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Diese Hit-Show zündet leider so gar nicht

In London sorgt Jim Steinmans Hit-Show mit den Songs von Meat Loaf sein eineinhalb Jahren (mit Unterbrechungen) für ein volles Haus. Seit November 2018 hat auch Deutschland im Metronom Theater in Oberhausen seine eigene Produktion dieses Rock-Musicals, doch schon wenige Wochen nach der Premiere muss man feststellen, dass entweder das Publikum so eine Show nicht sehen möchte oder aber die Ticketpreise seitens der Stage Entertainment einmal mehr zu hoch angesetzt wurden. Denn eine Auslastung von 25-30 % auf einem Samstagabend keine vier Wochen nach der Premiere ist eher traurig.

Dabei hat die Show durchaus Potential, denn ein futuristisches Setting, kantige Charaktere und mehrere parallele Handlungsstränge erlauben es vielen Zuschauern, sich irgendwo im Laufe des Abends mit einer der handelnden Figuren zu identifizieren.

Natürlich erinnern die gegen das Establishment aufbegehrenden „Loser“ sowohl von ihrem Wohnort (einer Art Schrottplatz im U-Bahn-Tunnel-System) als auch vom groben Plot her nicht nur flüchtig an die Rebellen aus „We Will Rock you“. Während aber „WWRY“ seit vielen Jahren stationär bzw. auf Tour sehr erfolgreich ist, wäre ich überrascht, wenn „Bat out of Hell“ eine ähnliche Karriere beschieden ist.

Eine Gemeinsamkeit der beiden Shows ist Alex Melcher: In der Deutschlandpremiere von „WWRY“ begeisterte er als aufmüpfiger Galileo, in „Bat out of Hell“ wechselt er die Seiten und spielt den erfolgbesessenen, rücksichtslosen Falco, der mit seinem Weltunternehmen alle um sich herum unterdrückt. Auch seine Frau und Tochter macht er mit Medikamenten gefügig und / oder hält sie an einer sehr kurzen Leine.

Das was folgt, ist vorhersehbar: Falcos Tochter Raven entdeckt, dass ihre Eltern sie von der realen Welt ferngehalten haben, begehrt dagegen auf, findet einen Weg zu den „Losern“, verliebt sich in deren Anführer Strat, kämpft mit ihm gegen ihren Vater, muss erleben, wie Strat von Falco fast umgebracht wird, aber am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf und es gibt ein Happy End für Raven und Strat. Nebenbei finden auch Ravens Eltern wieder zueinander, die sich im Laufe der Jahre weit auseinandergelebt hatten, und Falco kehrt nach einem beherzten Sprung ins kühle Nass wieder zu seiner Sloane zurück.

Optisch macht die Show richtig viel her. Die cleveren Kulissen (Jon Bausor) und verschiedenen Spielebenen sowie der Einsatz von Feuereffekten, Laser, Video (Finn Ross) und ausgeklügelter Lichttechnik (Patrick Woodroffe) machen viel Spaß.

Jay Steib (Regie) und Emma Portner (Choreographien) machen einen ebenso guten Job wie die Live-Band (Musikalischer Supervisor Michael Reed), aber die Show leidet unter dem schwachen Buch (deutsche Übersetzung: Roland Schimmelpfennig) und den argen Verständnisschwierigkeiten der holländischen Hauptdarsteller, die sich mit den deutschen Songtexten von Frank Ramond sichtlich abmühen. Auch, dass die 16 Tänzer die Choreographien alles andere als synchron und sauber tanzen, trübt das Vergnügen.

Robin Reitsma und April van Amelsvoort geben das junge Liebespaar Strat und Raven. Sie spielen mit einer schönen Energie, sind aggressiv, wenn es passt, und zeigen Gefühle, wo man sie erwartet. Beide haben ihren eigenen Kopf und zeigen auch stimmlich, dass sie nicht ohne Grund die Hautrollen bekommen haben.

Das Elternpaar wird von Alex Melcher und in der besuchten Vorstellung Anna Julia Rogers (ansonsten Willemijn Verkaijk) gespielt. Zwischen den beiden sprühen die Funken – wahlweise vor Verärgerung oder vor Leidenschaft. Sie ergänzen einander gut und ihr intensives Spiel und Gesang begeistern.

Zu erwähnen ist noch Tom van der Ven als Tink, der zwischen seiner Liebe zu Strat, der Eifersucht auf Raven und dem Drang mit den „Großen“ mithalten zu wollen, hin und hergerissen ist. Er spielt sehr nachdrücklich und man hat unweigerlich Mitleid mit ihm.

Was im internationalen Kontext aufgrund der mangelnden Bekanntheit von „Tanz der Vampire“ sicherlich unproblematisch ist, fällt im deutschsprachigen Raum sehr stark ins Gewicht: Mehrfach hat Steinman bei sich selbst geklaut und Stücke wie „Was ist schon dabei“ oder andere Songelemente aus „Tanz der Vampire“ in „Bat out of Hell“ eingebaut. Besonders schräg wird es dann, wenn die Sträflinge zur im Musicalbereich mehr als nur vage bekannten Melodie von „Unstillbare Gier“ anfangen ihr Leid zu klagen. Man hat den eigentlichen Kontext diese Melodie so stark im Kopf, dass sich die neue Szene hierzu einfach nicht fügen möchte.

Was von dieser als „Rock-Spektakel“ beworbenen Show bleibt, ist eine Story, die nur mit viel Mühe funktioniert und Meat Loafs Hits, die – leider auch aufgrund der schlechten Tontechnik – schlichtweg nicht zünden wollen. Das fast leere Theater tut sein Übriges, um erst gar keine Stimmung aufkommen zu lassen. Schade.

Michaela Flint

Theater: Metronom Theater, Oberhausen
Besuchte Vorstellung: 2. Dezember 2018
Darsteller: Robin Reitsma, April van Amelsvoort, Alex Melcher, Anna Julia Rogers, Tom van der Ven
Regie / Musik: Jay Steib / Jim Steinman
Fotos: Specular / Stage Entertainment