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Jin & Jan

„Was Sie schon immer über die Männer hinter Jin& Jan wissen wollten, und sich nie zu fragen getraut haben…“ 

Jan Bürger, Jan Lehmann und Jan Siebel – die Profi-Musiker

Jans privat

Michaela Flint: Wie habt Ihr als Band zusammen gefunden?

    Jan S.:  Ich habe Jan Bürger an der Sängerakademie kennen gelernt. Das war ein echter Glücksfall, denn ich hatte schon vorher über Anzeigen versucht, jemanden zu finden, mit dem ich meine Songs ausprobieren konnte. Aber das war echte Zeitverschwendung, denn von denen, die sich gemeldet hatten, wollte keiner das wirklich professionell betreiben.
    Seit Dezember 2002 haben Jan Bürger und ich dann zusammen an Songs gefeilt und sie zur Bühnenreife gebracht.

    Jan L.:  Ich bin von Lotta – vom Comedy-Pop-Duo „Lotta & Geli“ angesprochen worden, dass die beiden anderen noch Verstärkung suchen. Zuerst hab ich gezögert, weil jemand gesucht wurde, der Schlagzeug spielen konnte. Aber sie hat mich dann ein bisschen zu meinem Glück gezwungen und seitdem lerne ich Cajon spielen. Ich bin sehr selbstkritisch und habe im letzten Jahr mit Jin & Jan viel gelernt. Und es gibt noch viel mehr, was ich lernen kann…

Michaela Flint: Warum gerade in Hamburg? Was macht für Musiker den Reiz an Hamburg aus?

    Jan L.:  Hamburg ist einfach schön. Ich bin in Pinneberg aufgewachsen und lebe jetzt seit acht Jahren in Hamburg, weil es sich musikalisch so ergeben hat. Allerdings hänge ich nicht so sehr daran, dass ich nicht in eine andere Stadt ziehen würde, wenn es sich ergibt.

    Jan B.:  Ursprünglich bin ich nur wegen des Gesangsstudiums nach Hamburg gezogen. Doch zusätzlich habe ich festgestellt, dass die Musikszene in Hamburg wesentlich belebter ist als in Göttingen oder Hannover. Tolle Gelegenheiten wie der Popkurs sind intensiv und schaffen Unmengen von Kontakten, was in einer Kleinstadt so nicht möglich wäre.
    Andererseits ist es so unüberschaubar, dass man schwer einen Fuß in die sprichwörtliche Tür bekommt.
    Es ist zwar immer wieder schön, an der Alster zu sein, aber mich hält nichts hier, wenn sich in einer anderen Stadt eine gute Chance ergeben sollte.

    Jan S.:  Mir war Berlin immer zu groß, zu unübersichtlich, zu hip. Die Menschen dort sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
    Hamburg halte ich für die einzige echte Alternative, obwohl ich Köln nicht wirklich einschätzen kann. Doch die rheinische Mentalität ist nicht so ganz mein Fall. Und mit der Hamburger Mentalität komme ich sehr gut klar. Hinzu kommt, dass die Szene hier sehr offen ist.

Michaela Flint: Wer hat sich den Namen und das Konzept ausgedacht?

    Jan S.:  Der Name war total nahe liegend, weil wir beide den gleichen Vornamen hatten.
    Das Schwarz-Weiß-Konzept kam sowohl von Jan Bürger als auch von mir, weil wir viele lustige Songs im Repertoire hatten, aber auch gern nachdenkliche Sachen machen wollten.

    Jan B.: Außerdem sind total gegensätzliche Typen. Das unterstützt das Yin & Yang-Konzept zusätzlich.
    Ich bin der „Schlumi“ und Jan Siebel ist der, der alles ins Rollen gebracht hat.
    Am Anfang war ich der talentierte Jungspund, der supported wird und Jan Siebel das Arbeitstier.

Michaela Flint: Warum diese Art von Musik?

    Jan S.:  A-cappella war nahe liegend, weil Jan Bürger aus diesem Bereich kommt. Außerdem konnten wir zu zwei auch nicht so viele instrumentale Möglichkeiten ausschöpfen. Also haben wir die Stimmen ganz bewusst eingesetzt, um den Sound aufzufüllen und genau das ist ein Merkmal von A-cappella.
    Und da Jan Lehmann aus der gleichen Ecke kommt, passte das natürlich ganz gut.

    Jan B.: Jin & Jan bringt ein großes Potential mit sich. Wir sind wie die Amerikaner sagen „unique“. Die Musik ist gefällig, es ist bodenständige Rockmusik kombiniert mit dem mit A-cappella verbundenen höheren Anspruch an Musik.

