um dort Schauspiel und Musical auf höchstem Niveau zu erleben. TV-Regisseur Dieter Wedel hat in diesem Jahr die Intendanz der Bad Hersfelder Festspiele übernommen, was bei einem Theaterschaffenden seiner Reputation die Erwartungen naturgemäß um einiges höher schraubt. Als Musical ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.musicals-online.com/ein-rundum-gelungener-klassiker-in-einmaliger-umgebung/">Ein rundum gelungener Klassiker in einmaliger Umgebung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.musicals-online.com">Herzlich willkommen auf musicals-online.com</a>.</p>
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<p>Seit 65 Jahren strömen alljährlich Tausende Besucher in die Ruine des alten Benediktinerstifts in Bad Hersfeld, um dort Schauspiel und Musical auf höchstem Niveau zu erleben. TV-Regisseur Dieter Wedel hat in diesem Jahr die Intendanz der Bad Hersfelder Festspiele übernommen, was bei einem Theaterschaffenden seiner Reputation die Erwartungen naturgemäß um einiges höher schraubt.</p>
<div id="body_layer">
<div class="style_SkipStroke_2 shape-with-text flowDefining">
<div class="text-content style_External_390_301">
<div class="style_2">
<p class="Body">Als Musical wurde in diesem Jahr der Kander/Ebb-Hit „Cabaret“ auf den Spielplan gesetzt. Die Besetzung ließ schon vermuten, dass Regisseur Gil Mehmert keine alltägliche Inszenierung des Musicals auf die Bühne der Stiftsruine bringen wollte. Mit Helen Schneider als Conférencier, Bettina Mönch als Sally Bowles, Rasmus Borkowski als Clifford Bradshaw, Judy Winter als Fräulein Schneider und Helmut Baumann als Herr Schultz konnte das Publikum sich ausrechnen, dass es ein hochkarätiger Abend werden würde.</p>
<p class="Body">Das große Orchester unter der bewährten Leitung von Christoph Wohlleben zieht das Publikum sofort in seinen Bann. Helen Schneider bahnt sich ihren Weg durch die Reihen und begrüßt die Zuschauer mit dem weltbekannten „Willkommen, Bienvenue, Welcome“. Man muss schon genau hinschauen, um direkt zu erkennen, dass der Conférencier hier eine Frau ist. Das Kostüm erinnert vage an den verrückten Hutmacher aus Tim Burtons „Alice im Wunderland“. Die Vermutung liegt nahe, dass Johnny Depp und die ihm eigene exzentrische Auslegung verschiedener Charaktere bei der Schaffung des Conférenciers Pate stand.</p>
</div>
</div>
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<div id="id5" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_669_305">
<div class="style_2">
<p class="Body">Das Reich des Conférenciers, der Kit Kat Klub, wird mittels einer Drehbühne (Heike Meixner) zum Leben erweckt: Auf einem übergroßen Flügen tanzen die Kit Kat Girls und Boys, verdreht Sally Bowles den zumeist männlichen Gästen den Kopf und Fräulein Kost findet weitere Matrosen, deren Wünsche nach Gesellschaft sie nur zu gern erfüllt. Der Conférencier spielt mit seinen übergroßen, an Stäben angebrachten Händen nicht nur das Klavier, sondern nimmt auf die ein oder andere Weise auch am Schicksal der Protagonisten teil.</p>
<p class="Body">Nicht nur, dass die Bühne – auf der einen Seite der Kit Kat Klub, auf der anderen das Mietshaus mit den Wohnungen von Fräulein Schneider, Clifford Bradshaw, Herrn Schultz und Fräulein Kost; alles überragt von einem eindrucksvollen Berlin-Schriftzug – absolut überzeugt, auch andere szenische Einfälle erhalten Szenenapplaus. Hierzu zählt unter anderem die auf dem Steg zwischen Orchester und Publikum umgesetzte Zugfahrt, in der Cliff die verhängnisvolle Bekanntschaft von Ernst macht. Auch die Discokugeln, die beim Titelsong von den Tänzern eingesetzt werden, sorgen durch die direkte Beleuchtung für einen effektvollen Sternenhimmel am Dach des Zuschauerraums.</p>
