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MusicAlive bringt „Company“ nach Hamburg
Am 18. Juni 2004 planen die 23 Sängerinnen und Sänger vom Hamburger Amateurchor MusicAlive die Premiere von Stephen Sondheim’s „Company“ in einer neuen deutschen Fassung auf die Bühne des Rudolf-Steiner-Hauses zu bringen. Eine gute Gelegenheit für Blickpunkt Musical dem Laienchor unter der Leitung von John Lehman bei der Ausarbeitung dieser Produktion über die Schulter zu schauen. Wir werden die Entwicklung bis zur Premiere begleiten und Ihnen in einem Produktionstagebuch die Schritte schildern, die von der Idee bis zum fertigen Musical nötig sind.
Alles begann vor ca. einem Jahr als John Lehman die musikalische Leitung der Amateurgruppe übernahm. Schnell war klar, dass das nächste Projekt nicht ein weiterer Abend mit Musical-Highlights sein würde, sondern ein abendfüllendes Musical in Angriff genommen werden sollte.
Bei der Auswahl des Stücks verließen sich die Chormitglieder auf den großen Erfahrungsschatz von John Lehman, der nach zwei Wochen intensiven Abwägens Stephen Sondheim’s selten aufgeführten Klassiker „Company“ vorschlug. Bei der Auswahl des Stücks musste der Vocal Coach diverse Anforderungen berücksichtigen: Es durfte kein Musical sein, dass wenige einzelne Protagonisten und einen großen Chor hat, sondern es mussten viele Charaktere darin vorkommen, die möglichst gleich verteilt eigene Soli haben. Dann sollte es ein Musical sein, dass musikalisch anspruchsvoll ist, den verschiedenen Stimmlagen der Chormitglieder entspricht und möglichst wenig schauspielerische und choreographische Elemente beinhaltet, da es sich um ein Gesangsensemble handelt und nicht um professionell ausgebildete Musical-Darsteller.
Während sich der Chor mit dem Inhalt des Stücks vertraut machte, bereitete John Lehman schon die Auditions hierfür vor. Dieses Casting fand dann im Frühsommer 2003 statt. Der musikalische Leiter wollte, dass sich jedes Chormitglied auf drei Rollen vorbereitet, von denen dann zwei präsentiert wurden. Selbstverständlich hatte John Lehman zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich genaue Vorstellungen darüber, wer welche Rolle übernehmen würde, da er sich intensiv mit der Struktur und dem Charakter seiner Künstler auseinandersetzt. Er wägt dann genau ab, welche Eigenheiten von Rolle und Sänger zueinander passen und argumentiert sehr detailliert, warum ein Ensemblemitglied diesen und nicht jenen Part übernehmen soll. Diese führte bei einigen Chormitgliedern zu Verwirrung und auch Unmut, da sie sich auf eine andere Rolle „eingeschossen“ hatten, dennoch waren die Argumente John Lehmans im allgemeinen so überzeugend, dass sich über kurz oder lang alle mit ihrem Alter Ego anfreundeten.
Parallel zur künstlerischen Vorbereitung von „Company“ musste ein Theater gefunden werden, in dem die Deutschlandpremiere mit neuen Texten aus der Feder von Deutschlands bekanntestem Musicalautor stattfinden kann.
Dies gestaltete sich als ziemlich schwierig, denn das Theater durfte nicht zu groß sein, aber auch nicht zu klein; die Tonanlage muss den Anforderungen an eine Amateurgruppe, die mit der Arbeit mit Mikroports nicht vertraut ist, gerecht werden. Und – selbstverständlich – soll dieses Theater auch noch zentral liegen und für jeden gut erreichbar sein. Schlussendlich fand man mit dem Theater-Saal im Rudolf-Steiner-Haus die perfekte Lokalität: Die Bühne ist ausreichend groß, um 23 Ensemblemitgliedern Platz zu bieten. Zusätzlich sind dort ausreichend Räumlichkeiten für Garderobe und Maske vorhanden. Der Saal fasst mehr als 250 Zuschauer und bietet so einen ausgezeichneten Rahmen für die anstehende Premiere.
Die erste Leseprobe mit verteilten Rollen fand im September 2003 noch mit den „alten“ deutschen Texten statt. Zum ersten Mal wurden Szenen andeutungsweise gestellt und die Chormitglieder bekamen ein Gefühl dafür, was ihnen bevor stand.
Seither finden zweimal wöchentlich musikalische Proben statt, die seit Anfang Januar durch schauspielerische Stellproben ergänzt werden.
Auf was John Lehman hier besonders achtet, welche Erfahrungen die Ensemblemitglieder bei diesen Proben sammeln und warum bisher noch nichts Konkretes in Sachen Kulissen, Choreographie und Orchester geschehen ist, lesen Sie in der nächsten Ausgabe.
Veröffentlicht in Blickpunkt Musical, Ausgabe 02/04, März-April 04
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