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	<title>Dorothea Maria Müller-Archiv - Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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	<title>Dorothea Maria Müller-Archiv - Herzlich willkommen auf musicals-online.com</title>
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		<title>Schwere Kost – auf Celluloid wie auf der Musicalbühne nicht leicht zu verdauen</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Nov 2019 20:42:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2019]]></category>
		<category><![CDATA[Doktor Schiwago]]></category>
		<category><![CDATA[Dorothea Maria Müller]]></category>
		<category><![CDATA[Jeannine Michèle Wacker]]></category>
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		<category><![CDATA[Ulrich Kratz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Den mit fünf Oscars ausgezeichneten Film von 1965 mit Omar Sharif, Geraldine Chaplin und Julie Christie in den Hauptrollen kennen sicherlich viele. Das über drei Stunden lange Epos über die Lebens- und Liebesgeschichte des Poeten und Arztes Dr. Jurij Schiwago erfordert Sitzfleisch, denn die Handlung zwischen 1. Weltkrieg und Russischer Revolution birgt kaum amüsante Momente. ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Den mit fünf Oscars ausgezeichneten Film von 1965 mit Omar Sharif, Geraldine Chaplin und Julie Christie in den Hauptrollen kennen sicherlich viele. Das über drei Stunden lange Epos über die Lebens- und Liebesgeschichte des Poeten und Arztes Dr. Jurij Schiwago erfordert Sitzfleisch, denn die Handlung zwischen 1. Weltkrieg und Russischer Revolution birgt kaum amüsante Momente.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-2724 alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-3-1024x683-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-3-1024x683-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-3-1024x683-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-3-1024x683.jpg 1024w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Der als Waise bei einem befreundeten Paar seiner Eltern aufwachsende Jurij heiratet in jungen Jahren Tonia, deren Tochter. Im Krieg lernt er die Krankenschwester Lara kennen und lieben. Sie ist so anders als die brave Tonia: leidenschaftlich, energisch und ungemein anziehend. Noch während sie an der Front sind, verfällt Jurij Lara vollends. Doch beide sind vernünftig und so geht Jurij zurück zu seiner Frau und seinem Sohn und Lara zieht nach Yuriiatin, wo sie hofft, ihren Mann und ihre Familie zu finden.</p>
<p>Doch in Moskau ist nichts mehr wie es vor dem 1. Weltkrieg war: Aristokraten werden geächtet, wenn nicht sogar direkt ermordet, und auch Jurij und seine Familie müssen hungern und führen ein Leben im Versteck. Sie beschließen zu fliehen – ausgerechnet nach Yuriiatin. Jurij versucht das Zusammentreffen mit Lara solange wie irgend möglich hinauszuzögern, doch irgendwann fällt ihm zuhause die Decke auf den Kopf und er geht in die Bibliothek, in der Lara seit ihrer Flucht arbeitet. Die Liebe zwischen den beiden entbrennt erneut…</p>
<p>Tonia spürt, dass sich Jurij von ihr entfernt, konfrontiert Lara irgendwann und muss feststellen, dass sie dieser Frau nicht böse sein kann. Sie beschließt nach Moskau zurückzukehren, um von dort nach Paris zu fliehen. Jurij bleibt in Yuriiatin.</p>