</div>
</div>
</div>
<div id="id6" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_258_285">
<div class="style_2">
<p class="Body">„Cabaret“ lebt von einer gewissen Schlüpfrigkeit, spielt die Handlung doch im Rotlichtmilieu. Was Falk Bauer sich an Kostümen ausgedacht hat, passt zu jedem Charakter perfekt: Ob nun der exzentrische, überschminkte Conférencier im XXL-Anzug, die leicht anrüchig bekleidete Sally Bowles, die klassischen 1940er Jahre Anzüge von Bradshaw, Schultz und Ludwig oder Fräulein Kosts koketten Kleider, mit denen sie spielend die Aufmerksamkeit der Matrosen gewinnt. Am gelungensten sind jedoch die Kostüme der Tänzerinnen und Tänzer: Es gibt Männer in Kostümen, die zur Hälfte aus einem schicken Abendkleid und zur anderen Hälfte aus eleganten Anzügen bestehen (inklusive entsprechend „geteilter“ Perücken und Schuhe). Aber natürlich gibt es auch viel nackte Haut zu sehen, die jedoch gekonnt mit entsprechenden Kleidern umrahmt wird.</p>
</div>
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</div>
<div id="id7" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_669_318">
<div class="style_2">
<p class="Body">Die Rahmenbedingungen könnten nicht idealer sein. Man fühlt sich mit diesem Setup sehr wohl und es passt alles! Dass auch die Besetzung hält, was die großen Namen versprechen, ist nicht selbstverständlich. Aber Bad Hersfeld wird auch diesbezüglich seinem guten Ruf gerecht.</p>
<p class="Body">Bettina Mönch überragt nahezu alle anderen Darsteller um fast einen Kopf. Ihre große, schlanke Erscheinung ist ungewöhnlich für eine Sally, aber sie bewegt sich schön lasziv, weiß ihre Vorzüge einzusetzen und auch der eher unnötige Busenblitzer tut ihrer beeindruckenden Erscheinung keinen Abbruch. Hinzu kommt, dass es ihr gelingt, das Publikum schon bei ihrem erste Song „Mama“ in Erstaunen zu versetzen: Sie trifft jeden Ton, schafft eine perfekte Harmonie von Schauspiel und Gesang und spätestens bei „Mein Herr“ sind im Publikum laute Jubelrufe zu hören. Sie spielt sehr zielstrebig und offensiv. Auch die leisen Töne („Maybe this time“) gelingen ihr ausnehmend gut. Sie singt so gut, dass auch die große Liza Minelli, die ja bekanntermaßen die Rolle der Sally Bowles erst berühmt gemacht hat, vor Ihr den Hut ziehen würde. Bettina Mönch ist die perfekte Besetzung für diese durchaus komplexe Figur.</p>
<p class="Body">Als Cliff Bradshaw ist Rasmus Borkowski zu sehen. Dass der Lübecker mehr kann, hat er u. a. als Mozart im gleichnamigen Musical bewiesen. Doch auch diese vermeintlich kleine Rolle füllt er mit viel Energie glaubwürdig aus. Er sprüht vor Wissensdurst, seine Liebe zu Sally wirkt authentisch und sein gebrochenes Herz am Ende ist geradezu greifbar. Die Kompositionen von John Kander liegen ihm und sein nachdenkliches „Willkommen, Bienvenue, Welcome“ zum Finale klingt noch lange nach.</p>
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<div class="text-content style_External_258_285">
<div class="style_2">
<p class="Body">Das zweite Paar im Stück – die Vermieterin Fräulein Schneider und der Obsthändler Herr Schultz –, werden gespielt von Judy Winter und Helmut Baumann. Schauspielerisch sind die beiden Altstars der deutschen Theaterszene über jeden Zweifel erhaben. Sie harmonieren sehr gut und ihr „Ananas“-Duett ist zuckersüß und sehr charmant. Herr Schultz erzeugt große Betroffenheit – einerseits, weil er seine späte Liebe aufgrund des aufkommenden Nationalsozialismus nicht heiraten kann, andererseits, weil er sich mit aller Kraft gegen die unberechtigten Anfeindungen wehrt.</p>
