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Deutscher Musical Theater Preis 2019

Zum 6. Mal verlieh die Deutsche Musical Akademie ihren inzwischen durchaus anerkannten Theater Preis, zum zweiten Mal bereits im Hamburger Schmidts Tivoli. In 14 Kategorien wurden Künstler und Kreative aus deutschsprachigen Musicalproduktionen nominiert. Den Ehrenpreis bekam in diesem Jahr Joop van den Ende.

Gayle Tufts moderierte den Abend, der neben den Laudationes noch durch neun Showbeiträge aufgelockert wurde und so insgesamt knapp vier Stunden dauerte.

Natürlich ließen es sich Martin Lingnau und Heiko Wohlgemuth, das seit Jahren eingespielte Kreativteam der Schmidt Theater, nicht nehmen, einen Song für das Opening beizusteuern: „Musical, Du bist mein Leben“ beschreibt das Leben von Musicaldarstellern mit Augenzwinkern und viel Humor. Und dennoch, am „3. Cover vom 2. Zwerg“ ist viel Wahrheit dran.

Hausherr Corny Littmann hielt ein gewohnt ehrliches Plädoyer für die längst überfällige staatliche Unterstützung junger Darsteller, Komponisten und Texter. Hamburgs 1. Bürgermeister, Dr. Peter Tschentscher, konnte (und wollte) dem nicht viel entgegensetzen, lobte aber den Beitrag der Musicaltheater für den Tourismus und die Kulturentwicklung.

„Das war einmal“, eine Szene aus „Jacob & Wilhelm – Weltenwandler“ von Marc Schubring und Kevin Köhler, das im Frühjahr im Rahmen der Hanauer Märchenfestspiele uraufgeführt wurde, war eine sehr gelungene Werbeeinlage für dieses Stück über die Gebrüder Grimm. Arrangeur Markus Syperek übernahm für diesen Song die musikalische Leitung. Am übrigen Abend führte Tom van Hasselt die Band an.

Einen Sonderpreis bekam das junge Ensemble von „Meine stille Nacht“, die zum Auftakt der zweiten Hälfte einen berührend-intensiven Rap zum Besten gaben.

Auch die Showacts aus „Drei Männer im Schnee“ (Sigrid Hauser mit „Ich pass mich an“) und „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ (Ensemble mit „Halt sie fest die Geschichte“) machten deutlich, warum die Jury in diesen beiden Produktionen so viele Nominierungen verortete.

Mit vier Preisen (Bestes Musical, Beste Komposition, Beste Liedtexte, Beste Arrangements) wurde der „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ von Thomas Zaufke und Henry Mason seiner Favoritenrolle gerecht.

Bemerkenswert waren an diesem Abend die sehr zielgerichteten Kommentare einiger Laudatoren. Kim Duddy befindet „Choreographien sind der Herzschlag eines Musicals.“ Und Ulla Meinecke betont „Ein guter Text wirkt und bleibt.“

Am deutlichsten wird jedoch Thomas Herrmanns, Laudator für den Preis für das Beste Musical: „Dieser Abend ist gut für die Psyche aller Musicaldarsteller und -kreativen.“ Er formuliert eine klare Kritik an der Stage Entertainment und ihrem rein kommerziellen Ansatz, bei dem die Kunst doch oft zu kurz kommt. Seine Frage „Ist Mark Seibert wirklich die deutsche Antwort auf Richard Gere?“ wird mit Applaus quittiert.

Herrmanns Laudatio steht in krassem Gegensatz zu Gil Mehmerts Lobrede auf Joop van den Ende. Folgt man Mehmert gäbe es Musicals in Deutschland ohne van den Ende gar nicht. Bei aller Kritik, der sich die Stage Entertainment gegenübersieht, wird man das Gefühl nicht los, dass Mehmert seine Rede mit einer rosaroten Brille geschrieben hat. Kritik am System „Stage Entertainment“ oder deren Umgang mit Künstlern und Stoffen sucht man hier vergebens.

Umso schöner ist es, dass die Branche mit diesem – auch außerhalb der Fachpresse wahrgenommenen – Preis sich selbst feiern kann. Und das absolut zurecht! Denn die deutschsprachige Musicallandschaft hat viel zu bieten – das zeigte dieser Abend mehr als deutlich!