<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-2718 alignleft" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-7-1024x683-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-7-1024x683-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-7-1024x683-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-7-1024x683.jpg 1024w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Dort trifft er erneut auf Pawel, der sich jetzt Strelnikow nennt und als Revolutionsführer jeden bekämpft, der &#8211; aus seiner Sicht – Russland schadet. Dazu zählt auch Jurij, der mit seinen Gedichten für einiges Ungemach gesorgt hat. Aber die beiden verbindet auch eine persönliche Feindschaft, ist Pawel doch Laras Ehemann. Allerdings hat er sie direkt verstoßen, nachdem er von ihrem leichtfertigen Lebensstil vor ihrer Beziehung erfährt (sie hatte sich dem machtbesessenen Viktor Komarovskij hingegeben). Doch Pawel liebt Lara noch immer und kämpft zeitlebens gegen diese Gefühle an, was ihn zu einem verbitterten Feldherrn macht.</p>
<p>Für Lara und Jurij wird es in Yuriiatin gefährlich. Als Viktor Komarovskij ihnen anbietet, ihnen zur Flucht zu verhelfen, bleibt Jurij unter einem Vorwand dort. Er verspricht Lara nachzukommen, bleibt aber in Yuriiatin, da seine Anwesenheit die Geliebte einer viel zu großen Gefahr aussetzen würde.</p>
<p>Strelnikow, der dem Erschießungskommando der Roten Armee entkommen konnte, trifft auf der Suche nach Lara auf Jurij. Als er erfahren muss, dass seine große Liebe geflohen ist und sein Lebensinhalt, die Revolution, niedergeschlagen ist, entscheidet er sich für den Freitod.</p>
<p>Jurij hingegen bleibt bis zu seinem Tod in Yuriiatin.</p>
<p>Das Stück beginnt mit der Beerdigung von Jurijs Vater und endet mit der Beerdigung von Jurij (nur 27 Jahre später), zu der nur Lara und ihre gemeinsame Tochter erscheinen.</p>
<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-2723 alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-12-1024x683-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-12-1024x683-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-12-1024x683-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-12-1024x683.jpg 1024w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" />Lucy Simon (Musik) und Michael Weller (Buch) haben das Musical geschrieben, welches 2006 in San Diego uraufgeführt wurde. Seitdem gab es einige Überarbeitungen und auch weltweite Produktionen. In dieser Spielzeit nahm nun auch das Theater Lüneburg den Stoff auf und zeigt eine Gast-Inszenierung von Olaf Strieb. Dieser frische Wind tut der Musicalsparte in Lüneburg sehr gut.</p>
<p>Barbara Bloch (Bühne) und Christine Bertl (Kostüme) schaffen einen gelungenen Rahmen für die düstere Handlung. Die haushohen Metallkreuze aus der Auftaktszene bleiben die ganze Zeit auf der Bühne, werden ab und ab von anderen mobilen – ganz in Rost-Rot gehaltenen &#8211; Kulissen verdeckt. Die Brücke im Bühnenzentrum ermöglicht viele Spielmöglichkeiten, die von Strieb gekonnt genutzt werden.</p>
<p>Bertl greift insbesondere die Unterschiedlichkeit von Tonia und Lara sehr gekonnt auf: Während Tonia in weiten, wallenden Gewändern gekleidet ist, trägt Lara Hosenanzüge, die eher modern geschnitten sind und der selbstbewussten jungen Frau sehr gut stehen.</p>
<p>Für die drei Hauptrollen hat sich das Theater Lüneburg drei Gäste ans Haus geholt: Kristian Lucas als Dr. Schiwago, Dorothea Maria Müller als Lara und Jeannine Michèle Wacker als Tonia. In weiteren wichtigen Rollen sind die Ensemblemitglieder Ulrich Kratz (Viktor Komarovskij) und Steffen Neutze (Pawel / Strelnikow) zu sehen. Weitere 13 Darsteller sowie der Opern- und Extrachor komplettieren das eindrucksvolle Gesamtbild. Nicht zu vergessen die Kinderdarsteller, die die jungen Alter Egos von Jurij, Tonia und Lara verkörpern.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2721 alignleft" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-11-1024x683-400x267.