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<div class="text-content style_External_669_553">
<div class="style_2">
<p class="Body">Baumann kann diese starken Emotionen gut über die Rampe bringen. Judy Winter führt als Hausverwalterin ein strenges Regiment. Sie wirkt in dieser Rolle absolut authentisch. In den Gesangsszenen (bspw. „Wie geht’s weiter?“) kann sie weniger überzeugen, doch ihre liebevolles Zusammenspiel mit Baumann macht dieses Manko spielend wett.</p>
<p class="Body">Bleiben noch Fräulein Kost, gespielt von Jessica Kessler, die keine Gelegenheit auslässt, um einem Matrosen ihre Lustgrotte zu zeigen. Kessler spielt mit wunderbar frecher, Berliner Schnauze und ist herrlich burschikos. Sie ist auch die einzige, die Ernst Ludwig, dem Parteifunktionär, der ab der Mitte des Stücks seine Gesinnung in SA-Uniform deutlich zur Schau stellt, folgt. Björn Bonn verleiht diesem kritischen Charakter ein Gesicht, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Die Beklemmung, die von dieser Figur ausgeht, ist augenblicklich spürbar als er den Trenchcoat ablegt und das Hakenkreuz auf seinem Arm sichtbar wird. Doch insgesamt wird das Thema Faschismus in dieser Inszenierung weniger plakativ dargestellt: Eine einzelne Hakenkreuzfahne reicht für die optische Einordnung des Zeitgeschehens aus. Ansonsten wird viel mit Analogien gearbeitet: „Two Ladies“ ist, wenn auch eine insgesamt sehr verwirrende Szene, eine Persiflage auf Hitler. In einer anderen Szene werden die Federpuschel auf den Köpfen des Tanzensembles zu Stahlhelmen. Das ist sehr effektiv und zeigt die Wandlung des Umfeldes sehr klar.</p>
<p class="Body">Ähnlich bedrückend ist „Seht Ihr sie mit meinen Augen“ – hier tanzt der Conférencier mit einem Affen und stellt nachdrücklich das bittere Schicksal von Fräulein Schneider und Herrn Schultz dar. So gut Helen Schneider in dieser Szene ist, so bedauerlich ist es, dass sie bei „Money“ gesanglich nicht mitkommt. Sie hetzt dem Orchester hinterher anstatt die Führung bei diesem beeindrucken Stück Musicalgeschichte zu nehmen.</p>
<p class="Body">Mit Choreographien wird bei „Cabaret“ bekanntermaßen nicht gespart. Melissa Kling setzt diese in klarer Tradition von Bob Fosse um. Schon beim „Telefon-Song“ wird dies überdeutlich. Es wunderbar zu sehen, dass es noch Choreographen gibt, die ein funktionierendes Konzept nicht neu erfinden, nur um sich selbst ein Denkmal zu setzen.</p>
<p class="Body">In der letzten Szene steht eine abgewrackte Sally Bowles zwischen den riesenhaften Leuchtbuchstaben über der Bühne. Wie es mit ihr weitergeht? Das erfährt das Publikum nicht. Aber dass sie ganz sicher keiner rosigen Zukunft entgegentanzt, ist jedem Zuschauer klar.</p>
<p class="Body">Gil Mehmert hat „Cabaret“ geradlinig und von der ersten bis zur letzten Minute in sich stimmig umgesetzt. Er hat Gespür für die richtige Besetzung bewiesen und legt die Charaktere so an, dass sie sehr authentisch wirken. In dieser Konstellation beweist Bad Hersfeld einmal mehr, dass diese Festspiele einen festen Platz im deutschen Musicalspielplan haben.</p>
<p style="text-align: right;">Michaela Flint</p>
