home 2019, Neu Liebe ist nicht immer leicht – das zeigt dieses Zwei-Personen-Stück sehr nachdrücklich

Liebe ist nicht immer leicht – das zeigt dieses Zwei-Personen-Stück sehr nachdrücklich

Jana und Janis kennen sich schon seit der Schule. Aus Freundschaft wurde Liebe, doch man lebte sich auseinander. Jana wollte hinaus in die große weite (Schauspiel-)Welt, Janis ging in seinem Musikerdasein auf. Fünf Jahre nach ihrer Trennung laufen sich die beiden in Hamburg plötzlich völlig unerwartet in die Arme: Jana kommt grad von einem eher missglückten USA-Aufenthalt zurück, der ihrer Schauspielkarriere auf die Sprünge helfen sollte und in der Ehe mit einem narzisstischen Möchtegern-Regisseur endete. Janis ist verlobt, hat nach seiner verebbten Musikkarriere das Restaurant seiner Eltern übernommen und fühlt sich dabei gar nicht so unwohl.

Die beiden spüren aber sofort, dass sie immer noch Gefühle füreinander haben. Sie geben sich der Leidenschaft hin und landen direkt im Bett. Doch plötzlich meldet sich das schlechte Gewissen, beide denken an ihre Partner und ihre eigene gemeinsame Vergangenheit. Warum hat es damals nicht geklappt? Griechisches Charme-Tourette trifft auf deutsche Sturheit – nicht unbedingt die besten Voraussetzungen. Doch die beiden wurden entgegen aller Vorurteile ein Paar in einer leidenschaftlichen Beziehung. Es wurde heiß geliebt, laut gestritten, doch Janis Credo „Wer sich küsst, kann nicht streiten!“ funktionierte sehr oft.

Doch damals stellten sie auch fest „Du und ich, das passt einfach nicht“. Im gemeinsamen Griechenlandurlaub ist Jana nur genervt und gelangweilt, was Janis aber vor lauter Heimatliebe nicht mitbekommt. Als sich für Jana ein Traum erfüllt und sie an der Universität der Künste in Berlin zum Studium zugelassen wird, kann Janis sich nicht mit ihr freuen und wird auf alles und jeden eifersüchtig, mit dem Jana zu tun hat. Folglich geht die Fernbeziehung der beiden – nicht erst nach Janis‘ Seitensprung – endgültig in die Brüche.

Beide führen fortan ihr eigenes Leben und kommen doch nie wirklich voneinander los: Jana verliebt sich in eine Frau, was Janis total überfordert. Doch sie werden Freunde, reden viel – ganz nach dem Motto „Wer braucht schon wahre Liebe?“ Als Janis‘ Vater stirbt ist Jana sofort für ihren Freund da. Sie kommen wieder zusammen, doch der Druck von ihrem Vater und seiner Mutter, endlich zu heiraten, ist groß. Als Janis Jana einen Heiratsantrag macht, sagt sie nein und flüchtet nach Los Angeles.

Was Janis nicht weiß und erst jetzt beim Wiedersehen erfährt ist, dass Jana zu diesem Zeitpunkt schwanger war und vor der Verantwortung geflohen ist, da sie sich noch nicht reif genug für ein Kind fand. Sie versucht, ihr Handeln zu rechtfertigen und bittet Janis um Verzeihung.

Ob Janis Janas Entschuldigung annimmt und die beiden doch wieder ein Paar werden, entscheidet in dieser Show das Publikum. In der besuchten Vorstellung entschideden sich die Zuschauer mehrheitlich für eine gemeinsame Zukunft von Jana und Janis, was wohl auch für alle anderen Shows dieser Spielzeit galt.

Evangelos Sargantzo ist als Janis die Freundlichkeit in Person. Für jeden hat er ein Lächeln übrig, immer hat er ein offenes Ohr. Diese Feinfühligkeit wird besonders bei der Ballade „Papa“ deutlich, in der Janis den Tod seines Vaters betrauert. Dass er auch anders kann, merkt man in den Auseinandersetzungen mit Jana. Hier fliegen die Fetzen und die beiden übertrumpfen sich gegenseitig mit Verletzungen. Sargantzo gelingt der Spagat vom liebenswerten Jungen von nebenan zum verletzten Mann an Janas Seite sehr glaubwürdig. Auch dass er sich in der Rolle, die er für seine (Bühnen-)DSDS-Karriere annehmen musste, nicht wirklich wohl fühlt, nimmt man ihm sofort ab.

Janne Marie Peters ist als Jana herrlich überspannt und sehr egozentrisch. Dass in ihrem Leben überhaupt noch Platz für jemand anderen ist, schwer zu glauben. Doch in den nachdenklichen Momenten wie „Eigentlich“ zeigt sie deutlich ihre Unsicherheit und ihre tiefen Gefühle. Sie kann richtig zickig und eklig sein und muss Janis zurecht um Vergebung bitten. Peters gelingt es, diese Bandbreite an Facetten authentisch über die Rampe zu bringen. Zudem sorgen natürlich ihre leicht verstörenden ‚Penismonologe‘ beim Publikum für besondere Erheiterung.

Sargantzo und Peters ergänzen sich sehr gut und es macht Spaß, ihnen bei der Gestaltung der Hauptfiguren zuzusehen. Eine andere Besetzung mag man sich für dieses Stück kaum vorstellen.

Constanze Behrends hat eine bewegte Liebesgeschichte charmant verpackt. Die Diskussionen der beiden Protagonisten leben vom Wortwitz und auch wenn manche Szenen vorhersehbar sind, ist „Jana & Janis“ sehr kurzweilige Unterhaltung. Die Songs und Texte von Lukas Nimschek und Franziska Kuropka sind abwechslungsreich und reichen von Pop und Schlager bis hin zu traurigen Musicalballaden.

Wieder einmal zeigt die Schmidt Theater Familie, dass es weder große Kulissen (hier sind Szenenwechsel mithilfe von Obstkisten perfekt mit in die Handlung integriert) noch opulente Kompositionen oder ein Starensemble braucht, um das Publikum für sich zu gewinnen und zu unterhalten.

Michaela Flint

Theater: Schmidtchen, Hamburg
Besuchte Vorstellung: 8. Februar 2019
Darsteller: Evangelos Sargantzo, Janne Marie Peters
Regie / Musik: Constanze Behrends / Lukas Nimschek
Fotos: Morris Mac Matzen