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-11-1024x683-400x267.jpg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-11-1024x683-768x512.jpg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-11-1024x683.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" />Kristian Lucas ist in Lüneburg kein Unbekannter. Er hat dort u. a. in „<a href="http://www.musicals-online.com/?p=1249"><span style="color: #333399;">Sunset Boulevard</span></a>“ und „<a href="http://www.musicals-online.com/?p=1053"><span style="color: #333399;">Next to normal</span></a>“ mitgewirkt. Auch bei „Singin‘ in the Rain“ spielt er eine der Hauptrollen. Dorothea Maria Müller ist dem Lüneburger Publikum aus „Tell me on a Sunday“ ebenfalls bestens vertraut.</p>
<p>Lucas‘ Jurij ist ein sympathischer, pflichtbewusster Arzt. Besonders die gefühlvollen Momente beim Schreiben der Gedichte gelingen ihm sehr gut. Man spürt, dass in Jurij kein klassischer Aristokrat schlummert, sondern ein Freigeist, den er aber die meiste Zeit unterdrücken muss. Sein schnörkelloser Tenor passt gut zu Lucy Simons Kompositionen. Die Duette – insbesondere mit Jeannine Michèle Wacker („Ich seh‘ den Mond“) – sind sehr harmonisch. Doch auch das Zusammenspiel mit Dorothea Maria Müller ist glaubwürdig.</p>
<p>Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, was nicht zuletzt auf Striebs ausgeprägtes feinstoffliche Personenregie zurückzuführen ist. Die Gefühlswirrungen und -wandlungen aller fünf Protagonisten sind sehr gut nachzuvollziehen.</p>
<p>Man nimmt Wacker die verliebte und besorgte Ehefrau genauso ab, wie die verständnisvolle, ihren Sohn schützende Mutter.</p>
<p>Ulrich Kratz ist als herrischer Mäzen rollenkonform sehr unsympathisch und einschüchternd, doch man glaubt ihm am Schluss gern, dass er echte Gefühle für Lara hegt (auch wenn sie diese nicht erwidert).</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2720 alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-13-683x1024-267x400.jpg" alt="" width="267" height="400" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-13-683x1024-267x400.jpg 267w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2019/11/DOKTOR-SCHIWAGO_c_tw_AndreasTamme-13-683x1024.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 267px) 100vw, 267px" />Beeindruckend spielt Steffen Neutze: Sein warmer Bariton passt hervorragend sowohl zum verletzten Pawel als auch zum gefährlichen und besessenen Revolutionsführer. Auch ihm nimmt man die starken Gefühle ab, die den Lebensweg seiner Figur beherrschen. Sein finales Zitat „Du hast geliebt, ich hatte Macht. Wer kann schon sagen, wer von uns beiden die Zeit besser genutzt hat?“ gibt dies ziemlich präzise wieder.</p>
<p>„Die Liebe wählt uns“ wird von Müller und Lucas mit viel Gefühl umgesetzt: Lara und Jurij wollen sich gegen ihre Gefühle nicht wehren, obwohl beide wissen, dass es falsch ist, sich ihnen hinzugeben. Die beiden geben auf der Bühne durchaus ein glaubwürdiges Paar ab. Ihr Liebesduett „Lass und teilen, was uns bleibt“ ist gleichermaßen tragisch wie romantisch.</p>
<p>Eine ganze andere Emotionslage müssen Müller und Wacker bei „Sie und ich“ verarbeiten. Beiden gelingt dies hervorragend. Die Zuschauer verstehen die Beweggründe für das Handeln von beiden Frauen.</p>
<p>Den Song, den jeder mit „Doktor Schiwago“ verbindet, sing jedoch der Damenchor. „Einst kommt der Tag“ wurde von Sabine Ruflair sehr gefällig auf die weltbekannte Melodie von Maurice Jarre („Lara’s Theme“) geschrieben.</p>