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<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Stiftsruine Bad Hersfeld</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Besuchte Vostellung:</span></strong> <span class="Bold">19</span>. Juli 2015</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Bettina Mönch, Rasmus Borkowski, Helen Schneider, Jessica Kessler</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Musik / Regie:</span></strong>  John Kander / <span class="Bold">Gil Mehmert<br />
</span><strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Klaus Lefebvre<br />
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		<title>Eine nicht ganz runde Weltpremiere</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/eine-nicht-ganz-runde-weltpremiere/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Nov 2014 11:30:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2014]]></category>
		<category><![CDATA[Detlef Leistenschneider]]></category>
		<category><![CDATA[Dominik Hees]]></category>
		<category><![CDATA[Ds Wunder von Bern]]></category>
		<category><![CDATA[Elisabeth Hübert]]></category>
		<category><![CDATA[Gil Mehmert]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Lingnau]]></category>
		<category><![CDATA[Stage Theater an der Elbe]]></category>
		<category><![CDATA[Tetje Mierendorf]]></category>
		<category><![CDATA[Vera Bolten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ähnlich wie bei „Rocky“ vor zwei Jahren hat sich die Stage Entertainment bei „Das Wunder von Bern“ erneut an die Kombination eines sportlichen Themas mit Musiktheater gewagt. Zumindest sind es der Fußball und der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954, die den Handlungsrahmen für „Das Wunder von Bern“ bilden. Basierend auf dem gleichnamigen Film von Sönke Wortmann ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="style_SkipStroke_2 shape-with-text flowDefining">
<div class="text-content style_External_390_285">
<div class="style_2">Ähnlich wie bei „<span style="color: #333399;"><a style="color: #333399;" title="Rocky_2012.html" href="http://www.musicals-online.com/?p=1294">Rocky</a></span>“ vor zwei Jahren hat sich die Stage Entertainment bei „Das Wunder von Bern“ erneut an die Kombination eines sportlichen Themas mit Musiktheater gewagt. Zumindest sind es der Fußball und der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954, die den Handlungsrahmen für „Das Wunder von Bern“ bilden.</div>
<div class="style_2">Basierend auf dem gleichnamigen Film von Sönke Wortmann (2003) geht es aber weniger um den Fußball als vielmehr um den nach zwölf Jahren Kriegsgefangenschaft heimkehrenden Richard Lubanski, der sich nur langsam wieder an sein altes Leben gewöhnt. Im Mittelpunkt des Films steht hierbei die Beziehung von Richard zu dessen Sohn Matthias, der erst nach seinem Einberufungsbefehl geboren wurde, weshalb die beiden sich erst einmal überhaupt kennenlernen müssen.</div>
<div class="style_2">
<p>Film und Musical enden beide im doppelten Happy End: Deutschland wird Fußball-Überraschungsweltmeister und Richard und Matthias finden als Vater und Sohn zueinander.</p>
<div id="id5" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_669_268">
<div class="style_2">2011 ließ die Stage Entertainment eigens für diese Eigenproduktion im Hamburger Hafen ein neues Theater bauen, welches Anfang November mit viel Pomp eröffnet wurde. Ob der Bau wirklich das architektonische Juwel ist (von der Stage Entertainment im Programmheft so benannt), kann jeder selbst entscheiden. Doch der graue, an einen Helm erinnernde, Theaterbau fügt sich weder in das Hafenbild ein, noch sorgt das schlichte weiß-rote Foyer für Wohlfühl-Atmosphäre. Vielmehr erinnert der neutrale Bau an ein Museum wie es in jeder größeren Stadt stehen könnte. Dieser Eindruck wird durch die ausgestellte Kunst zusätzlich bestärkt.</div>