Michaela Flint

Theater: Schmidts Tivoli, Hamburg
Verleihung: 7. Oktober 2019
Regie: Craig Simmons
Fotos: Morris Mac Matzen

Alle Nominierten und Gewinner 2019

Bestes Musical
„Supermarkt Ladies“, Just4Fun Entertainment, Das Zelt, Ulster
„Drei Männer im Schnee“, Staatstheater am Gärtnerplatz München
„Der Hase mit den Bernsteinaugen“, Landestheater Linz

Bestes Revival
„Der Ring“, Ludwigs Festspielhaus Füssen
„Mamma Macchiato“, Kammertheater Karlsruhe
„Elternabend“, Theater für Niedersachsen Hildesheim

Beste Komposition
Dean Wilmington, „Der Reigen“, Theater an der Rott, Eggenfelden
Thomas Zaufke, „Der Hase mit den Bernsteinaugen“, Landestheater Linz
Danyal Dhondy, „Malala“, Theater Bielefeld

Bestes Buch
Peter Lund, „Drachenherz“, Die Theater Chemnitz
Henry Mason, „Der Hase mit den Bernsteinaugen“, Landestheater Linz
Nick Westbrock, „Malala“, Theater Bielefeld

Beste Liedtexte
Henry Mason, „Der Hase mit den Bernsteinaugen“, Landestheater Linz
Tom van Hasselt, „Amor läuft Amok – Liebe zu Zeiten des Internets“, Schmidtchen, Hamburg
Franziska Kuropka, „Wir – Familie ist, was man draus macht“, Schmidtchen, Hamburg

Bestes Musikalisches Arrangement
Markus Syperek, „Der Hase mit den Bernsteinaugen“, Landestheater Linz
Matthias Suschke, Frank Nimsgern, Peter Christian Feigel, „Der Mann mit dem Lachen“, Staatsoperette Dresden
Markus Syperek, „Jacob und Wilhelm – Weltenwandler“, Brüder Grimm Festspiele Hanau

Beste Regie
Dominik Flaschka, „Supermarkt Ladies“, Just4Fun Entertainment, Das Zelt, Ulster
Josef E. Köpplinger, „Drei Männer im Schnee“, Staatstheater am Gärtnerplatz, München
Lukas Nimscheck, „Wir – Familie ist, was man draus macht“, Schmidtchen, Hamburg

Beste Choreographie
Jörn-Felix Alt, „Go Trabi Go – Eine musikalische Road-Komödie“, Comödie Dresden
Daniel Morales Perez, „Der Reigen“, Theater an der Rott, Eggenfelden
Adam Cooper, „Drei Männer im Schnee“, Staatstheater am Gärtnerplatz, München

Bestes Bühnenbild
Gerrit von Mettingen, „Der Reigen“, Theater an der Rott, Eggenfelden
Rainer Sinell, „Drei Männer im Schnee“, Staatstheater am Gärtnerplatz, München
Frank Philipp Schlößmann, „Der Name der Rose“, DomStufen-Festspiele, Erfurt

Bestes Kostümbild & bestes Maskenbild
Johanna Ralser, „Wie William Shakespeare wurde“, Next Liberty Kinder- und Jugendtheater, Graz
Dagmar Morell, „Drei Männer im Schnee“, Staatstheater am Gärtnerplatz, München
Uta Loher, Conny Lüders, „Der Mann mit dem Lachen“, Staatsoperette Dresden

Beste Darstellerin in einer Hauptrolle
Anja Pahl, „Go Trabi Go – Eine musikalische Road-Komödie“, Comödie Dresden
Milica Jovanovic, „Meine stille Nacht“, Salzburger Landestheater
Sigrid Hauser, „Drei Männer im Schnee“, Staatstheater am Gärtnerplatz, München

Bester Darsteller in einer Hauptrolle
Armin Kahl, „Drei Männer im Schnee“, Staatstheater am Gärtnerplatz, München
Jannik Harneit, „Der Mann mit dem Lachen“, Staatsoperette Dresden
Jonas Hein / Peter Lewys Preston, „Jacob und Wilhelm – Weltenwandler“, Brüder Grimm Festspiele Hanau

Beste Darstellerin in einer Nebenrolle
Alice Serpi-Wittmer, „Sherlock Holmes Musical“, MOVIN ACT productions, Hamburg
Angelika Mann, „Der Mann mit dem Lachen“, Staatsoperette Dresden
Sandra Pangl, „Elternabend“, Theater für Niedersachsen, Hildesheim

Bester Darsteller in einer Nebenrolle
Sascha Oskar Weis, „Meine stille Nacht“, Salzburger Landestheater
Peter Neustifter, „Drei Männer im Schnee“, Staatstheater am Gärtnerplatz, München
Nico Went, „Mit Herz & Promille – Die Königs von Elbflorenz“, Comödie Dresden