<p>In dieser Inszenierung wird viel Wert auf die Authentizität der handelnden Personen gelegt. Dass hierbei der Spannungsbogen ein wenig vernachlässigt wird, ist verständlich und bei diesem an sich schon langatmigen Stoff auch verzeihbar. Die Musik an sich ist gefällig und passt gut in das Russland des beginnenden 20. Jahrhunderts. Doch beschwingten Schrittes verlässt man das Theater sicherlich nicht. „Doktor Schiwago“ bleibt auch als Bühnenfassung ein schwer zu verarbeitenden Stoff für das Publikum.</p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #000080;">Michaela Flint</span></p>
<div id="id4" class="style_SkipStroke_4 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_270_124">
<p class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> Theater Lüneburg</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Premiere: </span></strong><span class="Bold">16. November 2019</span></span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Kristian Lucas, Dorothea Maria Müller, Jeannine Michèle Wacker, Steffen Neutze, Ulrich Kratz</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Regie / Musik:</span></strong> <span class="Bold">Olaf Strieb / Lucy Simon<br />
</span><strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Andreas Tamme<br />
</span></p>
</div>
</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Eine sehr deprimierende Inszenierung mit einer starken Frau im Mittelpunkt</title>
		<link>https://www.musicals-online.com/eine-sehr-deprimierende-inszenierung-mit-einer-starken-frau-im-mittelpunkt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MF]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Jan 2017 18:26:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2017]]></category>
		<category><![CDATA[Andrew Lloyd Webber]]></category>
		<category><![CDATA[Dorothea Maria Müller]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich von Mansberg]]></category>
		<category><![CDATA[Lüneburg]]></category>
		<category><![CDATA[T.NT Studio]]></category>
		<category><![CDATA[Tell Me on a Sunday]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Andrew Lloyd Webbers und Don Blacks „Tell me on a Sunday“ hat ein bewegtes Leben hinter sich: Ende der 1970er ist das Stück als erster Teil des Zweiakters „Song and Dance“ entstanden. Im Laufe der Jahrzehnte wurden neue Songs hinzugefügt, andere gestrichen – insbesondere für die Broadway-Premiere wurde die Show in größerem Umfang überarbeitet. 2003 ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Andrew Lloyd Webbers und Don Blacks „Tell me on a Sunday“ hat ein bewegtes Leben hinter sich: Ende der 1970er ist das Stück als erster Teil des Zweiakters „Song and Dance“ entstanden. Im Laufe der Jahrzehnte wurden neue Songs hinzugefügt, andere gestrichen – insbesondere für die Broadway-Premiere wurde die Show in größerem Umfang überarbeitet. 2003 wurde das Stück für die Neuauflage im West End wieder zu einem Einakter: Der zweite, getanzte Akt entfiel. Die Handlung wurde leicht modernisiert (Kommunikation via E-Mail) und weitere neue Songs integriert. Diese Fassung wurde für eine UK-Tour 2010 noch einmal umgekrempelt und Songs aus der Ursprungsfassung wieder mit aufgenommen (u. a. „The Last Man in My Life“). An dieser letzten größeren Produktion orientiert sich Regisseur Friedrich von Mansberg mit seiner aktuellen Inszenierung von „Tell me on a Sunday“ im T.NT Studio in Lüneburg.</p>
<p>Allerdings nimmt sich von Mansberg beträchtliche Freiheiten in der Interpretation der Hauptfigur, die er als unselbständige, depressive Alkoholabhängige skizziert, die ihren einzigen Ausweg im Suizid sieht. Auch musikalisch hält er sich nicht ganz an die Vorgaben, streicht Songs, lässt „The Last Man in My Life“ dafür unzählige Male erklingen und vermischt zudem auch noch englische und deutsche Songtexte und Dialoge.</p>