<div class="style_2">
<p>Doch im Musiktheater geht es ja nicht um das „Draußen“, sondern um das Geschehen auf der Bühne. Und das beginnt sehr beklemmend: Zur Ouvertüre werden auf der bühnenfüllenden Leinwand Bilder aus dem Nachkriegs-Deutschland gezeigt und der Zuschauer wird Luftlinie in die graue Tristesse des Ruhrpotts geflogen. Nach einem sehr getragenen Auftakt, in dem Matthias‘ (Riccardo) Fußballliebe deutlich wird, folgt die im Laufe des Abends mehrfach wiederholte Schunkelnummer „Dat wird doch nie wat“. Die Ankunft Richards (Detlef Leistenschneider) am Essener Hauptbahnhof gelingt dank der guten Projektionen (Ad de Haan, Timm Ringewaldt) sehr plastisch. Die Szene, in der die frisch gebackene Anette Ackermann (Elisabeth Hübert) ihrem Gatten, Sportjournalist Paul (Andreas Bongard), die Hochzeitsreise schmackhaft machen möchte, wird auch dank der im Hintergrund schnell wechselnden Motive &#8211; von Frauenkirche, Schiefem Turm von Pisa, Eiffelturm bis hin zu Big Ben &#8211; zu einer in sich stimmigen Comedy-Nummer.</p>
<div id="id6" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_395_370">
<div class="style_2">Eine weitere Szene, die durch die Videoleinwand stark gewinnt, ist die Abfahrt der Kumpel in den Schacht, in dem Richard dann einen sehr intensiven Kriegs-Alptraum durchlebt.</div>
<div class="style_2"></div>
<div class="style_2">Parallel bereitet sich die Fußball-Nationalmannschaft mit ihrem Trainer Sepp Herberger (in der Medienpremiere am 22.11. gespielt von Michael Ophelders) auf die WM vor. Die Liegestützen, die Ophelders alias Herberger seinen jugendlichen Spielern vormacht, bekommen die deutlich hörbare Anerkennung der Zuschauer.</div>
<div class="style_2"></div>
<div class="style_2">Als Adi Dassler (Jogi Kaiser) den Fußballern ihre neuen Schuhe vorstellt und die Jungs diese direkt in einer an „<span style="color: #333399;"><a style="color: #333399;" title="Rock_the_Ballet_2013.html" href="http://www.musicals-online.com/?p=708">Rock the Ballet</a></span>“ erinnernden Choreographie ausprobieren, wirkt die Verquickung von Fußballtraining und Jazztanz doch arg verwirrend. Simon Eichenbergers Choreographien sind durchaus anspruchsvoll und begeistern, doch in das Gesamtbild wollen sie nicht so recht passen.<br />
Gleiches gilt für den parallelen Handlungsstrang, der die Rebellion von Richards Sohn Bruno (David Jakobs) gegen die Nationalsozialisten aufzeigen soll: Mit Rock‘n‘Roll setzt sich Bruno eindrucksvoll für den Kommunismus ein. Wie das jedoch zusammenpasst &#8211; westliche Rockmusik und östliche Politansichten -, bleibt ungeklärt.</p>
<div id="id7" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_669_352">
<div class="style_2"></div>
<div class="style_2">Doch das Ensemble tanzt sich schwungvoll durch die typischen 50er Jahre Klänge, während Jakobs diese durchaus eindrucksvoll intoniert. Das Aufbegehren von Brunos Schwester Ingrid (Marie Lumpp) gegen das väterliche Verbot sich mit britischen Soldaten zu treffen („Ich will doch nur leben“), zeigt zum ersten Mal deutlich die Handschrift von Komponist Martin Lingnau. Auffällig ist hierbei, dass bei nahezu allen Songs Keyboards und Schlagzeug im Vordergrund stehen. Große, voluminöse Melodien sucht man vergebens. Nichtsdestoweniger überzeugt die Live-Band unter der Leitung von Christoph Bönecker.<br />