Michaela Flint: Was ist das Besondere an Instrumental A-cappella?

    Jan L.:  Instrumental A-cappella ist natürlich ein Widerspruch in sich. Ich finde das besonders schwierig, weil wir grundsätzlich als A-cappella-Trio angekündigt werden. Aber auf der anderen Seite ist genau das ein Hingucker und macht die Leute neugierig.

    Jan S.:  Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei Konzertanfragen gerade diese Zusatzzeile die Menschen zum Nachfragen gebracht hat. Da bekam ich dann die Gelegenheit, den Entscheidern zu erklären, was sich dahinter verbirgt.
    Ich bin der Auffassung, dass man das, was man macht, in einem Satz zusammenfassen können muss, um wirkliches Interesse zu wecken.

    Jan B.:  Die ursprüngliche Zielsetzung war, alles auszuschöpfen, was musikalisch zu zwei machbar ist. Das führte dann dazu, dass wir zweistimmig mit Gitarre und Klavier oder Cajon agierten. Wir machen schon typischen A-cappella, aber eben angereichert mit Percussion und Gitarre.

    Jan S.:  Der Vorteil von dieser Art der Instrumentierung ist, dass die drei Stimmen Platz haben.

    Jan L.:  Ein wichtiger Bestandteil dieser Kombination ist auch, dass wir alle drei gleichberechtigte Sänger sind. Es gibt keinen Frontmann mit Begleitung, sondern jeder von uns steht im Vordergrund.

    Jan S.:  Ich kenne bisher keine Band, die so etwas macht.

Michaela Flint: Wer schreibt die Songs von Jin & Jan?

    Jan B.:  Hauptsächlich ist es Jan Siebel, der die Songs für Jin & Jan komponiert und textet.

 

Michaela Flint: Zu Eurem Repertoire zählen auch Cover-Songs? Welche sind das? Gibt es einen Grund, warum Ihr genau diese Songs mit aufgenommen habt?

    Jan B.:  Das ist zum einen „Männer“ von Herbert Grönemeyer, der einzig schlechte Sänger, den ich wirklich verehre. Und dann haben wir noch „Komm bitte nicht“ von Ganz schön Feist im Programm.
    Das sind die beiden einzigen Cover-Songs, die wir aufgenommen haben. Der Grund war in erster Linie, weil diese beiden Songs extrem gut sind und uns richtig gut gefallen.

    Jan S.:  Die Aufnahme der beiden Cover-Songs stammt aus der Anfangszeit, wo wir uns gefragt haben, aus welchem Material man schnell einen neuen Song zimmern kann…

Michaela Flint: Viele haben die Vorstellung, dass Songs aus einer bestimmten Situation heraus entstehen. Geht Euch das auch so?

    Jan B.: So falsch ist diese Vorstellung nicht. Bei mir ist es zum Beispiel so, dass ich einen Song schreibe, wenn er mir einfällt. Aber das passiert eher selten… Bei ist das dann entweder eine Idee, die sich in einer Melodie äußert oder aber ein Textbaustein, zu dem ich dann eine Melodie entwickle. Das kann eine halbe Stunde dauern – oder auch zwei Jahre.
    Jan Siebel ist dagegen ein echtes Arbeitstier im Songwriting.

    Jan S.:  Es gibt solche und solche Songs. Ich halte aber die Aussage „von der Muse geküsst“ für Humbug. Dazu ist das alles viel zu technisch. Es ist ein romantisches Ideal, letztes Endes jedoch ist es nur die perfekte Anwendung eines langjährig erlernten Handwerks.
    Mir passiert es eher selten, dass ich etwas erlebe und sofort einen Song darüber schreibe.
    Im Allgemeinen geht es immer mit der Melodie los, den Akkorden, der Gesangsmelodie. Dazu erfinde ich dann Phantasietexte.
    Je wichtiger die Aussage eines Songs ist, desto wichtiger sind die Texte und desto schwieriger ist es, die Texte auszuarbeiten. Dabei greife ich dann meistens auf etwas Erlebtes oder Aktuelles zurück, was ich dann in diesem Song verarbeite.

    Jan L.:  Ich habe früher häufiger Songs geschrieben. Jetzt passiert fast gar nicht mehr, weil ich einfach keine Zeit mehr zum „Rumdaddeln“ habe. Ich kann mich eben nicht hinsetzen und drauf los komponieren oder texten.

Michaela Flint: Wie laufen bei Euch die Proben ab?