<p>„Tell me on a Sunday“ ist ein One-Woman-Stück. Seine Überzeugungskraft steht und fällt mit der einzigen Darstellerin der namenlosen Hauptfigur, die bereits von Größen des Showbiz wie Marti Webb oder Bernadette Peters gespielt wurde. Große Fußstapfen, keine Frage. Doch die 32-jährige Dorothea Maria Müller muss sich hier nicht verstecken: Sie meistert die abwechslungsreichen Songs in allen Höhen und Tiefen. Ihrem klaren, sauberen Mezzosopran zu lauschen ist ein Genuss, auch wenn an der ein oder anderen Stelle „mehr Dreck“ in der Stimme vielleicht besser gewesen wäre. Zudem spielt sie die verzweifelte, sich nur über einen Partner identifizierende, unselbständige Mittdreißigerin absolut glaubwürdig.</p>
<p>Auch der Wechsel zwischen den Sprachen (am extremsten beim strophenweisen Wechsel von Deutsch und Englisch bei „Takte that look off your face“) gelingt ihr gut, selbst wenn es nicht sehr einleuchtend ist, warum sie Dialoge auf Deutsch beginnt und dann auf Englisch fortsetzt. Sicherlich hätte es auch Müller gut getan, hier eine einheitliche Linie zu verfolgen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-1941 size-medium alignright" src="http://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/04/Tell-Me-On-a-Sunday_ctw_Hans-Jürgen-Wege-4-400x273.jpeg" alt="" width="400" height="273" srcset="https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/04/Tell-Me-On-a-Sunday_ctw_Hans-Jürgen-Wege-4-400x273.jpeg 400w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/04/Tell-Me-On-a-Sunday_ctw_Hans-Jürgen-Wege-4-768x524.jpeg 768w, https://www.musicals-online.com/wp-content/uploads/2017/04/Tell-Me-On-a-Sunday_ctw_Hans-Jürgen-Wege-4.jpeg 1000w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></p>
<p>Dass sie jedoch dieses anspruchsvolle Stück parallel zu ihrem Engagement als Evita (ebenfalls in Lüneburg) spielt, verdient Respekt. „Tell me on a Sunday“ ist, insbesondere in dieser düsteren, verzweifelten Inszenierung, keine leichte Aufgabe – weder gesanglich noch schauspielerisch.</p>
<p>Die Anlage der Hauptfigur als hilfloses Mäuschen ohne jegliche Hoffnung steht jedoch im Gegensatz zu früheren Produktionen. Während das Stück in anderen Inszenierungen immer so endete, dass die Protagonistin sich eingestand, dass es gar nicht schlimm ist, keinen Partner zu haben und sie auch allein klarkommt – sie also einen Silberstreif am Horizont sieht, gibt sich von Mansbergs Hauptfigur schon zu Beginn dem Alkohol hin und stirbt am Ende an einer Mischung aus Tabletten und Alkohol.</p>
<p>Die Protagonistin ist extrem emotional und ihre Gefühle schwanken im Laufe des Stücks unzählige Male von himmelhochjauchzend (wenn sie gerade mal wieder frisch verliebt ist) bis zu Tode betrübt (wenn sie gerade mal wieder verlassen wurde). In Lüneburg lernt das Publikum die junge Frau in einer Verliebtheits-Phase kennen. Sie ist bereits in New York und kollidiert im nächsten Moment mit ihrem Angebeteten, woraufhin sie das erste Mal in ein tiefes Loch stürzt. Dann verschlägt es sie zum Filmagenten Sheldon Bloom nach Kalifornien, was aber auch nicht gut geht. Zurück in New York gerät sie erst an einen jungen Fotografen, der sie aber betrügt und dann an einen verheirateten Mann mit Kind, dem sie seine Versprechungen nur allzu gern glaubt. Schließlich entpuppt sich aber auch dieser als Luftnummer. Sie bleibt allein mit Alkohol und Tabletten zurück und geht den Weg ohne Rückkehr.</p>