Szenenapplaus bekommt das Bühnenbild von Jens Kilian für die Verwandlung der Reisekoffer in einen Bus, von dem aus dann ein fröhliches „Hoch auf dem gelben Wagen“ ins Publikum geschmettert wird. Die Zuschauer trauen sich zwar nicht, genauso gut gelaunt einzustimmen, aber ein zögerlich einsetzendes Mitklatschen zeigt, dass die Busfahrt ihr Ziel nicht verfehlt.</div>
<div class="style_2"></div>
<div class="style_2">Das Finale des 1. Akts wirft einmal mehr inhaltliche Fragezeichen auf: Im Hotel in der Schweiz lässt sich Sepp Herberger von einer Putzfrau sein berühmtestes Zitat („Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten.“) in den Mund legen und die komplette Mannschaft darf sich dann zudem belehren lassen, „nicht so deutsch“ zu sein. Was komisch gemeint ist, kommt doch etwas hölzern über die Rampe und wirkt spätestens beim Tanz der Fußball-Elf in blauen Glitzersakkos deplatziert.</div>
<div class="style_2">
<p>In der zweiten Hälfte offenbart sich die fehlende Dramaturgie noch deutlicher. Von der Vielzahl paralleler Handlungsstränge wird keiner gewissenhaft aufgenommen. Die Charaktere bleiben blass und es wird nur an der Oberfläche gekratzt. Die Gratwanderung, die fragile Beziehung zwischen Vater und Sohn mit stimmungsvollen, bühnenfüllenden Musical-Tanznummern zu verbinden, gelingt kaum. Die Intimität und Verletzlichkeit der Familie Lubanski verflüchtigt sich in dem 2.000 Plätze fassenden Theater nur allzu leicht. Das mag auch eine Erklärung dafür sein, dass die hinreißende Vera Bolten als Mutter Christa kaum in Erscheinung tritt. Auch Matthias und seine Freunde können das Publikum nicht erreichen, obwohl dies bei Kindern auf der Musicalbühne im allgemeinen schon fast ein Selbstläufer ist. Hingegen erscheinen die Comedy-Szenen mit dem Eheaar Ackermann oder die Tanzszenen der Fußballer zwar musicalkonform, jedoch passen sie nicht zum Rest der Handlung.</p>
<div id="id8" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_395_369">
<div class="style_2">Bekannte Zitate verpuffen ebenso wie der durch TV und Radio bereits im Vorfeld bekannte Titelsong „Wunder gescheh‘n“ (gesungen von Vera Bolten als Mutter Christa). Man gewinnt mehr und mehr den Eindruck, dass die Übertragung des Films auf die Musicalbühne für Gil Mehmert keine leichte Aufgabe war und er sich zwischen Revue, Comedy, klassischem Theater und Akrobatik nicht entscheiden konnte. Der gewählte Mittelweg wird leider keiner Sparte und keinem Charakter gerecht.</div>
<div class="style_2">
<p>Rundum gelungene Szenen wie „An Wunder glaubt doch jeder“ mit einem überzeugenden Tetje Mierendorf als Pfarrer oder „Kannst Du denn wirklich nur an Fußball denken?“, in der Anette (Hübert) die Aufmerksamkeit ihres Mannes mit den Mitteln einer Frau auf sich zu ziehen versucht, wirken ohne Konzept aneinandergereiht.</p>
<div id="id9" class="style_SkipStroke_2 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_669_570">
<div class="style_2">In Richtung Finale verändert sich die Szenerie: Waren vorher die Hintergrundprojektionen angelehnt an die Realität (Hausdächer, Flussläufe, Gebirge) , sind es nun Kreidezeichnungen, die die an Richard und Matthias auf dem Weg nach Bern vorbeiziehende Landschaft darstellen. Der Grund wird schnell klar, wenn man sieht, wie das entscheidende Spiel der Fußball-WM auf der Bühne umgesetzt wird: Ungarische und deutsche Spieler laufen dem projizierten Ball auf der vertikalen Leinwand hinterher. Dabei werden die jeweiligen Positionen und Bewegungen wie auf einer Taktik-Tafel eingezeichnet und mit dem original Radiokommentar von Herbert Zimmermann unterlegt. Akrobatisch eine großartige Leistung der Darsteller! Zudem allein schon durch die deutschlandweit bekannten Worte Zimmermanns sehr berührend.</div>