    Jan B.:  Unsere Proben würde ich als geordnetes Chaos bezeichnen. Häufig erarbeiten wir während der Proben den Feinschliff von Songs.
    Schön ist, dass wir sehr effektiv arbeiten, weil wir uns alle gut auf die geplante Sache – sei es Konzert-Vorbereitung oder Bearbeitung eines Songs – fokussieren können. Das habe ich in dieser Intensität noch nicht erlebt.
    Von meinem A-cappella-Ensemble bin ich gewohnt, dass wir die Noten zugeschickt bekommen und sie jeder für sich einstudiert. Dann singen wir das vor dem Konzert noch ein- bis zweimal durch und mehr nicht.
    Bei Jin & Jan ist das ganz anders. Wir haben eine richtige kleine Demokratie und bisher gab es auch noch keine Zickereien, weil sich der überstimmte immer auf das Urteil der anderen beiden verlassen kann.

    Jan L.:  Wir arbeiten während unserer Proben wirklich sehr diszipliniert und halten uns an den Probenplan. Je nachdem, was als nächstes ansteht, bearbeiten wir einen Song, nehmen Demos auf oder bereiten den nächsten Auftritt vor.

Michaela Flint: Gab es jemals eine Diskussion darüber in welcher Sprache Ihr Eure Songs präsentiert? Englisch ist gerade im musikalischen Bereich sehr weit verbreitet…

    Jan B.:  Ganz am Anfang haben wir uns darüber unterhalten, ob wir das vielleicht mischen sollten. Aber da es sehr inkonsequent wäre, haben wir diese Idee schnell verworfen. Außerdem halte ich deutsch für eine geniale Sprache – immerhin die Sprache der Dichter und Denker.

    Jan S.:  Ich schreibe alle Songs nur auf deutsch, da ich mit dieser Sprache am besten umgehen kann. Mir geht es darum, deutsch sangbar zu machen. Auf deutsch bekommt der Text eine andere Aussage, weil er ernst genommen wird. Im englischen Raum wird der Text als Soundelement eingesetzt und ist deshalb inhaltlich nicht so wichtig. Es wird ein geringerer emotionaler Bezug zum Text aufgebaut.
    Häufig singe ich englische Phantasietexte zu meinen Melodien. Aufgrund dieses Klangs erarbeite ich dann den deutschen Text.

Michaela Flint: Für wen machen Jin & Jan Musik? Wer ist Euer Zielpublikum?

    Jan L.:  Wir wollen von der Gruppe her nicht so sein, wie alle. Die Zuschauer müssen sagen, so was habe ich noch nicht gehört. Es darf aber auch nicht zu skurril sein. Wir wollen unser eigenes Ding machen, das aber die Menschen gut finden. Der Satz auf unserer Homepage trifft es schon ziemlich genau: Wir machen Musik für all jene, denen Bandmusik zu laut ist.

    Jan B.:  Unsere Zielgruppe ist zwischen der Avantgarde und den Wildecker Herzbuben angesiedelt. Wir singen für das aufgeschlossene A-cappella-Publikum, Kleinkunst-Interessierte und Menschen, die deutsche Texte mögen.

    Jan S.:  Jin & Jan ist nichts für das hippe, trendige Publikum. Wir sind nicht bahnbrechend und machen auch nicht den Vorreiter für eine neue Musikrichtung. Wichtig ist, dass sich die Zuhörer bewusst Texte anhören. Das hat sicherlich auch was mit dem Bildungsstandard zu tun…

Michaela Flint: Wie seid Ihr auf den „Saunaeffekt“ gekommen, mit dem Ihr Euer Publikum bei jedem Konzert durch ein Bad der Gefühle jagt?

    Jan S.:  Wir möchten uns nicht in eine Schiene stecken lassen. Wenn wir das mit unserem abwechslungsreichen Repertoire erreichen, ist das klasse. Jin & Jan ist nicht nur der Name, sondern auch das Konzept, das genau diese Gegensätze vereint.

    Jan L.:  Wenn einem auf einem Konzert die Stimmung erfasst, finde ich das schön. Ich denke, dass unser Publikum offener für traurige Songs ist, wenn die Stimmung vorher gut ist und sie sich wohl fühlen.

    Jan B.:  Wir haben es schon erlebt, dass die Leute Tränen gelacht haben und im nächsten Song total gerührt waren. Genau das ist der Sinn des Ganzen!

Michaela Flint: Wie war es im Januar 2004 bei NDR Sonntakte zu spielen und ins Radio übertragen zu werden?

    Jan B.:  Skurril. Ich war noch mit einer Band wie Torfrock auf einem gemeinsamen Konzert. Die Jungs sind wirklich schräg.