<p>Warum nach dem finalen Blackout jedoch das Licht noch einmal angeht und die Hauptdarstellerin in derselben Position wie zuvor zu einem instrumentalen Solo verharrt, ist verwirrend. Toter als tot geht doch nicht, oder war das nur ein Regiefehler (das Licht hätte nicht angehen dürfen), der leidlich überbrückt wurde?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Als Zugabe wurde am Premierenabend noch „Send in the Clowns“ gegeben. Eine der schönsten Musical-Balladen fürwahr, doch wurde dieser Song von Stephen Sondheim bereits 1973 für sein „A Little Night Music“ geschrieben und hat – außer dass die Sängerin dieses Songs ebenfalls vertanen Chancen nachtrauert – keinen Bezug zu „Tell me on a Sunday“. Wieviel treffender wäre es gewesen, den Showstopper „Take that look off your face“ noch einmal mit all der in ihm schlummernden Energie zu performen.</p>
<p>Im Laufe von gut 70 Minuten muss sich Dorothea Maria Müller diverse Male umziehen – natürlich auf der Bühne – was sie manchmal in echte Zeitnot bringt oder dazu führt, dass die Band längere instrumentale Sequenzen spielt, um dies zu überbrücken. Auch für diese Kostümschlacht zeichnet Friedrich von Mansberg verantwortlich.</p>
<p>Intoniert werden Lloyd Webbers Kompositionen von einer Drei-Mann-Band (Keyboard, Drums, Klarinette) unter der Leitung von Robin Davis. Phasenweise klingt alles ein bisschen sehr arg nach Hammondorgel („You made me think you were in love“) und die Vielseitigkeit der Songs bleibt auf der Strecke. Auch dass die Band die Sängerin nicht gerade selten übertönt, trägt nicht zum Hörgenuss bei.</p>
<p>Die Idee, dass sich Hauptfigur permanent selbst filmt, ist gut zumal wenn die Hauptdarstellerin so telegen ist wie Müller, obwohl der Sinn durchaus hinterfragt werden kann, da sie sich zum einen selbst auf der als Bühnenhintergrund gespannten Leinwand betrachtet, zum anderen die mit diesen Videos sicherlich veranschaulichten Selbstgespräche und Gedanken nicht sehr trennscharf von der übrigen Kommunikation bspw. mit der Mutter abgegrenzt werden (bspw. wenn sie eine E-Mail an ihre Mutter verfasst und dann plötzlich ohne einen erkennbaren Bruch (Stimme, Haltung etc. bleiben gleich) eine handfeste Auseinandersetzung mit ihrem Expartner hat) . Erschwerend kommt das Hantieren mit dem langen Kabel hinzu. Hätte man dies nicht ggf. durch den Einsatz von WLAN-Endgeräten umgehen können?</p>
<p>„Tell me on a Sunday“ in Lüneburg ist exzellent besetzt, aber der Inszenierung fehlt an vielen Stellen der rote Faden. Die Aussage dieser Bühnenfassung ist durchgehend negativ, was der Energie der Songs deutlich entgegensteht. Auch wenn das Stück schon fast 40 Jahre alt ist, ist seine Thematik – den Glauben an sich selbst niemals aufzugeben und sich nicht ausschließlich von anderen abhängig zu machen – immer noch aktuell und man hätte viele Schnittmengen und Berührungspunkte für die Zuschauer schaffen können. Diese Chance wurde leider komplett vertan. Schade.</p>
<p style="text-align: right;">Michaela Flint<br />
<em>erschienen in <span style="color: #333399;"><a style="color: #333399;" title="http://www.musicals-magazin.de/" href="http://www.musicals-magazin.de/">musicals &#8211; Das Musicalmagazin</a></span></em></p>
<div id="id4" class="style_SkipStroke_4 shape-with-text">
<div class="text-content style_External_270_124">
<div class="style_3"><span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Theater:</span></strong> T.NT Studio, Lüneburg</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Premiere: </span></strong><span class="Bold">27</span>. Januar 2017</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Darsteller:</span></strong> Dorothea Maria Müller</span><br />
<span style="color: #000080;"><strong><span class="Bold">Musik / Regie:</span></strong>  Andrew Lloyd Webber / Friedrich von Mansberg<br />
<strong><span class="Bold">Fotos:</span></strong> Hans-Jürgen Wege<br />
</span></div>
</div>
</div>
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