<div class="style_2"></div>
<div class="style_2">Nach dem Sieg wechselt das Bühnenbild wieder zu realitätsnahen Projektionen und die Zuschauer erleben wie der kleine Matthias seinem Idol Helmut Rahn (Dominik Hees) bei der Abfahrt aus der Schweiz zujubelt.</div>
<div class="style_2"></div>
<div class="style_2">Der Schriftzug „Weltmeister 1954“ hebt sich und unterstützt von ein wenig Pyrotechnik fallen sich alle jubelnd in die Arme.<br />
Auch wenn klar ist, worauf es in dieser Show hinausläuft, fällt die Vereinigung von Vater und Sohn in diesem Finale fast gar nicht ins Gewicht. Der Fußballsieg steht eindeutig im Mittelpunkt des Geschehens.</div>
<div class="style_2"></div>
<div class="style_2">Was bleibt nach zwei Stunden und zwanzig Minuten „Das Wunder von Bern“? Abwechslungsreiche Melodien, aber leider zu viele Reprisen; einige gut durchdachte Szenen, aber leider kein zusammenhängendes Ganzes; sehr gute Schauspieler und Sänger, die ihr Können in dieser Show aber leider nicht unter Beweis stellen können.</div>
<div class="style_2"></div>
<div class="style_2">Dem Musical gelingt es bedauerlicherweise nicht, die Intensität des Films zu transportieren. Das liegt sicherlich auch daran, dass es zu viele Charaktere sind, die ihre eigene kleine Geschichte erzählen und dadurch die Konzentration auf die eigentliche Handlung &#8211; die Wiedervereinigung von Vater und Sohn &#8211; verloren geht. Ein anderer Grund mag sein, dass das Theater für diesen so persönlichen Stoff schlichtweg zu groß ist und sich die filigranen schauspielerischen Einsätze in den letzten Reihen gar nicht erst feststellen lassen, da man die Mimik der Darsteller nicht einmal erahnen kann.<br />
Im Gegensatz zu „<span style="color: #333399;"><a style="color: #333399;" title="Rocky_2012.html" href="http://www.musicals-online.com/?p=1294">Rocky</a></span>“, bei dem die charmant umgesetzte, bekannte Geschichte sich auf eine zentrale Figur konzentriert und gemeinsam mit der außergewöhnlichen Bühnentechnik dieses Stück zu einem gelungenen Ensuite-Musical macht, verliert sich „Das Wunder von Bern“ in der Vielzahl von Charakteren und schafft es trotz ansprechender, wenn auch nicht neuartiger Bühnentechnik, nicht, die Bedeutung des Weltfußballereignisses auf die damit verbundenen Veränderungen im Leben der Familie Lubanski herunterzubrechen.</p>
<p class="paragraph_style" style="text-align: right;">Michaela Flint</p>
<p class="paragraph_style"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Stage Theater an der Elbe, Hamburg</span><br />
<span style="color: #000080;"> <strong><span class="Bold">Premiere: </span></strong>23. November 2014</span><br />
<span style="color: #000080;"> <strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Detlef Leistenschneider, Vera Bolten, Elisabeth Hübert, Dominik Hees, Tetje Mierendorf</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong> Regie &amp; Buch / <span class="Bold">Musik:</span></strong> <span class="Bold">Gil Mehmert / Martin Lingnau<br />
</span><strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Stage Entertainment</span></p>
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