    Jan S.:  Das einzige, was nicht so gut war, war, dass die Gitarre im ersten Set ausgefallen ist und ich nur noch akustisch spielen konnte. Aber gerade diese neue Situation war sehr spannend und wir haben gnadenlos weiter gespielt.

Michaela Flint: Was war Euer schönstes Bühnenerlebnis?

    Jan L.:  Generell: auf der Bühne stehen und Gänsehaut bekommen. Das hatte ich schon zweimal: Einmal bei NDR Sonntakte und dann auch im Fool’s Garden. In solchen Situationen weiß ich, dass ich voll dabei bin.

    Jan S.:  Genau, das sind die Momente, wo es klick macht. Bei mir war das zum Beispiel so im Sommer 2003 in der AGMA-Zeitbühne und auch im Fool’s Garden und bei NDR Sonntakte. Da war die Atmosphäre ganz dicht.

    Jan B.:  Abseits der geschilderten Bühnenerfahrungen, gab es für mich eine Situation – ebenfalls bei NDR Sonntakte - wo ein Profi-Musiker aus einer anderen Band nach unserem Auftritt zu mir sagte: „Das waren ja wohl Perlen vor die Säue!“ Wenn einem das ein gestandener Bandmusiker sagt, geht einem das als musikalischer Jungspund, der noch grün hinter den Ohren ist, runter wie Öl.

Michaela Flint: Welche Bühnensituation möchtet Ihr nicht noch mal erleben?

    Jan B.:  Unser Auftritt an Heilg’ Abend 2003 im Logo war für mich sehr frustrierend. Es war ein wirklich gut geplantes Konzert und der Veranstalter hatte uns versichert, dass trotz des außergewöhnlichen Datums durchaus Publikum zu erwarten sei. Als ich dann feststellte, dass wir als Künstler fast in der Überzahl waren, war das schon ein weites Stück über der Grenze, die ich noch mal erleben möchte.

    Jan S.:  Letztes Jahr auf der Messe „Du und Deine Welt“ wurden wir – ganz ohne Soundcheck – „zwischen geschoben“, nicht richtig angekündigt und spielten dann in dem Messerummel. Ich hasse es, Hintergrundmusik zu machen und werde es vermeiden, sofern es in meiner Macht steht.

    Jan L.:  Stimmt, der Messe-Auftritt war nicht so toll, aber wir waren musikalisch okay.
    Unseren letzten Auftritt in der AGMA-Zeitbühne Anfang Dezember 2003 fand ich dagegen sehr bescheiden. Ich hatte den ganzen Tag unterrichtet und kam ziemlich kaputt dort an. Wir hatten keine Zeit mehr für den Soundcheck und alles war sehr gehetzt. Wir sind überhaupt nicht in die Musik reingekommen und das war nicht schön.

Michaela Flint: Welche Zielsetzung habt Ihr für Jin & Jan?

    Jan S.:  Ich möchte Ende 2004 in der Fabrik in Altona spielen. 2005 dann im Schmidt’s Tivoli und 2006 in der AOL Arena. Ich will groß werden und sehe uns groß.
    Natürlich brauchen wir dazu auch ein bisschen Glück, müssen die richten Leute treffen, die uns Türen öffnen können.

    Jan L.:  Eine der Eigenschaften von Jan Siebel ist, dass er ganz gern mal ein bis zwei Nummern zu hoch greift, was aber vielleicht gar nicht mal so schadet…
    Ich bin da eher nüchtern: Ich möchte, dass wir viel mehr auftreten, damit uns mehr Menschen kennen lernen und wir größere Sachen machen können.

    Jan B.:  Ich halte es für realistisch, in drei Jahren vor der ausverkauften Fabrik zu spielen. Jin & Jan bringt ein großes Potential mit sich. Und ich wünsche mir, dass uns die Spontaneität erhalten bleibt und wir nicht in 08/15-Schemata verfallen wie viele andere Bands, die seit vielen Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen.

Michaela Flint: Wird es Jin & Jan auch bald auf CD geben?

    Jan B.:  Eine EP wird bis zum Sommer fertig sein. Ich gehe als Produzent mit der Zielsetzung daran, den Songs auf dieser CD einen Sound zu verleihen, den sie live nie haben können.

    Jan S.:  Ich würde das ganze noch abwarten. Ich möchte keine halbgare Sache machen. Wir werden zwar auf Konzerten immer wieder gefragt, ob man Jin & Jan auch auf CD kaufen kann. Genau deswegen möchte ich, dass die CD uns perfekt repräsentieren muss.

Veröffentlicht auf www.jinundjan.de
Mai 2004